André F. Lichtschlag

Jg. 1968, Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "eigentümlich frei", Verleger (ef und Lichtschlag Buchverlag).

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Amoklauf von Winnenden: Die Moral von der Geschichte

von André F. Lichtschlag

Ein Versuch, eine unfassbare Tat in Worte zu fassen

Eine Seite wie ef-online hat den Vorteil, dass nicht jede brandheiße Nachricht sofort kommentiert werden muss. Soviel Glück haben die Massenmedien nicht. Weshalb sie in der ihnen gebotenen Eile immer wieder Fehler machen. Journalisten sind auch nur Menschen.

Wie stellt sich der Amoklauf von Winnenden jetzt, nach 48 Stunden und auch ein wenig gewonnenem emotionalen Abstand dar? Der 17-jährige Täter Tim Kretschmer hat 15 unschuldige Menschen umgebracht und danach sich selbst gerichtet. Ein Blutbad, das zunächst fassungslos machen musste.

Doch der Job der Mainstream-Reporter in dieser Situation war es, zu berichten. Bereits heute wissen wir, dass sie dabei im Vergleich zu den Bloggern und Forenschreibern nur verlieren konnten. Insofern stellt Winnenden ein wenig auch eine mediengeschichtliche Zäsur dar.

Beginnen wir mit der TV-Berichterstattung am Tag der Tat. Mangels Bilder des Täters und aus Pietät gegenüber den Opfern rückten Psychologen, Sozialarbeiter und Politiker in den Mittelpunkt der Berichterstattung. Allen voran die Kanzlerin. Angela Merkel, deren Partei nach ihrer wohlfeilen Papstkritik und vielen vorangegangenen Brüskierungen gerade die christlichen Wähler verprellt hatte und in den Umfragen auch deshalb stark verloren hatte, nutzte wie einst in den schweren Tagen ihres Vorgängers Kohl die Gunst der Stunde und sprach: „Es ist ein Tag der Trauer für ganz Deutschland. Unsere Gedanken sind bei den Familien, den Angehörigen, wir denken an sie und beten für sie.“ Die Kanzlerin betet. Jetzt. Natürlich.

Dann das Auftreten all der vom Staat, Land und Stadt offenbar in Mannschaftswagen angekarrten Psychologen, Sozialarbeitern und Betreuern vor laufender Kamera. Immer wieder attestierten diese sich selbst, wie wichtig sie in der Situation seien. Erst später sollten wir erfahren, dass viele Opfer und Angehörigen eine Fremdbetreuung abgelehnt hatten, allen voran die Eltern des Täters. Hätte die Polizei die Eltern der Schüler zu ihren Kindern in die Realschule hineingelassen, nachdem Kretschmer die Schule verlassen hatte, um andernorts zu morden, womöglich hätten die zahlreichen vom Steuerzahler alimentierten „Betreuer“ gar niemanden gefunden, dem sie sich in ihrer Überfunktion hätten widmen dürfen. Doch die Polizei ließ die Schule stundenlang verriegeln und die Eltern draußen sowie die Kinder drinnen mit dieser Extremsituation und fremden Psychotanten- und Onkel alleine. 

Offenbar werden von den Medien, der Politik und der Polizei in Zeiten der allgegenwärtigen Supernanny und der RTL-Restaurantbetreuer die Psychologen und Sozialarbeiter als wichtiger erachtet gegenüber der privaten, schmerzhaften, familiären Trauer. Ob die Herren Polizisten und Journalisten aber wirklich im eigenen Trauerfall sich ausgerechnet von einem Kümmerer vom Amt in dessen Soziologen-Deutsch betreuen lassen möchten?

Einen Tag nach der Tat wurde verstärkt nach den Motiven gesucht. Auch hierbei wirkten die Medien gehetzt – wer würde der erste sein mit einer Sensationsmeldung? Sie erschien dann fast zeitgleich auf allen Kanälen: Tim Kretschmer hatte angeblich, so bestätigte es zwischenzeitlich auch der Landesinnenminister, seine blutige Tat im Internet angekündigt. Er bezeichnete sein bevorstehendes Massaker mit den Worten, „mal so richtig gepflegt grillen“ gehen zu wollen. Die kruden Ausdrücke machten die Nachricht nur noch interessanter. Alleine, es war, wie viele Blogger sofort mutmaßten und die Massenmedien erst spät einräumten, ein Fake, eine simple Fälschung. Bis heute ist tatsächlich kein einziges Wort aufgetaucht, mit dem Kretschmer seine Tat angekündigt hat.

