09. Juli 2009

Der letzte Ministerpräsident und die Krise „Wie beim Ende der DDR“

Lothar de Maizière hat ein bekanntes Gefühl

Der letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, hat die internationale Wirtschaftskrise mit dem Ende der DDR verglichen. Dies meldet heute die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“. Für viele Westdeutsche handle es sich um eine Krise im System, viele Ostdeutsche empfänden die Finanzkrise dagegen als Krise des Systems, so de Maizière. „Wir haben das Gefühl, das fühlt sich ganz ähnlich an wie das, was wir schon einmal erlebt haben.“

De Maizières CDU-Parteifreundin, die ehemalige Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld, fühlt dasselbe. Sie publiziert täglich auf der „Achse des Guten“ ein Doppeltagebuch 1989/2009. Die Fieberkurve steigt. Am 7. Oktober 1989 feierte die sozialistische Nomenklatura den 40. Jahrestag der DDR – den letzten Geburtstag der altsozialistischen Republik. Am 9. November öffnete sich die Mauer. Am 27. September 2009 ist Bundestagswahl, das vielleicht letzte Hochamt der neosozialistischen Bundesrepublik, wie wir sie kennen. Danach folgt denkbar der Offenbarungseid.

Erich Honecker flog ins Exil nach Chile, Erich Mielke wurde nach seiner Abschiedsrede in der Volkskammer – „Ich liebe – ich liebe doch alle – alle Menschen – na ich liebe doch – ich setzte mich doch dafür ein“ – erst in Hohenschönhausen und dann in Moabit eingewiesen, de Maizière und Lengsfeld in selbige zur Abwicklung gewählt.

Die Zukunft von Angela Merkel und Peer Steinbrück ist ungewiss. Die Schweiz wird eher kein Asyl gewähren. Vielleicht hat Lothar de Maizière einen guten Tipp für beide. Vera Lengsfeld wird womöglich dann wieder als Bundestagsabgeordnete von den Abschiedsreden berichten.

Eine Alternative zu diesem Szenario fand ebenfalls vor 20 Jahren statt. In China.


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