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Ökonomische Gesetze: Der Markt ist unbezwingbarvon Gérard Bökenkamp Selbst nach der Apokalypse gäbe es Angebot und Nachfrage Wenn man den Fernseher einstellt oder die Zeitung aufschlägt liest man Artikel und sieht in Reportagen, Nachrichten und Talkshows Debatten, die einen deutlich surrealen Charakter haben. Es wird darüber diskutiert, wie viel Markt man sich angesichts der Finanzkrise noch leisten könne. Dies zeigt, dass die werten Diskutanten nicht verstehen, worüber sie eigentlich reden, wenn sie vom Markt sprechen. Die Marktgesetze sind grundsätzlich nicht gut oder schlecht, sie sind einfach da. Auch in der Sowjetunion und in der Volksrepublik China wirkten die Marktgesetze. Es war nicht westliche Sabotage, die das Wirtschaftssystem der kommunistischen Staaten zerfallen ließ, es waren dieselben Marktgesetze, die in den westlichen Industriestaaten zu steigendem Wohlstand führten. Man kann das Gesetz von Angebot und Nachfrage ebensowenig abschaffen wie die Schwerkraft, es handelt sich quasi um ein Naturgesetz. Darum ist es genauso unsinnig, den Markt für negative Entwicklungen verantwortlich zu machen wie darüber zu diskutieren, wie viel Markt man braucht, oder wie über die Frage zu streiten, wie viel Magnetismus oder Schwerkraft auf der Erde optimal wäre. Das Wirken der Marktgesetze kann natürlich ernste Folgen haben, ebenso wie das Wirken physikalischer Gesetze. Wenn ich mich zum Beispiel weigere, die Schwerkraft zur Kenntnis zu nehmen und aus dem Fenster springe unter der Annahme, dass Schwerelosigkeit herrsche, und wenn ich mir dann beide Beine breche, dann hat die Schwerkraft damit natürlich etwas zu tun. Es wäre aber doch wohl falsch zu sagen, die Schwerkraft sei daran schuld, dass ich mir die Beine gebrochen habe. So ähnlich verhält es sich auch in der aktuellen Finanzkrise oder bezüglich der hohen Arbeitslosigkeit. Es ist im Grunde ganz einfach: Wer die Gesetze des Marktes ignoriert bekommt Probleme. Wenn man die Gelddruckmaschine anwirft und die Geldmenge vermehrt, entsteht nicht mehr Reichtum, sondern einfach nur mehr Papier. Geld ist eine Maßeinheit für Wohlstand, nicht seine Ursache. Wenn ich meine Uhr zwei Stunden zurück stelle habe ich damit nicht mehr Zeit gewonnen. Die Sonne geht deshalb nicht später unter. Was in Hinblick auf Zeit und Raum jeder versteht bleibt vielen Menschen in Hinblick auf die Marktgesetze verborgen. Wir können objektive logische Zusammenhänge nicht dadurch verändern, dass wir die Messinstrumente manipulieren. Auch der Lohn ist wie jeder Preis nur ein Messinstrument. Er misst das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Die Nachfrage nach Arbeit wird nicht dadurch größer, dass man den Lohn anhebt. Ebenso wenig wird es in meinem Zimmer wärmer, weil ich die Anzeige des Thermometers nach oben schüttele. Wenn der Lohn höher festgesetzt wird als der Preis, der sich durch Angebot und Nachfrage ergeben hätte, entsteht Arbeitslosigkeit. Selbst wenn sich alle darauf einigen würden, den Markt deshalb zu verfluchen, so würde sich an diesem Umstand nichts ändern. Viele Wirtschaftspolitiker gleichen Ingenieuren, die eine Brücke bauen wollen, sich aber weigern, die Gesetze der Statik zur Kenntnis zu nehmen, weil diese zu kalt und unbequem sind. Wenn man sich gegen die Gesetze des Marktes stellt, dann ist das nicht schlecht für den Markt, sondern für die Betroffenen. Viele scheinen zu glauben, wenn man nur die Kassandrarufe der liberalen Ökonomen abstellen würde, würden auch die Zwänge des Marktes nicht mehr existieren. So wie Kinder mitunter glauben, dass eine Bedrohung nicht mehr vorhanden ist, wenn man nur die Augen schließt. Das erinnert an eine Episode der Zeichentrickserie „Die Simpsons“. In dieser droht ein Meteorit die Heimatstadt Springfield der gelben Familie zu zerstören. Die Stadt entgeht gerade noch einer Katastrophe. Am Ende der Folge ziehen die braven Bürger Springfields los, um die Sternwarte, die den Meteoriten als erstes gesichtet hat, zu zerschlagen, um auf Nummer sicher zu gehen, dass „so etwas nicht wieder passiert“. Ähnlich „klug“ wie die Einwohner dieser Stadt verhalten sich in der Regel auch die Gegner des „Neoliberalismus“. In ihrer Logik hört der „kalte Markt“ auf zu existieren, wenn man den Liberalismus zum Schweigen bringt. Der Markt wurde aber nicht von den Liberalen erfunden, sondern lediglich von ihnen entdeckt und erforscht. Adam Smith hat die Marktgesetze lediglich beschrieben wie Isaac Newton die Gesetze der Mechanik. Der Markt kann darum auch nicht abgeschafft oder zurückgedrängt werden, wie etwa der Liberalismus als politische Weltanschauung. Selbst wenn es keinen einzigen „Neoliberalen“ mehr gäbe, sondern nur noch Sozialisten und Sozialdemokraten, so würden die Marktgesetze immer noch gelten. Wer gegen sie handeln würde, würde dennoch für dieses Tun bestraft werden. Der Ursprung der Marktgesetze ist die universelle Logik und nicht die Politik. Im Gegensatz zu Kultur und Sitten, die einem steten historischen Wandel unterworfen sind, ist der Markt zeit- und geschichtslos. Unser moralisches Urteil über die Welt und somit auch über den Markt mögen sich ändern, die Marktgesetze selbst tun es nicht. Ob wir Wohlstand als besser empfinden denn Armut, Freiheit als richtiger denn Gleichheit, individuelle Selbstbestimmung als wichtiger denn das Kollektiv, das alles ist stark abhängig von der Kultur, in der wir sozialisiert werden, von den Entwicklungen auch der politischen Geschichte, von unseren subjektiven Wünschen, Bedürfnissen und Hoffnungen. Die Marktgesetze sind davon unabhängig. Unsere Kultur, unsere Psyche, unsere Weltanschauung bestimmen, welche Wünsche wir haben. Die Marktgesetze bestimmen, ob und wieweit wir sie befriedigen können. Wenn wir von „links“, „rechts“ und „liberal“ sprechen, dann sind das politische Begriffe. Im Alltag, wenn es darauf ankommt, unsere subjektiven Bedürfnisse mit der Knappheit der Güter in Einklang zu bringen, sind wir alle Marktradikale, auch diejenigen, die am Wahlsonntag Die Linke wählen. Christen, Muslime, Atheisten und Konfuzianer sind alle denselben ökonomischen Gesetzmäßigkeiten unterworfen. Darum ist ein Staat oder eine wie auch immer ausgestaltete politische Ordnung ebensowenig eine Alternative zum Markt wie ein Gerüst eine Alternative zur Schwerkraft ist. Das Gerüst mag den Vorstellungen der jeweiligen Kultur entsprechend errichtet sein, es mag unterschiedliche Wege der Konstruktion geben, wenn es zu sehr den universellen Regeln der Physik widerspricht, bricht es zusammen. Es ist nicht klar, ob eine Zivilisation dauerhaft den Sozialismus überstehen kann. Die Marktgesetze aber werden den Sozialismus wie auch unsere Zivilisation überleben. Wenn morgen eine apokalyptische Katastrophe über die Menschheit hereinbricht oder ein Nuklearkrieg die Erde verwüstet, wenn vielleicht nur wenige verstreut lebende Menschen übrig bleiben, die mit Schwierigkeiten ihre rudimentären Lebensbedürfnisse befriedigen, dann wird ihr Handeln noch genau denselben Marktgesetzen unterworfen sein, wie wir heute und alle vorhergehenden Generationen. Den Gesetzen des Marktes kann man sowenig entrinnen wie den Gesetzen der Schwerkraft. Ob die Menschen mit diesen Gesetzen umzugehen wissen, ist eine andere Frage. 