André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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Bischof Mixas Fehler: Morde sind nicht immer gleich Morde

von André F. Lichtschlag

Wie ein Kirchenmann über die politisch korrekten Vorgaben stolperte

Katholiken-Bashing ist in diesem Jahr en vogue. Da war Ostern ein willkommener Termin, einen neuen bösen Buben durch das mainstreamgleichgeschaltete Dorf zu jagen. Der – wie der „Spiegel“ jetzt stets hinzufügt: „umstrittene“ – Augsburger Bischof Walter Mixa hatte es nämlich gewagt in seiner Osterpredigt darauf hinzuweisen, dass die Massenmorde des blutigsten und zwanzigsten Jahrhunderts von Atheisten verübt wurden. Der Bischof: „Wo Gott geleugnet oder bekämpft wird, da wird bald auch der Mensch und seine Würde geleugnet und missachtet.“ Und: „Eine Gesellschaft ohne Gott ist die Hölle auf Erden.“

Der „Spiegel“ behauptet daraufhin, Mixa „verfälsche die Geschichte“. Die NS-Diktatur habe sich nämlich nicht gegen Christen, sondern nur „gegen Kommunisten, Sozialdemokraten, Liberale, Gewerkschafter, Juden, Sinti, Homosexuelle, Behinderte und andere gerichtet“, so das Hamburger Magazin. Dass die rotsozialistischen Brüder aus den Gewerkschaften und kommunistischer sowie sozialdemokratischer Partei zu Millionen und teilweise in Verbänden geschlossen in die braunsozialistischen NS-Organisationen gewechselt sind, der „Spiegel“ schweigt dezent. Dass die Hitlerbewegten in Teilen – denken wir nur an Ernst Röhm und seine Gespiele – eine (wie Zeitungen vor der Machtübernahme auch offen schrieben) „Homobewegung“ waren und von der faschistischen Männerbund- und Stiefel-Ästhetik angezogene Schwule anteilmäßig mindestens ebenso unter den Tätern wie unter den Naziopfern zu finden waren, wie Szenefilmemacher Rosa von Praunheim im Dokumentarfilm „Männer, Helden, schwule Nazis“ eindrucksvoll nachzeichnet, auch das wird unterschlagen. Dass der Widerstand gegen das NS-Regime von der Weißen Rose bis zum Kreis um Stauffenberg in erster Linie christlich motiviert war und dass Katholiken diejenige größere Bevölkerungsgruppe darstellten, die nachweislich am wenigsten von den Nazis angezogen wurde, wird ebenfalls den Lesern vorenthalten. Vielmehr raunt das „Nachrichtenmagazin“: „Das Verhältnis der katholischen Kirche zu den Nazis war ambivalent.“

Der „Spiegel“ wählt in seiner Kampagne gegen Mixa eine besonders interessante neue Methode.  Er zitiert nämlich – erstmals? – anonyme Leserbeiträge aus dem eigenen Forum redaktionell in einem Artikel. Da glaubt man dann wohl sagen zu dürfen, was sonst zumindest stilistisch in einem Massenmedium eher unüblich ist. Und das hört sich so an: „Ich weigere mich zu glauben, dass ein studierter Mann so dumm sein könnte.“ Oder: „Eine Welt ohne Religionen, das wäre endlich eine Welt in Frieden.“

Der Blogger Kevil hat auf seiner Seite „Fakten – Fiktionen“ eine extrem wütende Antwort gegeben, der – außer vielleicht bezüglich seines allzusehr an das neue „Spiegel“-Niveau angelehnten Stils – nicht viel hinzuzufügen ist: „Bischof Mixa soll nur endlich weiterbohren! Die verblödeten deutschen Christenschafe lassen sich seit Jahrzehnten von allerlei interessierten Polit-Ideologen ins sündige Bockshorn jagen. Ja, es ist wahr, die Katholiken hätten viel stärker gegen die Hitlerei protestieren und Widerstand leisten müssen! Ja, von den Protestanten, die den Nazis in den Hintern gekrochen sind, wollen wir gleich schweigen! Aber haben irgendwelche Atheisten gegen das Dritte Reich protestiert? Nennt mir nur einen einzigen Atheisten aus Deutschland! Also: die gängige politkorrekte Verarschung, dass die Betreiber des Gulags und der KZs Christen gewesen seien, gehört in den Abort! Der Gulag, die ganzen 100 Millionen Toten des Kommunismus, stehen auf dem Konto von Atheisten. Genauso war die Nazi-Herrschaft rundherum das reinste atheistische Produkt! Kein einziges führendes Nazi-Mitglied war kirchengläubig, die SA und SS – waren das christliche Runen? – sind vom Start an kirchenfeindlich gewesen, kein einziger KZ-Scherge ging in die Kirche! Man wundert sich, wie strohdumm die Religiösen sich bislang verteidigt haben. Da lässt man sich von jedem dahergelaufenen Rotzlöffel und Lügner in die Defensive treiben, ohne zu erwähnen, dass sämtliche Massenmörder des letzten  Jahrhunderts immer Atheisten waren! Die kreuzdummen Pfaffen waren und sind nicht einmal fähig, ein für allemal festzunageln, dass Lenin, Stalin, Trotzki, Hitler, Himmler, Heydrich, Eichmann, Bormann, Goebbels, Göring und wie die Verbrecher und Menschenfeinde alle heißen, niemals an einen Gott geglaubt haben außer an sich selbst, dass sie niemals freiwillig eine Kirche von innen gesehen haben! Alle waren Atheisten! Wie doof, dass Mixa erst 2009 mal einen kleinen Gegenangriff startet!“

Natürlich gab und gibt es auch viele Atheisten, die keine Nazis oder Kommunisten sind und waren. Natürlich hat sich auch nicht jeder Kommunist und Nationalsozialist persönlich schuldig gemacht. Und, ja, die meisten Atheisten sind keine Mörder! Nur etwas ähnliches hat Mixa auch weder angedeutet noch gar behauptet.

Dennoch bleibt es eine für manchen vielleicht unbequeme Tatsache, dass die Mega-Massenmörder des vergangenen Jahrhunderts ausnahmslos erstens Sozialisten und zweitens Nicht-Christen waren. Tatsächlich wurden in den rot- wie braunsozialistischen totalitären Staaten die „Gesellschaften ohne Gott zur Hölle auf Erden“.

Kewil geht in seiner wütenden Analyse wie folgt weiter: „Die Angriffe gegen die christlichen Kirchen in Europa haben mit religiösen Fragen oder Gott gar nichts zu tun. Es dreht sich immer nur um Politik! Warum greift der Zentralrat der Juden alle fünf Minuten den Papst an? Aus religiösen Gründen? Da geht es um politische Einflussnahme, um Geld und Macht! Warum greift der schwulgrüne Beck die Kirche an? Weil er Geld und Einfluss will. Es geht um die schwule Lobby! Warum wurde Ratzinger gleich nach seiner Wahl mit Hakenkreuzen geschmückt? Es geht um die beliebte Nazikeule! Warum vergleicht Claudia Roth den Bischof Mixa mit dem Massenmörder Pol Pot? Es geht um die Deutungsmacht der Grünen, um die grüne Lobby! Warum wird auf allen Ebenen versucht, dem Christentum Verbrechen anzuhängen? Ganz einfach! Um die faschistoide Ersatzreligion namens politische Korrektheit in allen Hirnen zu implementieren!“

Einen Aspekt wollen wir hinzufügen: Was die neugläubigen Journalisten besonders wütend machte ist nicht zuletzt der Umstand, dass Bischof Mixa sich nicht an ihre Vorgaben hielt: Er zitierte nämlich die roten und braunen Massenmörder in einem Atemzug! Das war ein Punkt, der schon Martin Hohmann seinen Job kosten ließ. Denn den verteufelten braunen Sozialismus hat man nach jahrzehntelangen Desinformationskampagnen ausgerechnet (und das darf man auch als liberaler Nichtkatholik feststellen) dessen schärfsten und gefährlichsten Gegnern, den Konservativen und katholischen Christen, in die Schuhe geschoben. Bei den im Vergleich heute eher verniedlichten Massenmorden der anderen Fraktion haben „Spiegel“ und Co. diesen „Dreh“ noch nicht so recht gefunden.

15. April 2009

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Kommentare

Haiduk, am 15. April 2009 um 12:52 ( Link )

"Warum greift der schwulgrüne Beck die Kirche an? Weil er Geld und Einfluss will. Es geht um die schwule Lobby!"

Siehe auch:

Werbeslogans halfen Nadja Benaissa nichts

Die Sprecherin der Grünen Jugend Kathrin Henneberger hatte am 18. März 2008 in einer Pressemitteilung noch geschrieben "Der Papst ist Irre!", weil er aussprach, daß Kondomwerbung nichts gegen AIDS ausrichten kann.

Fatal, am 15. April 2009 um 13:14 ( Link )

Wem die Argumente ausgehen, der benutzt gerne das Wort "Lobby".

A. Lehmann, am 15. April 2009 um 13:50 ( Link )

Treffender Beitrag!

Es ist eine ganz offensichtliche Wahrheit. Die Atheisten die sich nicht zu solchen Schandtaten hinreissen lassen, spielen bei dieser Überlegung überhaupt keine Rolle. Es geht um den gesellschaftlichen Geist, um den Geist der Eliten, welcher dann zwangsläufig die Massen lenkt und treibt. Wird dieser Geist atheistisch, wird es gefährlich, gefährlicher und automatisierter als in religiösen Gesellschaften. Der Grad ist dann nur noch abhängig von der Form der atheistischen Gesellschaft.

Das die "weichen" atheistischen Staatsformen, also die heutigen Republiken, ebenfalls immer weiter in Richtung Totalitarismus abdriften ist ebenfalls ein anschaulicher Beweis (wo es enden wird können wir uns denken). Dafür das die berühmten 5-10% einer Bevölkerung die zur Zügelung der eigenen "Monster" keiner Religion bedürfen, eben im Grunde, vor allem auf Dauer, ziemlich einflusslos sind. Weder der christliche Soldat noch der atheistische "Bolschewik" haben sich jemals lange mit diesem Verfassungs- und Sentimentalhumanismus auseinandergesetzt. Wahrscheinlich benötigt der Mensch eben immer ein gehöriges Maß an Religion.

Utopismus, Egalitarismus, Demokratismus, Sozialismus, Kommunismus. Entsakralisierung, Bilderstürme, De-Sadismus und die türlose Toilette.

Einfach herrlich was der intellektuelle Morast, aus dem der freimaurerische Weltenarchitekt gekrochen ist und der bei den meisten Menschen in schnödem und von Wissen unbelecktem Atheismus endet, hat in den letzten Jahrhunderten so alles vollbracht hat...

Man muß schon laut lachen, wenn dann versucht wird die wahrlich auf dem eigenen gedanklichen Mist gewachsenen Schandtaten ausgerechneten dem verteufelten Erzfeind in die Schuhe zu schieben. Aber das passt zu dieser degenerierten und verpöbelten Gesellschaft.

Das nächste Mal wird der gute Humanist dann über die Union der atheistischen Euro-Republiken fluchen.

"La trahison des clercs" im weitesten Sinne und weite Kreise ziehend...

Marc , am 15. April 2009 um 14:24 ( Link )

Die meisten Nazis waren weder Atheisten noch Christen, sondern Anhänger einer esoterisch-mysthischen Privatpampe mit kotfarbener Tönung.
Himmler z.B. war vom Hinduismus und vom tibetischen Buddhismus fasziniert, andere versuchten "eine germanische Synthese von Christentum und Nationalsozialismus" zu konstruieren, was Hitler allerdings als "unmöglich" beschrieben hat. Allerdings betonte er auch, dass "wir nicht zum Atheismus" erziehen sollten, wobei er einschränkend bemerkte, dass "die Bolschewisten" an keinen Gott glauben würden, es aber trotzdem verstünden, zu sterben.
Das gelte auch für einige seiner "besten SS-Männer."
(Frei zitiert nach den Aufzeichnungen von Heinrich Heim.)

