Thorsten Polleit

Jg. 1967, ist Honorarprofessor an der Frankfurt School of Finance & Management sowie bei Barcleys Capital als Chief German Economist tätig, er publiziert unter anderem im "Handelsblatt", in der "Wirtschaftswoche" sowie der "FAZ"

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„Free Banking“: Geld privatisieren – Freiheit bewahren!

von Thorsten Polleit

Was jetzt zu tun ist

Wohl kaum etwas schadet der freien Markt- und Gesellschaftsordnung so sehr wie das staatlich beherrschte Kredit- und Geldsystem. Es provoziert eine Wirtschafts- und Finanzkrise nach der anderen. In der Öffentlichkeit werden die Missstände – Rezession und Arbeitslosigkeit – dann regelmäßig dem Kapitalismus angelastet. Indem der Kapitalismus zum Sündenbock gestempelt und in staatlichen Markteingriffen der Ausweg aus der Misere erblickt wird, verfangen sich die Gesellschaften immer tiefer im Gestrüpp des Interventionismus, der unweigerlich in die Befehls- und Staatswirtschaft und den Sozialismus führt.

Der Interventionismus will bekanntermaßen das Privateigentum zwar nicht abschaffen, aber doch das Handeln der Eigentümer der Produktionsmittel durch fallweise erlassene Gebote und Verbote beeinflussen und regulieren, um so politisch wünschenswerte Ziele zu erreichen. Er zwingt die Akteure etwas zu tun, was sie aus wohlverstandenem Eigeninteresse freiwillig nicht tun würden. Ein solches Eingreifen des Staates in den Markt provoziert Fehlanreize, die zu immer neuen Missständen führen. Eine zerstörerische Interventionsspirale wird so in Gang gesetzt.

Die Ursache der derzeit allseits beklagten „internationalen Kreditkrise“ ist nicht etwa im Kapitalismus, sondern im staatlichen Kredit- und Geldsystem zu erblicken. Im Zuge einer chronischen Niedrigzinspolitik haben die staatlichen Zentralbanken über die letzten Jahrzehnte für ein gewaltiges Auftürmen von Kredit- und Geldmengen gesorgt. Schon vage Anzeichen einer nahenden „Bereinigungsrezession“ haben sie mit noch mehr Kredit und Geld und noch niedrigeren Zinsen „bekämpft“. Im Zeitablauf wurde so eine gewaltige Verschuldungspyramide aufgebaut, die mittlerweile die Züge einer allgemeinen Überschuldungssituation angenommen hat.

Kreditgeber, insbesondere Banken, haben nun die wachsende Sorge, dass Schuldner ihre Verbindlichkeiten nicht mehr wie versprochen bedienen können: Sie wollen fällige Kredite nicht mehr, oder wenn, dann nur zu deutlich höheren Zinsen erneuern. Gleichzeitig sind (Dauer-)Schuldner nicht in der Lage, fällig werdende Kredite zu tilgen oder höhere Zinsen auf ihre Schulden zu zahlen. Doch der Entschuldungsprozess, auf den die freien Marktkräfte nun drängen, wird als unerwünscht erklärt und von den Regierungen mit allen Mitteln bekämpft.

Die Zentralbanken versuchen mit noch mehr Geld und noch niedrigeren Zinsen die Übelstände ab- zuwenden, die sie mit zuviel Kredit und Geld, bereitgestellt zu niedrigen Zinsen, heraufbeschworen haben. Die Regierungen bewahren mit einer bisher einzigartigen Umverteilung Banken vor dem Kollaps. Sie sprechen Garantien für die Bankverbindlichkeiten aus und stellen ihnen aus Steuergeldern finanzierte Eigenkapitalspritzen zur Verfügung. Die resultierenden finanziellen Lasten dürften die Zahlungsfähigkeit und -bereitschaft der Steuerzahler überfordern. Ein Weg also, der droht, in die Hyperinflation zu münden.