28. März 2009 Unterstützen Sie ef-onlineHat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie uns durch eine Fördermitgliedschaft. Damit helfen Sie uns, unser Angebot stetig weiter auszubauen und genießen zusätzlich attraktive Privilegien. Testen Sie eigentümlich freiProminente Autoren und kantige Kolumnisten wie Roland Baader, Bruno Bandulet, Theodore Dalrymple, Carlos A. 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Im Grunde genommen könnte - nee, sollte! - dieser Artikel so ohne weiteres einmal täglich in allen Hauptnachrichtensendungen vorgelesen werden und zudem Einzug in alle Schulen halten! lebowski, am 29. März 2009 um 14:07 ( Link ) Interessant, das ist also der liberale Standpunkt. Märkte gab es immer und wird es immer geben! Wie sieht es mit dem Drogenmarkt aus? Da gibt es Angebot und Nachfrage. Blöderweise entsteht Drogennachfrage erst dann, wenn man die Leute vorher süchtig gemacht hat und das Angebot kann man auch erst dann unterbreiten, wenn man mittels Drogenküchen die ganze Umwelt verpestet hat. Ist das hier die Vorstellung von Markt? Sphairon, am 29. März 2009 um 14:46 ( Link ) Es geht nicht um das "ob" sondern um das "wie". Und auch wenn Sie Gesundheit oder Sex künstlich zu "übermarktlichen Gütern" erheben, bleibt die Erfüllung jeglicher Bedürfnisse in diesem Bereich doch marktwirtschaftlichen Gesetzen unterworfen. Wenn Sie krank sind und einen Arzt brauchen (nachfragen), aber dank staatlicher Preiskontrollen und Innovationshemmungen kaum mehr Ärzte praktizieren (anbieten), haben sich die marktwirtschaftlichen Gesetze, die Sie so tapfer eindämmen wollten, letztlich doch gegen Sie gewandt. Brauchen Sie dennoch wirklich dringend einen Arzt, werden Sie wahrscheinlich bereit sein zum Zahlen höherer Preise, selbst wenn es auf Schwarzmarktbasis abläuft, womit Sie selbst wieder die Allgegenwärtigkeit marktwirtschaftlicher Gesetze bestätigen. Das meinte Herr Bökenkamp mit Im Alltag, wenn es darauf ankommt unsere subjektiven Bedürfnisse mit der Knappheit der Güter in Einklang zu bringen, sind wir alle Marktradikale, auch diejenigen, die am Wahlsonntag Die Linke wählen. Dass es auch gefährliche, mit Vorsicht zu genießende Güter auf dem Markt gibt, entspricht den Tatsachen; genau deshalb ist auch ein Marktsegment entstanden, das sich mit Drogenaufklärung, -prävention und -behandlung befasst. Jegliches menschliche Handeln findet letztlich auf irgendeiner Marktbasis statt. Selbst wenn Sie einen schönen Abend mit Ihrer Frau verbringen, signalisieren Sie lediglich Ihre Präferenz bezüglich "Abend mit Frau" gegenüber allen Konkurrenzangeboten. Die Idee, der Markt sei der Tummelplatz von Gier und Ausbeutung, ist eine Nebelkerze, aufgestellt zur Überdeckung der offensichtlichen Unfähigkeit jener Planer, die sich anmaßen, den Markt ersetzen zu können. Kristian Niemietz, am 29. März 2009 um 15:00 ( Link ) Erstklassiger Beitrag! lebowski, am 29. März 2009 um 15:08 ( Link ) @Sphairon Jegliches menschliche Handeln findet letztlich auf irgendeiner Marktbasis statt. Selbst wenn Sie einen schönen Abend mit Ihrer Frau verbringen, signalisieren Sie lediglich Ihre Präferenz bezüglich "Abend mit Frau" gegenüber allen Konkurrenzangeboten. Sie tun hier so, als ob ich aus einer Vielzahl von Angeboten das Angebot "schöner Abend mit meiner Frau" gewählt habe. Sie haben hier lediglich Begriffe der Marktwirtschaft auf einen ganz normalen menschlichen Entscheidungsvorgang übertragen. Sphairon, am 29. März 2009 um 16:18 ( Link ) Denn das Gesunheitswesen hat nicht das geringste Interesse an gesunden Menschen, sondern nur an Menschen die behandelt werden müssen. "Das Gesundheitswesen" besteht aus Anbietern und Nachfragern. Selbstredend haben die Anbieter ein Interesse daran, Ihnen möglichst viel zu verkaufen. Daran ist per se noch nichts Schlechtes, denn gerade im Gesundheitsbereich würde ich eine Über- einer Unterausstattung vorziehen. Was einen Anbieter davon abhält, Ihnen unnötig teure Produkte und Leistungen anzudrehen, ist die Konkurrenz durch weitere Anbieter, die zielgenauer, günstiger und effektiver eine Krankheit beheben können und wollen. Das ist Ihr Gewicht als Nachfrager: die Wahl mit dem Portemonnaie. Dieser Prozess ist heute durch verschiedenste Faktoren behindert, etwa durch die ärztliche Verschreibungspflicht der meisten Medikamente (öffnet Pharma-Lobbyismus Tür und Tor), eine erstickende Patentgesetzgebung (verhindert günstige Produktion teurer Markenprodukte), zahlreiche Zulassungsbeschränkungen selbst bei einfachen medizinischen Tätigkeiten und natürlich die staatliche Zwangskrankenkasse, in deren Umfeld seit Jahrzehnten die Vertreter von Pharma, Ärzteschaft und Versicherungen muntere Küngelei betreiben. In so einer Atmosphäre entsteht tatsächlich genau das, was Sie weiter oben beschreiben. Dies kann jedoch nur dann passieren, wenn die Verhandlungs- und Wahlmöglichkeit der Kunden außer Kraft gesetzt wird, da korrupte Ärzte und überteuerte Produkte sonst schnell vom Markt verdrängt werden könnten. Leider bewirkt eine staatliche Gesundheitsfürsorge genau das: geschmälterte Verhandlungsmöglichkeit und geringere Wahl. Sie tun hier so, als ob ich aus einer Vielzahl von Angeboten das Angebot "schöner Abend mit meiner Frau" gewählt habe. Das haben Sie tatsächlich, Sie hätten nämlich stattdessen auch ins Kino, zum Bowling oder in die Disco gehen können. Sie haben hier lediglich Begriffe der Marktwirtschaft auf einen ganz normalen menschlichen Entscheidungsvorgang übertragen. Aus gutem Grund, denn der Markt ist lediglich die ökonomisch gebräuchliche Ausformulierung des menschlichen Entscheidungsprozesses. Eine Marktintervention kann man also wieder auf die einfache menschliche Entscheidung zurückabbilden und so mögliche Fehlschlüsse herausstellen. Würden Sie es zum Beispiel begrüßen, wenn Sie Ihrer Frau per Gesetz fünfmal pro Woche Essen kochen müssten, bevor Sie mit ihr einen ruhigen Abend verbringen dürfen, um faule und ausbeuterische Partner von der Beziehungsfindung auszuschließen? Vermutlich nicht. Einem Mindestlohn stehen viele jedoch freundlich gegenüber, obwohl er genau dasselbe fehlerhafte Prinzip im ökonomischen Raum anwendet. lebowski, am 29. März 2009 um 16:55 ( Link )
