Chris Vigelius

Jahrgang 1975, selbständig in der IT-Branche.

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„Pussy-Club“: Flatrate für den Wahlkampf

von Chris Vigelius

Menschenwürde und Liberalismus auf schwäbisch

Seit einigen Wochen erregt ein Etablissement der besonderen Art die Gemüter im pietistischen Schwabenland: Der "Pussy-Club" in Fellbach. Dabei handelt es sich um ein sogenanntes Flatrate-Bordell, bei dem neben einem Eintrittspreis zwischen 70 und 100 Euro keine weiteren Kosten für die angebotenen Dienstleistungen zwischenmenschlicher Natur mehr anfallen. Ganz vorne marschiert dabei neben dem Fellbacher Bürgermeister und den "Stuttgarter Nachrichten" ausgerechnet FDP-Justizminister Goll, der findet, dass diese Art der Preisgestaltung "menschenverachtend" sei und "mit allen Mitteln verhindert werden" muss.

Ob es Goll und seinen Mitstreitern von der CDU, unter anderem Sozialministerin Stolz, wirklich um die Menschenwürde geht, darf angesichts der jüngsten Entwicklung jedoch getrost bezweifelt werden. Nach einer Razzia an allen vier Standorten des "Pussy-Clubs" wurden die Betriebe nämlich kurzerhand von der Polizei zugesperrt - 20 dort beschäftigten Frauen rumänischer Herkunft blieb nichts anderes übrig, als die Nacht auf der Straße zu verbringen. Ebenfalls nicht sonderlich feinfühlig erscheint die Durchführung der Polizeiaktion selbst. Mehr als 300 Polizisten riegelten in Fellbach das komplette Gebäude ab, sperrten Freier und Prostituierte stundenlang ohne die Möglichkeit, sich anzukleiden, in engen Räumen ein - entwürdigende Behandlung zum Schutz der Menschenwürde scheint nicht unbedingt für jeden ein offensichtlicher Widerspruch zu sein.

Schon das offizielle Ziel der Durchsuchung wirft einige Fragen auf: "Hinweise auf einen möglichen Sozialversicherungsbetrug" hätte man bekommen, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Doch denen hätte man sicherlich auch mit verhältnismäßigeren Mitteln nachgehen können, zumal der kommerzielle Liebesdienst, wie man auch im Prostitutionsbericht der Bundesregierung nachlesen kann, sowieso praktisch ausschließlich als selbständige Tätigkeit ausgeführt wird - die Segnungen der staatlichen Sozialversicherung sind nicht nur im Rotlichtmilieu offenbar eher wenig gefragt. Da Selbständige aber nun mal nicht sozialversicherungspflichtig sind, stellt sich die Frage, auf welcher Basis der "Pussy-Club" überhaupt die Möglichkeit gehabt haben soll, in nennenswertem Umfang Sozialversicherungsbeiträge zu hinterziehen. Bei allen anderen Bordellbetrieben in ganz Deutschland wurde der Selbständigenstatus von Prostituierten jedenfalls noch nie in Frage gestellt, sondern im Gegensatz sogar eine spezielle Form der Pauschalbesteuerung ("Düsseldorfer Modell") entwickelt. Angesichts dieser Umstände drängt sich einem unbefangenen Beobachter zwangsläufig der Eindruck auf, dass nicht die Klärung sozialversicherungsrechtlicher Fragen im Vordergrund steht, sondern vielmehr eine Nadelstichtaktik betrieben werden soll, die sich gezielt und ausschließlich gegen einen einzelnen Anbieter richtet. Eine solche selektive Rechtsanwendung wäre aber kaum mit rechtsstaatlichen Grundsätzen zu vereinbaren, weswegen die Behörden das natürlich weit von sich weisen. Ob man das nun glauben mag, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

Die Landesregierung jedenfalls kämpft mit Hilfe von Polizei und Staatsanwaltschaft einstweilen weiter ihren heiligen Kampf gegen das ungeliebte Geschäftsmodell mit der Liebe zum Pauschalpreis. Schließlich ist Wahlkampf, und politische Kampagnen mit Polizeiunterstützung haben im Ländle eine gewisse Tradition. Rechtzeitig zur Landtagswahl wurde 2001 sogar schon mal eine komplette Autobahn gesperrt und alle Fahrzeuge aus dem zwischenzeitlich über 30 Kilometer langen Stau peinlichst genau durchsucht. Obwohl sicherheitshalber nur im kleineren badischen Landesteil durchgeführt, brachte die Aktion seinerzeit weder kriminalistisch noch wahlkampftaktisch besonders überzeugende Ergebnisse, weswegen man fünf Jahre später glücklicherweise von einer Neuauflage absah.