Eric Voegelin, einer der Professoren, wegen denen man sich etwas weniger schämen muss, Politikwissenschaften zu studieren, hat, ich glaube sogar als Erster, das Wort von den "politischen Religionen" gebraucht. (1938)

Man könnte es auch staatlich konstruierte "Ersatzreligion" nennen. Mixa würde ich also eher einen strategischen, als einen sachlichen Fehler unterstellen. Die Betonung müsste vielmehr darauf liegen, dass diese staatlich konstruierten Ersatz-religionen i.d.R. katastrophale Folgen gehabt haben.

[Und mehr als einmal zu Koalitionen (z.B. zwischen Liberalen und Christen), die zwar auf den ersten Blick komisch erscheinen, aber doch eine innere Logik besitzen.]

Das Problem ist, glaube ich, dass zuviele Deutsche eigentlich Angst vor der Freiheit haben, weil sie in jedem Menschen erstmal den potentiellen Nazi sehen, der auszubrechen droht, wenn man nicht dreidutzend Gender-, Antidiskriminierungs-, Neusprech- und Gesinnungsbeauftragte um ihn positioniert.
Und da dieses Nazitum so dermassen wichtig für das Selbstverständnis des Staates ist, ist es natürlich auch naheliegend, jeden Vergleich (z.B. mit Stalin, Mao, Pol Pot...) zu unterbinden.

Ausserdem gibt es eine starke Einschränkung, was die Erklärungsursachen für den Nationalsozialismus anbelangt. Legitimiert ist, ihn als Folge des Kapitalismus zu betrachten. Legitimiert ist auch, ihn als Folge von christlichem Antijudaismus zu betrachten, als Folge eines magischen Demagogen, der da irgendwie aus dem Nichts aufgetaucht und wieder verschwunden ist ... als Folge des Nationalismus usw.

Legitimiert ist allerdings NICHT, ihn als Folge von Gottlosigkeit oder der Konstruktion von politischen Ersatzreligionen zu betrachten.
Denn das würde zum einen dafür sorgen, dass Konstruktionsversuche wie von Seiten der EU, von Seiten derjenigen, die die Lufthoheit sogar über den Kinderbetten(!) wollen, in einem etwas weniger guten Licht erscheinen würden.
In einem etwas besseren Licht hingegen würden diejenigen erscheinen, die sich dieser Ersatzreligion noch nicht gebeugt haben: die Katholiken nämlich.

Sogar erklärt sich wohl auch, warum der "Kampf gegen rechts" ja eigentlich selber "rechte" Züge trägt.

Naja, keine Ahnung. So irgendwie.

Haiduk, am 15. April 2009 um 14:51 ( Link )

Daß Bischof Mixa recht hat, kann man sehr leicht zeigen:

Mit Gott leugnet der Atheismus auch den freien Willen der Menschen, der ihnen vom Schöpfer gegeben wurde. Daß der Mensch keinen freien Willen habe, wird damit begründet, daß er deterministisch funktioniere und somit kaum mehr als eine Maschine oder ein Tier sei.

Wer diesen Gedanken weiter verfolgt, landet automatisch bei kollektivistischen Zwangssystemen. Hat der Mensch nämlich keinen freien Willen, bleibt außer dem Staat ja nichts mehr übrig, was eine gesellschaftliche Ordnung zusammenhalten könnte. Also richtet sich alle Hoffnung auf den Staat - die Trennung von Staat und Kirche verkommt zur Worthülse.

Die Mietlinge der Massenmenschhaltung

JohnGalt, am 15. April 2009 um 14:56 ( Link )

Also, da geht einem aber wirklich der Hut hoch:
Alle modernen Errungenschaften der FREIHEIT und AUFKLÄRUNG wurden den Kirchen in hartem Kampf von ATHEISTEN abgetrotzt.
Wenn die Kirche die Macht dazu hätte, würden heute noch die Scheiterhaufen brennen!!!

Blutscheich, am 15. April 2009 um 15:36 ( Link )

Marc, Sie schreiben mir aus der Seele!

Gläubig sind Kommunisten und Nazis nämlich auch. Ihr Glaube ist halt nur atheistisch (d.h. sie haben statt Gott andere Bezugspunkte wie Determinismus, Weltgeist, Rasse etc.) und ihr Glaube ist mehr pseudowissenschaftlich verbrämt, das gleiche gilt auch für Environmentalisten, Gender-Ideologen und andere moderne Bewegungen.

Es ist also durchaus nicht falsch, dass "Atheisten" viel Unheil angerichtet haben. Nur ist "Atheisten" als Begriff ebenso viel zu weit gespannt, als dass er brauchbar ist.

Ich selbst habe den Anspruch Atheist, aber auch A-Etatist, überhaupt Anti-Religionist zu sein und halte mir dennoch zugute, moralische Wertmaßstäbe zu haben. Diese leite ich aus den natürlichen Empfindungen von Menschen ab, wozu auch Empathie gehören. Wer keine Empathie hat, ist entweder als Mensch defekt, oder aber ideologisch (religiös oder sonstwie) dermaßen indoktriniert, dass er wider seine Empfindungen handelt.

Reiner Vogels Fördermitglied, am 15. April 2009 um 15:47 ( Link )

Ja, von den Protestanten, die den Nazis in den Hintern gekrochen sind, wollen wir gleich schweigen!

Zur Ehrenrettung der Evangelischen möchte ich daran erinnern, dass es innerhalb der Ev. Kirche eine durchaus erwähnenswerte Widerstandsbewegung, nämlich die sogenannte "Bekennende Kirche", gegeben hat. Außerdem hat es bedeutende evangelische Märtyrer gegeben wie z.B. D. Bonhoeffer und viele andere.

Dziamdzia, am 15. April 2009 um 15:54 ( Link )

Das Problem ist sicherlich nicht der Atheismus an sich. Es ist die daraus erwachsende Beliebigkeit, die erfahrungsgemäss in Utopien und damit in irgendeine politische Ersatzreligion führt. Die christliche Religion enthält eben eine Reihe von "Heilmittelchen" gegen die verschiedenen Krankheiten des menschlichen Geistes - die vielleicht schlimmste davon der Grössenwahnsinn. Jeder mittelalterliche Herrscher wusste sich doch bei aller Macht vor Gott verantwortlich. Erst der Atheismus hat wieder einen Typus von Herrscher hervorgebracht, der sich wie Gott fühlt und keine Grenzen mehr kennt, der Geschichte, Kulturen und Völker ausradiert wie ein Gott.

Aber auch die Erkenntnis der grundlegenen Beschränktheit des irdischen Daseins ist so ein Heilmittelchen aus der christlichen Apotheke. Man mag die Geschichte vom Sündenfall als naive Mythologie betrachten - sie gibt dem Menschen aber doch die Erkenntnis, dass Leid kein Ausnahmezustand ist sondern inhärenter Bestandteil dieses irdischen Lebens. Die Utopien von der gerechten perfekten Gesellschaft, in der jeder glücklich sein kann, haben erfahrungsgemäss in die größtmögliche Katastrophe geführt. Denn diese utopischen Ziele sind so grossartig, dass zu ihrer Erreichung jedes Mittel recht erscheint. Ganze Millionen konnten so hingeschlachtet werden - es war ja für den guten Zweck, für die gerechte klassenlose Gesellschaft der Zukunft. Es gibt nichts gefährlicheres als Utopien. Wir fahren besser, wenn wir das Leben als das sehen was es ist - voller Leid, Krankheit, Tod, Ungerechtigkeit, Armut usw. - und das beste daraus machen, die schönen Seiten geniessen, als wenn wir utopischen Spinnerein vom Paradies auf Erden folgen. Was wäre uns ohne diese Spinnerein alles erspart geblieben!

In Wahrheit hat Hr. Mixa hier zum wiederholten Male an der grossen Lebenslüge der aufgeklärten modernen Gesellschaft gekratzt. Es ist diese Lebenslüge, die alle Unmenschlichkeit in die voraufgeklärte "mittelalterliche" und "finstere" Welt verschieben und sich als leuchtendes Zeitalter des Forschritts verkaufen will. Dass dieser Fortschritt in Wahrheit einzig auf technologisch-wissenschaftlicher aber nie auf moralischer Ebene stattfand, ist offensichtlich. Die barbarischsten Menschenschlachterein fanden eben nicht VOR sondern NACH der Aufklärung statt - im Namen des Fortschritts. Die Aufklärung hat auch keine nüchtern-rationale Areligiöse hinterlassen, sondern vielmehr ein Millionenheer von Orientierungslosen, die seitdem in esoterischem Unsinn und Aberglaube sowie in politischen Heilsversprechen ihre Zuflucht suchen. Die Befreiung von religiösen Zwängen hat nicht zum selbstständig denkenden Individuum sondern im Gegenteil zu einem neuen Typus des völlig gleichgeschalteten Massenmenschen geführt, der aus seiner moralischen und weltanschaulichen Orientierungslosigkeit einerseits und seiner Abgeschnittenheit von jeder höheren göttlichen Autorität wie ein ängstliches Kalb in der Herde mitlaufen muss.

Natürlich haben wir diese Herde in Deutschland zu braven Antifaschisten erzogen - aber ist dieser Menschentypus überhaupt in der Lage, einen neuen Totalitarismus zu erkennen geschweige denn ihn zu bekämpfen? Ich denke die Menschen heute sind mindestens so konformistisch und unselbstständig wie zu Hitlers Zeiten, und der nächste Totalitarismus nur eine Frage der Zeit.

Es wird irgendwann eine umfassende Kritik der Aufklärung geben müssen. Es wird zu diskutieren sein, ob die vulgäratheistische Verdammung alles Religiösen wirklich eine Voraussetzung für den technologisch-wissenschaftlichen Fortschritt, oder doch nur ideologisches Beiwerk ist. Und es wird die Frage zu beantworten sein, ob der Mensch nicht schlicht und einfach von Natur aus ein religiöses Wesen ist, und die Leugnung dieser Tatsache nicht lediglich dazu führt, dass Menschen in allerlei Ersatzreligionen flüchten deren Inhalte nicht unbedenklicher sind als die der monotheistischen Religionen.

Dr_Ohnemoos, am 15. April 2009 um 15:57 ( Link )

Das bißchen Kritik, was heutzutage an der Kirche geübt wird, gleich als Katholiken-Bashing zu beschreiben - wie erbärmlich.

Bei eifrei erstarrt der Kampf gegen politische Korrektheit in eine Pose, die selbst mindestens genauso beschränkt ist wie die der politisch Korrekten. Und genauso öde, vorhersehbar und langweilig. Jede Kritik an kirchlichen Würdenträgern wird gleich zu einem riesigen Popanz aufgeblasen, umd dann Gleichsetzungen zu tätigen, die nicht anders und genauso schief sind wie die der politische Korrekten. Gleichsetzungen, die man beim Gegner sofort mit dem Begriff "Denunziantentum" bezeichnen würde.
Tja, heute will jeder das verfolgte Opfer geben und da will eifrei nicht nachstehen. Schade.

Wenn hier Beck und Roth kritisiert werden: die Kirche ist nichts besser, ihr geht es auch um politischen Einfluss und Macht. Lieber Beck und Roth als den Papst.

