27. Juli 2009

Weltraumfahrt Kein Grund für Staatstätigkeit

Antwort auf Kommentare zum Mondfahrtartikel von letzter Woche

Wenn jemand als teuren Tand darstellt, was andere als Ikone betrachten, gibt es natürlich Gegenwind. So auch in der vergangenen Woche, als der Autor dieser Zeilen die erste bemannte Mondlandung als „Feuerwerk zu Ehren der Staatsmacht“ bezeichnete, das den Aufwand nicht lohnte. Im Folgenden wird auf die seit dem aufgeworfenen Gegenargumente eingegangen – wobei die nebenbei ablaufende Diskussion darum, ob die Mondlandung tatsächlich stattgefunden hat, hier ausgeblendet wird, weil sie für das Argument irrelevant ist: Die Steuergelder sind so oder so ausgegeben worden. Nur damit es klar ist: Der Autor dieser Zeilen ist der Überzeugung, dass Neil Armstrong und Edwin Aldrin tatsächlich im Juli 1969 auf dem Mond waren. Er ist aber nicht überzeugt, dass ihre Reise vom Steuerzahler finanziert werden musste.

Auch Columbus war staatlich finanziert, argumentierte dagegen Horst E. Böttcher in einem Kommentar. Das ist zwar faktisch, aber deswegen nicht moralisch richtig. Um wie viel friedlicher übrigens wäre die Besiedlung durch Europäer und wirtschaftliche Entwicklung Amerikas verlaufen, hätte sich der Staat nicht eingemischt? Das vorläufige Endergebnis dieser Entwicklung ist das amerikanische Imperium. Neben der Entdeckung Amerikas führt Böttcher auch noch das europäische Porzellan und den Deichbau in Holland auf, die es ohne den Staat angeblich nicht gegeben hätte. „Ohne die Mondmission hätte es auch keine Satelliten gegeben“, ergänzt neutrino. Und Kaengo krönt die Gegenargumente mit der – im Prinzip richtigen – Feststellung, ohne bemannte Raumfahrt zum Mond, zu den Planeten und anderen Sonnensystemen werde die Menschheit nicht überleben. Keiner von ihnen kann aber schlüssig darstellen, dass es die Raumfahrt ohne den Staat nicht gäbe.

Die Argumentation, dass wir ohne Staat dieses oder jenes nicht hätten, ist die selbe Grundlage, auf der die Klimahysteriker arbeiten. Auch die wollen ja nur die Menschheit retten. Die Frage, die von solch messianisch bewegten Menschheitserettern nie beantwortet wird, ist die folgende: Was sind die Kosten dieser angeblichen Weltrettung? Sie kommen nicht einmal auf den Gedanken, dass es diese Frage gäbe. Sie zu stellen wäre Blasphemie.

In der Geschichte gibt es reichlich Beispiele dafür, dass Privatleute, entweder als einzelne Tüftler oder in Privatunternehmen, auch ohne Staatshilfe Geräte bis zur Marktreife entwickeln – wenn die Zeit dafür reif ist. Das heißt: Wenn der in Geldeinheiten spürbare Bedarf da ist. Das wiederum heißt: Wenn bei einem ausreichend großen Teil der Konsumenten andere, auf der Maslowschen Bedürfnispyramide niedriger angesiedelte Bedürfnisse befriedigt sind. Staatliche Forschung und Entwicklung bedeutet immer, dass irgendwer nicht die Geduld aufbringen kann, den Zeitpunkt abzuwarten, bis die tumben Konsumenten auf der gleichen Bewusstseinsstufe sind wie er. Und dass er sich, meist angetrieben durch irgendein messianisches Bewusstsein, berechtigt fühlt, die Konsumenten mit Hilfe des Staates zu bestehlen, um ihnen ein Produkt aufzudrücken, deren Notwendigkeit für sich sie zu doof sind selber zu erkennen.