Der „aufrichtige“ Weg zur Entschärfung der Lage wäre das Zurückzahlen der Kredite. Er wäre sicherlich alles andere als kostenlos, denn es gäbe zunächst schwere Rezession, Arbeitslosigkeit, Bankenpleiten, ein Schrumpfen des Kredit- und Geldmengenangebots und Deflation. Denn das heutige Papiergeldsystem hat die Besonderheit, dass ein solches Zurückzahlen der Bankkredite zu einer Verminderung der Geldmenge führt. Sinkt die Geldmenge, dann werden früher oder später auch die Preise der Konsumund Vermögensgüter (Aktien, Grundstücke, Häuser etc.) fallen, die zuvor durch die Geldmengenausweitung inflationiert wurden.

Deflation würde nicht nur verschuldeten Konsumenten und Unternehmen arg zusetzen, sondern insbesondere auch Staaten in die Pleite treiben. Bei einer Deflation – einer schrumpfenden Geldmenge – wären Regierungen vermutlich nicht mehr in der Lage, ihre auf Pump finanzierte Existenz fortzuführen. Die laufende Generation der Steuerzahler wäre wohl weder bereit noch in der Lage, die laufenden Staatsausgaben aus eigener Tasche zu zahlen. Die Abkehr vom Verschuldungspfad würde unweigerlich ein Zurückdrängen des Staates erzwingen – was erklären mag, warum gewichtige Stimmen in der Öffentlichkeit die Geschehnisse auf den Finanzmärkten als „Krise“ und nicht etwa als „Korrektur“ darstellen.

Weil aber Deflation in der Öffentlichkeit als unliebsamer gesehen wird als Inflation – gerade in Zeiten, in denen die allgemeine Verschuldung hoch ist –, und weil der Staat ungezügelt die Geldmenge ausweiten kann, ist die Gefahr für eine Zerstörung des Geldwertes durch Inflation besonders groß. Schließlich kann Deflation dadurch abgewendet werden, dass die Zentralbanken neues Geld in Umlauf bringen. Bekanntermaßen verursacht Inflation gro- ße wirtschaftliche Schäden und macht weite Teile der Bevölkerung zu Bedürftigen – und Interessenten – einer Politik der Umverteilung und Freiheitsbeschneidung.

Das Desaster auf den Finanzmärkten macht nur allzu deutlich, dass das staatlich kontrollierte Papiergeldsystem kein nachhaltig verlässliches Geld bereitstellt und dass eine Reform der Geldordnung unausweichlich geworden ist. Vor diesem Hintergrund wäre es verfehlt, die Vorzüge des freien Marktgeldes – repräsentiert etwa durch den Goldstandard – aus den Augen zu verlieren. Ludwig von Mises schrieb im Jahre 1940: „Man hat an der Goldwährung manches auszusetzen gewusst; man hat ihr den Vorwurf gemacht, dass sie nicht vollkommen sei. Doch niemand weiß anzugeben, wie man an Stelle der Goldwährung Vollkommeneres und Besseres setzen könnte. Gewiss, die Goldwährung ist nicht wertstabil. Doch Wertstabilität und Kaufkraftfestigkeit sind Unbegriffe. In einer sich verändernden Welt, das heißt in einer lebenden Welt, kann es keine Festigkeit der Kaufkraft und keine Wertstabilität geben. Dass die Kaufkraft des Geldes schwankt, ist für ein Geld eines nicht starren Systems der Marktbeziehungen notwendig; in einem erstarrten System, das dem Gedankenbild der gleichmäßigen Wirtschaft entspräche, wäre aber für Geld überhaupt kein Raum. Die Goldwährung macht die Gestaltung der Kaufkraft von dem Einfluss der Politik und der schwankenden wirtschaftspolitischen Anschauungen wechselnder Majoritäten unabhängig. Das ist ihr Vorzug.“

