23. August 2009

ef 95 Editorial

Hupen für mehr Netto

In Abteilung Strategie und Kampagnen der FDP-Bundesgeschäftsstelle, so sagen gewöhnlich gut unterrichtete Kreise, liest man seit Jahren aufmerksam eine kleine Zeitschrift aus Grevenbroich. Nun wirbt die blaugelbe Partei mit zwei Worten, die deren Leser an dieser Stelle beiläufig schon einmal gehört haben: Mehr netto!

Nicht nur dies. Die FDP-Kampa hat auch gleich eine sehr informative Broschüre zur Steuer- und Abgabenbelastung in Deutschland erstellt – versehen mit hübschen Plakatideen. Da staunen wir nicht schlecht über ein trauriges Strichmännchen am Tankstellen-Zapfhahn unter der Überschrift: „Stoppt den schwarz-roten Tankraub!“ Das neue Guerilla-Marketing gipfelt in einer passenden Aktionsidee: „Hupen für mehr Netto“. Und das geht so: „Inszenieren Sie vor dem Finanzamt oder vor dem Rathaus einen Autocorso für mehr Netto. Die Autofahrer werden durch Plakate mit der Botschaft ‚Hupen Sie, wenn Sie zuviel Steuern zahlen’ aufgefordert, für niedrigere Steuern zu hupen.“

Ehre wem Ehre gebührt: Das hätten sich die Prätorianer der parteiinternen Libertären Plattform nicht besser ausdenken können. Ob es sich bei all dem einmal mehr nur um politische Rhetorik handelt, werden wir nach der Wahl erfahren, wenn sich SPD und FDP von verschiedenen Seiten mehr oder weniger erfolgreich dem Projekt 18 angenähert haben und dann Westerwelle den Steinmeier als Vizekanzler ablöst.

Bereits heute bleibt dem bis Oberkante Unterlippe ausgebeuteten Mittelstand, wie es jüngst ein Leser ausdrückte, „weniger als die Hälfte vom Brutto nach sozialer Einkommenssteuer, sozialer Zwangsversicherung, sozialem Solidaritätszuschlag und sozialer Rentnerspende“. Von diesem Rest kaufen die letzten produktiven Nettosteuerzahler in diesem Land dann „dreifach besteuerte Energie, Konsumgüter und Nahrung, Zwangsfernsehen, allerlei Gebühren und Sonderabgaben auf Eigentum“. Rhetorisch mag die Mannschaft um Guido Westerwelle inzwischen bei „mehr netto“ angekommen sein. Ob sie nach der Wahl, wenn es ernst wird, Taten folgen lässt, darf dennoch bezweifelt werden. Was also tun? Nicht wählen? FDP wählen? Protest wählen? Die Antworten unserer Redakteure in diesem Heft fallen unterschiedlich aus.

In jedem Fall wird es nach der Wahl erst richtig spannend werden, dann wenn den Deutschen die Bilanz der Milliardenhaushaltslöcher, steigende Arbeitslosenzahlen und die Rechnung für die Rettungspakete präsentiert werden. Ihnen, liebe Leser, wünsche ich deshalb zunächst einmal ein entspanntes Wählen oder Nichtwählen. Das Wahlkampfgetöse ist doch nur die Ruhe vor dem Sturm.

Vielleicht haben Sie ja die Möglichkeit, Ende September und Anfang Oktober an den beiden Konferenzen zur Österreichischen Schule der Ökonomie in Wien teilzunehmen, die auf den Seiten 56 und 57 beworben werden. Vergessen Sie bitte bei der Anmeldung nicht zu erwähnen, dass Sie über ef davon erfahren haben. Bei „Go Ahead“ gibt es, da wir Medienpartner des Kongresses sind, für ef-Leser einen Preisnachlass!

Und denken Sie jederzeit daran: Kein Fußbreit allen neosozialistischen Ausbeutern! Mehr netto!

Information

Dieser Artikel erschien zuerst in eigentümlich frei Nr. 95


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von André F. Lichtschlag

Über André F. Lichtschlag

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige