15. April 2009

Bischof Mixas Fehler Morde sind nicht immer gleich Morde

Wie ein Kirchenmann über die politisch korrekten Vorgaben stolperte

Katholiken-Bashing ist in diesem Jahr en vogue. Da war Ostern ein willkommener Termin, einen neuen bösen Buben durch das mainstreamgleichgeschaltete Dorf zu jagen. Der – wie der „Spiegel“ jetzt stets hinzufügt: „umstrittene“ – Augsburger Bischof Walter Mixa hatte es nämlich gewagt in seiner Osterpredigt darauf hinzuweisen, dass die Massenmorde des blutigsten und zwanzigsten Jahrhunderts von Atheisten verübt wurden. Der Bischof: „Wo Gott geleugnet oder bekämpft wird, da wird bald auch der Mensch und seine Würde geleugnet und missachtet.“ Und: „Eine Gesellschaft ohne Gott ist die Hölle auf Erden.“

Der „Spiegel“ behauptet daraufhin, Mixa „verfälsche die Geschichte“. Die NS-Diktatur habe sich nämlich nicht gegen Christen, sondern nur „gegen Kommunisten, Sozialdemokraten, Liberale, Gewerkschafter, Juden, Sinti, Homosexuelle, Behinderte und andere gerichtet“, so das Hamburger Magazin. Dass die rotsozialistischen Brüder aus den Gewerkschaften und kommunistischer sowie sozialdemokratischer Partei zu Millionen und teilweise in Verbänden geschlossen in die braunsozialistischen NS-Organisationen gewechselt sind, der „Spiegel“ schweigt dezent. Dass die Hitlerbewegten in Teilen – denken wir nur an Ernst Röhm und seine Gespiele – eine (wie Zeitungen vor der Machtübernahme auch offen schrieben) „Homobewegung“ waren und von der faschistischen Männerbund- und Stiefel-Ästhetik angezogene Schwule anteilmäßig mindestens ebenso unter den Tätern wie unter den Naziopfern zu finden waren, wie Szenefilmemacher Rosa von Praunheim im Dokumentarfilm „Männer, Helden, schwule Nazis“ eindrucksvoll nachzeichnet, auch das wird unterschlagen. Dass der Widerstand gegen das NS-Regime von der Weißen Rose bis zum Kreis um Stauffenberg in erster Linie christlich motiviert war und dass Katholiken diejenige größere Bevölkerungsgruppe darstellten, die nachweislich am wenigsten von den Nazis angezogen wurde, wird ebenfalls den Lesern vorenthalten. Vielmehr raunt das „Nachrichtenmagazin“: „Das Verhältnis der katholischen Kirche zu den Nazis war ambivalent.“

Der „Spiegel“ wählt in seiner Kampagne gegen Mixa eine besonders interessante neue Methode.  Er zitiert nämlich – erstmals? – anonyme Leserbeiträge aus dem eigenen Forum redaktionell in einem Artikel. Da glaubt man dann wohl sagen zu dürfen, was sonst zumindest stilistisch in einem Massenmedium eher unüblich ist. Und das hört sich so an: „Ich weigere mich zu glauben, dass ein studierter Mann so dumm sein könnte.“ Oder: „Eine Welt ohne Religionen, das wäre endlich eine Welt in Frieden.“