Das Reformkonzept für gutes Geld lautet „Free Banking“, das vollständige Privatisieren des Geldes. In einem ersten Schritt wären dazu die Verbindlichkeiten der Banken in einem festen Umtauschverhältnis an das Gold anzubinden, das noch in den Kellern der Zentralbanken lagert. Gleichzeitig wäre Geldhaltern das Recht einzuräumen, ihre Bankguthaben jederzeit in Gold umtauschen zu können. Die Kreditinstitute wären jederzeit zahlungsfähig. Bankpleiten würden nicht mehr die volkswirtschaftliche Geldmenge vermindern, und Steuerzahler würden nicht in die Pflicht genommen für Verluste aus dem Bankgeschäft.

In einem zweiten Schritt könnte das Geldsystem privatisiert, also in ein System des „Free Banking“ entlassen werden. Geschäftsbanken könnten wie bisher als Anbieter von Einlagen und Krediten tätig sein. Allerdings würden sie die Geldmenge durch Kreditwährung nicht mehr verändern. Denn vermutlich würde der Marktstandard für gutes Geld, wie in früheren Epochen auch, ein durch Gold und/oder Silber gedecktes Geld sein („Bimetallismus“). Zentralbanken würden die Hoheit über die Geldmenge verlieren und vermutlich durch privatwirtschaftlich organisierte Einlagensicherungsfonds ersetzt werden.

Ein solches System verspräche nicht nur „besseres Geld“, sondern Konjunkturverläufe würden auch weniger schwankungsanfällig, weil freies Marktgeld Fehlinvestitionen und damit Wirtschaftskrisen entgegenwirkt. Der Spielraum für wachstumsschädliche Marktinterventionen, die regelmäßig aus Wirtschafts- und Finanzkrisen erwachsen, würde zurückgedrängt. Damit würde auch die Bedrohung der Freiheit, die latente Gefahr monetärer Planwirtschaft, entschärft. Freies Marktgeld ist die beste Versicherung gegen die Unbeherrschbarkeit und Willfährigkeit des staatlichen Papiergeldmonopols.

Information

Dieser Artikel erschien zuerst in eigentümlich frei Nr. 91.

Internet

www.mises.org

27. März 2009

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Kommentare

Horst E. Böttcher, am 30. März 2009 um 14:24 ( Link )

Ich habe zwei grundlegende Bedenken gegen diese Vorschläge:

Erstens hat mir noch niemand erklären können, wie die Goldmenge im Gleichklang mit dem Wirtschaftswachstum wachsen kann. Die Welt würde sich dabei in die Ab-hängigkeit der goldproduzierenden Länder begen,.

Privates (Gold-)geld durch private Banken würde von diesen genauso zu Spekulationen - "Financial Engineering" missbraucht werden. Derivate, Futures und was noch alles für "Produkte", die lediglich die Gewinne der Banken steigern sollen, sonst aber kaum nutzen haben.

Sebastian Landthaler, am 30. März 2009 um 22:20 ( Link )

Ich habe das bis jetzt so verstanden: Wenn die Geldmenge relativ stabil bleibt, sinken langfristig die Preise. Ein starkes Wirtschaftswachstum durch Produktivitätssteigerung etc. würde zu sinkenen Preisen und damit mehr Wohlstand führen können - ohne für einen Scheinboom eine größere Geldmenge aufblasen zu müssen.

Horst E. Böttcher, am 31. März 2009 um 14:31 ( Link )

@Sebastian Landthaler
Ich bin davon nicht überzeugt. Ihre These mag allenfalls in geschlossenen Binnenmärkten zutreffen, nicht in einer globalisierten Welt. Die in Bretton Woods vereinbarte Golddeckung des US-Dollars scheiterte letzen Endes am US-Handels-Defizit. Wie ist es mit goldproduzierenden Ländern? Diese könnten mit neuem Gold das System erschüttern! Die erste Inflation der Geschichte wurde durch das in Südamerika geraubte Gold in Spanien ausgelöst, da dem Gold kein aus-reichendes Güterangebot gegenüberstand. Ich glaube nicht, dass ein Goldstandard für die Welt von Vorteil wäre.

