André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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Der letzte Ministerpräsident und die Krise: „Wie beim Ende der DDR“

von André F. Lichtschlag

Lothar de Maizière hat ein bekanntes Gefühl

Der letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, hat die internationale Wirtschaftskrise mit dem Ende der DDR verglichen. Dies meldet heute die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“. Für viele Westdeutsche handle es sich um eine Krise im System, viele Ostdeutsche empfänden die Finanzkrise dagegen als Krise des Systems, so de Maizière. „Wir haben das Gefühl, das fühlt sich ganz ähnlich an wie das, was wir schon einmal erlebt haben.“

De Maizières CDU-Parteifreundin, die ehemalige Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld, fühlt dasselbe. Sie publiziert täglich auf der „Achse des Guten“ ein Doppeltagebuch 1989/2009. Die Fieberkurve steigt. Am 7. Oktober 1989 feierte die sozialistische Nomenklatura den 40. Jahrestag der DDR – den letzten Geburtstag der altsozialistischen Republik. Am 9. November öffnete sich die Mauer. Am 27. September 2009 ist Bundestagswahl, das vielleicht letzte Hochamt der neosozialistischen Bundesrepublik, wie wir sie kennen. Danach folgt denkbar der Offenbarungseid.

Erich Honecker flog ins Exil nach Chile, Erich Mielke wurde nach seiner Abschiedsrede in der Volkskammer – „Ich liebe – ich liebe doch alle – alle Menschen – na ich liebe doch – ich setzte mich doch dafür ein“ – erst in Hohenschönhausen und dann in Moabit eingewiesen, de Maizière und Lengsfeld in selbige zur Abwicklung gewählt.

Die Zukunft von Angela Merkel und Peer Steinbrück ist ungewiss. Die Schweiz wird eher kein Asyl gewähren. Vielleicht hat Lothar de Maizière einen guten Tipp für beide. Vera Lengsfeld wird womöglich dann wieder als Bundestagsabgeordnete von den Abschiedsreden berichten.

Eine Alternative zu diesem Szenario fand ebenfalls vor 20 Jahren statt. In China.

09. Juli 2009

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Kommentare

Frank Martin, am 09. Juli 2009 um 11:20 ( Link )

Ich denke schon, daß ein Schweizer die Größe hätte, Steinbrück und Merkel Asyl zu gewähren. Und für immer neue Gipfel wäre auch gesorgt...

Urs Bleiker, am 09. Juli 2009 um 11:43 ( Link )

Nehmen wir an, Peer Steinbrück bekäme hierzulande Asyl - was wäre für ihn gewonnen? Ein angenehmes Leben könnte der hier nicht führen!

TrebMelsa Fördermitglied, am 09. Juli 2009 um 12:51 ( Link )

Lieber Herr Lichtschlag!

Der Sohn von Felix Somary schreibt im Vorwort der Erinnerungen seines Vaters, dass sein Vater ihm (dem Sohn) sozusagen auf dem Sterbebett gesagt habe, dass er (der Sohn) noch das Ende des real existierenden Sozialismus - des Sowjetsystems - erleben würde. Doch nur einen Zeitenschlag später, würde auch der praktisch existierende Kapitalismus - so wie wir ihn kennen - untergehen.

Gary North schrieb im Februar d. J. (auch hier auf ef-online nachzulesen), dass die Finanzkrise, das Ende der faschistischen Ära des staatlich gelenkten Kapitalismus sei - > in West und Ost.

Nun schreiben Sie, dass Lothar de Maizière und Vera Lengsfeld (beide hatten den Untergang der DDR hautnah erlebt) seit Beginn der Finanzkrise ein Gefühl mit Blick auf die Bundesrepublik haben, welches ihren Gefühlen damaligen Gefühlen beim Untergang der DDR ähnelt.

Drei ähnliche Aussagen.