Unvermeidlich waren wieder einmal die Forderungen aus der Politik, nach weiteren Waffenverboten etwa oder nach psychologischer Betreuung an den Schulen. Dumm nur, dass die Realschule in Winningen eine der wenigen ist, in der bereits ein Schulpsychologe seines Amtes waltet. Und die Tatwaffe des Täters war unsachgemäß verwahrt, es lag also bereits heute ein Verstoß gegen das in den letzten Jahren massiv verschärfte Waffenverbot vor.

Ursula von der Leyen blieb es vorbehalten, eine flächendeckende Diskussion in allen Schulen Deutschlands anzuregen, um sich „besser auf solche kritischen Situationen vorzubereiten“. Da werden sich gerade die jüngsten Schüler prächtig freuen, neben dem Ozonloch, der Klimakatastrophe, der ewigen deutschen Schuld und der überall lauernden rechten Gefahr nun auch noch mit der permanenten Amokdrohung in der eigenen Schule konfrontiert zu werden. Zarter besaiteten Schülern, die soviel Katastrophe nicht verkraften, stehen dann nach von der Leyens Plänen irgendwann flächendeckend die obligatorischen Schulpsychologen zur Betreuung bereit. Winningen als Erfolgsmodell sozusagen.

Wirklich naheliegende Forderungen wurden nicht erhoben. Wäre etwa die Schule statt von einem Psychologen von zwei Polizisten im Eingangsbereich geschützt worden, wäre die Tat so wahrscheinlich nie geschehen. Anstatt die Täter im Nachhinein immer wieder entwaffnen zu wollen, was in der Realität nirgends auf der Welt funktioniert, könnte man auch die Opfer präventiv bewaffnen. Von amerikanischen Experten erfahren wir nämlich, dass Schulen nur deshalb bevorzugte Orte für Amokläufe sind, weil sie auch in den USA unbewaffnete, also besonders ungeschützte Zonen sind. Da freuen sich die Täter und fühlen sich immer wieder geradezu eingeladen.

Tim Kretschmer, das wissen wir heute, war depressiv und in psychiatrischer Behandlung. Auch hier gehen die Mainstreammedien der naheliegenden Spur nicht nach. Der Blogger „Freeman“ ist entsetzt: „Niemand fragt, unter welchem Einfluss der 17-jährige stand und ob nicht seine Krankheit ihn zur Tat getrieben hat.“ Die Medien berichten, Tim Kretschmer „ging ruhig in drei Klassenzimmer und eröffnete das Feuer ohne ein Wort zu sagen“. Nach der Schießerei in der Schule, so „Freeman“, „ging Tim ins psychiatrische Zentrum von Winnenden und erschoss einen Angestellten.“ Der Blogger fragt: „Was ist die Verbindung zu dieser Person? Er war nachweislich wegen Depression in psychiatrischer Behandlung. Er zeigte keinerlei Emotionen, ein völlig unnatürliches Verhalten, wie wenn er ein ferngesteuerter gefühlloser Roboter war.“ Dafür, so „Freeman“, gebe „es nur eine Erklärung: Die Psychopharmaka haben sein Wesen verändert!“

„Freeman“ geht dieser Spur nach und entdeckt: „Auch der koreanische Student, der im vergangenen Jahr an der Virginia Tech University in Blacksburg 32 Menschen tötete, war eine zeitlang in psychiatrischer Behandlung.“ Mehr noch: „Alle Jugendlichen, die in den letzten zehn Jahre in Amerika Amok gelaufen sind, wurden mit Psychopharmaka behandelt, hautsächlich Antidepressiva.“ Diese Stoffe zur Beeinflussung des Gehirns, so „Freeman“, seien dafür bekannt, dass sie gewalttätige Gedanken und Handlungen auslösen. Die Gesundheitsbehörden wissen das und es steht auch als Warnung auf den Beipackzetteln. Tatsächlich verursachen die psychiatrischen Drogen eine Entfremdung von der Realität. Die Schützen wissen nicht mehr wo sie sind. Sie sehen ihre Klassenkameraden nicht mehr als Menschen, sondern als leblose Objekte und als Ziele.“ Sie seien so gefühllos und von der Realität entfremdet, so „Freeman“, dass Sie am Ende auch ohne Probleme zur Selbsttötung fähig seien.