Werner Ende, am 31. März 2009 um 14:31 ( Link )

=> H.E. Böttcher
eine ausführliche Darstellung von Gold und Goldwährung finden Sie in der Nationalökonomie von Ludwig von Mises auf S. 429 ff. Weitere Literaturstellen zu diesem Thema finden Sie in "Was Sie schon immer über Wirtschaft (nicht?) wissen sollten" (Werner Ende, 2009 stay-free.de).
Die verfügbare Gold- Silber- und Kupfermenge (das waren seit Jahrtausenden die Metalle aus denen vorzugsweise Geldmünzen gemacht wurden) war nie ein Problem in der Geldwirtschaft und kann es auch heute und in Zukunft nicht sein.
Die Umstellung von Papier- auf eine Gold- oder Bimetallwährung würde natürlich die von Prof. Polleit erwähnten, unvermeidlichen Probleme mit sich bringen.

Ich sehe am ehesten in Malaysia, den Emiraten und vielleicht noch in einem der Folgestaaten der USA eine Chance für eine Goldwährung.

Persönlich kann ich nur jedem Leser raten, Papiergeld, das nicht kurzfristig gebraucht wird, schnellstens in physisches Gold und Silber umzutauschen.

PS: "Was Sie schon immer über Wirtschaft (nicht?) wissen sollten" finden Sie im web unter: http://www.stay-free.de/index.php?id=425.
Als Buch erscheint es in Kürze

barthel_berand, am 31. März 2009 um 17:22 ( Link )

    http://www.welt.de/finanzen/article3471205/Oekonomen-bringen-neuen-Gold-Standard-ins-Spiel.html

Der entscheidende Satz in dem Artikel ist ein Zitat von Polleit, dem Autor obigen ef-Artikels:
"Neues Geld müsste im wahrsten Sinn erst erarbeitet werden."

Das ist der entscheidende Unterschied zwischen Wissen und Nichtwissen, wenn man von Geld redet; der Unterschied zwischen Warengeld und Kredit- oder Schuldgeld.

Während Warengeld eine bereits erbrachte Leistung repräsentiert, ist Kreditgeld nur ein Versprechen auf eine noch zu erbringende Leistung. Und die Welt ist derzeit voll von Versprechungen - meist von falschen Versprechungen. Das Wort "Versprechen" scheint wohl doch eher von "versprochen" zu kommen. Unsere Politiker und Notenbanker versprechen sich halt oft.

Nur Warengeld ist echtes Geld. Kreditgeld ist nur heiße Luft, solange es nicht zurück gezahlt wird.

Über die Alchemisten hat man einst gelächelt, weil sie versuchten, aus Blei Gold zu machen. Wäre es ihnen gelungen, wäre das Ergebnis immer noch mehr wert gewesen, als es die heutigen Luftbuchungen sind.

BB

Michael Schlenger, am 01. April 2009 um 0:02 ( Link )

Ich finde die immer wiederkehrenden Vorschläge, das für unsere moderne Zivilistaion letztlich kaum noch relevante Gold als Referenzwährung zu verwenden, kurios und inkonsequent.

Letzlich geht es doch allen ernsthaft nach einer Papiergeld-Alternative Suchenden - also von den selbst in Gold investierten interessierten Kreisen abgesehen - darum, eine manipulationsfreie, allgemein akzeptierte Einheit zu finden, die den Tausch von Waren und Dienstleistungen ermöglicht und erleichtert.

Dabei liegt es nahe, an knappe, also nicht ohne echten Aufwand vermehrbare Güter anzuknüpfen, die in unsereren modernen Ökonomien Wert besitzen, da sie wirklich gebraucht werden und nicht lediglich von an der Verbesserung ihrer Vermögensposition Interessierten besessen werden, die hier regelmäßig ihre ermüdenden Tiraden zum Besten geben.