Machen Sie das immer so, wenn Sie krank sind? Erstmal eine Marktübersicht verschaffen und schauen, wer der beste Anbieter ist? Wenn ich krank bin, gehts mir normalerweise dreckig und ich bin nicht in der Lage, herauszufinden, wer der beste Anbieter ist. Aber selbst, wenn ich Ihre Theorie akzeptieren würde und den Marktgesetzen ihren Lauf lassen würde. Was würde dann passieren? Man könnte mit der Hälfte des Gesundheitspersonals auskommen. Daraus folgt dann, dass ca. eine Millionen Menschen mehr arbeitslos werden würden und mangels Geld keine Nachfrage mehr schaffen können. Und was machen Sie eigentlich mit den ganzen Menschen, die dann ökonomisch überflüssig werden? Sie haben bestimmt Verständnis dafür, dass ein arbeitsloser Pharma-Referent auch seinen Lebensunterhalt bestreiten muss. Waldmeister, am 29. März 2009 um 17:13 ( Link ) Sie haben bestimmt Verständnis dafür, dass ein arbeitsloser Pharma-Referent auch seinen Lebensunterhalt bestreiten muss.Natürlich. Aber dann eben nicht mehr als Pharmareferent. Denn ein "Recht" auf lebenslange Ausübung eines einmal ergriffenen Berufes existiert selbstverständlich nicht. Falk , am 29. März 2009 um 18:01 ( Link ) Chapeau. Ein excellenter Artikel, der schwierige Sachverhalte auf den sachlichen Punkt bringt und die Aufregung der Medien und Politiker über das angebliche Ende der Marktwirtschaft als das entlarvt, was es ist: dummes Geschwätz von Ignoranten der Freiheit. Sphairon, am 29. März 2009 um 18:03 ( Link ) Machen Sie das immer so, wenn Sie krank sind? Erstmal eine Marktübersicht verschaffen und schauen, wer der beste Anbieter ist? Das Schöne an einem freien Markt ist, dass sich dieses Selektionsverfahren bereits dann vollzieht, wenn Sie nicht krank sind, und sich so die Wahrscheinlichkeit für Sie, im Krankheitsfall auf einen faulen Apfel zu stoßen, wesentlich verringert. Für das bleibende Restrisiko gibt es, wie bereits in vielen anderen Feldern vorhanden, die Möglichkeit, auf Ratingagenturen (etwa im Internet, es lebe die Technologie) zuzugreifen und mit wenigen Klicks die beliebtesten Mediziner in Ihrer Umgebung ausfindig zu machen. Was hält diese Ratingagenturen davon ab, sich mit Ärzten zu verschwören und falsche Angaben zu machen? Die mangelnde Nachfrage nach schlechten Ratingbetrieben und der Vertrauens- und Geldentzug, sollte so etwas an die Öffentlichkeit geraten. Man könnte mit der Hälfte des Gesundheitspersonals auskommen. Daraus folgt dann, dass ca. eine Millionen Menschen mehr arbeitslos werden würden und mangels Geld keine Nachfrage mehr schaffen können. Für jede Person, die unnötig beschäftigt wird, zahlen Sie über Steuern und Abgaben (dank staatlichen Gesundheitswesens) mit, ohne dass dabei ein Wert entsteht. Mit anderen Worten, Sie verschenken Geld. Wenn Ihnen nun ein Teil dieses Geldes durch den Beschenkten zurückgegeben wird, indem er bei Ihnen kauft, stehen Sie (und jeder andere) am Ende immer noch schlechter da. Hätte man Ihr Argument bei der Einführung der Schreibmaschine eingeführt, müssten wir heute noch Setzer bezahlen, die "die Nachfrage" aufrechterhalten. Oder Wagenbauer subventionieren, die von den Autoherstellern verdrängt wurden. Durch die Subventionierung überflüssiger Arbeit entsteht niemandem außer dem Subventionierten ein Nettogewinn. Da hilft auch die keynesianische gesamtwirtschaftliche Nachfragesteigerung nichts, da vor der Nachfrage die Produktion steht und ein überflüssiger Arbeiter nichts Nachgefragtes produziert. So sieht keine nachhaltige Wirtschaftsordnung aus. Und was machen Sie eigentlich mit den ganzen Menschen, die dann ökonomisch überflüssig werden? Niemand ist "ökonomisch überflüssig", da es keine objektiv "guten" oder "richtigen" ökonomischen Verteilungen gibt. Genauso wenig haben Sie jedoch einen Anspruch auf meine Ressourcen, wenn niemand bereit ist, mit Ihnen zu tauschen. Sie werden in diesem Fall Ihr Gehirn anstrengen und einen Weg finden müssen, wie Sie entweder einen wohlgesinnten Helfer auftreiben oder jemandes Bedürfnis befriedigen können. Alles andere ist eine Beschönigung der Geisteshaltung, dergemäß Sie mich jederzeit berauben dürften, wenn Ihnen gerade das Geld knapp wird. Das halte ich für abwegig. Sphairon, am 29. März 2009 um 18:14 ( Link ) Um meinen letzten Kommentar noch ein wenig zu präzisieren: Sie können natürlich im einzelnen, betriebswirtschaftlichen Fall von überflüssiger Arbeitskraft sprechen, wenn zum kostengünstigten Erreichen eines Produktionsziels mehr Arbeitskraft als notwendig beansprucht wird. Eine "ökonomische Überflüssigkeit" per se gibt es aber nicht. Wenn jemand sich entscheidet, nicht an der globalen Arbeitsteilung teilzunehmen und lieber ein Stück Land zu bepflanzen, soll mir das nur Recht sein, solange er keinen Anspruch auf anderer Leute Wertschöpfung erhebt. Fatal, am 29. März 2009 um 20:32 ( Link ) @ lebowski: Wenn Sie sich also ein paar Spinner als Gegner suchen, die Märkte ganz abschaffen wollen, dann haben Sie argumentativ natürlich leichtes Spiel, aber ernst zu nehmende Gegner wollen nicht den Markt abschaffen sondern, sondern denken darüber nach, was so alles in Warenform überführt wird, um es überhaupt auf Märkten anpreisen zu können: Sex, Menschen, Waffen, Gesundheit.Es geht nicht um das "ob" sondern um das "wie". Sie unterliegen hier dem Denkfehler, dass es einem Sozialingenieur von seinem Elfenbeintürmchen aus tatsächlich möglich ist, einen Markt per Dekret abzuschaffen. Das ist es nicht. Es gibt überall auf der Welt einen Drogenmarkt, einen Waffenmarkt und einen Markt für Prostitution. Das interessante dabei: Diese Schwarzmärkte werden meist erst dann problematisch, wenn die betreffenden Märkte verboten werden, denken Sie nur an die Prohibition in den USA oder den steilen Anstieg von Drogenkriminalität in den USA, seitdem der "War on Drugs" ausgerufen wurde. Ähnliches lässt sich auch hierzulande beobachten: Seitdem in der BRD die Prositution legalisiert wurde, sind Zuhälterei, Menschenhandel, usw. merklich zurückgegangen. In Ländern, die Marihuana schwebend legalisiert haben, ist es mit einem durchschnittlichen THC-Gehalt von 4% harmlos. In Ländern, die Marihuana verbieten, haben die Konsumenten keine Chance, an Marihuana mit weniger als 16% THC zu kommen, meist liegt der Wert eher bei 20 und mehr. lebowski, am 30. März 2009 um 12:44 ( Link ) @Sphairon