Dabei geht es nicht zuletzt um sehr viel Geld. „Freeman“ schreibt: „Alleine die Top-Fünf der psychiatrischen Medikamente in Amerika, Zoloft, Adderall, Haldol, Lexapro und Clozaril bringen einen Gewinn von 18 Milliarden Dollar pro Jahr.“ Und: „Nach einer Statistik der Betriebskrankenkassen aus dem Jahr 2009 hat sich die Zahl der Verordnungen von Psychopharmaka in Deutschland in den vergangenen drei Jahren verdoppelt.“

Zwei weitere falsche Fährten sowie zwei weitere echte Spuren benennt der linke Blogger Jürgen Elsässer. Er schreibt: „Der Todesschütze ist ein ganz normaler schwäbischer Bub. Tischtennisverein, Konfirmand. Vater Unternehmer. Schönes Häuschen. Ich glaube, bei dem Amokläufer damals in Erfurt war es nicht anders. Soll heißen: Diese Gesellschaft brütet in ihrer Mitte Killer aus. In der Mitte heißt: nicht an den Rändern.“ Und genau hier kommt Elsässer auf die beiden falschen Fährten: „Damit sind die Analysen von Rechts- wie Linksextreme gleichermaßen blamiert. Die Rechten – und in diesem Fall steht Bundesinnenminister Schäuble an ihrer Spitze – wollen uns seit Jahr und Tag erzählen, die Moslem-Kids in unseren Städten seien wandelnde Zeitbomben, die auf Massenmord sinnen. Die Linken verkünden gebetsmühlenartig, die Nazi-Kids seien eine tödliche Gefahr. Aber Tim war weder Moslem noch Nazi, und sein Erfurter Vorläufer auch nicht. Frustrierte junge Männer aus der Mittelschicht“ seien, so Elsässer, die Täter.

Dazu passt der folgende Bericht aus dem „Tagesspiegel“: Nach der Tat „zeigte sich die Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration der Bundesregierung, Maria Böhmer, CDU, schwer enttäuscht. Böhmer habe besorgt gefragt, ob der Täter gezielt auf Kinder aus Migrantenfamilien geschossen hat, hieß es in Stuttgart. Das konnte nicht bestätigt werden.“

Die beiden wirklichen Spuren, auf die Elsässer aufmerksam macht, sind die folgenden. Erstens: „Kinder brauchen Familie, vor allem in diesen Zeiten, sonst werden sie irre. Die Linke“, so der überzeugte Sozialist Elsässer, „muss weg von diesem Minderheiten-Quatsch und familienfreundlich werden.“ Zweitens: „Hauptgewaltgruppe sind junge Männer. Das ist eine Folge ihrer Vernachlässigung. Die Tendenz in der neueren Erziehung, den Jungs ihre Männerrolle madig zu machen und sie – gerade in ihrer Pubertät! – in ihrer Sexualität zu verunsichern, hat eine ganze Alterskohorte verrückt gemacht.“

Der Vater von Tim Kretschmer, so wissen wir, hatte als mittelständischer Unternehmer wenig Zeit für seinen Sohn. Und auffälligerweise waren die meisten seiner Opfer weiblich. Beiden bislang vernachlässigten Spuren – mangelnde Liebe in der Familie und Benachteiligung als Junge in der Schule (sowie allgemein die deutsche Problematik des Schulzwangs) – werden in ef von Fachleuten in gesonderten Artikeln nachgezeichnet werden.

Kommen wir abschließend zu einem politischen Aspekt. Im Zusammenhang mit der Falschberichterstattung über die angebliche Ankündigung der Tat in berüchtigten Internet-Foren konnten wir einiges über solche Foren erfahren, in denen auch diese Tat im Anschluss zynisch „gefeiert“ wurde. So wurden die Opferzahlen der Massaker in Alabama und Winnenden gegenübergestellt mit dem Vermerk, Deutschland habe gewonnen. Der „Spiegel“ berichtet in diesem Zusammenhang von einem typischen solchen Foreneintrag: „Ich finde Amokläufe wesentlich lustiger als Kriege oder Genozid. Amokläufe sind chaotisch-böse und eines der wenigen Verbrechen, welches nicht irgendeinem verlogenen Ziel dient.“

