17. August 2009

Kommunalwahlkampf II. Politische Gewalt gegen Kinder

Über ein Plakat der FDP in Mönchengladbach

Plakate bei dieser Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen sind zuweilen besonders skurril. Aber das sind eher die besseren von ihnen. Es geht auch anders, zeigt uns die FDP in Mönchengladbach und plakatiert ein etwa einjähriges Kind mit den beiden Zeilen: „Mama und Papa müssen lange arbeiten! Ich brauche flexible Betreuung!“

Ein solches Plakat hätte man noch vor wenigen Jahren allenfalls den Sozialdemokraten, Grünen oder Linken zugetraut. Die Ewiggestrigen unter ihnen trauerten lange dem Krippenwesen im real existiert habenden Sozialismus nach – inklusive der besonderen „Errungenschaft“ der „Wochenkrippe“, wo Papi oder Mami Sonntag abends oder Montag morgens ihre Kleinsten der staatsbürokratischen Kinderverwahranstalt in die Obhut gaben und Freitag abends oder Samstag morgen ganz flexibel wieder in Empfang nahmen. Die staatliche „Lufthoheit über den Kinderbetten“ ist seit den frühen Tagen von Jean-Jacques Rousseau und Karl Marx fester Bestandteil des linken Programms, das heute auch von der Mönchengladbacher FDP und von der Leyens CDU wie selbstverständlich exekutiert wird. Die persönliche Bilanz von Vordenker Karl Marx ist denn auch beeindruckend. Drei Kinder des dickleibigen Vollbarts starben an Unterernährung. Drei weitere Kinder der roten Ikone der politischen Weltverbesserung begingen Selbstmord. Rousseau war ein noch konsequenterer Sozialist und lieferte seine eigenen fünf Kinder gleich nach der Geburt gegen den Willen der Mutter in einem Heim für Findelkinder ab. Danach schrieb er pädagogische Lehrbücher.

Heute ist solche Form der Kinderliebe in der linksrheinischen FDP angekommen. Und nicht einmal das örtliche Kommunalblatt „Rheinische Post“, ihres Zeichens „Zeitung für Politik und christliche Kultur“, wundert sich, wenn es heißt: „Mama und Papa müssen lange arbeiten!“ Warum „müssen“ sie denn? Und warum „mussten“ sie etwa in den Fünfzigern und noch Mitte der sechziger Jahre nicht? Bei damals wesentlich mehr eigenen Kindern und mit dem Ergebnis, dass die damalige alleinverdienende Elterngeneration der heutigen noch nebenbei Milliarden vererbte? Könnte das alles diesseits einer damals womöglich auch anderen Lebenseinstellung, geprägt von familiärer Selbständigkeit und Eigenverantwortung, an den heute mehr als doppelt so hohen Steuern und Abgaben liegen, die viele Eltern zu zwingen scheinen, nun beide arbeiten gehen zu „müssen“? Und wenn ja, sollte diese sozialistischen Auswüchse eine liberale Partei nicht recht eigentlich zu bekämpfen statt zu plakatieren suchen? Auch in der DDR gaben die Kommunisten durchaus zu, dass ihre „moderne“ Krippenpolitik mit dem Ziel „Mütter in die Produktion“ letztlich mehr noch von der drohenden Pleite ihres unwirtschaftlichen Systems denn ihrer roten Kinderschänder-Ideologie motiviert war. Die junge Mutter Ost musste damals bereits wie heute die Mama West arbeiten, um den Lebensstandard im Endstadium bankrotter Kommandowirtschaftssysteme so weit wie möglich noch zu halten.

Dabei gab es immer schon auch vermögende Eltern, die ihre Kinder beispielsweise teuer und gut erziehen und betreuen ließen. Allerdings suchten sie diese Betreuung verantwortungsbewusst und liebevoll aus und bezahlten aus eigener Tasche, was wiederum im Normalfall eine besonders verantwortungsbewusste, liebevolle und im Sinne des Kindeswohls gestrenge „Nanni“ garantierte. Manche hoch gebildete oder besonders talentierte junge Frau fühlt sich auch alleine in der Mutterrolle unterfordert.

Aber gilt das auch für die Mütter, die bei Aldi und Lidl an der Kasse sitzen? Ist es für sie tatsächlich eine Form der „Selbstverwirklichung“, ihre kleinsten Kinder in die Verwahranstalt zu tragen, um anschließend zum Wohle des Steuer- und Abgabenstaats acht Stunden Gegenstände im Akkord übers Laufband und den Scanner zu ziehen? Die FDP sollte es eigentlich wissen: In unserer neosozialistischen Wirklichkeit zwingen der Sozialstaat und die Enteignung der unteren Mittelschicht diese Verkäuferinnen zu solch brutaler Herzlosigkeit. Die politische Gewalt gegen die Nettosteuerzahler trifft am Ende deren Kinder mit voller Wucht. Ganz zu schweigen von den Kindern der Empfängerseite dieser Machart in den systematisch verwahrlosten und von jeder Verantwortlichkeit befreiten Hartz-IV-„Familien“.

„Ich brauche flexible Betreuung!“, lässt zynisch die FDP in Mönchengladbach das einjährige kleine Kind schreien. Betreut soll es werden von diversen Dienstschichten ebenso flexibel arbeitender Bürokraten. Da lacht das Kinderherz, meinen Mönchengladbacher „Liberale“, und rufen nach dem Mamistaat.

Hundewelpen dürfen laut Tierschutzgesetz in der Hundeverordnung, Paragraph 2, Absatz 4, erst ab der achten Woche von der Mutter getrennt werden. Hundezüchter sind sich darüberhinaus weitgehend einig, dass besser zehn, möglichst zwölf Wochen einzuhalten sind und dass sie danach in intakten Familien besser aufgehoben sind denn im städtischen Tierheim.  Wenn sieben Hundejahre ein Menschenjahr sind, dann wären das zunächst gute anderthalb Jahre...

Das von der Mönchengladbacher FDP zur Schau gestellte Kind wäre in solchen Zeiten vielleicht lieber ein Hund geworden.

Internet

Das FDP-Plakat


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