Wenn der Mann arbeitslos wird, muss ich seine Arbeitslosigkeit finanzieren. Wenn der Mann einen ökonomisch überflüssigen Job hat, muss ich den finanzieren. Lässt man den Mann einfach fallen, kann es sein, dass er seine materiellen Bedürfnisse über Kriminaltät befriedigt. Dann muss ich mit meinem Geld ein umfangreiches Strafverfolgungs- und Justizwesen finanzieren. So ist es wohl häufig in Amerika, wo es die größte Gefangenenpopulation gibt. Fallen zu viele durch den ökonomischen Rost, können sich die verbliebenen Reichen demnächst in "gated communities" selber einschließen. Dass so ein Leben hinter Stacheldraht erstrebenswert ist, kann ich mir nicht vorstellen. Im übrigen krankt die Diskussion natürlich an einer begrifflichen Unschärfe, denn normalerweise werden die Begriffe Marktwirtschaft und Kapitalismus synonym verwendet. Ob Fatal, am 30. März 2009 um 13:11 ( Link ) @ lebowski: Der kapitalistische Markt will aber nicht einen Warentausch zur Befriedigung materieller Bedürfnisse, sondern er will aus Geld mehr Geld machen: Dieses "Aus Geld noch mehr Geld machen" mag sich esoterisch anhören, es ist jedoch ein völlig natürlicher Prozess, ohne den unser derzeitiger Zivilistationsstandard gar nicht möglich wäre und der auch - deutlich primitiver - auf orientalischen Märkten stattgefunden hat: Wenn ein Händler Waren für 2 GE kauft, um die selben Güter für 5 GE weiterzuverkaufen, dann hat er aus Geld noch mehr Geld gemacht (150% Rendite!). Und wenn der von Ihnen erwähnte Arbeitslose einen Lohn verlangt, der seiner Arbeitsleistung angemessen ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass er bald wieder in Arbeit steht, vorausgesetzt er wird nicht durch Mindestlohngesetze und sonstige Regularien daran gehindert. ISBN3451322005, am 30. März 2009 um 13:46 ( Link )
Auch hier halte ich, dank Gunnar Heinsohn und Otto Steiger, voll dagegen. Aus gewissen Rahmenbedingungen erwachsen gewisse Marktgesetze. Dabei muss schon zwischen Stammes- Feudal und Eigentumsgesellschaft unterschieden werden, der KEINE universelle Logik inne ruht! Weil es sich der studierte Ökonom hier viel zu einfach macht "die Gesetze sind einfach da..." irrt er ja so hilflos in der Gegend umher... und kreiert hohle Sprüche wie "Kapitalismus war immer..." (Sie persönlich jetzt vielleicht nicht Herr Bökenkamp, aber die Kollegen…) FritzLiberal, am 30. März 2009 um 14:05 ( Link ) @ISBN3451322005: Marktgesetze ("Gesetze" im Sinne von beobachtbaren, wiederkehrenden Abläufen und nicht legistisch gesehen) erwachsen ganz sicher nicht aus irgendwelchen Rahmenbedinungen, sondern schlicht aus der menschlichen Natur. Marktgesetze sind überall gleich. Sie werden keinen Unterschied im Verhalten von Menschen etwa auf einem Gemüsemarkt im Alten Rom, in Moskau anno 1970 oder im heutigen Arizona feststellen können. Menschen versuchen stets, ihre persönliche Lage zu verbessern. Auf einem Markt tun sie das durch Tausch. Sie bieten etwas an, was ihnen persönlich weniger wert ist, und wollen dafür etwas erhalten, was ihnen persönlich mehr wert ist. Das ist das Grundprinzip der Marktwirtschaft, völlig unabhängig von der gerade herrschenden Obrigkeit. Oder glauben Sie, dass es etwa in der seeligen UdSSR einen "neuen Menschen" gegeben hätte, der sein Eigentum auf einem Markt frei verschenkt hätte? Sphairon, am 30. März 2009 um 15:04 ( Link ) Wenn der Mann arbeitslos wird, muss ich seine Arbeitslosigkeit finanzieren. Wenn der Mann einen ökonomisch überflüssigen Job hat, muss ich den finanzieren. Lässt man den Mann einfach fallen, kann es sein, dass er seine materiellen Bedürfnisse über Kriminaltät befriedigt. Dann muss ich mit meinem Geld ein umfangreiches Strafverfolgungs- und Justizwesen finanzieren. Mit anderen Worten, wir sollten umfangreiche Löchergrabungsprogramme ausheben, um potentielle Arbeitslose nicht zum Kriminellwerden zu verführen. Schließlich sind diejenigen, die das Löchergraben mit ihren Steuern finanzieren, indirekt verantwortlich für die Arbeitslosigkeit der anderen, denn sie könnten ja auch einfach weniger effektiv arbeiten. Oder so ähnlich. Fallen zu viele durch den ökonomischen Rost, können sich die verbliebenen Reichen demnächst in "gated communities" selber einschließen. Sie tun ja gerade so, als sei das Wirtschaftsleben ein Seiltanz, und wenn man einmal runterfällt (arbeitslos wird), ist die Existenz vorbei. Das mag in hyperregulierten Wohlfahrtsökonomien gängige Praxis sein, in denen das Arbeitsangebot durch Zugangsbeschränkungen und Auflagen künstlich verknappt wurde, aber ist nicht marktimmanent. Eventuell erfordert Arbeitslosigkeit eine Neuorientierung bei Wohnort und Karriererichtung, das aber ist nichts Neues; im Gegenteil, zu den von Ihnen gelobten Basarzeiten hätte man demjenigen wenig Verständnis entgegengebracht, der nach dem Verlust einer Arbeitsstelle lieber sitzt und verhungert statt weiterzuziehen und neue Chancen zu suchen. ISBN3451322005, am 30. März 2009 um 15:26 ( Link ) @FritzLiberal Möglicherweise ist ja auch der Mensch, der stets versucht, seine persönliche Lage zu verbessern eine Erfindung? Hier darf dann z.B. die Frage erlaubt sein, warum es der nordamerikanische Indianer in diesem Versuch nicht weit gebracht hat. Und bekanntlich genügt ein Gegenbeispiel um das scheinbar allgemeingültige ins Straucheln zu bringen. Nu kommen Sie sicherlich mit dem Hinweis warum die Wilden keinen Markt haben und somit kommen wir dann zu den Rahmenbedingungen die erst mal einen Markt konstituieren..., aber wie gesagt, für den Ökonomen fällt das ein oder andere bekanntlich vom Himmel… Bei all dem, was der Wirtschaftstheoretiker mal eben in die „Natur des Menschen“ verortet erlaube ich mir eine gehörige Portion Skepsis. FritzLiberal, am 30. März 2009 um 15:42 ( Link ) @ISBN3451322005: zu den Indianern: nun, auch heute soll es noch Wilde geben, die im Busch hausen. Aber auch denen ist z.B. der Gebrauch von Werkzeug (ein deutlicher Hinweis auf den Wunsch, sich das Leben leichter zu machen) geläufig. Sie sind halt nur noch nicht so weit gekommen wie wir, wo ist das Problem? Und Preisabsprachen sind (zu jeder Zeit) nur dann von Dauer, wenn der Markteintritt von neuen Anbietern mit Gewalt (üblicherweise durch staatliche Gewalt) verhindert wird. Sonst wird ein durch Preisabsprachen künstlich hochgehaltenes Preisniveau Mitbewerber anlocken wie Honig den Bären. Das ist auch ein allgemeingültiges Prinzip des Marktes. Ich denke aber, dass die Diskussion müßig ist, solange sie nur theoretisch verläuft. Klärung würde wohl nur ein Feldversuch bringen: die Befreuung eines oder mehrerer Gebiete vom Gewaltherrscher Staat. ISBN3451322005, am 30. März 2009 um 16:32 ( Link ) Und Preisabsprachen sind (zu jeder Zeit) nur dann von Dauer, wenn der Markteintritt von neuen Anbietern mit Gewalt (üblicherweise durch staatliche Gewalt) verhindert wird. Stimmt..., aber grundsätzlich ist der Markt, um den es hier geht, ohne Gewallt und der Ausübung von Herrschaft und einem übergeordneten Regulativ, abschließend gar nicht denkbar. Der „freie Markt“ ist für den Ökonomen nur ein zweckoptimiertes rein theoretisches Gebilde, wie das absolute Vakuum für den Physiker. Ich denke aber, dass die Diskussion müßig ist, solange sie nur theoretisch verläuft. Ja..., never ending story... Anselmo, am 31. März 2009 um 14:09 ( Link ) Dass der Markt quasi so eine Art "Naturgesetz" sei, ist eine üble Vernebelung der tatsächlichen Zusammenhänge. Denn der Markt wird von Menschen gestaltet, die auf ihre Weise die ihnen verfügbaren Machtmittel und Ressourcen einsetzen. Naturgesetzlich ist allenfalls, dass der Mensch Nahrung und Wärme usw. benötigt, um