In Frage kommen: Rohöl, Benzin und Diesel, Eisenerz als Stahlvorprodukt, diverse Industriemetalle zur Produktion von Edelstahl usw., Beton-Vorprodukte, Saatgut, Dünger, Kaffe, Kakao, Alkohol usw., also letztlich Güter, die in bestimmten Relationen für jede moderne Gesellschaft unverzichtbar sind und daher auf echte Nachfrage stoßen.

Ohne ins Detail zu gehen, könnte ich mir vorstellen, dass ein neuer Währungsstandard an solche knappen Güter anknüpft in dem Sinn, dass jede Währungseinheit einen Anspruch auf Lieferung der für die jeweilige Volkswirtschaft essentiellen Rohstoffe beinhaltet.
Um maximal manipulationsfrei zu sein, dürfte die Währung nicht von einer staatlichen Zentralbank angeboten werden, sondern nur von im Wettbewerb stehenden Institutionen, die Kontrolle über ihrer Finanzkraft entsprechende Rohstoffvorkommen nachweisen können.

Damit kämen wir in die Nähe des jüngst von China vorgeschlagenen Reservestandards, der ebenfalls aus Skepsis gegenüber den bis dato bevorzugten Papiergeldwährungen auf Rohstoffen basieren soll...

Wäre für qualifizierte Stellungnahmen dankbar! Aber bitte keine vom Goldrausch beseelte Romantiker, bitte!
aristodemos

Werner Ende, am 01. April 2009 um 0:45 ( Link )

=> aristodemos
es geht auch ohne Polemik. Wenn es etwas kürzer sein darf als die Nationalökonomie: "Das Schein-Geld-System: Wie der Staat unser Geld zerstört" von Rothbard/Hülsmann bietet genug sachliche Argumente.
Der von Ihnen vorgeschlagene Warenkorb erinnert an den Vorschlag von Hayek, der ohne Zweifel erheblich besser ist, als das Fiat Money System von heute. In Roland Baaders "Gold, Geld und Gottspieler" wird og. System mit anderen Alternativen zum Papiergeld verglichen und schneidet eher schlechter ab als eine Edelmetallwährung.
Im übrigen dürfen Sie gerne ganz konkret und sachlich die kaum als romantisch zu bezeichnenden Argumente von Mises, Rothbard und Hülsmann widerlegen.
Sie möchten sich doch nicht gerne Ignoranz vorwerfen lassen? Oder?

FritzLiberal, am 01. April 2009 um 9:57 ( Link )

@Michael Schlenger:
"Dabei liegt es nahe, an knappe, also nicht ohne echten Aufwand vermehrbare Güter anzuknüpfen, die in unsereren modernen Ökonomien Wert besitzen, da sie wirklich gebraucht werden und nicht lediglich von an der Verbesserung ihrer Vermögensposition Interessierten besessen werden, die hier regelmäßig ihre ermüdenden Tiraden zum Besten geben.

In Frage kommen: Rohöl, Benzin und Diesel, Eisenerz als Stahlvorprodukt, diverse Industriemetalle zur Produktion von Edelstahl usw., Beton-Vorprodukte, Saatgut, Dünger, Kaffe, Kakao, Alkohol usw., also letztlich Güter, die in bestimmten Relationen für jede moderne Gesellschaft unverzichtbar sind und daher auf echte Nachfrage stoßen."