Ob die Kampagne gegen Pauschalclubs aus dieser Perspektive wirklich ein besserer Ansatz ist, dürfte sich wohl erst zur Bundestagswahl zeigen. Klar ist dagegen schon jetzt, dass bei derartigen Vorhaben Fakten und Hintergründe eher störend wirken, weswegen man sie lieber komplett ausblendet. Sicher hätte man, der Ausgewogenheit zuliebe, neben der wirklich etwas daneben geratenen, recht aggressiv daherkommenden Werbung des Pussy-Clubs auch noch die tatsächlichen Zustände in dem Etablissement unter die Lupe nehmen können. Etwa durch einen Vor-Ort-Termin, wie vom Betreiber sowie der unabhängigen Prostituiertenorganisation "Donna Carmen" angeboten. Oder durch eine eigene Recherche, wie sie die Regensburger Prostituierte und Aktivistin "Tanja" (und später auch der "Stern") auf eigene Faust durchgeführt haben. In beiden Fällen hätte sich ein weitaus differenzierteres Bild ergeben, das man, wenn man die Mühen und den Kontakt zum Milieu generell scheut, sogar ganz anonym und problemlos im Internet hätte nachlesen können.

Über die Behauptung, das Geschäftsmodell "Pauschalclub" bedeute "Ausbeutung" und "Sklaverei", kann man sich als informierter Beobachter jedenfalls nur wundern. Nach Aussage des Betreibers und verschiedener Quellen, denen bislang von keiner Seite widersprochen wurde, beträgt der Tagesverdienst einer Prostituierten im Pussy-Club zwischen 120 und 200 Euro pro Tag, wobei im Gegensatz zu herkömmlichen Bordellen im Pauschalclub keine Miete für die Nutzung der Räumlichkeiten zu entrichten ist. Nach Adam Riese kann bei einer regulären Anwesenheit von 20 Tagen im Monat so ein garantiertes Einkommen von 2400 bis 4000 Euro (abzüglich Pauschalsteuer von 25 Euro pro Tag) erzielt werden, wogegen in anderen Einrichtungen erst die auf jeden Fall fällige Miete (meist ein Betrag zwischen 50 und 100 Euro, was bei üblichen Tarifen zwei bis vier Kundenkontakten entspricht) abgearbeitet werden muss, bevor überhaupt ein Verdienst anfällt. Das Risiko, nur geringe oder gar keine Einnahmen zu haben, verbleibt in diesem Fall bei der Prostituierten. Die Entscheidung, ob eine Prostituierte dieses Risiko tragen möchte, oder lieber um den Preis eines gegebenenfalls geringer ausfallenden, dafür aber garantierten Einkommens in einem Pauschalclub tätig zu sein, kann man wohl getrost der Prostituierten selbst überlassen, eine "Entscheidungshilfe" von Seiten der Politik braucht sie dafür nicht.

Ebenfalls kaum fundiert erscheint der Vorwurf, die Prostituierten hätten im "Pussy Club" -oder in Pauschalclubs generell- nicht die Möglichkeit, einzelne Kunden oder bestimmte Praktiken abzulehnen. In einschlägigen Foren und Communities sind zahllose Erfahrungsberichte zu finden, in denen sich Freier darüber beklagen, von den anwesenden Damen abgewimmelt oder vertröstet worden zu sein - ganz offensichtlich machen die Mädels von ihrer angeblich nicht vorhandenen Selbstbestimmung reichlich Gebrauch. Was zweifellos zu begrüßen ist, lediglich die Werbung, die von Unbedarften möglicherweise etwas anders interpretiert wird, könnte ein Problem im Sinne des Verbraucherschutzes sein. Darüber allerdings hat sich in Stuttgart bislang noch niemand erregt.