zu überleben. Genau dieses Geschwätz von der Naturgesetzlichkeit des Marktes hat in die Weltwirtschaftskrisen geführt. Den Apologeten geht es in Wirklichkeit um den Erhalt der Gier und der Abzocke als Lebensphilosophie. Die verlogene Naturgesetzlichkeit soll den Reichtum der Abzocker und Gierigen erhalten; die Armen sollen arm bleiben. Der ursprüngliche Begriff leitet sich nämlich vielmehr im Sinne des Marktes als Ort des Aufeinandertreffens von Angebot (Bauer mit seinen Früchten) und z.B. Bewohnern eines Dorfes (Schuster, Pfarrer, ...) die auf Nahrung angewiesen sind. Der Sinn lag ergo in der Verteilung bzw. dem Erwerb/Tausch von Nahrungsmitteln und Leistungen. Das stellt sich prinzipiell in der Massengesellschaft nicht anders dar. Mit dem Tauschmittel Geld werden Waren/Leistungen erworben. Eine besondere Naturgesetzlichkeit des Marktes, die in diesem Sinne diesen Namen verdient, vermag ich nicht zu erkennen. Ganz im Gegenteil. Das trifft für den Markt nicht zu. Denn die Markt-Bedingungen werden von den Menschen bzw. deren Organisation (Kommune, Land, Staat) gesetzt. Insofern kann dem Markt eine Naturgesetzlichkeit nicht zukommen. Nur in der neoliberalen Welt will man mit der Behauptung der Naturgesetzlichkeit des Marktes von der selbstverständlich gegebenen Möglichkeit ablenken, den MARKT nach Belieben regulieren zu können. freischwimmer, am 31. März 2009 um 15:39 ( Link ) Ich denke aber, dass die Diskussion müßig ist, solange sie nur theoretisch verläuft. in der tat. die diskussion mit libertären läuft da nicht anders als mit überzeugten kommunisten: "jaaa...also in der theorie..." Juergen , am 31. März 2009 um 16:14 ( Link ) http://faz-community.faz.net/blogs/chaos/archive/2009/03/31/darwin-marx-und-andere-evolutionisten.aspx Sphairon, am 31. März 2009 um 16:43 ( Link ) in der theorie ist das ja auch alles viel schöner! ;-) Sagt uns jemand, der regelmäßig fordert, einem lokalen Gewaltmonopol mit begrenzter Verantwortlichkeit und unbegrenztem Ausbeutungspotential Kernbereiche des menschlichen Lebens anzuvertrauen. Da bin ich doch lieber ein Schreibtisch-Libertärer. Genau dieses Geschwätz von der Naturgesetzlichkeit des Marktes hat in die Weltwirtschaftskrisen geführt. Gerade nicht. Der Versuch, die Gesetze von Angebot und Nachfrage sowie Produktion und Konsum durch eine verantwortungslose Easy-Money-Politik und "sozial gerechte" Gesetzgebung aufzulösen, hat uns dorthin gebracht. Übrigens sind Schwundgeld und die Verwaltung allen Eigentums durch gesellistische Intellektuellenführer auch nicht gerade das, was ich mir unter einem Naturzustand vorstelle. Juergen , am 31. März 2009 um 20:12 ( Link ) @sphairon & Bökenkamp Ich sehe diesen artikel und auch die meisten Kommentare dazu mit Skepsis. Bökenkamp schreibt, die Ökonomischen Gesetze seien "entdeckt" worden und diese Gesetze seien unumstößlich. Ich denke, wir wissen verdammt wenig darüber, wie Menschen kommunizieren und interagieren. Die Daten sind viel zu unvollständig um daraus allgemein gültige Gesetze abzuleiten. Beispiel: Mindestlohn Nach der Neoklassischen Theorie sollte mit Einführung eines Mindestlohns die Arbeitslosigkeit steigern. Ebenso sollte eine Anhebung des Mindestlohns zu höherer Arbeitslosigkeit führen. Die - meines Wissens nach- umfassendste Studie zu den Auswirkungen einer Erhöhung eines vorhandenen Mindestlohns in den USA stammt von David Card & Alan B. Krueger (Myth & Measurement - The New Economics of the Minimum Wage). Diese haben die Auswirkungen einer Mindestlohnerhöhung in verschiedenen Staaten der USA über mehr als ein Jahrzehnt untersucht und mussten feststellen: Eine erhöhung des Mindestlohns führt in den meisten Fällen nicht zu einer Steigerung der Arbeitslosigkeit, ja in einigen Fällen wurde sogart eine Verringerung der Arbeitslosenquote festgestellt. Dies soll nun nicht als ein Plädoyer für den Mindestlohn verstanden werden sondern als eine Kritik an den angeblich erkannten Ökonomischen Gesetzen. Beispiel: Fernsehen Der Fernsehmarkt ist in der Tat sehr interessant. Denn der Endkonsument (der Zuschauer) hat beim derzeit vorherrschenden privaten Fernsehen keinerlei Möglichkeit über Preissignale(!) Einfluss auf das Fernsehprogramm zu nehmen. Der Zuschauer ist eigentlich kein Konsument auf einem freien Markt als vielmehr "Rohstoff" für die "Ware" Einschaltquote, welche von den Sendern wiederum an die Werbetreibenden verkauft wird. Das ist der Natur des Fernsehens als Allemende-Gut geschuldet. Das bedeutet, um zum Schluss zu kommen, unser Fernsehprogramm ist nicht ein Ergebnis "des Marktes" sondern "eines Marktes in einer Verfassung ohne Preismechanismus unter Einbeziehung des Endkonsumenten". Und was die Abendgestaltung von mir und meiner Freundin angeht. Das kann kein Ökonom vorhersagen. Auch wenn er die Preise für Kino oder Theatertickets kennt oder Zeitreihen über unser vergangenes Freizeitverhalten. Die Ökonomie sollte sich nicht anmaßen mein Verhalten (und das meiner Freundin) beschreiben zu wollen. Das ist weitestgehend marktfern oder der Marktrand (um Alexander Rüstow und andere Neoliberale zu bemühen). Ich denke daran würden sich auch die Psychologen die Zähne ausbeissen. Falls sie anderer Meinung sind, so begründen Sie mir mal öknomisch, warum wir zum Jüdischen Kulturfestival nach Krakau fahren... Fatal, am 31. März 2009 um 21:14 ( Link ) Hallo Jürgen, Aus Wikipedia: Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung kommt in seiner Auswertung der jüngeren Studien zu dem Ergebnis, dass in den Vereinigten Staaten und Großbritannien, wo der Mindestlohn so niedrig ist, dass davon weniger als 2 % der Arbeitnehmer betroffen sind, „in der Regel keine oder allenfalls geringfügig negative, sondern bisweilen sogar positive Beschäftigungseffekte eines Mindestlohns“ gefunden wurden. In Frankreich, wo der Mindestlohn so hoch ist, dass 15,6 % der Arbeitnehmer betroffen sind, zeigten sich im Unterschied dazu teilweise starke negative Beschäftigungseffekte, vor allem bei Jugendlichen und Frauen. In diesem Land, das laut SVR „hinsichtlich seines institutionellen Regelwerkes auf dem Arbeitsmarkt am ehesten mit Deutschland vergleichbar ist“, seien die Beschäftigungsverluste aufgrund der Anhebung des französischen Mindestlohns allerdings beachtlich. „So ermitteln Laroque und Salanié (2002) einen signifikanten Einfluss des Mindestlohns auf die Höhe der Arbeitslosigkeit.