All diese Stoffe sind begehrte Handelswaren, eignen sich aber schlechter als Währungen. An eine Währung werden nun einmal noch weitere Anforderungen gestellt: dazu gehört zunächst einmal die Forderung, dass sie nicht schnell in großen Mengen erzeugt werden kann. Das ist etwa bei Saatgut, Dünger, Kaffee, Kakao, Alkohol der Fall. Abgesehen davon, dass dann nur mehr diese Stoffe angebaut werden würden, anstatt Nahrungsmitteln. Eine zweite Anforderung ist die Haltbarkeit, da Geld ja auch als langfristiger Wertspeicher dienen soll (das wollen alle, außer die Schwundgeld-Spinner). Bei diesen Stoffen ebenso nicht gebeben. Und eine dritte Anforderung besteht darin, dass auch die Lagerung einigermaßen unkompliziert erfolgen können muss. Ich stelle es mir schwierig vor, bei mir zu Hause Stahlträger oder Öl zu lagern. Aufgrund der deutlich höheren Wertdichte von Gold entspricht nämlich der Wert von einem Kilo Gold dem von einigen Hunderten Tonnen Stahl oder etwa Hundertausend Litern Öl.

"Aber bitte keine vom Goldrausch beseelte Romantiker, bitte!"

Ok, ganz unromantisch: ich bin ein ziemlich trockener Rechner. Romantik interessiert mich in Bezug auf eine Währung genau Null. Gold interessiert mich im Bereich der Schmuckverarbeitung ebenso Null. Aber: die Performance von Gold über die letzten - mindestens - dreitausend Jahren in unserem Kulturkreis als Währung spricht für sich. Dagegen kann jede im Elfenbeintum geborene Währung nur sehr blass aussehen.

Michael Schlenger, am 01. April 2009 um 20:19 ( Link )

Ich habe mich offenbar missverständlich ausgedrückt: Es geht mir nicht darum, einer Rohstoffwährung das Wort zu reden, bei der die Fungibilität flöten geht, weil man sich den Keller mit allerlei nützlichem Zeug vollstellen muss. Dann wären wir ja wieder bei der Naturaltauschwirtschaft.

Vielmehr ist meine Idee, dass konkurrierende private Anbieter - gegen Gebühr natürlich - Papiergeld anbieten, das definierte Ansprüche an allgemein benötigten Rohstoffen und Waren verkörpert. In der römischen Antike konnte man ja auch bereits mit einem Schriftstück bezahlen, das einen Eigentumsanspruch an einem bei einem privaten Kreditgeber hinterlegten Geldbetrag (damals natürlich in Gold, Silber und Bronze) verbriefte.

Mir geht es letzlich nur darum, statt eines Goldstandards andere Rohstoff- und Warenstandards zuzulassen, die meines Erachtens den Vorteil besitzen, nicht nur zum Zweck der Hortung nachgefragt zu werden und deren Wert nicht von den Notenbanken mit ihren gewaltigen Goldvorräten manipuliert werden können.

Die in der Geschichte angeblich so bewährte Akzeptanz von Gold beruht ja letztlich auf der bloßen Übereinkunft, dass Gold wertvoll ist. Das Vertrauen, das Gold genießt, scheint mir gefährlich nahe an dem Vertrauen, das unhinterlegtes Papiergeld genießt. Solange jeder glaubt, es sei etwas wert, ist es etwas wert, aber wehe, dieser Konsens geht verloren.

Ich könnte mir vorstellen, dass es historisch durchaus Phasen und Regionen gab, in denen die Kaufkraft von Edelmetall nicht sonderlich hoch war, weil ein Abnehmer fürchten musste, das Zeug selbst nicht ohne weiteres oder nicht ohne Abschlag loszuwerden. Mancher, der Anno 45 mit dem 800er Familiensilber auf Einkaufstour gehen musste, dürfte eine ähnliche Erfahrung gemacht haben. Auch die Goldpreisschwankungen der letzten Jahre bedeuteten für Halter, die auf hohem Preisniveaui eingestiegen sind, enorme Wertverluste, die es in dieser Form bei keiner etablierten Währung gegeben hat, bei der der schleichende Wertverlust iummerhin recht gut prognostizierbar ist.