Interessanterweise wird von den Unterstützern staatlicher Forschung und Entwicklung nie das Flugzeug erwähnt. Oder das Automobil. Oder die Eisenbahn. Oder die Glühlampe. Keiner von ihnen sagt, was hier zutrifft: Ohne Privatunternehmen hätte es diese Erfindungen nie gegeben. Das einzige, was dem Staat bei der Forschung und Entwicklung gelingen kann, ist die Beschleunigung der Entwicklung eines bestimmten, ihm nützlich erscheinenden Geräts, in eine bestimmte, ihm genehme Richtung – auf Kosten anderer Entwicklungen und Richtungen, die sich auf dem freien Markt zuerst durchgesetzt hätten. Auch die Raketentechnik begann als Hobby privater Bastler wie Wernher von Braun und Robert H. Goddard. Beide dienten sich dem Staat an. Kein Wunder: Seit dem Ersten Weltkrieg war und ist hier und nur hier das wirklich große Geld zu finden.

In einer ähnlichen Diskussion zu einem anderen Artikel auf diesen Seiten wurde einmal der Fernseher erwähnt, den es ohne den Staat nicht gäbe. Möglicherweise – aber was sagt uns das? Doch nur, dass es – zumindest anfangs – keinen wirklichen Bedarf für dieses Gerät gab und dass nur der Staat ein Interesse daran hatte, diese hypnotisierende, verdummende Propagandakiste zu verbreiten. Ohne den Staat hätten wir womöglich gleich den Sprung vom Radio zum World Wide Web geschafft – auch das ein Produkt, dessen Zeit aufgrund der Entwicklung des PC gekommen war und dessen Erfinder nur zufällig ein Staatsangestellter war.

Es stimmt, dass es bis heute kein privates Unternehmen gibt, das den Transport von Nutzlast in den Weltraum anbietet. Aber auch das ist kein Wunder, denn hier hat sich ziemlich schnell, aus militärischen Gründen, der Staat breitgemacht – und auf die ohnehin hohen technischen Zugangsbarrieren noch eine institutionelle draufgesattelt. Das heißt aber nicht, dass es solche Unternehmen nicht gäbe, würde sich der Staat aus diesem Feld zurückziehen. Wegen der hohen Kapitalvorleistungs- und Betriebskosten gäbe es vielleicht nur zwei oder drei Anbieter weltweit, wie etwa auf dem Prozessormarkt. Ob solche Unternehmen langfristig erfolgreich wären, hinge davon ab, ob Konsumenten bereit wären, die wahren Kosten der Raumfahrt direkt zu bezahlen – zum Beispiel durch höhere Telefonkosten aufgrund der nun vollständig privaten Kosten des Transports eines Kommunikationssatelliten in eine Erdumlaufbahn. Mit letzter Bestimmtneit kann man das nicht sagen, jedoch so viel: Die Wahrscheinlichkeit für eine erhöhte Zahlbereitschaft steigt in dem Maße, wie die Steuerlast zurückgeht, wenn der Staat sich aus Bereichen zurückzieht, wo er nicht gebraucht wird.

Die Entwicklung der Raumfahrt hätte ohne den Staat wohl einige Jahre länger gedauert als mit dem Staat. Aber gekommen wäre sie über kurz oder lang auf jeden Fall. Nicht die staatlich bezahlte Mondfahrt war dafür entscheidend, sondern allein die Anwesenheit des Mondes. Ohne ihn hätten wir lange Zeit keine Vorstellung davon gehabt, dass die anderen Lichtpunkte am Nachthimmel andere, bewohnbare Welten sein könnten. Ohne ihn hätten wir nicht diesen relativ leicht erreichbaren Trittstein ins Weltall. Ohne ihn hätten Goddard, von Braun und ihre theoretischen Vordenker womöglich nie genug Inspiration und visionäre Kraft gehabt, um die Raumfahrt, geschweige denn die bemannte, überhaupt in Erwägung zu ziehen. Aber die Behauptung, die Raumfahrt gäbe es nicht, wenn der Staat diese Leistung nicht anböte, entbehrt jeder Grundlage.

Internet:

ef-online: Mondlandung vor 40 Jahren - Ein großes Feuerwerk zu Ehren der Staatsmacht


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