Aber weiter: es ist schlicht nicht richtig, das viele Nazis mit Esoterik viel zu tun hatten. Es war nur eine Minderheit im Umfeld der SS.
Ebenso haben sich viele Menschen für Esoterik interessiert, die mit den Nazis nichts am Hut hatten. Es mag zwar sein (was ich bezweifle) dass die Nazis in gewisse christliche Milieus nur wenig eingedrungen sind, andererseits haben sich doch wohl die meisten Christen mit dem Nazionalsozialisten gut arrangiert, die gewählt und auch gut von der Shoah profitiert. Für die katholische Kirche war der Nationalsozialismus sowieso ein Geschenk des Himmels: endlich konnten die Gottesmörder, die Juden, vernichtet werden, ohne das man sich selbst als Organisation die Finger schmutzig machte. Arbeitsteilung sozusagen. Hitler hat selbst ganz treffend festgestellt, dass er mit dem Mord an den Juden nur das Werk der Kirche fortsetze. Und die Kirche hat die Mörder belohnt, indem sie sie hätschelte und ihnen die Flucht ermöglichte. Also man höre damit auf, die Christen als besonders widerstandsfähig gegen den Nationalsozialismus darzustellen. 98 % der Bevölkerung war 1933 in den Kirchen organisiert, kaum einer war Atheist im strengen Sinne und fast alle der damaligen Menschen sind durch Erziehungsformen gegangen, die noch viel stärker von den Kirchen geprägt waren als heute. Viele NS-Schergen sind sogar streng katholisch erzogen worden (z.B., Himmler). Höss war Sohn frommer Katholiken. Die Beispiele ließen sich endlos fortsetzten.

Wie dem auch sei, der Antisemitismus war ganz sicher ein Bindemittel zwischen Christen und Nationalsozialisten. Schließlich konnte der Antiesemitismus in so breiter Form nur durch die Kirchen in die Bevölkerung gelangen.

@Haiduk
Es ist völlig abwegig, dass der Atheismus den freien Willen leugnet. Es gibt auch kaum einen Atheisten, der den Menschen als Tier oder Maschine sieht. Die hängst Zerrbildern an.
Auch kaum ein Naturwissenschaftler hängt heutzutage noch dem hundertprozentigem Determinismus an.

Im Nationalsozialismus, nur so als Tip, spielten vitalistische Tendenzen eine Rolle, also Strömungen die gerade den Willen verherrlichten.

@John Galt
Ganz richtig, was Du sagst. Freiheit ist kein Produkt der Kirchen. Freilich auch nicht des Staates.

Viele Grüße

Dr. O.

freiheitistunteilbar, am 15. April 2009 um 16:07 ( Link )

@Fatal:

Wem die Argumente ausgehen, der benutzt gerne das Wort "Lobby".

Ersetzen Sie Lobby durch Macht oder Partikularinteressen und sie verfälschen nicht den Sinngehalt der Aussage. Wem die Argumente ausgehen, der unterstellt einem Andereren, dass ihm die Argumente ausgehen.

freiheitistunteilbar, am 15. April 2009 um 16:33 ( Link )

@Dr_Ohnemoos:

Das bißchen Kritik, was heutzutage an der Kirche geübt wird, gleich als Katholiken-Bashing zu beschreiben - wie erbärmlich.

Ja, der Massenmördervergleich. Die Anmaßung dem Papst vorschreiben zu wollen, wen er wieder in seinen Reihen begrüßen will und dann noch das politisch korrekte Gejaule um die Deutungshoheit, das ist wirklich alltäglich und somit erbärmlich. Für diese Verharmlosung ist erbärmlich noch eine massive Untertreibung.

Es geht doch nicht um irgendeine billige Polemik, die der katholischen Kirche von linker Seite entgegengebracht wird, sondern um die politische Stoßrichtung.

Jede Kritik an kirchlichen Würdenträgern wird gleich zu einem riesigen Popanz aufgeblasen,

Der Meister der Übertreibung hat wieder zugeschlagen. And the Winner is Mr. Dr_Ohnemoos ;-)

Wenn Freiheit kein Produkt der Kirche sein soll, wodurch ist der liberale Freiheitsbegriff dann begründet?

Fatal, am 15. April 2009 um 16:35 ( Link )

[Kommentar von der Redaktion am 21. April 2009 gelöscht: Begründung aus dem Willkommensgruß des Herausgebers vom 18. Mai 2008: „Kommentare zu allen Artikeln sind, sofern von gutem bürgerlichen Benimm zeugend, immer herzlich willkommen und helfen uns weiter! Nicht geduldet werden prekarische Unflätigkeiten und persönliche Beleidigungen. Nicht erwünscht sind Worthaufen, die der Anstrengung der Autoren um gute Arbeit nicht gerecht werden. Einmal mehr gilt auch hier: mehr netto!“]

Dziamdzia, am 15. April 2009 um 16:39 ( Link )

Um nur mal eine Ihrer Lügen aufzugreifen:

"Viele NS-Schergen sind sogar streng katholisch erzogen worden (z.B., Himmler). "

Es war auch Himmler, der sich äusserst radikal von seinem kath. Glauben abgewendet und mit umso grösserem Fanatismus seiner neuen politischen Religion zugewendet hat. Es wäre besser gewesen, der Mann wäre gläubiger Kirchengänger geblieben.

"98 % der Bevölkerung war 1933 in den Kirchen organisiert, kaum einer war Atheist im strengen Sinne"

Jaja, nach der Rechnung sind auch heute 90% der Deutschen "Christen". Dass es sich dabei größtenteils um reine Taufscheinchristen handelt die seit Jahrzehnten keine Kirche mehr von innen gesehen haben, das kann man ja getrost verschweigen damit es in die heuchlerische Argumentation passt, nicht wahr?

Fatal, am 15. April 2009 um 16:46 ( Link )

Und warum SPD-ler et al. nicht die Gunst der Stunde geutzt haben, sondern selbst massenhaft verfolgt und ermordet wurden oder ins Ausland geflüchtet sind, entzieht sich auch einer gewissen Logik, wenns doch alle bloß Sozialisten sind.

Bernd D, am 15. April 2009 um 17:05 ( Link )

@Dr_Ohnemoos, am 15. April 2009 um 15:57

Kompliment. Sie haben mir die Arbeit abgenommen.
-------------

@freiheitistunteilbar, am 15. April 2009 um 16:33

Ja, der Massenmördervergleich. Die Anmaßung dem Papst vorschreiben zu wollen, wen er wieder in seinen Reihen begrüßen will [...] und dann noch das politisch korrekte Gejaule um die Deutungshoheit, das ist wirklich alltäglich und somit erbärmlich.

Politisch inkorrekt im besten Sinne ist Ihrer Meinung nach also nur, dass Holcaustleugner und brachiale Antisemiten wieder heim ins (kath.) Reich geführt werden? Haben Sie jetzt eine Meinung verteten oder nur ein dumpfes Gefühl artikuliert?

Wenn Freiheit kein Produkt der Kirche sein soll, wodurch ist der liberale Freiheitsbegriff dann begründet?.

Bis zur Reformation und auch danach hat sich die katholische Kirche mit dem universellen Freiheitsbegriff doch sehr schwer getan, oder nicht? Selbst die Freiheit der naturwissenschaftlichen Forschung wurde mit der Anerkennung Galileo Galileis erst Ende des 20. Jahrhunderts mehr als spät akzeptiert.

Und wenn ich da erst an die kirchlichen Waisenhäuser in den 1950er-Jahren denke....

Siechtum, am 15. April 2009 um 17:20 ( Link )

Aber das sollten wir Freiheitlichen doch wissen: Nicht auf die Gesinnung, aber auf die Machtfülle kommt es an, und dann noch in welchem Maße diese dem Herrscher unrechtmäßig zukommt, also keine Berechtigung aus einem Übereinkommen bezieht.

Thomas Wolfgang Fink, am 15. April 2009 um 17:38 ( Link )

Wenn "das bisschen Kritik", welches seit Wochen auf den Papst und die katholische Kirche niederprasselt, sich z.B. gegen den Islam gerichtet hätte, dann hättet ihr, verehrte Atheisten, schon längst in irgendeiner Form vergegenwärtigen können, das ihr es alleine der Kirche zu verdanken habt, heute das Maul aufreissen zu können, ohne, bis zum Hals in irgendeinem Erdloch eingegraben, auf den nächsten Stein warten zu müssen.

NM, am 15. April 2009 um 17:49 ( Link )

Ich glaub es kaum....2000 Jahre und nichts hat sich geändert! Wer will heute wirklich noch argumentieren, dass die Religion bessere oder schlechtere Menschen hervorbringt???
Im Mittelalter als Europa flächendeckend katholisch war, war auch nicht gerade der Himmel auf Erden. Später auf einem anderen Kontinent haben die amerikanischen Siedler noch mal eben ein paar Indianer abgeknallt, bevor sie in die Kirche gegangen sind.
Ich will damit nicht sagen, dass der Christ schlechter ist als andere, es macht einfach keinen Unterschied!
Was sich im letzten Jahrhundert geändert hat, sind ausschließlich die Möglichkeiten effektiver zu töten,....und da waren es eben die Nazis und Kommunisten.
Als die 10 Gebote und die Todsünden auf den Tisch kamen, hat es doch vermutlich nur einen Augenblick gedauert, bis sie gebrochen wurden.
So lange Religion nicht mehr als ein Lippenbekenntnis ist, die religiösen Regeln eher einem Selbstbedienungsladen gleichen, in dem man aus dem vollen Angebot aussuchen kann, braucht wirklich niemand diesen Keil zwischen die Menschen treiben.
Wer es anders sieht, stellt sich doch mal bitte folgende Frage: In letzter Zeit mal neidisch gewesen, gelogen oder vorehelichen sex gehabt, etc.?

In diesem Sinne....

Bernd D, am 15. April 2009 um 17:54 ( Link )

@Thomas Wolfgang Frank

Wenn "das bisschen Kritik", welches seit Wochen auf den Papst und die katholische Kirche niederprasselt, sich z.B. gegen den Islam gerichtet hätte, dann hättet ihr, verehrte Atheisten, schon längst in irgendeiner Form vergegenwärtigen können, das ihr es alleine der Kirche zu verdanken habt, heute das Maul aufreissen zu können, ohne, bis zum Hals in irgendeinem Erdloch eingegraben, auf den nächsten Stein warten zu müssen.

Auffallend, dass Sie alle, die nicht Ihrer Meinung sind, gleichschalten, indem Sie sie als Atheisten bezeichnen.

Ich bin (evang.) Christ, Abtreibungsgegener und engagiere mich gegen den Politischen Islam sowie linkes oder sonstwelches Appeasertum, was mich aber nicht daran hindert, das rechte Auge offen zu halten und die Dinge beim Namen zu nennen.

Und dazu gehört, dass Antisemiten in der Kirche nichts verloren haben. Wenn sie dennoch wieder mit offenen Armen aufgenommen werden sagt das viel aus über denjenigen, der diese Handlung vollzieht.

Der Papst ist seit 40 Jahren am Thema Pius-Bruderschaft dran. Er weiß also genau, was er tut. In diesem Zusammenhang von einem schlecht unterrichteten oder übergangenen Papst zu sprechen ist geradezu abenteuerlich.

NM, am 15. April 2009 um 17:56 ( Link )

@ ThomasWolfgang Fink
Sehr richtig, steinigen für die eigene Meinung ist einfach barbarisch!!!
Wie wäre es denn mit einem Scheiterhaufen???