Mehr Glauben schenkt man dort hingegen zweifelhaften Pamphleten aus der "EMMA" sowie politisch bestens vernetzten und mit EU-Mitteln geförderten Organisationen wie "Solwodi", deren Stellungnahmen jedoch weder durch allzu intensive Sachkenntnis noch gar durch Unvoreingenommenheit geprägt sind. Speziell die Organisation der Ordensschwester Lea Ackermann, deren erklärtes Ziel die Abschaffung der Prostitution insgesamt ist, macht keinen Unterschied zwischen freiwilliger Sexarbeit und Zwangsprostitution und fiel in der Vergangenheit schon mehrfach durch abenteuerliche Behauptungen auf. So sollten zur Fußball-WM 2006 angeblich "bis zu 40.000 Zwangsprostituierte" nach Deutschland verbracht werden - lapidarer Kommentar eines namentlich nicht genannten Mitarbeiters der Kriminalpolizei Stuttgart: "Auf die warten wir heute noch". Auch die Zahlen des BKA, dem man sicher keine allzu große Nähe zur Rotlichtwirtschaft nachsagen kann, sprechen eine andere Sprache: Seit Einführung des Prostitutionsgesetzes 2001 sinken die Fallzahlen kontinuierlich, 2006 wurden 642 Opfer von Menschenhandel gezählt - angesichts von ca. 200.000 Prostituierten in Deutschland statistisch ein eher unbedeutendes Phänomen, dessen konsequente Verfolgung gleichwohl im Sinne der Frauen sicher wichtig und unterstützenswert ist.

Nur eben nicht im "Pussy Club", denn dass dort keine Zwangsprostitution stattfindet, ist mittlerweile amtlich: Unter insgesamt 160 kontrollierten Frauen und 270 Männern fand man lediglich einen Verdachtsfall, der sich jedoch nicht erhärten liess. Zusätzlich wurde bei einem Mann übrigens eine geringe Menge Cannabis, bei einem weiteren Viagra gefunden - wohl eher ein Fall für die Doping-Kommission. Weit weniger lustig ist das Schicksal der von der Razzia betroffenen Frauen, die jetzt erstmal ohne Einnahmen dastehen, denn trotz der eher mageren Ergebnisse bleiben die Clubs in Heidelberg und Fellbach bis auf weiteres geschlossen. Offizielle Begründung: Hygienemängel. Genauere Angaben: Fehlanzeige, obwohl die Probleme ja wirklich erheblich sein müssen, wenn ihnen nicht mit der üblichen Vorgehensweise in solchen Fällen (das Gewerbeamt setzt dem Betreiber eine Frist zur Beseitigung und überwacht die Einhaltung der Auflage) abgeholfen werden kann. Noch ein weiterer Punkt auf der Liste der fragwürdigen Umstände, genauso wie die Tatsache, dass sowohl in Heidelberg als auch in Fellbach schon seit Jahren Bordellbetriebe in den jetzt vom Pussy-Club genutzten Räumlichkeiten befanden. Gestört hat das niemanden, aber da war ja auch kein Wahlkampf. Dass der zu einem großen Teil auf dem Rücken der betroffenen Frauen ausgefochten wird, denen trotz EU-Staatsbürgerschaft jetzt sogar die Ausweisung droht, scheint jedenfalls keine der im Landtag vertretenen Parteien zu stören.