Sind also Amokläufe von männlichen Jugendlichen der Mittelschicht doch in gewisser Weise ein – perverses – „Statement“? Auffällig ist jedenfalls, dass Amokläufe ein Zeitphänomen sind und in den letzten 20 Jahren zumindest in Deutschland gehäuft auftreten. Und doch gab es auch in den Jahrzehnten davor immer wieder schreckliche Gewalttaten von jungen Männern. Denken wir an die RAF-Mordserien in den 70er Jahren. Auch damals kamen die jungen Täter aus dem Bildungsbürgertum und aus der Mittelschicht. Auch Andreas Baader etwa war für seine geradezu sadistische Skrupellosigkeit und seine emotionale Kälte während der Taten berüchtigt. Nebenbei: Auch er stand dabei vermutlich unter Drogen. Doch Baader gab wie die jungen politischen Schläger- und Mörderbanden in den frühen 30er Jahren hehre Ziele vor. Er wurde in Freundeskreisen für seine Taten gar gefeiert, von solchen, die meist auch noch den schlimmsten Massenmödern der Weltgeschichte wie Mao und Pol Pot ergeben huldigten. Genauso werden heute, schenkt man den entsprechenden Berichten Glauben, Tim Kretschmer und seine Vorläufer von einigen Jugendkreisen gefeiert und verehrt. Soziologen deuteten in den 70er Jahren die schrecklichen Gewalttaten der RAF-Terroristen etwa so: „Sie handeln falsch, schrecklich falsch, aber sie meinen es eigentlich nur gut, sie haben hehre sozialistische Ziele gegen den konservativen Muff der Vergangenheit und gegen den falschen Staat.“

Heute müsste ein solcher verlogener Satz etwa so klingen: „Sie handeln falsch, schrecklich falsch, aber sie meinen es nur gut, sie haben nämlich keine Ziele mehr, weil alle hehren, verlogenen politischen Ziele längst diskreditiert sind.“

13. März 2009

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Kommentare

FritzLiberal, am 13. März 2009 um 13:00 ( Link )

Danke für den Artikel, volle Zustimung. Insbesondere für den Teil betreffend der Bewaffnung der Opfer. Amokläufe finden ausschließlich in schusswaffenfreien Zonen statt. Der Täter hat dort das Gewaltmonopol und keinerlei Gegenwehr zu befürchten. Es gibt nur eine erfolgversprechende Methode, einen Amoklauf schnell und mit geringer Opferzahl zu beeenden: zurückschießen.

Noack, am 13. März 2009 um 13:39 ( Link )

Sehr interessant finde ich den Verweis auf die Behandlung vieler Amokläufer mit Psychopharmaka. Hier könnte m.E. tatsächlich ein Auslöser (oder eine Ursache?) solcher Taten liegen. Für mich eine viel mehr Erfolg versprechende Spur als die üblicherweise vorgebrachten Argumente.
Außerdem kann ich mir auch einen Zusammenhang mit größeren gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte (Auflösung von Familienbindungen etc.) vorstellen.

Satanas, am 13. März 2009 um 14:10 ( Link )

Endlich tauchen aus diesem Sumpf von unerträglichem Mainstream-Gebrabbel mal ein paar solide Fakten auf! Die Argumente Psychopharmaka und Vernachlässigung sind erheblich nachvollziehbarer als "Killerspiele" (seit wann zählt Counterstrike dazu?). Und was Herrn Elsässer betrifft: Es lohnt sich eben auch die Auseinandersetzung mit Andersdenkenden. Auch wenn er -auch in seinen hier zitierten Beiträgen- ziemlich viel Widerspruch verdient hat.

Thoringi , am 13. März 2009 um 15:01 ( Link )

Allein Erfurt hätte schon verhindert werden können, wenn der Sachbearbeiter des Ordnungsamtes die Waffe eingezogen und den Besitz untersagt hätte, denn die Waffe war nicht ordnungsgemäß angemeldet und unter Angabe falscher Tatsachen wurde die Erwerbserlaubnis erschlichen. Der Sachbearbeiter hat schlichtweg verpennt, die Frist zur Anmeldung und deren Überschreitung zum Anlaß zu nehmen, Unzuverlsääsigkeit festzustellen, denn dies ist eine subjektiv-persönliche besitzhemmende Eigenschaft. Somit hätte Steinhäuser beide Waffen abgeben müssen. Fazit: Schon damals hätten Gesetze, nur eingehalten werden müssen. Hier ein Gesetz, dessen Vorläufer von den Nationalsozialisten erlassen wurde, um den politischen Gegner zu entwaffnen. Im politischen Klima nach den Wirren der Weimarer Republik war dies ein leichtes Unterfangen.

Satanas, am 13. März 2009 um 15:24 ( Link )

@Thoringi

Die Frage ob man das Waffenrecht nicht lieber liberalisieren als verschärfen sollte bleibt dennoch im Raum - vielleicht hätte das Waffenrecht lieber entschärft und nicht "eingehalten" werden müssen.

Weiterhin- wenn es die Psychopharmaka sind, die Menschen gefährlich machen, sollten nicht unbedingt die Waffen verboten werden.