NM, am 15. April 2009 um 17:56 ( Link )

ups meinte
@Thomas Wolfgang Frank
sorry

A. Lehmann, am 15. April 2009 um 18:10 ( Link )

Lieber Beck und Roth als den Papst?
Eben da haben wir die ganze Misere, die völlige Maßlosigkeit im Denken, die sich spätestens seit 1918 in regelmäßigen Sturzbächen über die deutsche Gesellschaft ergießt.

Bestimmte Kreise sollten mal nicht vergessen, dass die braunen und roten demokratisch-atheistischen Gesinnungsgenossen (ja, ja der Himmler war ein Halb-Buddhist. Toll! Ist die Roth wahrscheinlich auch.) nach, oder sogar während der vollständigen Vernichtung der reaktionären Kräfte immer auch massenhaft im eigenen Lager gesäubert haben. Dass man den braven Sozialdemokraten und seine sonstwie links-liberalen Gesinnungsbrüder meist als Verräter und nicht als Gegner erschossen hat, sollte doch eigentlich zu denken geben!

Aber der gute Demokrat ist halt, weil unterwegs in progressiver Mission und niemals zurückblickend, ein ziemlich geschichtsvergessenes Wesen. Deswegen macht er auch jedesmal aufs Neue mit wenn zum destruktiven Halali geblasen wird.

Aber leider werdet irgendwann (erst ganz am Ende?) auch ihr ignoranten und überheblichen Schlaumeier, die ihr 2000 Jahre eurer eigenen Geschichte einfach über den Haufen werft, von diesen Ideologen und Technokraten als Gedankenverbrecher identifiziert werden. Macht euch da mal keine Hoffnungen. Wurde im 20. Jahrhundert schon mehrfach vorexerziert.

Wenns die Roth nicht macht, dann ihre mit aller Wahrscheinlichkeit noch radikalere und totalitaristischere Nachfolgerin. Die neue SA/FDJ Jugend zeigt sich nicht nur immer heftiger in den alltäglich gewordenen Ausschreitungen, sie wurde gestern in Gestalt der PDS-Jungschabraken auch in der FAZ porträtiert. Besonders betont wurde vom FAZ-Schreiberling übrigens das diese "Damen" hervorstechend hübsch sein. Mensch, das ist doch mal ein echtes Qualitätsmerkmal für Politik! Jetzt ist das auch in die letzten bürgerlichen Kreise durchgedrungen.

Aber ich weiss, für ein bißchen Revoluzzertum und die damit einhergehende Zerstörungslust hatte man ja in aufgeklärten, demokratischen Kreisen immer schon (klammheimliches) Verständnis. Hauptsache es sind keine konservativen Revolutionäre, stimmts? Wehe der Papst erdreistet sich, in seiner Weise die Gesellschaft "revolutionieren" zu wollen!

Das neue Jakobinertum kündigt sich, auf gar nicht leisen Sohlen, aber dafür in umso größeren Schritten an. Von der verhätschelten Bürgerjugend genauso kommend wie aus dem neuen europäischen Superstaat. Unterstützt von hundertausenden mediokren Intellektuellen.

Aus diesem Land, aus diesem ganzen Kontinent kann man eigentlich nur noch entfliehen!

Thomas Wolfgang Fink, am 15. April 2009 um 18:14 ( Link )

Fink ist schon richtig, das sage ich ganz frank und frei. Und was die Scheiterhaufen angeht, wo brennen die denn noch, außer in ihrem Kopf? Ich habe prinzipiell nichts gegen Atheisten. Nur gegen die fanatisch religiöse Sorte. Und was die Pius Bruderschaft angeht, ist das eine Angelegenheit der katholischen Kirche aus der Sie sich als evangelischer Christ rauszuhalten haben. Diese ganze Kritik am Papst läuft doch darauf hinaus, das man ihm verbieten möchte, katholisch zu sein.

Bernd D, am 15. April 2009 um 18:17 ( Link )

@A.Lehmann

Hauptsache es sind keine konservativen Revolutionäre, stimmts?

Würden Sie das bitte etwas näher erläutern?

lch kann mir zwar in etwa vorstellen, was Sie meinen, will es aber doch gerne von Ihnen erfahren.

Bernd D, am 15. April 2009 um 18:25 ( Link )

@Thomas Wolfgang Fink

Und was die Pius Bruderschaft angeht, ist das eine Angelegenheit der katholischen Kirche aus der Sie sich als evangelischer Christ rauszuhalten haben.

Interessant, welch' ausgeprägtes Verständnis von Meinungsfreiheit Sie hier an den Tag legen. Soll ich jetzt die Hand an die rechte Hosennaht legen?

Diese ganze Kritik am Papst läuft doch darauf hinaus, das man ihm verbieten möchte, katholisch zu sein.

Ist mir egal, was er ist, solange er uns Protestanten nicht den Kirchenstatus oder die apostolische Sukzession abspricht, die auf ihn übrigens auch nicht zutrifft (Bitte im Kirchenlexikon nachsehen).

Im übrigen stammt das Zitat mit dem Scheiterhaufen nicht von mir sondern von NM. Sie sollten darauf achten, die Kommentare nicht zu vermischen.

A. Lehmann, am 15. April 2009 um 18:28 ( Link )

"Politisch inkorrekt im besten Sinne ist Ihrer Meinung nach also nur, dass Holcaustleugner und brachiale Antisemiten wieder heim ins (kath.) Reich geführt werden? Haben Sie jetzt eine Meinung verteten oder nur ein dumpfes Gefühl artikuliert?"

Einfach herrlich.

Holocaustleugner? Geleugnet hat den Holocaust übernimmt niemand in der Bruderschaft. Aber ich nehme an das ist nur ein kleines, feines Detail.

Brachiale Antisemiten? Weil einmal im Jahr am Karfreitag eine Fürbitte zur Bekehrung der Juden gesprochen wird? Weil möglicherweise ein Priester eine antijüdische, antisemitische oder antiisraelische Meinung geäußert hat? Gibt es dann überhaupt eine einzige, nicht-antisemitsche Institution in Deutschland?

Und dabei hat man sich doch so Mühe gegeben. 3000 Seiten Publikation der Bruderschaft hat neulich ein Journalist durchforstet. 3000 Seiten !!!

"Bis zur Reformation und auch danach hat sich die katholische Kirche mit dem universellen Freiheitsbegriff doch sehr schwer getan, oder nicht? Selbst die Freiheit der naturwissenschaftlichen Forschung wurde mit der Anerkennung Galileo Galileis erst Ende des 20. Jahrhunderts mehr als spät akzeptiert."

Ja stimmt, genau so war es. Könnte aus meinem damaligen Geschichtsbuch in der Schule stammen.

Und die katholischen Waisenhäuser der 50-er Jahre erst! Das ist natürlich ein weiterer Grund die Kirche mit Stumpf und Stil auszurotten. Ersetzen könnte man diese Heime dann mit Waisenhäusern bundesdemokratischer oder auch rumänisch-sozialistischer Natur.

"Ich bin (evang.) Christ, Abtreibungsgegener und engagiere mich gegen den Politischen Islam sowie linkes oder sonstwelches Appeasertum, was mich aber nicht daran hindert, das rechte Auge offen zu halten und die Dinge beim Namen zu nennen.

Und dazu gehört, dass Antisemiten in der Kirche nichts verloren haben. Wenn sie dennoch wieder mit offenen Armen aufgenommen werden sagt das viel aus über denjenigen, der diese Handlung vollzieht."

Diesen Absatz als krönenden Abschluß des "Appeasertums".

Sie sollten vielleicht mal bei Gelegenheit einen dieser Horte des Antisemitismus aufsuchen. Gerne könnten Sie auch einen dieser Extremisten zum Thema befragen. Sie sind ganz leicht zu erkennen, die tragen nämlich wahnwitzigerweise immer noch die alte, verstaubte Priesterkleidung. Und keine Angst, man wird Ihnen nichts tun. Sie sind ja kein Jude...

A. Lehmann, am 15. April 2009 um 18:37 ( Link )

Konservative Revolutionäre?

Alte und junge Menschen die nach echter Perspektive und echten Werten suchen, und dann Veränderungen einleiten wollen die nicht dem links-liberalen Schmarotzergehabe entsprechen. Personen die den bundesdeutschen Wahnsinn hinterfragen. Die etwas bewährtes weiter gedeihen und erblühen lassen wollen und zuallererst von anderen zu fordern oder von anderen nehmen zu wollen. Wahrheit und Tat vereint.

Der wichtigere Teil war aber weiter oben zu finden.

Und damit klinke ich mich aus.

JohnGalt, am 15. April 2009 um 18:45 ( Link )

Fink ist schon richtig, das sage ich ganz frank und frei. Und was die Scheiterhaufen angeht, wo brennen die denn noch, außer in ihrem Kopf? Ich habe prinzipiell nichts gegen Atheisten. Nur gegen die fanatisch religiöse Sorte.

...und ich habe prinzipiell nichts gegen Gläubige.
Nur gegen die fanatisch religiöse Sorte.

Darauf kann man sich doch einigen, oder?

Bernd D, am 15. April 2009 um 18:46 ( Link )

@A. Lehmann

Alte und junge Menschen die nach echter Perspektive und echten Werten suchen, und dann Veränderungen einleiten wollen die nicht dem links-liberalen Schmarotzergehabe entsprechen. Personen die den bundesdeutschen Wahnsinn hinterfragen. Die etwas bewährtes weiter gedeihen und erblühen lassen wollen und zuallererst von anderen zu fordern oder von anderen nehmen zu wollen. Wahrheit und Tat vereint.

Was sind echte Perspektiven Werte?
Was ist Bewährtes?
Was ist Wahrheit und Tat?

Werden Sie endlich konkret und füllen Sie ihre Formulierungen mit Inhalten. Andernfalls leisten Sie auch nicht mehr als Altermedia.

Sie brauchen ja keinen Roman zu schreiben....

freiheitistunteilbar, am 15. April 2009 um 19:23 ( Link )

@Fatal

@ freiheitblabla: Ahja, wo gibt es denn bitteschön eine schwule Macht oder ein schwules Partikularinteresse? Ich glaube, Herr Lichtschlag versucht nur mal wieder, sich einer Leserschaft anzubiedern, die nur sehr oberflächlich freiheitliche Interessen vertritt.

Einer Lobby geht es um Macht, einer Lobby geht es um Partikularinteressen. Konkret handelte Litschlags Absatz von politischen Heuchlern, denen es um Geld und Pfründe geht.

Und mein Nick lautet nicht "freiheitblabla," schließlich betitel ich Sie auch nicht als "fatalismus" oder als "fatalerfehler." Nicht, das ich mir darauf etwas einbilden würde, aber ein überhebliches "blabla" zeugt von der Oberflächlichkeit, die Sie mir vorwerfen.


Und warum überhaupt einer Schwulenbewegung daran gelegen sein könnte, andere Schwule zu internieren und zu ermorden erschließt sich wohl nur einem gewöhnlichen Neurechten.

Offensichtlich haben wir zwei unterschiedliche Artikel gelesen. Lichtschlag hob die Ambivalenz hervor, mit der Schwule im 3. Reich behandelt wurden.

Dass die Hitlerbewegten in Teilen – denken wir nur an Ernst Röhm und seine Gespiele – eine (wie Zeitungen vor der Machtübernahme auch offen schrieben) „Homobewegung“ waren und von der faschistischen Männerbund- und Stiefel-Ästhetik angezogene Schwule anteilmäßig mindestens ebenso unter den Tätern wie unter den Naziopfern zu finden waren, wie Szenefilmemacher Rosa von Praunheim im Dokumentarfilm „Männer, Helden, schwule Nazis“ eindrucksvoll nachzeichnet, auch das wird unterschlagen.