Unter deren Vertretern liebäugeln einige stattdessen mehr oder weniger offen mit Zuständen wie in Schweden, das auch von Radikalfeministen und religiösen Fundamentalisten wie "Solwodi" gerne als "Vorbild" angeführt wird. Dort ist seit 2001 zwar das Anbieten sexueller Dienstleistungen straffrei, der Erwerb jedoch verboten. Worüber man nicht so gerne spricht, sind die Folgen dieser Politik: Das Land weist mit 46,5 Vergewaltigungen auf 100.000 Einwohner eine um 460 Prozent(!) höhere Rate an Sexualverbrechen auf als Deutschland und liegt damit an einsamer Spitze in der gesamten EU. Ob das wirklich, wie von schwedischen Behörden behauptet, am "Feier-Verhalten" der Nordeuropäer liegt, darf getrost bezweifelt werden. Wie immer bei prohibitionistischer Gesetzgebung verschwand natürlich auch in Schweden keineswegs die Prostitution. Sie findet nur eben im Dunkelfeld statt, Hauptleidtragende sind Zwangsprostituierte, deren Zuhälter sich wenig überraschend um das neue Verbot ihrer vorher schon strafbaren Tätigkeit wenig scheren, sowie diejenigen Frauen (und Männer), die bislang freiwillig der Prostitution nachgingen und nunmehr ihrer Erwerbsquelle beraubt oder in den Untergrund gezwungen wurden. Kriminelle finden dagegen dank dem Staat ein völlig neues Betätigungsfeld: So wurde bereits mehrfach über Erpressungsversuche durch angebliche Prostituierte (die ja selbst straffrei bleiben) gegenüber Freiern berichtet. In einem besonders schockierenden Fall wurde ein querschnittsgelähmter Rollstuhlfahrer nicht nur um den Preis der vereinbarten Dienstleistung geprellt, sondern musste auch noch hilflos zusehen, wie die "emanzipierte" Dame gleich den kompletten Inhalt seiner Brieftasche, immerhin runde 3000 Euro, an sich nahm. Ob diese Art der "Frauenbewegung" anständigen Menschen beiderlei Geschlechts wirklich förderlich ist, kann wohl getrost bezweifelt werden.

Internet

29. Juli 2009

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Kommentare

Heraklit, am 30. Juli 2009 um 3:00 ( Link )

Danke für den Artikel, bin völlig damit einverstanden.

Menschenrechtsverstösse, um Menschenrechte zu schützen, das kann nur den Herren Palm und Rech einfallen.

Herr Rech will wohl massiv davon ablenken, dass er als Innenminister eher glücklos agiert (Polizeireform mit Abbau von Revieren und Stellen, vorschnelle Folgerungen und Bekanntgaben nach dem Amoklauf)

Man stelle sich mal vor, die Polizei war mit einem Hubsteiger vor dem Bordell in Fellbach, um von dort die Menschen auf dem Balkon zu filmen...

Und wer von den Bürgern ohne Bordellerfahrung weiss schon um die Zusammenhänge der Selbständigkeit? Ich hoffe, dass ein paar Betroffene Freier gegen die Verantwortlichen der Polizei wegen Verstoss gegen § 3 GG vorgehen.

Sven Adam, am 30. Juli 2009 um 8:55 ( Link )

Tja, die Konkurrenz schläft nicht und will sich die Flatrate - aus ihrer Sicht unlauterer Wettbewerb - nicht gefallen lassen.

Also stellt man die besonderen VIP-Vergünstigungen für gewisse Politiker und andere Schalthebelbediener in Frage oder droht gleich mit pikanten Videos, die "irrtümlich" auf Youtube landen könnten.
Angebote also, die kein Politiker und kein leitender Beamter ablehnen kann.

Und schon werden streng selektierte Bordelle aus Gründen geschlossen, die im Artikel von Herrn Vigelius bestens analysiert als fadenscheinig gelten müssen.

Das ist natürlich alles nur Fiktion, es gibt keinerlei konkreten Anhalt für die These, daß organisiert Kriminelle hier Staatsinterventionismus in Gang gesetzt haben könnten. So etwas wäre in Deutschland doch völlig undenkbar ... oder?

Reiner Vogels Fördermitglied, am 30. Juli 2009 um 9:46 ( Link )

Es stimmt schon, dass bei einer rechtlichen Betrachtung auch Gewerbetreibende in derartigen Einrichtungen Anspruch auf korrekte Behandlung seitens der Behörden haben.

Dennoch wohnen in dieser Sache zwei Seelen in meiner Brust: In meinen Augen ist Prostitution an sich abscheulich und eine schlimme Entwürdigung von Menschen, und zwar sowohl eine Entwürdigung der bezahlten Prostituierten als auch eine Selbstentwürdigung und Selbstschändung der "Kunden". Von daher fällt es mir schwer, Mitleid mit den Betroffenen zu haben. Ich finde ihr Verhalten einfach widerlich.