Dazu noch ein Gedanke: Stammt das Wort "Amok" nicht aus dem Dialekt eines Volkes in Hinterindien, das im Regenwald lebt/lebte? Vielleicht hatte dieses Volk den Begriff "Amok" nur deshalb, weil es entsprechend Erfahrung mit Drogen aus dem Wald hatte?

In Europa waren solche Taten doch vor 100 Jahren noch unbekannt?

freischwimmer, am 13. März 2009 um 16:01 ( Link )

Anstatt die Täter im Nachhinein immer wieder entwaffnen zu wollen, was in der Realität nirgends auf der Welt funktioniert, könnte man auch die Opfer präventiv bewaffnen. Von amerikanischen Experten erfahren wir nämlich, dass Schulen nur deshalb bevorzugte Orte für Amokläufe sind, weil sie auch in den USA unbewaffnete, also besonders ungeschützte Zonen sind.

herr lichtschlag hat recht: wir brauchen eine 100%ige bewaffnung der bevölkerung! wenn jeder schüler/lehrer mit einer beretta 9mm und entsprechender munition ausgestattet gewesen wäre, hätte das unglück verhindert werden können! dem freien menschen muss die möglichkeit gegeben werden, sich im alltag selbst mit entsprechenden handfeuerwaffen verteidigen zu können. ausnahmslos!
könnte eifrei nicht eine entsprechende initiative mit unterschriften etx. starten?

Stefan Miller, am 13. März 2009 um 16:05 ( Link )

ein Kasper mit 'ne Knarre hat in der Schule, oder auf der Straße, wo niemand sonst eine Waffe haben darf, göttliche Macht. Er ist unbesiegbar. Und er wird von den Medien posthum zum Gott stillisiert. Zum bösen Gott, aber das ist sekundär. Sein Gesicht erscheint tagelang auf den Titelseiten sämtlicher Zeitungen. Sein Nachfolger wartet schon.

KnutSchreiber, am 13. März 2009 um 16:13 ( Link )

Psychopharmaka können ohne Zweifel die Wahrnehmung verändern (das ist ja z. T. auch ihr Ziel). Sie steigern auch den Antrieb (Antriebsmangel ist oft ein Symptom von Depressionen). In diesem Zusammenhang ist bekannt, dass die Antriebssteigerung in der Regel vor der Stimmungs-/Gefühlsaufhellung eintritt und dadurch kurzfristig die Suizidgefahr steigt.

Es ist aber zu leicht, den Amoklauf und die "Gefühllosigekit" auf die Psychopharmka zu schieben. Vielmehr ist "Gefühllosigkeit" gerade auch ein häufiges Symptom einer Depression und muss nicht erst im Zuge der Behandlung mit Medikamenten auftreten. Im Gegenteil sind viele Antidepressiva gerade darauf ausgerichtet, die Gefühllosigkeit zu überwinden.

Dem Rest des Artikels kann ich völlig zustimmen!

FritzLiberal, am 13. März 2009 um 16:21 ( Link )

@freischwimmer: Kinder zu bewaffnen ist Unsinn. Dass Lehrer Schusswaffen verdeckt tragen dürfen (genau so wie jeder andere unbescholtene Erwachsene, der eine entsprechende Ausbildung absolviert hat), wäre allerdings zu empfehlen.

In den USA hat man in zahlreichen Bundesstaaten genau das erlaubt. Das Ergebnis: ein signifikanter Rückgang der Gewaltverbrechen. Das Gegenbeispiel ist England: dort gab es vor einigen Jahren ein Totalverbot des privaten Schusswaffenbesitzes. Das Ergebnis: eine Explosion der Anzahl der Gewaltverbrechen.

FritzLiberal, am 13. März 2009 um 16:32 ( Link )

Hier ist übrigens ein Artikel zu einem Massaker, dass ein Palästinenser in einer Schule in Israel angerichtet hat:
http://en.wikipedia.org/wiki/Mercaz_HaRav_Massacre

Der Täter wurde von einem Studenten und einem Offizier außer Dienst, die beide eine legale Schusswaffe bei sich trugen, erschossen. Damit wurde eine deutlich höhere Opferzahl vermieden.

freischwimmer, am 13. März 2009 um 16:34 ( Link )

@ Fritz

da muss man mit dem zitat des tages antworten:
Wer hinsichtlich der Freiheit kein Prinzipienreiter ist, wird die Koppelzäune der Knechtschaft nie überspringen können.