Thomas Wolfgang Fink, am 15. April 2009 um 19:40 ( Link )

...und ich habe prinzipiell nichts gegen Gläubige.
Nur gegen die fanatisch religiöse Sorte.Darauf kann man sich doch einigen, oder?

Das kann man. Und Ayn Rand ist mir ja eine der liebsten Atheisten.
Es gibt auch Ungläubige, die sich der katholischen Kultur zugehörig fühlen. Denn es gibt in der katholischen Kirche noch den Versuch ein Gebäude zu bewohnen und instandzuhalten, das der Protestantismus schon lange verlassen hat. Dieser Versuch wird, was die Gesamtheit und die Einheit der Kirche betrifft, scheitern. Aber es werden möglicherweise einige Inseln dem Ansturm der Barbaren standhalten.

A. Lehmann, am 15. April 2009 um 19:42 ( Link )

Wahrheit:
Heutzutage muss man jedem jungen Menschen Anerkennung zollen wenn er überhaupt nur bereit ist abseits des demokratisch-atheistischen Mainstreams zu suchen und zu denken. Wenn er so mutig ist, seinen echten Gefühlen, Empfindungen und Vermutungen mehr Raum einzuräumen als den Vorgaben der sprichwörtlichen Mittelmäßigkeit. Auf diesem Charakterzug kann dann wieder etwas gedeihen.

Konkret drückt sich die Wahrheit durch das von der katholischen Kirche (teilweise auch die Protestanten) und der politischen Rechten (teilweise die klassischen Liberalen) festgehaltene und konservierte Wissen um die sündhafte und niemals änderbare Natur des Menschen aus. Schwarz ist die Farbe der Wahrheit und das Gegenteil von links.

Tat: Tun was richtig ist. Handeln wenn es sein muß. Ohne falsche Sentimentalität und feige Kompromisse. Im Sinne der Wahrheit. 1000 wahnsinnige Ideologen einkerkern oder töten bevor sie Millionen ermorden können.

Die Symbiose von Wahrheit und Tat war ein Claus Graf Schenk von Staufenberg.

Bewährt: Alle Überzeugungen, Vorstellungen und Institutionen die sich geschichtlich gesehen nicht nur behauptet haben, sondern auch ein gedeihliches Miteinander ermöglicht haben. Im Sinne der Erkenntnis das es kein Paradies auf Erden gibt.

Perspektiven:
Die Zukunft sichern für
- die Personalität, Souveränität und Freiheit des Menschen. Im Sinne der Wahrheit und mit Maß.
- die katholische Kirche.
- das deutsche Volk, die europäischen Völker und schlußendlich auch für die weiße Menschheit.
- die abendländische Kultur.

Fazit: Perspektiven zu vermitteln und durchzusetzen, Bewährtes zu bewahren, Wahrheit und Tat in Eins zu bringen kann nur durch eine echte, bewährte und von der Wahrheit und der Tradition geleitete gesellschaftliche Elite erreicht werden. Der Mensch muß unter allen Umständen in ein Gefüge, ein durchaus durchlässiges Gefüge, eingeordnet werden. Weder das Proletariat noch das Bürgertum waren dazu jemals in der Lage. Sollte das Abendland tatsächlich untergehen ist es dieser Tatsache zu verdanken. Seit 1918 herrscht nur noch Chaos.

Ich habe in diesem Forum schon viel geschrieben. Was ich meine wird aus diesen Beiträgen mehr als klar.

A. Lehmann, am 15. April 2009 um 19:45 ( Link )

@ Thomas Wolfgang Fink

"Dieser Versuch wird, was die Gesamtheit und die Einheit der Kirche betrifft, scheitern. Aber es werden möglicherweise einige Inseln dem Ansturm der Barbaren standhalten."

Das erscheint auch mir als die realistischste Einschätzung. Immerhin oder leider. Ganz wie man es sehen möchte.

Das Gleiche könnte auch für die abendländischen Staaten und Gemeinschaften gelten.

Shuca, am 15. April 2009 um 20:13 ( Link )

Solange der Spiegel die katholische Kirche angreifen tut, ist mit ihr noch zu rechnen.Wenn dieses komische Blatt diese Kirche loben tut, dann hat sie kapituliert.Natürlich sollte man wissen, das der neonkonservative Bischof Mixa gegen Zöllitsch nichts ausrichten kann.Aber eins ist klar.Für die Bischöfe Deutschlands geht die Zeit des Wohlfühlens vorbei.Der Atheismus will die Vernichtung des Glaubens an Christus und nicht seine weichgespülte lächerliche Variante.
Per Mariam ad Christum.

Fatal, am 15. April 2009 um 20:15 ( Link )

Der Atheismus will die Vernichtung des Glaubens an Christus und nicht seine weichgespülte lächerliche Variante.
Ich glaube, dass nur ein vernichtend geringer Anteil der Atheisten das will.

Shuca, am 15. April 2009 um 20:32 ( Link )

Es wird Schlag auf Schlag gehen.Die deutsche Bischofskonferenz wird an dem Verrat des letzten Konzils festhalten.Sie werden den Zusammenbruch des Glaubens ihrer Herde erleben.Diese Apostasie,die auch automatisch über die Nichtgetauften kommen wird, ist die schlechteste Alternative für die Zukunft.Der Wertewandel ist in Wahrheit ein Wertezusammenbruch.Wenn es keine Werte mehr gibt,ist sich jeder selbst der Nächste.
Und dafür müssen Päpste,Kardinäle,und Bischöfe vor Christus sich verantworten.Wenn die Sakramente tangiert worden sind,dann Gnade ihnen Christus.

Shuca, am 15. April 2009 um 21:29 ( Link )

Und es gibt wirklich noch Menschen die glauben das sie frei sind,und sie glauben das alle gleich sind,und die Krönung ist die Brüderlichkeit.Politisch korrekt heißt das natürlich Geschwisterlichkeit.Jeder Tag im realen Leben dieser Welt beweißt,was für eine schwachsinnige Ideologie dieses Denken ist.

Reiner Vogels Fördermitglied, am 15. April 2009 um 22:32 ( Link )

@NM

Natürlich sind Christen nicht automatisch bessere Menschen. Sie kommen von der in ihnen wohnenden Sündhaftigkeit nicht los. Siehe Römer 7, 19: "Denn das Gute, das ich will, das tue ich nicht sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich."

Luther (auch ich bin evangelischer Christ) hat den Christen immer als "simul iustus et peccator", also als "gerecht und Sünder zugleich", verstanden.

Wir Christen können nicht behaupten, dass die Welt durch uns besser geworden sei, so sehr wir uns auch im Alltag immer wieder darum bemühen sollen und wollen, dass die Welt durch uns besser wird. Wir bleiben eben sündige Menschen, so sehr wir uns auch bemühen.

Das ist aber letztlich nicht entscheidend. Das Christentum ist eine Erlösungsreligion, keine innerweltlich-humanistische Moralbewegung.

Wir wissen, dass wir trotz unserer Sünden um Christi willen erlöst und zur ewigen Seligkeit befreit werden. Und wenn es wirklich uns geschenkt wird, dass wir aus diesem Wissen heraus in wirklicher Nächstenliebe die Welt besser machen, dann ist das ein Geschenk Gottes, für das wir nicht genug danken können, nicht unser eigenes Verdienst.

Max, am 16. April 2009 um 0:20 ( Link )

Ich glaube, dass nur ein vernichtend geringer Anteil der Atheisten das will.

Der Offenbarung das überirdische und überweltliche abzusprechen und damit Jesus Christus vom Sohn Gottes zu einem gewöhnlichen Philosophen oder gar zu einem Schwindler zu degradieren, läuft aber genau auf die Vernichtung der Kirche hinaus. Wobei diese Vernichtung mittlerweile nicht von den Atheisten, sondern von den "progressiven Kräften" der Kirche selbst vorangetrieben wird.

Was nützt denn eine Religion ohne Anspruch auf die eine objektive Wahrheit? Nichts! Sie wäre moralisch und seelisch genauso impotent wie etwa die "modernen" Religionen des Demokratismus oder des Kommunismus.

Sphairon, am 16. April 2009 um 1:28 ( Link )

Was nützt denn eine Religion ohne Anspruch auf die eine objektive Wahrheit? Nichts! Sie wäre moralisch und seelisch genauso impotent wie etwa die "modernen" Religionen des Demokratismus oder des Kommunismus.

Mit dem Unterschied, dass sich letztere zwei immerhin noch irgendwie bemühen, ihre abstrusen Forderungen mit real greifbaren Konzepten und Beweisen zu unterlegen, während sich die Religionen gemütlich im geistigen Schlummerland der heiligen Bücher und unanzweifelbaren Dogmen ausgebreitet haben.

Es ist ja nicht so, dass die Abkehr von Kirche und Glauben ein von der PC verordneter Irrweg sei. Vielmehr füllt die PC die Lücke, die die längst unglaubwürdig gewordenen Religionen nach ihrem gesellschaftlichen Machtverlust hinterlassen haben. Dass hierbei überirdische Märchen mit bloßen Sozialingenieursphantasien ersetzt wurden, ist momentan noch nicht im gesellschaftlichen Mainstream angekommen, was aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit geschehen wird - so wie die katholische Kirche, dieses folternde, mordende, brandschatzende, unterdrückerische Monstrum aus der geistigen Vorsteinzeit, auch schon längst ihr gesellschaftliches Verfallsdatum erreicht hat.

Es mag als mutig gelten, erbittert an einer endgültig diskreditierten Phantasie festzuhalten. Die Herren, die so sprechen, verehren aber hoffentlich nicht auch ihre Kinder und/oder Enkel, die sich über Weihnachtsmann und Osterhase erquicken können.

Max, am 16. April 2009 um 3:03 ( Link )

Dass hierbei überirdische Märchen mit bloßen Sozialingenieursphantasien ersetzt wurden, ist momentan noch nicht im gesellschaftlichen Mainstream angekommen, was aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit geschehen wird [...]

Und der Glaube an einen moralischen und geistigen "Verbesserungsprozess" der Bestie Mensch, der letztendlich dazu führen soll, dass sich ein von allen absoluten Wahrheiten losgelöster Zellhaufen über alle Rassen und Stände hinweg das Paradies auf Erden höchstselbst errichten wird, stellt keine Religion dar? Gibt es denn wissenschaftlich-rationale Beweise für einen moralischen und geistigen Fortschritt unserer Gesellschaft oder ist dieser sentimal-humanistische Unfug vielmehr als sakrales Urdogma zu verstehen?

Und dieser "neue" Mensch bezieht seine Definitionen von "richtig" und "falsch" -hier ist alles denkbar, eine endgültige Wahrheit gibt es nicht- aus den Papierschriften Rothbards und lebt, Mises sei Dank, materiell betrachtet in Saus und Braus. Man lebt und verehrt also eben jene Weisheiten, die doch allerhöchstens das äußere, niemals jedoch das innere Leben zu erfüllen vermögen? Mit Verlaub, aber da glaube ich doch lieber an den Weihnachtsmann oder an den Osterhasen...;-)

[...]so wie die katholische Kirche, dieses folternde, mordende, brandschatzende, unterdrückerische Monstrum aus der geistigen Vorsteinzeit, auch schon längst ihr gesellschaftliches Verfallsdatum erreicht hat.

Liberale/Libertäre und Sozialisten/Kommunisten eint der Fortschrittsglaube. Sie beweisen das hiermit erneut eindrucksvoll.

Lion Edler, am 16. April 2009 um 3:16 ( Link )

Wieder einmal ein sehr guter und mutiger Artikel zur BRD-Politreligion. Ich staune.