Bleibt nur zu hoffen, dass nach Untergang des staatlich gelenkten Kapitalismus etwas BESSERES kommt.

karen meiser, am 09. Juli 2009 um 13:07 ( Link )

Die einen sind optimistisch: Was 60 Jahre lang gutging, wird noch mindestens 940 Jahre halten. Andere resignieren, decken sich mit Konserven, Waffen und Goldbarren ein und warten auf den bereinigenden Krieg oder totalen Finanzkollaps. Die Armen versuchen an Alimentierungsleistungen mitzunehmen, was noch geht. Die Besitzenden, Fleißigen und Erfolgreichen packen vorsorglich ihre Koffer oder sind bereits geflüchtet, so wie dereinst aus der DDR.

Carl, am 09. Juli 2009 um 14:32 ( Link )

Solange wir noch Kredit bekommen, wird das Ende, welches einem zugegebenermaßen immer unausweichlicher erscheint, weiter auf den St. Nimmerleinstag verschoben. Ich würde meinen, daß, solange die USA und GB noch Kredit haben, wir uns gar keine Sorgen machen müssen.

vonclausewitz, am 09. Juli 2009 um 17:34 ( Link )

Ja, wir hätten da für den Peer ein nettes Plätzchen im Bärengraben reserviert.

Querdenker, am 09. Juli 2009 um 19:45 ( Link )

Solange der Dollar noch als Weltwährung existiert, wird Frau Lengsfeld weiter Tagebuch schreiben müssen.
Frau Lengsfeld führt ja nun auch in Moskau ihre Buchbesprechungen durch, um am Puls der Zeit zu bleiben.
Unser Joschka macht das lieber an amerikanischen Universitäten.

So unterschiedlich sind die internen Prognosen.

bernardo, am 09. Juli 2009 um 20:05 ( Link )

Lothar, die Misere...

schon mal durch die deutschen Innenstädte gefahren, Fluchtbewegungen beobachtet, Gebete, Demonstrationen oder so, Bereitschaft, als Politischer ins Gefängnis zu gehen?

lange nicht mehr in der DDR gewesen, was?

Horst E. Böttcher, am 09. Juli 2009 um 20:28 ( Link )

Jetzt bin ich eigentlich beruhigt über die Zukunft der Bundesrepublik! Soviel Totengesänge; bekanntlich leben Totgesagte länger!

Wir erleben keinen System-Untergang, sondern nur ein Zurechtrücken der Parameter. Vom radikal-liberalen Kapitalismus zurück zur Sozialen Marktwirtschaft. Das tut etwas weh, wird uns allen aber letzten Endes gut bekommen.

Veritas, am 09. Juli 2009 um 20:50 ( Link )

@Horst E.Böttcher

Zur einer Sozialen Marktwirtschaft Erhard'scher Prägung kämen wir durch Steuersenkungen, Wiederherstellung der Vertragsfreiheit sowie Abschaffung der staatlichen Sozialversicherung.

Auf dem Weg, allerdings, befingen wir uns nicht...

Veritas, am 09. Juli 2009 um 22:47 ( Link )

Und noch was: nämlich Ende der Umverteilung, egal ob von unten nach oben oder oben nach unten.

Irgendwie habe ich das Gefühl, Sie agieren als agent provocateur, als tatsächlicher Sozialdemokrat könnte man es doch sonst hier gar nicht so lange aushalten.

Al_Bore, am 09. Juli 2009 um 23:11 ( Link )

@Veritas

Den Eindruck habe ich schon länger. Wer so ausdauernd wider die Wirklichkeit gute Laune herbeischreiben will, kann nur gekauft sein. Oder anderweitig irgendwie unterfodert. Wobei ich eher Jubelpersertum als Provokation am Werk sehe.

Urs Bleiker, am 10. Juli 2009 um 9:43 ( Link )

"Ja, wir hätten da für den Peer ein nettes Plätzchen im Bärengraben reserviert."

vonclausewitz, Ihre Stellungnahme schrammt haarscharf an der Grenze zum Aufruf zur Tierquälerei vorbei...... :-)

Horst E. Böttcher, am 10. Juli 2009 um 10:23 ( Link )

@Veritas
Erhard hatte nichts gegen die Sozialversicherung generell, er hätte nur manches anders organisiert.