Roland Baader

die wahrscheinlichkeit, dass der täter früher zur strecke gebracht werden kann, ist höher, wenn möglichst viele bewaffnet sind! wieso sollte ich einem linken pädagogen (der im zweifel nicht schießen wird) das leben meines kindes anvertrauen? wenn sie freiheitlich denken, müssen sie das recht zur selbstverteidigung jedem menschen zusprechen. und im sinne der gleichheit der waffen zwischen täter und opfer, kommt man wohl um handfeuerwaffen nicht herum. was das alter betrifft, sollte man sich an das strafgesetzbuch halten, das kinder mit 14 für strafmündig erklärt. ab diesem alter traut der gesetzgeber dem jugendlichen zu, die folgen seiner handlungen zu überblicken.

FritzLiberal, am 13. März 2009 um 16:43 ( Link )

@freischwimmer: Blödsinn. Die volle Strafmündigkeit beginnt mit 18. Übrigens ist das genau das Alter, ab dem der Staat die männlichen Staatsbürger zum Wehrdienst zwingt und sie dort an einem vollautomatisches Sturmgewehr ausbildet. Ich sehe keinen Grund, ihnen im Privatleben das Recht, eine Pistole zu besitzen und auch zu führen, zu untersagen.

Thoringi , am 13. März 2009 um 17:08 ( Link )

@satanas

Bin ganz ihrer Meinung. Jeder hat Beine zum davonlaufen. Jeder Arme sich zu wehren. Jeder Augen, um Gefahren vorauszusehen. Warum sollte nicht auch jeder eine Waffe tragen dürfen. Aber davor steht die Angst um den Erhalt der Steuerhoheit, des mit Kriminellen geteilten Gewaltduopols und der politischen Kaste.

freischwimmer, am 13. März 2009 um 17:19 ( Link )

@ Fritz

wo ist ihre begründung, die freiheitseinschränkung (nämlich das recht auf selbstverteidigung) an die volle statt an die bedingte strafmündigkeit zu koppeln? weil der staat das so sagt?

FritzLiberal, am 13. März 2009 um 17:34 ( Link )

@freischwimmer: die Erkenntnis, dass Kinder nicht die gleiche Strafmündigkeit mitbringen wie Erwachsene, gibt es auch im Bereich des Naturrechts und hat vorerst nichts mit dem Staat zu tun. Und da volle Rechte volle Verantwortung bedingen, ist es selbstverständlich, dass Kinder nicht das selbe tun dürfen wie Erwachsenen. Ganz unabhängig vom Staat.

freischwimmer, am 13. März 2009 um 17:48 ( Link )

@ Fritz

wo sagt das naturrecht, dass jugendliche sich nicht angemessen (angemessen im verhältnis zum potentiellen täter) verteidigen dürfen?

familienwehr.de , am 13. März 2009 um 18:09 ( Link )

Ich denke jeder hat das Gefühl tiefer innerer Verletzung in seinem Leben schon einmal erlebt, viele derer, die hier der Aufrüstung das Wort reden, haben sich sicher schon einmal gewünscht, einem Ehrverletzer das Lebenslicht auszublasen.
Wenn einem die Sicherung durchbrennt, ist es besser, man hat keine Feuerwaffe im Haus, das wirkt mäßigend und deeskalierend.
Mit einem Baseballschläger oder der Armbrust eine Schule zu betreten, erfordert eine gewisse Courage, der Ballermann ist die Waffe der größenwahnsinnigen Feiglinge. Dem Baseballschläger in der Hand kann mit einem Stuhl gekontert werden, der Feuerwaffe nicht. Feuerwaffen sind das Illiberalste, das sich denken lässt, da die Chancengleichheit unter die Räder kommt.
Wer hier enttäuschenderweise die Aufrüstung mit Feuerwaffen befürwortet, sollte sich fragen, wieviel Angst und Hass ihn umtreibt und warum er so ein gottverlassenes Würstchen ist. Der Libertäre steht für Waffengleichheit ein, die ist nur durch den kurzen Weg der Abrüstung zu erreichen - denn bis wohin will man aufrüsten? Die Durchsetzung des Landfriedens ist von jeher eine der wenigen Aufgaben, welche ein Staat zu erfüllen hat.
Intelligente Chancengleichheit = Feuerwaffenverbot.

FritzLiberal, am 13. März 2009 um 18:34 ( Link )

@freischwimmer: weil Kinder unter der Aufsicht von Erwachsenen stehen (zu Hause unter der der Eltern, in der Schule unter der der Lehrer).