Das ändert natürlich nichts daran, dass ich auch in diesem Milieu für rechtstaatliche Verhältnisse bin. Ich mag den Betroffenen nur nicht einfach die Opferrolle zubilligen.

kfa, am 30. Juli 2009 um 10:56 ( Link )

Herr Vogels, in welcher Weise ist diese "Entwürdigung" anders als bei jeder anderen Form von Arbeit, bei der Sie Ihre Kraft und Zeit gegen Geld verkaufen? Die Wünsche und Bedürfnisse von Menschen sind weitaus vielschichtiger als die Moral ihnen zugestehen mag. Sie haben natürlich das Recht auf Ihre eigene Meinung, solange Sie anderen zugestehen daß sie sich in diesem Fall durchaus nicht "geschändet" fühlen. Es gibt unangenehme Begleiterscheinungen in der Prostitution wie z.B. Erpressung und Menschenhandel, aber der findet in gleicher Form auf unseren Baustellen statt. Wir erwarten von unseren Strafverfolgungsbehörden, daß sie sich auf jene Tatbestände konzentrieren. Wenn Moral und Gesetz bei uns nicht mehr scharf getrennt werden, dann ziehe ich lieber nach Indonesien, wo man sich wenigstens mit einem Bakschisch aus der Affäre ziehen kann. Wollen Sie denn zurück ins Mittelalter, unter die Knute der einen Kirche? Denjenigen, die auf der "richtigen" Seite stehen, würde dies natürlich Befriedigung verschaffen. SELBSTVERSTÄNDLICH sind diese Leute Opfer, wenn sie von einer politisch motivierten, völlig verrückt gewordenen Polizei so brutal aus dem Schatten der Diskretion gerissen werden.

Reiner Vogels Fördermitglied, am 30. Juli 2009 um 11:07 ( Link )

@kfa

Ich habe durchaus geschrieben, dass auch die Menschen in dem besagten Milieu Anspruch auf rechtsstaatlich korrekte Behandlung haben. Ich will keineswegs zurück ins Mittelalter.

Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass Prostitution doch wohl eine vollkommen andere "Arbeit" ist als andere berufliche Tätigkeiten. Wer die Opferrolle hat, wird schnell in der öffentlichen Meinung zum Sympathieträger, und das finde ich im vorliegenden Fall nicht berechtigt.

Horst E. Böttcher, am 30. Juli 2009 um 11:15 ( Link )

Da den Behörden durch das neue Prostitutionsgesetz viele Handlungsmöglichkeiten gegen das Gewerbe genommen wurden, versucht man es auf diese Weise. Flatrate-Sexclubs sind übrigens nichts neues; vor 25 Jahren gab es davon mehrere in Hamburg. "Einmal zahlen, Spass mit allen" lautete die Werbung. Irgendwie hat sich das Flatrate-System doch nicht durchgesetzt, wahrscheinlich weil bei vielen Gästen der Appetit grösser ist als der Magen! Die Schikanen der Behörden sind sehr bedauerlich und haben hoffentlich noch ein gerichtliches Nachspiel!

Neutrino, am 30. Juli 2009 um 13:09 ( Link )

Die Gründe für die massiven Maßnahmen gegen Prostitution liegt wohl eher bei den Feministinnen.
Einerseits sind sie neidisch dass sie mit ihrem emanzipierten Leben immer noch im Schnitt viel weniger verdienen als eine durchschnittliche Prostituierte.
Andererseits suchen viele von ihnen als staatliche Leistungsempfänger (Frauenhäuser, Frauenbeauftragte, etc.) immer mehr staatliche Förderung. Da muss natürlich ein Feindbild her und gelegentliche „Erfolge“ erhalten den Geldfluss.
Die Prostitution ist perfekt geeignet, die Opferrolle der Frau und Täterrolle des Mannes aufrechtzuerhalten und den Feminismus in ihrer Berechtigung zu erhalten. Schließlich werden sie von Zuhältern geschlagen und ausgebeutet und von Freiern missbraucht. Immer. Das ist doch allgemein bekannt.
So ein Weltbild kann man sich doch nicht von Fakten stören lassen! Ohne so ein klares Weltbild könnte man schließlich auf den Gedanken kommen, dass Frauenbeauftragte gar nicht mehr nötig sind, in Anbetracht dessen, dass Frauen statistisch gesehen bessere Bildung haben als Männer und per Gesetz bei Einstellung und Bezahlung Männern gegenüber den Vorzug genießen.