Was meine Rolle als Provokateur anbetrifft, ich habe gewiss eine andere Vorstellung von Liberalität. Mir geht es in erster Linie um persönliche Frreiheit wozu z.B. auch Freiheit von den Regeln der Kirchen gilt.
Ansonsten sehe ich den Staat als Provider von Dienst-leistungen wie z.B. die Sozialversicherung und anderes. In dem Artikel ging es um eine Untergangs-stimmung für die BRD. Da will sich ein Alt-Politiker wieder wichtig machen. Ich habe in meinem Leben schon viele Untergangsszenarien gehört, dass ich darüber eher schmunzeln muss.

TrebMelsa Fördermitglied, am 10. Juli 2009 um 10:53 ( Link )

@ Horst E. Böttcher

Lieber Herr Bötcher,
stimmt, in den vergangenen Jahrhunderten hat die Welt viele Untergangspropheten erlebt.
Nur glaube ich nicht, dass sich hier nur ein Alt-Politiker wichtig macht. In meinem Bekanntenkreis kommen auch einige Leute aus der Ex-DDR, diese Bekannten haben seit letzten Herbst ähnliche Gefühle, wie im Artikel beschrieben. Bestätigen also den Alt-Politiker.

Goldelse, am 10. Juli 2009 um 11:32 ( Link )

Auch ich habe ein dumpfes Gefühl des Untergangs, denn so geht das nicht weiter. De Misere wird schon wissen, wovon er spricht, seine Familie, Kasners und noch einige haben schon immer eine Rolle bei den Geheimdiensten gespielt, nun hat er die Aufgabe, das dumpfe Volk vorzubereiten. Ich bin mir ganz sicher, dass wir einen heißen Herbst bekommen, was geschieht, weiß ich nicht, aber es wird etwas geschehen, ob nun die letzte Etappe in die Neue Weltordnung, was unser ziviler Untergang wäre, oder es wird die Reißleine gezogen, die großen Konzerne zerschlagen, die EU aufgelöst, die Sozialsysteme von ausländischen Schmarotzern befreit, uns die Möglichkeit der Schaffung einer eigenen Verfassung gegeben, ich weiß es nicht, aber das Gefühl ist da. Außerdem lieben die dunklen Mächte volle Jahrestage...

Haiduk, am 10. Juli 2009 um 16:08 ( Link )

Dieses Gefühl habe ich auch schon seit einiger Zeit. Die Luft ist so spannungsgeladen, daß bald Gewitter losbrechen wird. Und zwar eines, das sich kaum einer davor hätte vorstellen können!

Hier etwas, aus einem Blog-Artikel von vor zwei Tagen:

Anläßlich des von Frau Brigitte Zypries (SPD) nunmehr auch offen geführten Kulturkampfes steht uns – sofern keine der beiden Streitparteien nachgibt – ein ziemlich heißer Herbst bevor. Ende September sind schließlich Bundestagswahlen und im November kommt dann der 20. Jahrestag des Berliner Mauerfalls. Beim Kulturkampf während er ersten 16 Jahre des zweiten Kaiserreiches ging es übrigens auch um den Ehebegriff. Verglichen mit dem, der sich hier jetzt abzeichnet, erscheint mir der von damals aber doch noch sehr übersichtlich.

Bei Geschichte kommt alles zusammen, was den Menschen wichtig ist:

(1) Ehe und Moral
(2) Freiheit und Zensur (im Internet)
(3) Identität dieses Landes
(4) Fragen der Auslegung des 2. Vatikanischen Konzils

Die Punkte (1), (3) und (4) haben lange, lange geschlummert. Wenn das im Kontext von (2) diskutiert wird, dann passiert etwas, weil es bei allen vier Punkten geht es um Grundsatzfragen!

