Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Die Krise ist vorbei: Oder etwa doch nicht?

von Andreas Tögel

Über die beschleunigte Fahrt in den Abgrund

25. Juli 2009

Das berühmte Zitat, wonach der „Wunsch der Vater des Gedankens“ wäre, das William Shakespeare seinem König Heinrich IV. in den Mund legte, beschreibt exakt die derzeit veröffentlichte Meinung zum Thema Wirtschaftskrise. Tenor der Meldungen seit dem zurückliegenden G-8-Gipfel, auf dem interessanterweise über alles Mögliche, nur nicht über die aktuelle Weltwirtschaftskrise philosophiert wurde: Alles wird (oder ist) wieder gut! Zwar trifft man auch im Meinungsmainstream gelegentlich auf hellsichtige Darlegungen, etwa einen in der Wiener „Presse“ veröffentlichten Gastkommentar aus der Feder des Chefs der Erste-Bank (die größte Bank unter österreichischer Kontrolle), Andreas Treichl, der auf die Theorie der „Austrian Economy“ rekurriert und keineswegs euphorisch klingt, die Masse der Kommentatoren aber sieht bereits wieder Licht am Ende des Tunnels.

Der seltsam anmutende, kollektive Optimismus wird zu einer Zeit versprüht, da die Krise bei der großen Mehrheit der Bürger noch nicht einmal angekommen ist. Denn nur verhältnismäßig wenige haben bislang ihre Arbeitsplätze verloren oder sind auf Kurzarbeit. Die „Krise“ scheint fern oder sich nur in Medienberichten abzuspielen. Doch der Kahlschlag in der „Realwirtschaft“ steht bevor! Tausende Stellen – insbesondere in der Industrie und im Gewerbe – werden einfach verschwinden. Die Beispiele Opel, Quelle oder – in Kakanien – die staatliche Luftlinie AUA, sind als Menetekel zu verstehen.

Die Rohstoffpreise – namentlich der Preis für Erdöl – steigen dramatisch, obwohl selbst der schlichteste „Spekulant“ genau weiß, dass die Nachfrage krisenbedingt nachhaltig und voraussichtlich für Jahre zurückgehen wird. Da aber „Spekulanten“ keine Feinde ihres eigenen Geldes sind, ist dieses Faktum auch ohne besonders ausgeprägten Hang zu apokalyptischen Szenarien als Folge des Ausstiegs großer Anleger aus dem Fiat-Money, namentlich aus dem Dollar, zu interpretieren. Der Abverkauf mutmaßlich bald wertlosen Papiergelds aber ist, wie die Geschichte lehrt, alles andere als ein Heilssignal.

Die Staatseinnahmen aus Einkommens- und Körperschaftssteuern befinden sich im Sturzflug – und das bei drastisch steigendem Aufwand für die Arbeitslosen. Die Folgen für die öffentlichen Budgets bis hin zum möglichen Staatsbankrott liegen auf der Hand. Wer in einer solchen Zeit von einem bevorstehenden Ende der Krise phantasiert, liefert damit entweder den Nachweis der völligen Ahnungslosigkeit (eher unwahrscheinlich!) oder aber zeigt, dass die in den Redaktionsstuben versammelten Gesundjammerer ebenso mit der hohen Politik unter einer Decke stecken wie diese mit der Finanzwirtschaft.

Wie die Vertreter der „Austrian Economy“ (die als einzige schon seit Jahren vor den katastrophalen Langzeitfolgen einer inflationistischen Geldpolitik warnen) nicht müde werden zu betonen, kann eine strukturelle Krise durch monetäre Maßnahmen (und beinahe nichts anderes wurde von den Regierungen rund um den Globus bisher getan) nicht bekämpft werden, zumindest nicht mit Aussicht auf Erfolg. Denn strukturelle Probleme müssen an der Wurzel bekämpft werden und nicht mit Symptomtherapie.

Das allerdings ist nicht schmerzfrei zu bewerkstelligen und daher im Arsenal der gelernten Politiker, deren ganzes Sinnen und Trachten dem nächsten Wahlergebnis gilt, und die daher ausschließlich auf das Verteilen von Wohltaten programmiert sind, nicht vorgesehen.

Beispiel: Steuergelder in Milliardenhöhe in die Konservierung von Überkapazitäten im Automobilsektor zu „investieren“, sei es mittels direkter Zuwendungen oder durch Werte vernichtende „Verschrottungsprämien“ (eine Paradebeispiel für die von Frédéric Bastiat beschriebene „Broken-windows-fallacy“), ist geradezu frivol, wenn es sich dabei um Mittel handelt, die erst von der nachwachsenden Generation erwirtschaftet werden müssen, das heißt mittels neuer Schulden. Derartige „Investitionen“ entpuppen sich bei näherer Betrachtung als purer Konsumaufwand – und was konsumiert ist, ist schlicht und ergreifend verloren. Millionen (viele davon haben noch nicht einmal das Licht dieser Welt erblickt) von an der jahrelangen Misswirtschaft eines Autobauers unbeteiligten Menschen dafür bluten zu lassen, dass ein paar tausend Arbeiter weiterhin Fahrzeuge produzieren dürfen, nach denen keine Nachfrage besteht, ist genauso sinnvoll wie Milchbauern von Staats wegen (oder von Gnaden der EUdSSR-Bürokratie) dazu zu animieren, weiterhin nicht oder in zu geringem Maße nachgefragte Milchprodukte herzustellen – um zukünftig noch mehr Milchpulver einlagern oder nach Übersee verschleudern zu müssen.

Fazit: sobald die Politik sich in die Wirtschaft einmischt, beginnt das Verhängnis. Der Untergang eines maroden Autobauers, Backwarenerzeugers oder Landwirtes ist nämlich keineswegs Symptom des „Marktversagens“, wie uns Politiker und beamtete Nationalökonomen weiszumachen trachten, sondern das genaue Gegenteil davon. Jene Anbieter, welche die gegenwärtigen und künftigen Bedürfnisse der Konsumenten richtig einschätzen, verfügen über volle Auftragsbücher. Jene, die sich verkalkulieren, bekommen Schwierigkeiten, die bis zum Ruin des Unternehmens führen können. Die Konsumenten – sie ganz alleine – haben das Recht, über Wohl und Wehe der Produzenten zu entscheiden. Politische „Rettungseingriffe“ zur Verhinderung von Firmenpleiten bedeuten somit eine flagrante Missachtung des Urteils des Souveräns. Dass die Misswirtschaft einzelner Produzenten unter anderem mit jenen Steuergeldern honoriert wird, die man deren tüchtigeren Konkurrenten abpresst, fügt dem Unrecht den Hohn noch hinzu.

Nicht die oft beschworene „Kreditklemme“ ist das derzeit größte Problem (das man mit dem Drucken von Unmengen Papiergelds ohnehin nicht zu lösen imstande ist), sondern schlicht ein Mangel an Kapital! Kapital aber kann nur durch Sparen (Konsumverzicht) gebildet werden und auf keine andere Weise! Nach rund 70 Jahren rund um den Erdball grassierenden Keynesianismus ist diese Einsicht heute – leider nicht nur im Bewusstsein der politischen Klasse – völlig verschüttet.

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