“ Andere Studien ermitteln allenfalls einen geringen negativen Beschäftigungseffekt des SMIC . Natürlich kann kein Ökonom vorhersagen, was ich, Du, oder sonst jemand in nächster Zeit machen wird. Es gibt aber sehr wohl ökonomische Gesetze, die überall gelten. Ich weiß zum Beispiel, dass Du und deine Freundin zum Zeitpunkt des jüdischen Kulturfestivals keine Möglichkeit kanntet, euere Zeit unter Einbeziehung aller Kosten und Mühen besser zu Nutzen, als durch den Besuch eben jenes Festivals. Und ich bin mir ebenso sicher, dass Du, am Vorabend deines Festivalbesuches bei der Wahl, ob Du morgen oder in zehn Jahren das Festival besuchen wolltest, dich für morgen entschieden hättest. All diese Beobachtungen gehen auf ökonomische Gesetze (z.B. Zeitpräferenz, abnehmender Grenznutzen, ordinale Nutzenfunktion) zurück, die es Ökonomen durchaus erleichtern, sich im Gewirr menschlicher Präferenzen zurecht zu finden. Sphairon, am 31. März 2009 um 22:32 ( Link ) Diese haben die Auswirkungen einer Mindestlohnerhöhung in verschiedenen Staaten der USA über mehr als ein Jahrzehnt untersucht und mussten feststellen: Eine erhöhung des Mindestlohns führt in den meisten Fällen nicht zu einer Steigerung der Arbeitslosigkeit, ja in einigen Fällen wurde sogart eine Verringerung der Arbeitslosenquote festgestellt. Und hier unterscheiden sich dann die Standardschulen der Volkswirtschaft von der Wiener Methode. Die "Austrians" stellen, basierend auf einigen Axiomen, ökonomische Theorien auf und argumentieren deduktiv, also wie in einem mathematischen Beweis, nicht empirisch. Oft wird ihnen deshalb Unwissenschaftlichkeit vorgeworfen. Ich sehe das anders. Durch die Komplexität menschlichen Wirtschaftens ist es fast anmaßend, die Wirkung einzelner politischer Entscheidungen empirisch herausfiltern zu wollen. Dass nicht jeder nach einem Sturz von einer Klippe am Boden zerschellt, widerlegt ja auch nicht die Wirkung der Verformungsenergie. Im Übrigen ist die empirische Methode durch ihre Statistiklastigkeit immer sehr anfällig für weltanschauliche Großzügigkeiten oder Umgestaltungen ihrer Autoren sowie für Messungenauigkeiten durch politische Kungelei bei der Statistikerstellung. Da sind auch Card und Krueger keine Ausnahme. Siehe etwa hier oder hier. Zum Rest hat Fatal sich schon recht ausführlich geäußert. freischwimmer, am 01. April 2009 um 0:51 ( Link ) Lesenswert: "Darwin, Marx und andere Evolutionisten": http://tinyurl.com/d4wsrm Sphairon, am 01. April 2009 um 1:38 ( Link ) Lesenswert: "Darwin, Marx und andere Evolutionisten": http://tinyurl.com/d4wsrm Mithin stellen sich also eine ganze Reihe von Annahmen, die die Ökonomen mit dem Stolz des Mathematikers „Axiome" nennen, als ziemlich willkürliche Annahmen heraus, die von Lehre und Wissenschaft in die theoretische Landschaft gepflanzt wurden. Das bekannteste derartige Axiom ist das vom „homo oeconomicus", dessen entscheidende Schwachstelle nicht alleine darin besteht, dass er perfekt rational, allwissend und unendlich reaktionsschnell ist, sondern dass ihn die Ökonomie - im Sinne Mengers - auch noch mit einem Ewigkeitsanspruch versehen will, um darauf ein universelle Wirtschaftstheorie des Menschen entwickeln zu können, statt einer solchen der Epochen, Sozialstrukturen und Institutionen. Was für eine scheußliche Falschdarstellung. Niemand in der Wiener Schule der Ökonomie postuliert den "allwissenden" ökonomischen Akteur, das ist eher den Vertretern der Planwirtschaft zueigen. Von unbedingter und immerwährender Rationalität spricht auch niemand, jedoch geht man (nicht ganz unberechtigt) zumindest von der Fähigkeit zum rationalen Problemlösen aus. Die gröbste Falschdarstellung bleibt jedoch die "unendliche Reaktionsschnelle". Was soll hier überhaupt kritisiert werden? Die Markttendenz der Belohnung nachgefragter, effizienter Anbieter? Wovon man eigentlich ausgeht: Der Mensch handelt, um seine Ziele zu erreichen - das ist nicht unbedingt die weltfremdeste Annahme. Wenn man es genau nimmt, ist diese Eigenschaft - zielgerichtetes Handeln - allen Lebewesen zueigen, allerdings kann der Mensch durch seine geistigen Fähigkeiten und sein großes Werkzeugarsenal den Zielhorizont erheblich erweitern und mit größerer Effizienz angehen. Man kann natürlich den Ägyptern oder Goten aufgrund unterschiedlicher "Sozialstrukturen" absprechen, zum Erreichen ihrer Ziele gehandelt zu haben. Es fragt sich jedoch, aus welchem Motiv sie dann gelebt haben. Vielleicht, um suchenden FAZ-Bloggern ein paar Rätsel mit auf den Weg zu geben? Juergen , am 01. April 2009 um 22:23 ( Link ) @Fatal Zum Thema Fernsehen habe ich ja nichts anderes geschrieben als Du auch Erstens gibt es ja PREMIERE, oder diese neuen Pay-Per-View Kanäle von Telekom & Co. außerdem ist das Free-TV ebenfalls ein Markt: Die Kanäle müssen abschätzen, bei welcher Programmauswahl die meisten Menschen vor den Bildschirmen hocken und welche Kaufinteressen diese haben (Zielgruppe). Ich denke auch, dass sich der Fernsehmarkt gerade im Zuge der Digitalisierung verändern wird. Ich habe auch nicht geschrieben, dass es keinen Markt gibt, sondern, dass ein das Ergebnis eines Marktes ohne Preismechanismus unter Einbeziehung des Endkonsumenten eben anders aussehen wird als einer, wo der Zuschauer tatsächlich über den Preis, den er für einzelne Sendungen zu zahlen bereit ist, ein Signal an den Markt senden kann. Über Festival-Ökonomie könnte ich jetzt jede Menge schreiben. Ich belasse es aber bei einer Antwort auf Deine Mutmaßung: Darüberhinaus bin ich mir sehr sicher, dass Dir der erste Tag des Festivals einen großen Spaß bereitet hat, jeder folgende Tag aber immer weniger Spaß bereitet hätte, bis es Dir irgendwann einmal zum Hals heruasgehangen hätte. Damit liegst Du nämlich total daneben. Tatsächlich macht das Festival von Tag zu Tag mehr Spaß. Der "Grenznutzen" erhöht sich also (zumindest für mich und meine Bekannten dort). Natürlich würde er auch wieder abnehmen, nur dauert das Festival nicht so lange, dass ich das feststellen konnte. Warum erhöht sich der Grenznutzen? Weil wir ziemlich aktive Teilnehmer sind, wir besuchen Tanz- und Musikworkshops und die Fortschritte die wir dort über die Woche erzielen erhöhen natürlich den Genussfaktor des ganzen Festivals ;) Über die Jahre betrachtet ist der "Nutzen" den wir aus dem Festival ziehen maßgeblich beeinflusst von den Freundschaften die wir dort schließen. Kommen wir nur um unsere Fähigkeiten folkloristischer Natur zu schulen und Kultur zu genießen, dann wird der Nutzen tatsächlich über die Jahre abnehmen. Wenn wir aber freundschaftliche Gefühle für andere Festivalteilnehmer aus aller Welt entwickeln und das Festival für ein regelmäßiges Wiedersehen nutzen, so bleibt der Nutzen gleich oder erhöht sich sogar über die Jahre. Solche Motive lassen sich meiner Meinung nach nicht oder nur sehr unzureichend in allgemein gültige Gesetze gießen. Juergen , am 01. April 2009 um 22:43 ( Link ) @Spairon Ich hatte ja geschrieben, dass die Studie von Card und Krueger die einzige mir bekannte zum Thema Mindestlohn ist. Sie haben mich auf weitere hingewiesen. Vielen Dank für die Erweiterung meines Horizonts. Ich werde die von Ihnen genannten Quellen gerne in meine diesbezüglichen Überlegungen mit einbeziehen. Eucken hat sich übrigens in seinen "Grundlagen der Nationalökonomie" sehr ausführlich mit der Problematik "historische gegen theoretische Schule der Ökonomie" befasst. Diese hat Thomas Strobl ja versucht in seinem FAZ-blog anzureißen. Was Sie eine "scheußliche Falschdarstellung" nennen ist eine Fehlinterpretation aufgrund eine uneindeutigen Formulierung von Herrn Strobl. In der Diskussion zu seinem Blog-Eintrag wurde er mit den gleichen Argumenten konfrontiert, die Sie genannt haben und hat seine Äußerungen klarer Formuliert und diesen Vorwurf entkräftet. Juergen , am 02. April 2009 um 8:05 ( Link ) @Fatal Du hast ja an anderer Stelle etwas ganz wunderbares geschrieben: Doch, es gibt diese Wirkprinzipien ewiger Gültigkeit. Beispiele gefällig? Da bin ich absolut einer Meinung mit Dir, hätte es nur nicht so schön ausdrücken können. Carl-Christian Knappe, am 02. April 2009 um 11:23 ( Link ) @Spairon