Drohen willkürliche Säuberungen “homophober” Internetangebote?

Als heute ein starker Regenschauer war, ist mir auch aufgefallen, daß Menschen auf der Straße plötzlich miteinander reden, obwohl sie einander nicht kennen ...

TrebMelsa Fördermitglied, am 10. Juli 2009 um 18:13 ( Link )

@ Horst E. Böttcher

Hallo Herr Böttcher!

Jetzt, nach nochmaligem lesen Ihres ef-Artikel i. V. m einigen Ihrer Kommentare, glaube ich verstanden zu haben, was Sie unter persönlicher Freiheit verstehen. Vorab, wenn ich Sie falsch verstanden haben sollte, können Sie mich gerne korrigieren.

Also, ich glaube dass Sie unter Freiheit so in etwa folgendes verstehen:
>Im Rahmen eines alles umfassenden politischen Betreuungsrahmens, wollen Sie sich verhätschelt und gepflegt so einrichten, wie es Ihnen gerade in den Sinn kommt.<

Mit Verlaub, ob ich betreut oder bevormundet werde: in beiden Fällen würde ich mich sehr unfrei fühlen.
Aber ich möchte nicht bezweifeln, dass es Personen gibt, die solch einen betreuten Zustand nett finden.

Außerdem habe ich nicht soviel Vertrauen in die Politik. Wie war dies noch in einem der letzten Tages-Zitate? Dass es Unsinn sei von einem >guten Politiker< zu sprechen, einen >ehrlichen Dieb< gäbe es nun auch nicht.
Meine Sorge wäre, dass der Politiker, der mich betreut, mich zu meinem Nachteil betreut. Zu einem >Staatsmann< würde ich vielleicht mehr Vertrauen haben, da ein Staatsmann – im Gegensatz zum Politiker – der Meinung ist, dass er (der Staatsmann) Eigentum des Staates ist.
Aber auch von einem Staatsmann möchte ich nicht in Situationen betreut werden, in welchen ich als großer Junge, der schon das Gehen gelernt hat, eben auch selber Gehen kann, will und werde.

albino, am 10. Juli 2009 um 19:52 ( Link )

Das politische System bewegt sich immer mehr nach links. Die SPD-Fraktion im nächsten Bundestag wird zwar viel kleiner sein, aber auch viel linker. Gleichzeitig radikalisiert Lafontaine die Linkspartei weiter (http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/991701/). Auch die CDU wird linker, nimmt mehr und mehr den alten Platz der SPD ein.
Gleichzeitig findet in der Bevölkerung eine sich eher weiter verstärkende Rückbesinnung auf konservative Werte und Tugenden statt, verbunden mit wachsender Distanz zu politischem System und Systemmedien. Solche entgegengesetzt wirkenden Kräfte können die Stabilität des Gemeinwesens enorm beanspruchen.
Der große Knall muss daraus aber nicht zwangsläufig entstehen. Ein anderer Auslöser erscheint mir wahrscheinlicher. Die DDR ist letztlich daran zugrundegegangen, dass sie wirtschaftlich bankrott war. Wenn die stetig wachsende Schuldenlawine die Staaten überrollt, was nur eine Frage der Zeit sein kann, ist auch die BRD pleite und kann keine ihrer öffentlichen Aufgaben mehr finanzieren. Die Folgen können sein: Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung, Anarchie, Plünderungen, Chaos. Dies alles wird über Bürger hineinbrechen, die nichts als Wohlstand, Frieden, geordnete Verhältnisse und enorme soziale Sicherheit kennen und sie entsprechend traumatisieren. Machen wir uns nichts vor: Das, was da womöglich auf uns zukommt, wird kein Zuckerschlecken sein.

Horst E. Böttcher, am 10. Juli 2009 um 21:28 ( Link )

@TrebMelsa

Ganz richtig verstanden haben Sie mich nicht!