Der Blogger Kevil hat auf seiner Seite „Fakten – Fiktionen“ eine extrem wütende Antwort gegeben, der – außer vielleicht bezüglich seines allzusehr an das neue „Spiegel“-Niveau angelehnten Stils – nicht viel hinzuzufügen ist: „Bischof Mixa soll nur endlich weiterbohren! Die verblödeten deutschen Christenschafe lassen sich seit Jahrzehnten von allerlei interessierten Polit-Ideologen ins sündige Bockshorn jagen. Ja, es ist wahr, die Katholiken hätten viel stärker gegen die Hitlerei protestieren und Widerstand leisten müssen! Ja, von den Protestanten, die den Nazis in den Hintern gekrochen sind, wollen wir gleich schweigen! Aber haben irgendwelche Atheisten gegen das Dritte Reich protestiert? Nennt mir nur einen einzigen Atheisten aus Deutschland! Also: die gängige politkorrekte Verarschung, dass die Betreiber des Gulags und der KZs Christen gewesen seien, gehört in den Abort! Der Gulag, die ganzen 100 Millionen Toten des Kommunismus, stehen auf dem Konto von Atheisten. Genauso war die Nazi-Herrschaft rundherum das reinste atheistische Produkt! Kein einziges führendes Nazi-Mitglied war kirchengläubig, die SA und SS – waren das christliche Runen? – sind vom Start an kirchenfeindlich gewesen, kein einziger KZ-Scherge ging in die Kirche! Man wundert sich, wie strohdumm die Religiösen sich bislang verteidigt haben. Da lässt man sich von jedem dahergelaufenen Rotzlöffel und Lügner in die Defensive treiben, ohne zu erwähnen, dass sämtliche Massenmörder des letzten  Jahrhunderts immer Atheisten waren! Die kreuzdummen Pfaffen waren und sind nicht einmal fähig, ein für allemal festzunageln, dass Lenin, Stalin, Trotzki, Hitler, Himmler, Heydrich, Eichmann, Bormann, Goebbels, Göring und wie die Verbrecher und Menschenfeinde alle heißen, niemals an einen Gott geglaubt haben außer an sich selbst, dass sie niemals freiwillig eine Kirche von innen gesehen haben! Alle waren Atheisten! Wie doof, dass Mixa erst 2009 mal einen kleinen Gegenangriff startet!“

Natürlich gab und gibt es auch viele Atheisten, die keine Nazis oder Kommunisten sind und waren. Natürlich hat sich auch nicht jeder Kommunist und Nationalsozialist persönlich schuldig gemacht. Und, ja, die meisten Atheisten sind keine Mörder! Nur etwas ähnliches hat Mixa auch weder angedeutet noch gar behauptet.

Dennoch bleibt es eine für manchen vielleicht unbequeme Tatsache, dass die Mega-Massenmörder des vergangenen Jahrhunderts ausnahmslos erstens Sozialisten und zweitens Nicht-Christen waren. Tatsächlich wurden in den rot- wie braunsozialistischen totalitären Staaten die „Gesellschaften ohne Gott zur Hölle auf Erden“.

Kewil geht in seiner wütenden Analyse wie folgt weiter: „Die Angriffe gegen die christlichen Kirchen in Europa haben mit religiösen Fragen oder Gott gar nichts zu tun. Es dreht sich immer nur um Politik! Warum greift der Zentralrat der Juden alle fünf Minuten den Papst an? Aus religiösen Gründen? Da geht es um politische Einflussnahme, um Geld und Macht! Warum greift der schwulgrüne Beck die Kirche an? Weil er Geld und Einfluss will. Es geht um die schwule Lobby! Warum wurde Ratzinger gleich nach seiner Wahl mit Hakenkreuzen geschmückt? Es geht um die beliebte Nazikeule! Warum vergleicht Claudia Roth den Bischof Mixa mit dem Massenmörder Pol Pot? Es geht um die Deutungsmacht der Grünen, um die grüne Lobby! Warum wird auf allen Ebenen versucht, dem Christentum Verbrechen anzuhängen? Ganz einfach! Um die faschistoide Ersatzreligion namens politische Korrektheit in allen Hirnen zu implementieren!“

Einen Aspekt wollen wir hinzufügen: Was die neugläubigen Journalisten besonders wütend machte ist nicht zuletzt der Umstand, dass Bischof Mixa sich nicht an ihre Vorgaben hielt: Er zitierte nämlich die roten und braunen Massenmörder in einem Atemzug! Das war ein Punkt, der schon Martin Hohmann seinen Job kosten ließ. Denn den verteufelten braunen Sozialismus hat man nach jahrzehntelangen Desinformationskampagnen ausgerechnet (und das darf man auch als liberaler Nichtkatholik feststellen) dessen schärfsten und gefährlichsten Gegnern, den Konservativen und katholischen Christen, in die Schuhe geschoben. Bei den im Vergleich heute eher verniedlichten Massenmorden der anderen Fraktion haben „Spiegel“ und Co. diesen „Dreh“ noch nicht so recht gefunden.


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