Jochen Kramer, am 16. April 2009 um 3:54 ( Link )

Ich finde den Scheidungskrieg Heiden versus Christen widerwärtig. Denn er führt zu so absurden Behauptungen wie, "dass der Widerstand gegen das NS-Regime um Stauffenberg in erster Linie christlich motiviert war." Es gab mutige Nazigegner auf beiden Seiten. Warum will man der anderen Seite alle Verdienste absprechen. Es gab Feiglinge und Verräter auf beiden Seiten. Es gibt Christen, die vom Glauben abfallen und Heiden, die zu Christen werden.
Das Christentum ist zu einer Zeit entstanden, in der Kriege alltäglich waren. Um diesen Wahnsinn zu beenden kam einer auf die faszinierende Idee "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Diese Idee hat so viele Anhänger gefunden, dass daraus eine Massenbewegung wurde. Ich respektiere einen Christen und würde ihn gegen einen brutalen Schläger verteidigen, dem er noch die andere Wange hinhält. Ich mag von ihm bedauert werden, weil ich Gewalt angewendet haben und respektiere es. Aber wenn er mich dafür verachtet und mir alle Verdienste abspricht, weil ich nicht an Gott glaube, ist er kein Christ, sondern ein Heuchler.

Heiden vs. Christen ist ein schäbiger Ehestreit, der es beiden Parteien schwerer macht für die gemeinsamen Kinder zu sorgen.

Neutrino, am 16. April 2009 um 9:56 ( Link )

Durchgedrehte Irre wie Stalin, Hitler, Mao etc. welche eigentlich allesamt ein Fall für die geschlossene Anstalt gewesen wären als lupenreine und vor allem glaubwürdige überzeugte Atheisten darzustellen ist schon harter Tobak. Sie zu Kronzeugen gegen den Atheismus zu machen ist als würden sie heute durch die Irrenhäuser tingeln um die dort Lebenden zum Beweis gegen diese oder jene Bevölkerungsgruppe zu machen. Fündig werden sie auf jeden Fall.
Ferner dürfte ihnen nicht entgangen sein, dass Hitler sich in der Propaganda auch als „Prophet Gottes“ bezeichnen ließ und Stalin ebenso wie Mao sich als Götter, zumindest als gottgleiche Wesen verehren ließen. Und so haben sie sich wohl auch selbst gesehen: wie Götter; Allmächtig und vor allem unfehlbar.
So hat es schon viele Kulturen gegeben in denen das Staatsoberhaupt gleichzeitig auch Götter waren: Ägypter, China, Maya und auch die europäischen Herrscher herrschten nicht zufällig „von Gottes Gnaden“. So eben auch die Diktaturen des 20 Jhr. Dann aber zu behaupten, die NS- und Kommunistendiktaturen wären nicht religiös gewesen nur weil sie sich nicht den Pabst auf die Fahnen geschrieben haben ist schlicht haltlos.
Übrigens im Falle Maos hat er sich auch unterschwellig der gottgleichen Figur des Konfuzius bedient. Konfuzius lehrte nicht nur vom Einheit des Himmels und der Erde, sondern auch (und das wird von deutschen Möchtegern-Konfuzianern gerne ignoriert) vom bedingungslosen Gehorsam dem Staate und allen „Höhergestellten“ gegenüber. Diesen Gehorsam forderte auch Mao für seine Partei ein.
Oder Nehmen sie Nordkorea. Die haben sich bewusst ihre eigene Religion geschaffen, um nun in dessen Namen weiter morden und foltern zu können.

Max, am 16. April 2009 um 11:40 ( Link )

Aber wenn er mich dafür verachtet und mir alle Verdienste abspricht, weil ich nicht an Gott glaube, ist er kein Christ, sondern ein Heuchler.

Die "Verdienste" des Liberalismus dürften in 3 Minuten fertig diskutiert sein, denn es gibt schlichtweg keine.

Aber wenn Sie es schon ansprechen: Waren denn die "Liberaldemokraten" in Deutschlands dunkelster Stunde? Wo waren die Minimalstaatsjünger als Hitler offensichtlich alles daran setzte, einen Maximalstaat zu etablieren? Bis auf die schon aus revolutionären Zeiten bekannte Sonntagsrhetorik von den "individuellen Freiheiten" und den "Grundrechten", die es Kraft Papierdruckbuchstaben zu achten und zu ehren gilt, lässt sich diesbezüglich so gut wie nichts anführen. Stattdessen wird krampfhaft versucht, einen bekennenden Antiliberalen wie Stauffenberg vor den eigenen Karren zu spannen.

Jochen Kramer, am 16. April 2009 um 12:20 ( Link )

@ Max

"Die "Verdienste" des Liberalismus dürften in 3 Minuten fertig diskutiert sein, denn es gibt schlichtweg keine."

Sehen Sie, solche Sätze kommen bei diesem Streit heraus. Als lebenserfahrener Mensch tue ich jetzt mal das, was wohl Jesus getan hätte. Ich widerspreche Ihnen nicht, sondern halte Ihnen noch die andere Wange hin. Warum? Weil es in diesem Fall sinnvoll ist. Ich kann meine Zeit mit amüsanteren Gesprächspartnern verbringen.

Thomas Wolfgang Fink, am 16. April 2009 um 12:49 ( Link )

Durchgedrehte Irre wie Stalin, Hitler, Mao etc. welche eigentlich allesamt ein Fall für die geschlossene Anstalt gewesen wären ...

Um die Macht eines echten Mao, Hitler oder Stalin zu erringen und zu erhalten, bedarf es eines Realitätssinnes, den man bei Insassen geschlossener Anstalten nicht antrifft. Diese Verbrecher als arme Irre zu titulieren mit denen Sie als vernünftiger Atheist nichts zu tun haben, damit machen Sie es sich etwas leicht, lieber Neutrino. Mao, Stalin und Hitler wußten, dass der Mensch ein religiöses Tier ist und das man aus jedem Ismus eine Religion machen kann, wenn es darum geht die echte Religion zu vernichten.

Sphairon, am 16. April 2009 um 14:02 ( Link )

Und der Glaube an einen moralischen und geistigen "Verbesserungsprozess" der Bestie Mensch, der letztendlich dazu führen soll, dass sich ein von allen absoluten Wahrheiten losgelöster Zellhaufen über alle Rassen und Stände hinweg das Paradies auf Erden höchstselbst errichten wird, stellt keine Religion dar?

Niemand hat behauptet, es sei möglich, ein Paradies auf Erden zu errichten. Worum es mir persönlich geht, ist eine Lebensatmosphäre, in der möglichst großer Entfaltungsspielraum für den menschlichen Geist gewährt wird, da ich mir von einem evolutiven Prozess mehr verspreche als von den Diktaten politischer Planer - oder den Edikten ultrakonservativer Kirchenväter. Und ja, ich glaube, in so einer Atmosphäre wird sich die Mehrheit von den "absoluten Wahrheiten", die einige für sich beanspruchen, loslösen können.

Dadurch wird der Mensch jedoch nicht zum Zellhaufen degradiert, sondern bloß in seiner Menschlichkeit bestärkt - als selbstständiges, kritisches Wesen.

Gibt es denn wissenschaftlich-rationale Beweise für einen moralischen und geistigen Fortschritt unserer Gesellschaft oder ist dieser sentimal-humanistische Unfug vielmehr als sakrales Urdogma zu verstehen?

Ich weiß nicht, was Sie als Beweis kategorisieren würden, aber ich könnte beispielsweise Lloyd de Mauses psychogenetische Theorie der Geschichte heranziehen. Oder einfach ein bisschen "anecdotal evidence", wie der Amerikaner sagt: Denken Sie nicht, dass wir im Vergleich zur Antike, wo blutige Gladiatorenkämpfe, Sklaverei und Kindesmissbrauch zum guten Ton gehörten, gewisse Fortschritte gemacht haben?

Und dieser "neue" Mensch bezieht seine Definitionen von "richtig" und "falsch" -hier ist alles denkbar, eine endgültige Wahrheit gibt es nicht- aus den Papierschriften Rothbards und lebt, Mises sei Dank, materiell betrachtet in Saus und Braus.

"Papierschrift" - was ist denn keine Papierschrift? Niemand zwingt Sie im Übrigen, auch nicht in einer freien Gesellschaft, Ihre Werte von Rothbard zu beziehen, allerdings müssen Sie damit rechnen, bei gewaltsamen Übergriffen zur Verbreitung Ihrer Werte auf Gegenwehr zu stoßen.

Der Verbesserung der materiellen Lebensumstände der ärmsten Teile der Gesellschaft standen die Kirchenbrüder schon seit Beginn der Industrialisierung argwöhnisch gegenüber. Kein Wunder, schließlich lag ihre Machtbasis in der feudal-ländlichen Sozialstruktur. Keiner sieht seine Felle gern wegschwimmen.

Man lebt und verehrt also eben jene Weisheiten, die doch allerhöchstens das äußere, niemals jedoch das innere Leben zu erfüllen vermögen?

Liberalismus verlangt nicht die Dogmatisierung als Geisteshaltung, sondern beschreibt einen Weg zum evolutionär wahrscheinlichsten Weg der Verbesserung der Lebensumstände, in sowohl materiellem wie auch spirituellem Sinn. Eine liberale Gesellschaftsordnung kennt durchaus Platz für Kirchen, lässt ihren Mitgliedern aber genauso die Option, gegen diese Kirchen zu diskriminieren, wenn deren Lehre anstößig sein sollte.

Amtskirchen, wie sie hierzulande existieren und nun offenbar auch von liberaler Seite verteidigt werden, sind ihr jedoch gänzlich fremd, da haben Sie Recht. Diese breiten sich auf Steuerzahlerkosten aus und verhindern spirituellen Fortschritt - zur Freude der geneigten Konservativen, wie es scheint.

Liberale/Libertäre und Sozialisten/Kommunisten eint der Fortschrittsglaube. Sie beweisen das hiermit erneut eindrucksvoll.

Ich bin etwas irritiert. Muss ich an den Fortschritt glauben, um zu sehen, dass sich meine Lebensqualität durch den besagten in den letzten Jahren enorm gebessert hat?

A. Lehmann, am 16. April 2009 um 15:34 ( Link )

@ In die atheistische Runde

Jeder Mensch hat seine Religion. Auch wenn sie sich als "Ratio" tituliert. Das begreife, wer begreifen will.

Das geistig-religiöse Wirwarr in den rot-braunen Sozialismen (und in ähnlicher Form auch in jeder Demokratie), welches sowohl deren Vordenker und Staatsmänner als auch im Laufe der Zeit das einfache Volk erfasst, zeugt von vielen Dingen. Gewiss aber nicht davon das eine wirklich atheistische (selbst wenn vorher tausendmal proklamiert!) Gesellschaft jemals auch nur 4 Wochen überlebensfähig wäre.

Es wurde in den letzten 200 Jahren beinahe alles proklamiert und auf religiöse Art verehrt, nur um ja nicht den wahren christlichen Lehren gehorchen zu müssen. Man hat sich den verrücktesten Ersatzreligionen hingegeben, nur um weiterhin von seiner eigenen "Souveränität" schwärmen zu können. So ehrlich möge man doch sein!

Viele Menschen, möglicherweise gerade die erwähnten Schlächter, waren zutiefst verwirrt. Es herrscht die Zeit des religiösen Gemischtwarenladens. Jeder kombiniert wie ihm beliebt . Das es soweit kommen würde war der Rechten schon von Anfang an klar. Dafür wurde sie natürlich verspottet. Interessant dabei ist allerdings das solche "Persönlichkeiten" (wie der Herr Himmler) auch vor abstrusen(?) Kombinationen von Darwinismus, Nationalismus, Sozialismus, Heidentum und Buddhismus nicht halt gemacht haben. Obwohl das doch gar nicht im freidenkerischen Lehrplan stand!