Unter persönlicher Freiheit verstehe ich, dass der Staat mir nicht in mein Privatleben hereinredet. Das betrifft Sexuelle Orientierung, Lebensgemeinschaft,
Familie, etc. Das war vor 1968 massiv der Fall und
deshalb sehe 68 als eine Befreiung von der bürgerlichen Moral-Zwangsjacke. Ich erwarte auch vom Staat, dass er mich gegen solche Einmischungen von Seiten der Kirchen oder der Bürgerlichen Gesellschaft durch Gesetze und eine eideutige Haltung schützt. Klare Trennung Staat
und Religion.

Was nun Betreuung anbetrifft, so sehe ich das etwas anders. Der Staat soll als Anbieter eines leistungs-fähigen Sozialversicherungssystems handeln. Dies sind Aufgaben der Daseinsvorsorge und können nach meiner Ansicht nicht so gut von privat geleistet werden. Ich weiss, da gibt es andere Ansichten.

Ich nenne dies nicht Betreuung, sondern Bereitstellung von Dienstleistungen.

Was die Zitate von Herrn Roland Bader anbetrifft, einem Marktfetischisten ersten Ranges, so halte ich davon garnichts.

Feanor Fördermitglied, am 10. Juli 2009 um 22:05 ( Link )

Wenn man sich die offiziellen Verlautbarungen der amtierenden Politmumien anhört, fühlt man sich seit einiger Zeit an die sterbende DDR bzw. UdSSR erinnert. All das debile Jubelpersertum in den Medien, die gequält wirkenden Propagandaparolen und die hohlen Schlagworthülsen, an die nicht einmal mehr ihre AuftraggeberInnen und VerzapferInnen glauben.

Ob der Zusammenbruch freilich so glimpflich verläuft wie vor zwanzig Jahren, darf stark bezweifelt werden. Weder die DDR noch die UdSSR hatten eine nenneswerten Populationen von üppig alimentierten Hintergründlern importiert und in den Ballungsgebieten angehäuft.

Knight_who_say_ni, am 11. Juli 2009 um 0:23 ( Link )

Nu'ja, es kommt wie es kommt.

Ein großer Knall? Besser jetzt dann Übermorgen, denn umso weniger tut es weh, da vergleichbar geringe Dinge getan werden müssen, ein Schräubchen hier ein bisl Öl da, und dann läuft der Laden doch wieder. Alle Gesetze sind da, man muss Sie nur anwenden und die überflüssigen abschaffen, dafür brauchts kein Knall, oder glaubt Ihr das Wissen haben die Politikerchen nicht? Dumm sind sie nicht - nur gierig (aber dabei feige)!

Ansonsten, ein paar Kartoffeln in Keller, ein paar Grämchen Gold darunter um den Kredit mit festen Zins mal eben abzubezahlen, und eine Steyr-Mannlicher im Schrank -> "Maschine klar".

Besser noch anständig wählen! z.B. die Linken - um die Kiste richtig in Sand setzen.-> "Voll Voraus!"

Angst ist nur was für welche die nicht bereit sind das Steuer selbst in die Hand zu nehmen, bis dahin - "Gute Wache."

Tschuldigung, ist nicht so qualitativ wie beim meinen Vorschreibern, jammern tut's aber auch nicht. Danke an EF - um auf den laufenden zu bleiben.

TrebMelsa Fördermitglied, am 11. Juli 2009 um 0:27 ( Link )

@ Horst E. Böttcher

Hallo Herr Böttcher!

Nun Sie verstehen darunter Dienstleistungen, ich sehe dies als Betreuung an, denn mündige Bürger sollten auch selber Vorsorgen treffen können. Was natürlich in unserem Scheingeldsystem schwierig ist, dies geben ich gerne zu.

Was die Zitate betrifft, so war nur eines von Roland Baader. Das Zitat über den Staatsmann stammt von einem amerikanischen Journalisten, der Name ist mir momentan nicht präsent.
Ich hätte auch William E. Gladstone zitieren können: Der Politiker denkt an die nächsten Wahlen, der Staatsmann an die nächste Generation.