Teilweise richtig. Mir geht es nicht darum, wer für Arbeitslose verantwortlich ist sondern darum, wie mit ihnen umgegangen wird. Wenn ich durch Zahlung einer Steuer das Risiko einschränken kann, dass ein Arbeitsloser zum Kriminellen wird, dann bin ich gerne dazu bereit. Ich zahle Geld für ein Gefühl der Sicherheit. Sphairon, am 02. April 2009 um 15:09 ( Link ) Ich zahle Geld für ein Gefühl der Sicherheit. Unschön nur, dass im derzeit herrschenden politischen System diejenigen, die sich von solchen Maßnahmen kein erhöhte Sicherheitsgefühl versprechen, ebenfalls zur Kasse gebeten werden. Es sagt ja im Übrigen auch niemand etwas gegen Hilfsinitiativen für mittellose Arbeitssuchende. Wenn sich jemand derart wohltätig engagieren will, steht ihm großes Lob zu. Wenn man mich allerdings zwingen will, unproduktive Arbeitsplätze oder generelle Untätigkeit zu subventionieren, dann muss ich mich doch fragen: mit welchem Anspruch? Carl-Christian , am 02. April 2009 um 15:16 ( Link ) Unschön nur, dass im derzeit herrschenden politischen System diejenigen, die sich von solchen Maßnahmen kein erhöhte Sicherheitsgefühl versprechen, ebenfalls zur Kasse gebeten werden. Wir werden für vieles zur Kasse gebeten, das stimmt. Soll das alles abgeschafft werden? Also gar kein Staat mehr?
In einer Gesellschaft hat man sich sehr oft dem Willen der Mehrheit unterzuordnen. Die einzige Möglichkeit das zu verhindern wäre, diese Gesellschaft zu verlassen. Fatal, am 02. April 2009 um 15:32 ( Link ) @ Juergen: Na, das freut mich aber ;) Sphairon, am 02. April 2009 um 18:10 ( Link ) Soll das alles abgeschafft werden? Also gar kein Staat mehr? Ein Staat ist immer ein durch Gewalt(androhung) gestützter Monopolanbieter bestimmter Güter und Dienstleistungen. Während er sich in seiner gutartigsten Form nur auf die Bereitstellung von Rechtsprechung, Sicherheit und Verteidigung limitiert, so dehnt er sich heute auf eine Monopolisierung etwa des Verkehrswesens, der Daseinsfürsorge und des Bildungswesens oder auf erheblichen Teilbesitz diverser Schlüsselindustrien aus. Wie es gewaltsam aufrechterhaltene Monopole so an sich haben, tendieren sie zu einer Verringerung der Qualität der angebotenen Güter bei zugleich steigenden Preisen (wer sich davon ein Bild machen will, der besuche 'mal wieder ein Amt und vergleiche danach seine Steuererklärung heute mit der von vor 15 Jahren). Die sich verschlechternden Zustände werden daraufhin als Argument für weitere Steuererhöhungen herangezogen und der Zyklus setzt sich fort. Ein Staat existiert nicht als eigenständiges Wesen. Hinter dem Wort "Staat" verbergen sich Menschen, die einen Herrschaftsanspruch über alle übrigen Menschen behaupten. Früher wurde dieser durch ein göttliches Recht legitimiert, heute durch den Mehrheitswillen. Beide Begründen sind bei genauerer Betrachtung nicht wasserdicht. Was also hält die Menschen davon ab, statt in allgemeinen Wahlen lieber direkt und individuell die Projekte zu fördern, die sie für nützlich und sinnvoll halten? Das klingt zu einfach, um wahr zu sein, werden jetzt einige sagen. Allerdings sollte man sich die Alternative vor Augen halten: Entweder tut man das, was man für richtig hält. Oder man wählt andere, die einem daraufhin befehlen, was man ihnen vorher befohlen hat zu befehlen. Wenn Demokratie wirklich so funktioniert, wie man das oft voraussetzt, könnte man sie auf diesem Wege radikal vereinfachen. Carl-Christian , am 02. April 2009 um 20:21 ( Link ) Ich weiß nun leider immer noch nicht, ob Du den Staat nun abschaffen willst, oder nicht. Was also hält die Menschen davon ab, statt in allgemeinen Wahlen lieber direkt und individuell die Projekte zu fördern, die sie für nützlich und sinnvoll halten? Das klingt zu einfach, um wahr zu sein, werden jetzt einige sagen. Allerdings sollte man sich die Alternative vor Augen halten: Das hört sich so an, als wolltest Du ihn abschaffen. Das heißt also, jeder Mensch soll völlig frei sein das zu tun, was er will? Du kannst übrigens auch schon jetzt die Projekte fördern, die Du für am sinnvollsten hälst, indem Du auswanderst. Damit will ich nicht polemisch werden sondern nur auf folgendes hinweisen: Ein perfektes Projekt wird es wohl nie geben. Es wird höchstens eines geben, dass Dir am besten gefällt und eines, dass Dir am wenigsten gefällt und der Rest liegt irgendwo dazwischen. Sphairon, am 02. April 2009 um 21:00 ( Link ) Ich weiß nun leider immer noch nicht, ob Du den Staat nun abschaffen willst, oder nicht. Welchen Staat denn? Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation etwa? Hat das jemals jemand abgeschafft? Wenn ja, was gab demjenigen die Autorität dazu? Ich habe weiter oben aus meiner Sicht das Wesen des Staates beschrieben. Kernpunkt ist: Hinter dem Staat stehen Menschen, die gewaltsam einen Herrschaftsanspruch einfordern. Kann ich Menschen abschaffen, die gewaltsam einen Herrschaftsanspruch einfordern? Natürlich nicht. Ich kann lediglich die Begründungen für diesen Anspruch in Frage stellen und damit vielleicht auch andere zum Zweifeln bewegen. Abgeschafft wird dadurch nichts, genauso wenig wie Heroin abgeschafft wurde, als man es hierzulande verbot. Das heißt also, jeder Mensch soll völlig frei sein das zu tun, was er will? Das heißt, die Rechtsordnung, der ich zu folgen bereit bin, wird von einem Anbieter vertreten und garantiert, der sich am Markt behaupten muss und (wichtig!) den ich jederzeit wechseln kann, ohne (im Rahmen vertraglich vereinbarter Einschränkungen) mein Eigentum zurücklassen zu müssen. Deswegen zieht das Argument mit dem Auswandern nämlich nicht: Wenn ich hier Land oder Produktionsanlagen besitze, kann ich nicht einfach verlustfrei gehen, ganz davon abgesehen, dass woanders dieselben widrigen Grundsätzlichkeiten vorherrschen. Carl-Christian , am 02. April 2009 um 22:04 ( Link ) Welchen Staat denn? Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation etwa? Hat das jemals jemand abgeschafft? Wenn ja, was gab demjenigen die Autorität dazu? Die BRD natürlich. Unter diesem Staat leben wir doch, oder?