Daher würde es mich interessieren, warum - jenseits bloßer Gewohnheit und gefühlter Wertigkeit - ausgerechnet Gold der von vielen so begehrte Standard sein soll, der einen Vertrauensverlust zuverlässiger ausschließt als andere Güter oder eine Papierwährung, die mit objektiv benötigten Wirtschaftsgütern hinterlegt ist.

Für eine kurze Darlegung wäre ich dankbar, wenn dies außerhalb der Fachliteratur möglich ist.
aristodemos

FritzLiberal, am 01. April 2009 um 23:57 ( Link )

@Micheal Schlenger:
"Es geht mir nicht darum, einer Rohstoffwährung das Wort zu reden, bei der die Fungibilität flöten geht, weil man sich den Keller mit allerlei nützlichem Zeug vollstellen muss. Dann wären wir ja wieder bei der Naturaltauschwirtschaft."

Die Verwendung von Gold als Geld (Zahlungsmittel) ist das Gegenteil von Naturaltauschwirtschaft.

"Vielmehr ist meine Idee, dass konkurrierende private Anbieter - gegen Gebühr natürlich - Papiergeld anbieten, das definierte Ansprüche an allgemein benötigten Rohstoffen und Waren verkörpert. In der römischen Antike konnte man ja auch bereits mit einem Schriftstück bezahlen, das einen Eigentumsanspruch an einem bei einem privaten Kreditgeber hinterlegten Geldbetrag (damals natürlich in Gold, Silber und Bronze) verbriefte."

Ich sehe die Idee von konkurrierenden Währungen als durchaus sinnvoll. Nur: wenn eine Papiergeldwährung Ansprüche auf ein physisches Gut verbrieft, muss selbiges wohl vom Währungsanbieter irgendwo gelagert werden. Und da ist Gold auf Grund der höheren Wertdichte nun einmal viel besser geeignet als Stahl.

"Die in der Geschichte angeblich so bewährte Akzeptanz von Gold beruht ja letztlich auf der bloßen Übereinkunft, dass Gold wertvoll ist. Das Vertrauen, das Gold genießt, scheint mir gefährlich nahe an dem Vertrauen, das unhinterlegtes Papiergeld genießt. Solange jeder glaubt, es sei etwas wert, ist es etwas wert, aber wehe, dieser Konsens geht verloren."

Nachdem gerade jetzt Gold wieder einen Boom als Absicherung gegen den zu erwartenden Crash der Papergeldwährungen erlebt, ist, denke ich, die Gefahr äußerst gering, dass dieser Konsens verloren geht.

"Mancher, der Anno 45 mit dem 800er Familiensilber auf Einkaufstour gehen musste, dürfte eine ähnliche Erfahrung gemacht haben."

Ja, und zwar dass Gold und Silber das einzige war, mit dem man damals Nahrungsmittel kaufen konnte.

"Auch die Goldpreisschwankungen der letzten Jahre bedeuteten für Halter, die auf hohem Preisniveaui eingestiegen sind, enorme Wertverluste, die es in dieser Form bei keiner etablierten Währung gegeben hat, bei der der schleichende Wertverlust iummerhin recht gut prognostizierbar ist."

Der Europreis für Gold erlebt gerade sein all-time-high (im Dollar nur knapp darunter), also wer sollte hier genau welche enormen Wertverluste durch Investitionen in Gold erlitten haben? Und was nützt mir die Prognostizierbarkeit des schleichenden Wertverlustes einer Papiergeldwährung, wenn ich mich - außer duch Gold und Silber natürlich - dagegen nicht absichern kann?

"Daher würde es mich interessieren, warum - jenseits bloßer Gewohnheit und gefühlter Wertigkeit - ausgerechnet Gold der von vielen so begehrte Standard sein soll, der einen Vertrauensverlust zuverlässiger ausschließt als andere Güter oder eine Papierwährung, die mit objektiv benötigten Wirtschaftsgütern hinterlegt ist."