Weltreligion, Darwinismus, Natur, Neuheidentum, Nationalismus, Sozialismus, Kommunismus, Demokratismus, Faschismus, Nationalsozialismus etc. Es sind dies eben alles eindeutig nicht Ideen die dem reaktionären Humus entwachsen sind. Gerade der Nationalismus als bösartige Verirrung wurde nicht ohne Grund von Fürsten und Kirche bekämpft.

Richtige Religionen im eigentlichen Sinne waren und sind dabei nur die Wenigsten. Fanatische und blinde Verehrung erfuhren aber alle, bis hin zum Massenmord. Man konnte sich erstmal auf alles einigen, Hauptsache es war nicht reaktionär.

Es ist hinlänglich bekannt das die Sympathien, das innere Verständnis, das Bewußtsein die gleichen Stammväter zu haben, zwischen den verschiedenen modernen Strömungen vorhanden waren.
Es gibt aus der Vorkriegszeit von WK1 und WK2 genug gegenseitige Respektsbezeugungen bezüglich der gemeinsamen Werte und den vollbrachten "Leistungen". Ausdrücklich das dritte Reich mit inbegriffen. In einem Fall Politiker X, im anderen Politiker Y. Auch die Nazis haben sich als die wahren Demokraten betrachtet. Viele sind von einem Lager in das nächste gewechselt ohne wirklich ihre Überzeugungen ändern zu müssen. Meist reichte eine Änderung in der Gewichtung.
Soll doch keiner dieser demokratischen Siegerpolitiker behaupten seine Vorgänger hätten damals nicht offene oder verdeckte Sympathie für den ein oder anderen Totalitarismus gezeigt.

Alle standen sie gemeinsam gegen Könige, Kirche und die reaktionären Werte der damaligen Gesellschaften.

Wir haben viele verschiedene Strömungen die sich in ihrem egalitaristischem und kollektivistischem Utopismus ähneln oder gleichen. Für alle war die Religion des Abendlandes und die Institution die sie verkörpert das erklärte Feindziel. Und nun möge doch kein Freigeist behaupten das er sich bei dieser Gemengenlage (wo wirklich alles angeboten wurde) auf die Seite des "unterdrückerischen Monstrums" geschlagen hätte. Bezeichnenderweise kann man ja auch heute , wo die Kirche schon lange den größten Teil ihrer Macht eingebüßt hat, sehen das die"kirchenfreundliche" Freidenker an einer Hand abzuzählen sind. Die Sympathie ist halt eher bei denen die die absolute Freiheit proklamieren.

Ganz gleich ob der einzelne Atheist tatsächlich von sich der Meinung ist er sei ein religionsloses Wesen, der Mensch an sich ist es nicht. Wo er die herkömmliche Form über den Haufen wirft ersetzt er sie sofort durch unorthodoxe Varianten. Meist mit schlimmeren Folgen. Wer dies aus den bisher gemachten geschichtlichen Erfahrungen auch heute noch nicht erkennen kann, dem ist dann auch nicht mehr zu helfen. Dann wird man vielleicht irgendwann Tür an Tür mit den "Rechten" die Gefängniszellen bewohnen.

Sphairon, am 16. April 2009 um 16:22 ( Link )

Und nun möge doch kein Freigeist behaupten das er sich bei dieser Gemengenlage (wo wirklich alles angeboten wurde) auf die Seite des "unterdrückerischen Monstrums" geschlagen hätte.

Man kann auch die Übel des Kollektivismus erkennen, ohne in den Schoß der Ewiggestrigen zurückzufallen. Es wundert mich, dass bei all der berechtigten Kritik an den blutrünstigen Auswüchsen der modernen Pseudoreligionen das Bewusstsein um die Inquisition, die Kreuzzüge, die Jagd auf den Protestantismus und die jahrhundertelange autoritäre Allianz von Altar und Thron scheinbar völlig verloren gegangen ist.

Bezeichnenderweise kann man ja auch heute , wo die Kirche schon lange den größten Teil ihrer Macht eingebüßt hat, sehen das die"kirchenfreundliche" Freidenker an einer Hand abzuzählen sind.

Was erwarten Sie denn? Natürlich unterstütze ich jederzeit eine Forderung der Kirche, nicht von den PC-Fanatikern unterdrückt und legal mundtot gemacht zu werden, aber da hört meine Sympathie auch schon auf. Warum sollte ich mich mit einer Organisationen befreunden, die sich damit rühmt, ihre reakionäre Grundhaltung nie und nimmer ändern zu wollen, wenn das gänzlich gegen meine eigenen Präferenzen geht?

Ganz gleich ob der einzelne Atheist tatsächlich von sich der Meinung ist er sei ein religionsloses Wesen, der Mensch an sich ist es nicht.

Kein Wunder, wenn man ihm von Geburt an einbläut, die einzige Alternative zum Sozialismus sei die katholische Kirche. Bei so einer Wahl muss man sich nicht wundern, wenn sich eine Mehrheit für die wenigstens oberflächlich in der echten Welt fußende Ideologie entscheidet.

Eulenspiegel , am 16. April 2009 um 17:15 ( Link )

Biologisch betrachtet hat der Gläubige, der Atheist, der links-rechts-oben und unten Ideologisierte, der Liberale, der Moralapostel seinem jeweiligen Gegenüber immer den Schaden zugefügt, den ein Ameisenbär beim auffinden einer Ameisenpopulation anrichtet.

Schlußfolgerung:
Der Freie, also frei von jedwedem Glaubenszwang und Ideologiezwang, muß, um seine Freiheit zu bewahren, den Raum zwischen sich und der Verwirrtheit und Intoleranz so groß wie möglich gestalten.

Max, am 17. April 2009 um 10:33 ( Link )

@Sphairon:

Auf das angeblich so "dunkle Mittelalter", dessen "gefangene" Menschen von der Aufklärung und dem Liberalismus "befreit" wurden, möchte ich hier nicht näher eingehen - darum geht es hier ja auch nur sekundär. Nur soviel: Warum beruft man sich ausgerechnet bei einem solch wichtigen und heiklen Thema auf die verlogene und korrupte Mainstreampresse, die ja ansonsten in Grund und Boden kritisiert wird?

Amtskirchen, wie sie hierzulande existieren und nun offenbar auch von liberaler Seite verteidigt werden, sind ihr jedoch gänzlich fremd, da haben Sie Recht.

Wir haben heute den Nationalstaat als direkte "Errungenschaft" der liberalen Revolution von 1789. Ich würde eine Woche feiern gehen, führte man heute den "Zehnten" wieder ein ;-)

So sehr wir wohl in den allermeisten Fragen zum derzeitigen Tagesgeschehen übereinstimmen, so grundlegend unterscheidet sich Ihr (liberales) Menschenbild von meinem. Für mich ist der aktuelle Wahnsinn die direkte Ausgeburt von "Benutze deinen Verstand", während Sie eine Aufklärung 2.0 propagieren.

Der Liberalismus hatte seine Chancen im späten 19ten sowie im frühen 20ten Jahrhundert. Er hat kläglich versagt und stellt nunmehr seit fast einem Jahrhundert eindrucksvoll unter Beweis, dass die Menschen eben nicht in der Lage sind, ohne objektive Wahrheiten, sprich ohne Orientierung gebende, moral- und sinnstiftende Dogmen auszukommen. Die Sakralisierung wesentlicher Teile des "modernen" Denkens (v.a. in Politik, Geschichte und Recht) spricht doch Bände! Jener esoterische, halb-religiöse Mischmasch aus überzogenen, christlichen Moralvorstellungen und einem "modernen" Schuld- und Untergangskult ist jedoch nie und nimmer in der Lage, das Fundament einer prosperierenden Gesellschaft zu bilden.

Ich bin etwas irritiert. Muss ich an den Fortschritt glauben, um zu sehen, dass sich meine Lebensqualität durch den besagten in den letzten Jahren enorm gebessert hat?

Dieser materielle Fortschritt, der ausnahmsweise kein Produkt der liberalen Legenbildung ist, geht einher mit einem moralischen, geistigen und seelischen Niedergang.

Liberalismus verlangt nicht die Dogmatisierung als Geisteshaltung

Die Dogmen des Liberalismus - ich hoffe, ich habe keines vergessen:

Dogma 1: Selbsteigentum und -darauf aufbauend- Privateigentum.
Dogma 2: Gottlosigkeit. (Folglich gibt es auch keine Wahrheit - was an sich ja widersprüchlich ist und die Nutzlosigkeit dieser Ideologie verdeutlicht.)
Dogma 3: Der gottlose Mensch ist gut und intelligent und wird auch in Ermangelung von objektiven Wahrheiten immer in der Lage sein, das -aus Sicht des Liberalen- "richtige" zu tun, so dass
Dogma 4: eine gesellschaftliche Ordnung in Wohlstand und Frieden möglich ist, die so noch nie existiert hat.

Nun kommt die private Wohnzimmerweltanschauung einiger Liberaler/Libertärer ohne einen Monopolstaat aus. Das ändert jedoch nichts den Fundamenten/Dogmen ihres Weltbildes, die schlicht und ergreifend falsch sind. Ausnahmen gibt es natürlich - H.H. Hoppe würde ich beispielsweise von meiner Kritik verschonen. Sie, lieber Sphairon, sind allerdings ein voll und ganz im Modernismus gefangener Selbstanbeter.

Sphairon, am 17. April 2009 um 13:58 ( Link )

Nur soviel: Warum beruft man sich ausgerechnet bei einem solch wichtigen und heiklen Thema auf die verlogene und korrupte Mainstreampresse, die ja ansonsten in Grund und Boden kritisiert wird?

Ich verstehe nicht ganz, worauf Sie hinaus wollen.

Wir haben heute den Nationalstaat als direkte "Errungenschaft" der liberalen Revolution von 1789.

Ihre Definition von "liberal" ist sehr vage. Ich persönlich sehe die französische Revolution nicht als liberalen Durchbruch, sondern als ersten Austrieb der (von mir im Übrigen auch missbilligten) "neuen Ordnung" von Nationalismus, gewaltsamem Sekularismus und Henkersozialismus, die man in Europa in den nächsten 150 Jahren verstärkt am eigenen Leib erfahren durfte.

Sie verwechseln mich offenbar mich dem Archetypus des Feel-Good-"Liberalen", der alles, was gegen König und für Aufklärung geht, gedankenlos bejubelt. Ich habe Hoppe gelesen. Mir ist bewusst, dass die von Klerus und Monarchie Regierten besonders fiskal, aber auch allgemein weniger geschröpft wurden als heute. Allerdings ist ein kleineres Übel immer noch ein Übel, und hier trenne ich mich von den Konservativen - ich will mich nicht damit abfinden, dass die Welt inhärent ungerecht sein muss. Zumindest die Institutionalisierung der Ungerechtigkeit sollte man erfolgreich unterbinden.

Immerhin, Max, wenn ich Ihnen richtig folge, sind Sie ja auch nicht wirklich zufrieden mit dem derzeitigen politischen Fundament. Ist das nicht, in Anbetracht des Siegeszuges der Demokratie, auch bloß eine Wohnzimmerweltanschauung?

Die Sakralisierung wesentlicher Teile des "modernen" Denkens (v.a. in Politik, Geschichte und Recht) spricht doch Bände! Jener esoterische, halb-religiöse Mischmasch aus überzogenen, christlichen Moralvorstellungen und einem "modernen" Schuld- und Untergangskult ist jedoch nie und nimmer in der Lage, das Fundament einer prosperierenden Gesellschaft zu bilden.