@familienwehr: schön, dass Sie wissen, welche Art von Bewaffnung liberal ist und welche nicht. Nur: ihre Ansicht dazu interessiert mich nicht. Ich werde dabei bleiben, das effektivste Mittel zu wählen, um mich im Ernstfall zu verteidigen. Wenn Sie mich deshalb für ein Würstchen halten - auch damit kann ich leben. Ich habe allerdings den unbestimmten Verdacht, dass eher jemand, der meint, ein Feuerwaffenverbot für Private wäre als liberales Credo zu bezeichnen, den Kriterien eines solchen "armen Würstchens" erfüllt.

Übrigend: "ottverlassen" bin ich sicher nicht, denn auch die Jünger Jesu waren mit Schwertern (den Vorläufern der heutigen Faustfeuerwaffen) bewaffnet.

Ich schlage aber vor, Sie wirken entsprechend auf alle zukünftigen Amokläufer ein, ihre Wirkungsstätte nur mehr mit einem Baseballschläger bewaffnet zu betreten, anstatt mit einer Schusswaffe. Wegen der "intelligenten Chancengleichheit".

Ach ja, noch etwas: auch beim letzten Amoklauf sind die Hüter des Gesetzes wohl etwas zu spät gekommen, um den "Landfrieden durchzusetzen", oder? Sie konnten nur mehr das Blut aufwischen.

familienwehr.de , am 13. März 2009 um 19:03 ( Link )

Intelligente Chancengleichheit = Feuerwaffenverbot.
Ergänzung:
Ein wesentlicher Reiz der Feuerwaffe besteht darin, sich leicht der Verantwortung entziehen zu können, indem man die letzte Kugel gegen sich selbst richtet. Die Selbstrichtung mittels Baseballschläger oder Armbrust ist umständlich, langwierig und sehr unsicher, besonders im Beisein von Zeugen. Man kriegt Dich. Das schreckt ab.
@FritzLiberal: Sie wollen Krieg? Sie werden ihn bekommen.

Sphairon, am 13. März 2009 um 19:25 ( Link )

Familienwehr,
Sie sehen das falsch. Die Entwicklung der menschlichen Individualbewaffnung ist eine Evolution hin zu absoluter Chancengleichheit:

Während man für eine Keule (und heute für einen Baseballschläger !) nicht gerade wenig Armmuskeln braucht(e), um einen effektiven Schwung auszuführen, ein römisches Kurzschwert immer noch Geschick, Reaktionsschnelle und ein gewisses Maß an Kondition erfordert(e) und die frühen Schusswaffen (Musketen / Armbrüste) zumindest beim Laden noch die körperlich Fitten bevorteil(t)en, ist es bei einer zeitgenössischen Pistole egal, ob Sie den Weltrekord im Kugelstoßen halten oder im Rollstuhl sitzen: Die Wirkung der Waffe bleibt gleich.

Damit sind moderne Schusswaffen nicht etwa "illiberal", sondern ein Segen für die körperlich Schwachen, die nun nicht mehr wehrlos der Unterdrückung durch die Starken gegenüberstehen, wie das in einem unberührten Naturzustand der Fall wäre. Nicht umsonst sagt man in gewissen Kreisen auch gern: "God created all men. Sam Colt made them equal."

Und bedenken Sie, nicht jeder muss bewaffnet sein, um vom Abschreckungseffekt zu profitieren. Solange eine begründete Unsicherheit über Ihre Bewaffnung herrscht (wie das in Gesellschaften mit liberalem Waffenrecht der Fall ist), halten sich Kriminelle grundsätzlich eher zurück als dort, wo sie sich über die zivile Entwaffnung sehr sicher sein können.

familienwehr.de , am 13. März 2009 um 19:57 ( Link )

@Sphairon
Recht herzlichen Dank für die entwaffnende Ansprache.
Widmen Sie in den nächsten Jahren ihre Aufmerksamkeit der anderen Seite des Atlantiks.
Lassen Sie es mich wissen, sollten Sie sich dort überzeugt ins Getümmel gestürzt haben.

Sphairon, am 13. März 2009 um 20:57 ( Link )

"Entwaffnender" Sarkasmus ohne Aussage und eine versteckte Anspielung, die mich - ich bin mir nicht sicher - eines geplanten Attentats ("ins Getümmel stürzen") bezichtigen soll? Darauf basieren Sie ihre Weltanschauung?

Wenn das die "christlich-preußisch-libertäre" Antithese zum herrschenden Zeitgeist sein soll, bin ich etwas enttäuscht.

Arne Schmidt, am 13. März 2009 um 21:27 ( Link )

Vielen Dank für die offenen Worte in diesem Blog.

Die Wölfe unter dem Schafsgewand enttarnen sich hier selbst und merken es gar nicht.