Und wir willst Du den Anbieter dazu zwingen, dass er Dir seine Rechtsordnung nicht aufzwingt, so wie es unter Staat macht? Sphairon, am 02. April 2009 um 22:48 ( Link ) Und wir willst Du den Anbieter dazu zwingen, dass er Dir seine Rechtsordnung nicht aufzwingt, so wie es unter Staat macht? Wieso schafft es der deutsche Staat, sein Monopol auf Rechtsprechung und Gesetzgebung zu behaupten, während z.B. McDonalds kein Monopol auf Cheeseburger forcieren kann? Letztlich hängt es vom intersubjektiven Konsens der Menschen ab, welches Verhalten toleriert wird und welches nicht. Solange eine ausreichend große Masse Menschen den gewaltsam durchgesetzten Herrschaftsanspruch einiger weniger für legitim hält, würde sich wohl auch ein Marktanbieter irgendwann zum Gewaltmonopolisten mausern können, auch wenn es vielleicht eine Weile dauert. Wenn allerdings Bereiche wie Gesetzgebung, Rechtsprechung oder Daseinsfürsorge von ihrer Mystifizierung befreit werden (mit anderen Worten, vom Standpunkt derselben Marktgesetze angegangen werden wie alle anderen handelsüblichen Produkte), besteht die Gefahr der Staatsetablierung nicht mehr. Immerhin ist der Staat ja kein Naturprodukt - irgendwann muss es jemanden gegeben haben, der die Menschen davon überzeugen konnte, ihm ein Gewaltmonopol zu gewähren. Es handelt sich hierbei um einen Glauben: Herrscher X verdient eine Monopolposition, weil Y. Wenn dieser zweifelhafte Glaube gebrochen wird, reguliert sich der Machtanspruch einer privaten Rechtsgesellschaft durch die Konkurrenz mit den übrigen genau so, wie das Computergeschäft dank relativ freien Wettbewerbs sich seit Jahren zugunsten des Kunden reguliert. Fatal, am 02. April 2009 um 23:51 ( Link ) Ein Rechtssystem, das nicht auf ein bestimmtes Teritorium beschränkt ist? Das halte ich aber für sehr kompliziert. Sphairon, am 03. April 2009 um 14:17 ( Link ) Na ja, Ihre Autoversicherung ist auch nicht territorial beschränkt und kommt ihrer Aufgabe trotzdem nach. Fatal, am 03. April 2009 um 15:07 ( Link ) Wenn auf ein und derselben Autobahn Autos mit tausend verchiedenen Versicherungen fahren, ist das ein geringeres Problem, als wenn sich die darin befindenden Passagiere an tausend verschiedene Rechtsordnungen halten würden. Sphairon, am 03. April 2009 um 16:51 ( Link ) Andererseits würden Rechtsgesellschaften, die nicht zu Kooperation mit anderen bereit sind, schnell Kunden verlieren bzw. an den Rand gedrängt werden und bankrott gehen, da sich ja die Ansprüche eines Geschädigten durch die mangelnde Bereitschaft eines Schädigers nicht in Luft auflösen. Wenn eine räuberische Schutzgesellschaft dann mit Invasion droht, lassen die ehrlichen Betreiber ihre Muskeln spielen und könnten etwa den Stromanbieter des Schädigers, der in seinen Verträgen die Möglichkeit der Urteilsdurchsetzung durch Stromabschaltung vordefiniert hat, zum Umsetzen dieser Klausel bewegen. Warum sollte er dann noch für seine ineffektiven Schutzräuber zahlen? Das wäre eine Option unter vielen, wie auch Menschen mit exotischem Rechtsverständnis zum Einhalten gewisser Grundregeln bewegt werden könnten. Man kann jetzt sagen, das sei doch viel zu kompliziert. Ob allerdings der Traum vom sich selbst fesselnden Minimalstaat bessere Erfolge erzielen kann, bliebe abzuwarten. Fatal, am 03. April 2009 um 18:11 ( Link ) Ich sage ja nicht, dass es nicht theoretisch funktionieren würde (fragt sich, warum es in Somalia nicht so geklappt hat), nur, dass es eben sehr kompliziert wäre: Der eine Anbieter hat die Todesstrafe, der nächste urteilt nach der Scharia und der übernächste ist Anbieter für Pazifisten. Mit den konkurrierenden Kleinstaaten meinte ich sehr kleine Territorien, von der Größe Monacos bis Hong Kongs, so dass die Einwohner ohne größere Pobleme wegziehen können, falls ihnen die Dienstleistungen ihres Heimatlandes nicht mehr gefallen. Dr. Thomas Fischbacher, am 30. Mai 2009 um 15:06 ( Link ) Auf den ersten Blick schaut es so aus als ob der Autor hier einen validen Punkt hätte, und durchaus schlüssig argumentiert. In der Tat greift er einen wichtigen Trugschluss auf und erklärt einen Zusammenhang, der vielen Leuten nicht hinreichend klar scheint: In jeder Gesellschaft werden die Menschen tauschen, damit ist "der Markt" ein anthropomorphes Phänomen. Wenn man aber etwas genauer darüber nachdenkt, stellt man fest, dass der Autor an einer wichtigen Stelle einem grandiosen Denkfehler aufsitzt: Seine These ist - so wie ich ihn verstehe: "Die Gesetze des Marktes stehen im Hinblick auf die Frage, nach welchen fundamentalen Mechanismen die Welt funktioniert, auf einer Stufe mit dem Gravitationsgesetz" Das Problem ist, dass das erkenntnistheoretisch gesehen nachweislich falsch ist: Was das Gravitationsgesetz angeht, so kann ich mir ohne weiteres ein Experiment ausdenken, für das die Theorie eine klare Aussage macht, was geschehen sollte, und das mich zwingen würde, die Theorie zu verwerfen, sollte das Experiment ein anderes Ergebnis liefern. Freilich werde ich nicht erwarten, dass das geschieht, aber - und das ist die wesentliche Einsicht: worauf es ankommt ist die Möglichkeit, ein solches Experiment, das eine Entscheidung zu Ungunsten der Theorie erzwingen kann, zu entwerfen und durchzuführen. Mehr noch: Zusätzlich darf die Theorie nicht inkompatibel sein mit quantitativen Beobachtungen an der Welt. Wenn wir nur einen einzigen Planeten finden würden, dessen Umlaufzeit nicht dem 3. Keplerschen Gesetz genügen würde, wäre das das Ende der Gravitationstheorie wie wir sie kennen. Das wirft die Frage auf: Welche Art von Beobachtungen an der Welt können wir durchführen, die im Prinzip in der Lage wären, uns dann, wenn sie überraschende Ergebnisse liefern, zu zwingen, unsere Theorien vom Markt als falsch zu klassifizieren und über Bord zu werfen? Solange die Ökonomie keine gute Antwort auf diese Frage liefern kann, kann sie nicht behaupten, auf einer Stufe mit z.B. der Physik zu stehen. Steve_Standish, am 23. Juni 2009 um 14:47 ( Link ) Ich möchte Dr. Thomas Fischbacher Recht geben. Steve Anmelden oder Registrieren, um Kommentare schreiben zu können |
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Molot, am 28. März 2009 um 21:18 ( Link )
Großartig Herr Bökenkamp! Darf man das weiterverbreiten