Dem kann ich mich nicht verschließen, finde es allerdings ähnlich befremdlich, von einem (und hier rücke ich nicht von meiner Position ab) Sinnbild der religiösen Brutalität mit "objektiver Wahrheit" erfüllt zu werden. Ist das Ihre Lösung, zurück zu KKK?

Dogma 1: Selbsteigentum und -darauf aufbauend- Privateigentum.

Das ist kein Dogma, sondern ein begründbarer Grundzug der Lehre. Kann naturrechtlich (ich gebe zu, das kann ins Dogmatische gehen), utilitaristisch oder auch christlich-religiös begründet werden, wie man's nimmt.

Die Gottlosigkeitsdogmen sind ein Strohmann. Und dass die Liberalen tatsächlich die Chuzpe besitzen und eine Gesellschaft im Wohlstand fordern, das ist zwar schon dreist, aber man kann Ihnen keinen Vorwurf machen, wie ich finde.

Sie, lieber Sphairon, sind allerdings ein voll und ganz im Modernismus gefangener Selbstanbeter.

Ich wüsste dennoch gern, woraus Sie das schließen - vor allem die Selbstanbetung.

Sphairon, am 17. April 2009 um 14:00 ( Link )

Das letzte "Ihnen" sollte natürlich kleingeschrieben werden, sonst ist der Sinn ein wenig entstellt. Man verzeihe.

A. Lehmann, am 17. April 2009 um 14:01 ( Link )

@ Sphairon

"Man kann auch die Übel des Kollektivismus erkennen, ohne in den Schoß der Ewiggestrigen zurückzufallen."

Von dem Ausdruck "Ewiggestrig" einmal abgesehen, denn wo ist das zu verorten, 50 Jahre zurück, 500 Jahre zurück, sprach ich ja von diesen 5-10% bereits. Wobei es eher 5% sein dürften.

"Was erwarten Sie denn?"

"Erwarten" würde ich das nicht nennen. Ich meine nur das sie der Liberale mit seiner falschen Toleranz gegenüber dem Linken grossen Schaden anrichtet.

"Kein Wunder, wenn man ihm von Geburt an einbläut, die einzige Alternative zum Sozialismus sei die katholische Kirche. Bei so einer Wahl muss man sich nicht wundern, wenn sich eine Mehrheit für die wenigstens oberflächlich in der echten Welt fußende Ideologie entscheidet."

Eben das meine ich ja. Die Kirche hätte den Sozialismus noch mit weitaus härteren Methoden bekämpfen müssen.

Die Kirche (denken wir uns immer den christlichen Monarchen dazu) ist die einzige Alternative zum Sozialismus. Selbstredend spreche ich von der gesamten christlichen Gesellschaft, also auch von der Wehrhaftigkeit oder den Freiheiten, die sie symbolisiert.

Hier haben wir auch wieder das Beispiel, dass das "liberale Spektrum" gegenüber solchen Gegner hilflos ist. Man hat weder den nötigen ideologischen Background um zu kämpfen (die rote Armee bekämpft man schließlich nicht mit einzelnen cowboys), noch die notwendigen Soldaten. Für die Freiheitsethik von Rothbard greifen eben maximal manche Rancher aus Montana zu den Waffen (wenn gleich ich deren Widerstand gegen den modernen Verbrecherstaat sehr schätze).

Der Liberale profitiert von den nicht-linken Institutionen. Und trotzdem ist er in Friedenszeiten ständig daran interessiert seine eigene Trutzburg zu schleifen. Ich spreche nicht von zeitweise berechtigter Kritik (die natürlich auch innerhalb der Rechten geäußert wird), ich spreche von schleifen.

Man muß immer berücksichtigen das es die liberale Wunschgesellschaft nie gegeben hat und sicherlich nie geben wird. Man lebt auch ohne das Kollektiv zu propagieren immer in einer menschlichen Gesellschaft mit einer äußersten geringen Schicht die des Verstehens und des Regierens fähig ist. Und aus dieser Einsicht kann es dann eben nur die Entscheidung pro König, Papst und Tradition geben (wie gesagt stehen auch diese Gesellschaften niemals still, bedürfen auch diese der Kritik).

Der Zehnte war ein akkzeptables und dauerhaftes Steueraufkommen in den rechten Staatsformen. Davon wagt nach den links-liberalen Ohrfeigen gegen König und Papst heute doch keiner mehr zu träumen. Da haben wir nun den Salat. Und daran sind die Liberalen wenigstens mitschuldig.

A. Lehmann, am 17. April 2009 um 14:09 ( Link )

Wieso zurück zu KKK? Vorwärts für Kaiser und Papst. Wir stehen als Avantgarde den konservativen Pfründe- und Machtbewahrern der demokratischen/linken Internationale gegenüber.

Sie sagen ja in Anbetracht der heutigen, nicht Ihren Vorstellungen entsprechenden Gesellschaft schließlich auch nicht "Zurück zum Liberalismus".

Christian , am 17. April 2009 um 17:36 ( Link )

@Sphairon

Lassen Sie´s einfach. Wenn jemand - frei nach Luther - die Vernunft als größte Hure des Teufels betrachtet und sich in seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit einrichtet, lohnt die Diskussion nicht, weil derjenige nach eigenem Bekunden rationaler Argumentation nicht zugänglich ist. Mich erinnert das an einen kreationistischen Geologen, den Dawkins in seinem "Gotteswahn" beschreibt: Dieser geriet durch seine wissenschaftliche Arbeit in eine Glaubenskrise und hat sich schließlich für die "Wahrheit" der Bibel entschieden. Ich habe für solche Menschen nur Mitleid und eine tief empfundene Verachtung übrig.

Max, am 17. April 2009 um 18:33 ( Link )

Ich habe für solche Menschen nur Mitleid und eine tief empfundene Verachtung übrig.

Wir stören beim Paradiesaufbau, nicht wahr? Na dann frohes Gelingen und viel Spaß in der schönen, neuen Welt! ;-)

P.S.: Wenn Sie sich auch noch -und dies dürfte bald schon zum liberalen Traditionsritual erhoben werden- in 25, 50 oder 75 Jahren verwundert die Äuglein reiben, weshalb die Massen ihr Kreuzchen immer links neben der Mitte malen und ihr Wohlwollen immer dem linkeren Populisten schenken, dann werden Sie sich vielleicht mal mit den Schriften der einzigen Denktradition beschäftigen, welche die Blutbäder des 20ten Jahrhunderts -ganz im Gegensatz zu Ihren liberal-libertären Idolen- bereits vor 150-200 Jahren vorhergesehen hat: die Reaktion!

Sphairon, am 17. April 2009 um 19:34 ( Link )

Von dem Ausdruck "Ewiggestrig" einmal abgesehen, denn wo ist das zu verorten,

Es ist in einem Weltbild zu verorten, das sich vehement gegen die Gleichstellung von Mann und Frau einsetzt (Gendermainstreaminghuibu, ich weiß), die Verbreitung tödlicher Geschlechtskrankheiten bewusst fördert, nur um die eigenen rigiden Sexualvorstellungen aufrechtzuerhalten und es dabei immer noch nicht geschafft hat, aufrichtig die Schrecken der Inquisition aufzuarbeiten, schlimmer noch, die den letzten Präfekten der inquisitionsverwandten "Kongregation für die Glaubenslehre" zum neuen Papst ernannt hat. Unter Anderem.

Ich meine nur das sie der Liberale mit seiner falschen Toleranz gegenüber dem Linken grossen Schaden anrichtet.

Die Sozialfeudalisten sind mir kein Iota lieber als die Kirchenfeudalisten. Aber ich treibe den Teufel nicht mit dem Beelzebub aus.

Man muß immer berücksichtigen das es die liberale Wunschgesellschaft nie gegeben hat und sicherlich nie geben wird.

Und bevor sich die Herde ins Reich der Dawkins, Darwins und Descartes verirrt, sollte man die Ketten lieber ein bisschen straffen, sonst kommt am Ende noch ein Sozialismus dabei raus?

Anselmo, am 18. April 2009 um 15:33 ( Link )

Ich kann dem Artikel einiges abgewinnen.

Allerdings habe ich Zweifel, ob der Begriff "Atheisten" bezogen auf die genannten Nazi-Größen zutreffend ist.

Weitgehend ausgeblendet wird in der Historie, dass in dieses Gruppierungen ausgesprochene Anhänger esoterischer Sekten waren und sich wohl daher auch der besondere "Rassismus" erklärt (Germanen-Kult).

A. Lehmann, am 22. April 2009 um 11:53 ( Link )

Sphairon

"Es ist in einem Weltbild zu verorten, das sich vehement gegen die Gleichstellung von Mann und Frau einsetzt (Gendermainstreaminghuibu, ich weiß), die Verbreitung tödlicher Geschlechtskrankheiten bewusst fördert, nur um die eigenen rigiden Sexualvorstellungen aufrechtzuerhalten und es dabei immer noch nicht geschafft hat, aufrichtig die Schrecken der Inquisition aufzuarbeiten, schlimmer noch, die den letzten Präfekten der inquisitionsverwandten "Kongregation für die Glaubenslehre" zum neuen Papst ernannt hat. Unter Anderem."

1. Sie tun ja gerade so als sei die Frau in der christlichen Gesellschaft ein rechtloses Wesen. In welcher anderen Religion wird denn eine Frau in gleicher Weise (und zwar wegen ihrer speziell weiblichen Eigenschaften, wegen ihrer Mutterschaft) verehrt?
Die Frau wurde im Kaiserreich auf eine Art und Weise behandelt wie es sich heutige Frauen nur träumen lassen könnten. Kein Wunder spricht heute niemand mehr von Damen und Fräuleins. Aber dafür können sie natürlich heute boxen, bedenkenlos huren und Milliarden verdienen. Es lebe der Fortschritt!

2. Es ist die liberale Forderung der "Freiheit vom Gürtel abwärts" die zur Promiskuität und damit zur Verbreitung von Sexualkrankheiten beiträgt! Und im speziellen Fall von Afrika ist es der generelle Zustand der afrikanischen Gesellschaften (vor allem in der post-kolonialen Zeit) und das, sagen wir mal, "sehr aufgeschlossene" Sexualverhalten des typischen Negers. Mit mehr Kondomen wird aber auch gar keines der aktuellen Probleme langfristig bekämpft. Es wird im Gegenteil zu noch mehr Ehebruch, noch mehr Sexismus im allgemeinen führen.

3. Gott sei Dank wurde genau dieser ernannt.

An dem Tag an dem Ihre republikanischen Brüder auch nur einmal ANSATZWEISE die Abermillionen Opfer ihrer eigenen Ideologie aufarbeiten, an diesem Tag dürfen Sie der Kirche vorwerfen, sie hätte ihre dunklen Episoden nicht vollständig aufgearbeitet. Sehen wir einmal davon ab das viele Staaten ihre Massaker sogar weiterhin feiern.

"Und bevor sich die Herde ins Reich der Dawkins, Darwins und Descartes verirrt, sollte man die Ketten lieber ein bisschen straffen, sonst kommt am Ende noch ein Sozialismus dabei raus?"

Die Kette straffen? Sie meinen das was die heutigen Liberal-Demokraten so wunderbar vorexerzieren?

Aber selbstredend, wir würden in manchen Bereichen die Ketten straffen. Und in vielen Anderen wieder lösen.

Die Liberalen haben jedenfalls eindrücklichst und mehrfach bewiesen das sie keine einzige Spielart des Sozialismus aufhalten konnten. Mehr noch, oft waren sie die Steigbügelhalter der roten Brut.


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