chrisv, am 30. Juli 2009 um 13:15 ( Link )

@Sven Adam: Ausschließen kann man es natürlich nie, aber gegen die These, die Konkurrenz hätte hierfür den Anstoß gegeben, spricht meines Erachtens, dass die selbst viel zu viel zu verlieren hat, wenn das Thema ProstG bei den derzeitigen politischen Kräfteverhältnissen wieder aufgerollt wird.

Meine ganz persönliche Einschätzung ist, dass wirklich die Werbung den Ausschlag gegeben hat. Da wurden massenhaft Flyer verteilt, mit großen Anzeigen in Zeitungen geworben usw. usf. - so was kann man vielleicht in Berlin machen, im Südwesten ist die Mentalität aber etwas anders und da stößt es -vorsichtig formuliert- nicht unbedingt auf Gegenliebe, wenn man die Leute auf diese Art und Weise "zwangsweise" mit dem Thema konfrontiert. Man mag darin durchaus zu Recht eine gewisse Doppelmoral erkennen, Fakt ist aber dass das, was man vielleicht als "öffentliche Ordnung" bezeichen könnte, im Land der Kehrwoche eine deutlich andere Wertigkeit hat als vielleicht anderswo, da prallen dann schon Welten aufeinander wenn dort auf einmal leicht bekleidete Damen "am hellichde dag" Zettel verteilen auf denen für "Sex mit allen Extras: Oralsex (natur), Analsex, Gruppensex, SM Light, Gangbang" (Originaltext) geworben wird. Ich kann mir gut vorstellen dass der Betreiber, hätte er diesbezüglich ein wenig mehr Feingefühl an den Tag gelegt, den ganzen Ärger hätte vermeiden können, was natürlich nichts daran ändert dass die beschriebene Vorgehensweise der Behörden so keinesfalls akzeptabel ist.

Oceans911, am 30. Juli 2009 um 19:08 ( Link )

Gibt es eine schlüssige Begründung für die Argumentation, dass die Flatrate "menschenverachtend" ist, die "normale Preisgestaltung" (=Abrechnung pro Kunde pro Einzelakt) dagegen nicht? Welchen Unterschied macht die Entgeltvereinbarung, wenn der angebliche Verstoß gegen die Menschenwürde doch immer in der Bereitstellung von sexuellen Diensten gegen Entgelt besteht?

Dass der Kunde durch die Flatrate zur "unbegrenzten" Inanspruchnahme animiert wird, kann keine Rolle spielen, denn wenn ich einen Verstoß darin sehe, ist es völlig egal, ob der Verkehr einmal oder zehnmal geschieht.

Ernst-Gottlieb von Emhofen, am 30. Juli 2009 um 19:56 ( Link )

Herr Böttcher:

wahrscheinlich weil bei vielen Gästen der Appetit grösser ist als der Magen!
Sehr elegante Metapher ;)

Al_Bore, am 31. Juli 2009 um 20:51 ( Link )

Ein sehr guter Artikel. Zum Aspekt Sozialversicherung: "Da Selbständige aber nun mal nicht sozialversicherungspflichtig sind..." Schon das allein wird in unserem real wachsenden Sozialismus von vielen Hirngewaschenen als Betrug empfunden. Das dürfte bei dieser nicht mal so anderen Art der Wahlkampfveranstaltung auch eine Rolle gespielt haben.

Noch ein Vorschlag an Herrn Vigelius: Sie sind bestimmt den meisten Lesern hier auch unter Ihrem Alias chrisv bekannt. Da Sie erfreulicherweise bei Ihren eigenen Artikeln regelmäßig an der Leserdiskussion teilnehmen, könnte es für seltenere Gäste hilfreich sein, auch bei den Diskussionsbeiträgen den unter Ihren Artikeln veröffentlichten vollen Namen zu finden.


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