Weil Wirtschaftgüter Verbrauchsgüter sind und keine Währung. Gold erfüllt die Anforderungen, die an Geld gestellt werden, am besten:
- keine beliebige Vermehrbarkeit
- hohe Wertdichte (im Rucksack kann man ein Vermögen unterbringen)
- hohe Stabilität, somit dauerhaft lagerfähig
- trotzdem einfach zu bearbeiten und beliebig teilbar

Sie können heute eine 2000 Jahre alte römische Goldmünze problemlos gegen Papiergeld eintauschen. Versuchen sie das einmal mit einem damals gebräuchlichen Handelsgut, etwa mit Samen vom Ölbaum oder einer Tonne Eisen in der damaligen Legierung.

Oliver Janich, am 01. Mai 2009 um 1:26 ( Link )

Der Vorschlag bedeutet ja gerade nicht einen staatlich erzwungenen Goldstandard. Sondern es heißt, dass der Markt (= die Menschen) entscheidet, welche Deckung gewünscht wird. Deshalb geht jede Kritik an Gold als Deckung komplett ins Leere. Bisher haben sich die Menschen immer für Gold entschieden, daher liegt die Wahrscheinlichkeit, dass sie es wieder tun bei ca. 99 Prozent. Aber wenn sie in Zukunft Gummibärchen wollen, dann eben Gummibärchen.
Dass viele nicht verstehen wollen, dass die Warenmenge einfach der Goldmenge entpricht, also es nie zuviel oder zuwenig Gold geben kann ist mir ein Rätsel. Aber selbst wem das nicht klar ist, muss doch einsehen, dass eine gedeckte Währung (so wie sie die Menschen eben enstcheiden) besser ist als eine zentral gesteuerte, ungedeckte.

NeoDumm, am 01. Mai 2009 um 20:44 ( Link )

Diese Marktgläubigkeit nimmt schon groteske Züge an, wenn man dann anfängt die Realität durch ein "Alles schlimme kommt vom Staat"-Brille anfängt zu betrachten.

Die Bank of England wurde als private Zentralbank gegründet und später verstaatlich. Die FED ist immer noch ein private Zentralbank (obwohl angeblich vom Staat kontrolliert). Mehr oder weniger ein Bankenkartell etc.

Die freien Marktkräfte sind in meinen Augen die manifestationen von Herdentrieb, Gier und krimineller Energie. Jeder will dem anderen an die Tasche. Genau das Gegenteil von rational und freidenkend.

barthel_berand, am 02. Mai 2009 um 17:01 ( Link )

@ NeoDumm

Jeder will dem anderen an die Tasche.

Ich würde es etwas drastischer formulieren: Jeder MUSS dem anderen an die Tasche. Zumindest, wenn er nicht von den Früchten des Waldes leben will. Das ist der Kern der arbeitsteiligen Gesellschaft. Man muss schließlich leben. Entscheidend ist, dass der andere ihn freiwillig an seine Tasche lässt (= freiwillig Verträge abschließt); und nicht per Zwang, so wie es durch die Politik geschieht.

Zum Thema Zentralbanken: Ich hatte es schon einmal vor eingigen Monaten geschrieben: Derjenige, der abdrückt ist der Mörder; nicht derjenige, dem das Gewehr gehört.
Deshalb geht die Frage, wem die Zentralbanken gehören, am Kern des Problems vorbei. Entscheidend ist, dass es für Geld keinen freien Markt gibt. Die Geldmenge und der Zins (Preis) werden zentral von selbst oder von Dritten ernannten Oberschlauen festgelegt. Das erschreckende dabei ist, dass es Leute gibt, die das ernsthaft als Kapitalismus bezeichnen.

Auch gegen freie Martkräfte habe ich im Prinzip nichts einzuwenden, solange für die Akteure die Asymmetrien zwischen Risiko und Chance beseitigt werden, wie es z.B. im Investmentbanking nötig wäre. Das wäre schon ausreichend.

BB


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