Dann noch eine Bemerkung – zu Ihrem weiter oben stehenden Kommentar:
>Jetzt bin ich eigentlich beruhigt über die Zukunft der Bundesrepublik! Soviel Totengesänge; bekanntlich leben Totgesagte länger!<

Weder Felix Somary noch Gary North haben sich mit ihren Prognosen speziell auf die Bundesrepublik bezogen.
Und zu Felix Somary noch folgendes:
In den Jahren vor dem 1. Weltkrieg hat er als Wiener Bankier alles in seinen Kräften stehende versucht, um einflussreiche Stellen davon zu überzeugen, dass ein großer Krieg zur Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts werden würde. Dies sah er natürlich nicht alleine so, ebenso wie er nicht alleine die Folgen eines großen Krieges richtig abschätzte.
Schon 1925 – ich glaube inzwischen schon in der Schweiz - warnte Felix Somary vor der heraufziehenden Weltwirtschaftskrise, auch sah er klaren Auges, welche politischen Folgen eine solche Krise haben würde.
Und er gehörte wie Mises und Hayek zu den Ökonomen, welche den Zusammenbruch des Sowjetreiches vorhersagten. Somary letztlich nochmals explizit kurz vor seinem Tode zu seinem Sohn.

Weshalb glauben Sie nicht, dass Felix Somary, der mit seinen qualitativen Prognosen so oft ins Schwarze traf, auch mit seiner Prognose im Recht sein könnte, dass das westliche System wie wir es kennen, also diese Viertel-Marktwirtschaft mit angeschlossener >liberaler Demokratie< kurz vor dem Aus steht?

Beste Grüße

Horst E. Böttcher, am 11. Juli 2009 um 12:44 ( Link )

@TrebMelsa

Was Betreuung bzw. Dienstleistung anbetrifft, so haben wir klar unterschiedliche Auffassungen.

Meine abwertende Bemerkung über Zitate bezog sich nur auf diejenigen aus aus Roland Baders Feder.

Was die Untergangsszenarien anbetrifft, so wird man immer nach jeder Katastrophe in Archiven Berichte finden von Leuten, die es vorausgesagt haben. Damit
will ich Felix Somary keinesfalls abwerten aber es gibt auch viele Voraussagen, über die heute niemand mehr spricht. Der Chef von IBM hat 1947 den Weltbedarf für Computer auf drei bis vier Stück prognostiziert.

Wir hatten in den Jahren nach der Wende eine starke Hinwendung zum Kapitalismus bzw. neoliberaler Wirtschaftspolitik. Kapitaleinkommen hatten gegenüber Arbeitseinkommen ein hohes Übergewicht erlangt. Das wird jetzt wieder zurechtgerückt. Die Welt wird wieder in ein sozaleres Gleichgewicht zurückkehren.

Denken Sie mal an Lateinamerika. Dort hatten die Neoliberalen unter Druck der USA und des IWF grossen Aufwind, Wohlstand unter der Bevölkerung schaffte das aber nicht. Jetzt haben wir die Hinwendung zum radikalen Sozialismus, wie bei Chavez. Ich hoffe, in Europa wird es ausgeglichener verlaufen.

TrebMelsa Fördermitglied, am 11. Juli 2009 um 13:41 ( Link )

@ Horst E. Böttcher!

Aber wohin die Politik der Chicago-Boy führen würde, die m. E. nichts weiter sind als Keynesianer von rechts, haben Vertreter der >Austrian School of Economics< auch qualitativ vorhergesagt.
H.-H. Hoppe wiederholte z. B. 1993 im Vorwort zur Neuauflage von L. v. Mises 'Liberalismus' die Mises Warnungen aus 1927, diese hätten auch 1993 noch Geltung.
Der Meinung bin ich auch, dass diese Warnungen und qualitativen Prognosen auch in 2009 noch gelten.


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