1. Ich möchte zunächst einmal nur aus humanistisch-aufklärererischer Sicht zu bedenken geben, welch absurde Konsequenzen der Vorschlag der Waffenfreigabe hätte.
Die deutsche Bevölkerung besteht doch nicht nur aus Personen die in der Lage sind eine Waffe zu benützen. Sie besteht natürlich auch aus Kindern, Blinden, Grobmotorikern und DEBILEN!!!

Liberale Ideologen, wie sie sich in diesem Blog um den Herausgeber tummeln sind freilich meistens in der Mitte der Normalverteilung anzutreffen, sonst könnten sie auch nicht über einen Internetzugang verfügen und eine Rechnertatatur bedienen.

2. Ich muss aber (auch als Psychiater) zu bedenken geben, dass die Vorstellung Psychopharmaka wären die Ursache für Gewaltdelikte ebenfalls keine valide wissenschaftliche Basis besitzt. Natürlich ist die Gefahr des erhöhten Antriebs bei gleichzeitig noch nicht vorhandenen Stimmungsaufhellung, Bestandteil einer jeden Medikamentenaufklärung bei Gabe eine SSRI (Serotoninwiederaufnahmehemmers). Und nur bei diesen, nicht bei allen im Artikel genannten Medikamenten. Andererseits scheinen die SSRI deutlich wirksamer als veraltete Trizyklika zu sein. Ich würde jedenfalls eher ein Medikament das nachgewiesenermaßen wirkt einnehmen, als eines das nachgewiesenermaßen starke Nebenwirkungen hat und nicht gut bei Depression wirkt. Eine übrigens organische Erkrankung mit genetischer Genese. Warum hier gegen Psychopharmaka gehetzt wir verstehe ich nicht - stehen da Scientologen dahinter oder doch wieder nur die Schafe?

3. Keinem der selbsternannten Experten ist bisher der Gedanke gekommen, daß der vermehrte Einsatz von Psychopharmaka vielleicht dem erhöhtem BEDARF AN MEDIKAMENTEN in der Normalbevölkerung entspricht. Das sollte doch Menschen, die jeden Tag die unsichtbare Hand des Adam Smith verherrlichen, irgendwie bekannt vorkommen.
Man kann deshalb nur diese eine Frage stellen: Warum nimmt die Zahl der psychisch Kranken in unserer Republik zu?
Das es sich hier um ein gesamtgesellschaftliches Phänomen handelt, welches aber insbesonders die unteren Schichten der Bevölkerung betrifft, wäre doch eine Erörterung wert und ist aber nebenbei, wissenschaftlich schon längst nachgewiesen.

Aber Gemach. Ich wage einfach mal die Prognose, daß eine bessere Wertschätzung eines jeden Individuums in unserer Republik, also menschenwürdiges Einkommen, die auch eine gesunde Ernährung miteinschließt, ein Dach über dem Kopf, eine angemessene Bildungsmöglichkeit, Ausbildungmöglichkeiten und schließlich sogar die Möglichkeit sich mit seiner Leistungsfähigkeit sinnvoll am Erarbeiten des Sozialproduktes zu beteiligen, eine weitaus friedlichere Welt der Koexistenz und auch der geringeren Folgekosten für die Reparatur von gesellschaftlichen Fehlentwicklungen bewirken würde.
Sie können von mir aus solche Gedanken totalitär, nationalsozialistisch, utopistisch oder extremitisch nennen. Das ist mir ziemlich egal, denn sie sind systemisch und logisch und stehen auf dem Boden von Aufklärung, Humanismus und Vernunft.

4. Was aber nicht angesprochen wird (die Leerstellen ind ja immer am interessanten), ist der eigentliche Grund, warum denn Kinder immer enthemmter Gewalttaten begehen.
Es ist die Gewalt in Fernsehen, Videospielen und den anderen kommerziell vertriebenen Medien. Manfred Spitzer, Hirnforscher hat dazu auch Metastudien veröffentlicht. Unter Kinder- und Jugendpsychiatern ist das keine Diskussion mehr. Der Sachgegenstand ist klar erwieden.
Aber warum dann nicht Gewaltauffordende und verherrlichende Medien einschränken, verbieten oder von mir aus ganz liberal, einfach hoch besteuern? Natürlich nur aus Gründen des Profits. Aber leider denken die Fhrungskräfte dieses Landes über die Folgen der moralischethischen Verrohung unserer Kinder nicht nach. Tabu, "freiheitliche Gesellschaft".
Könnte es nicht sein, daß gewisse Teile der Gesellschaft mit der kognitiven Verarbeitung dieser Gewaltdarstellungen schlichtweg überfordert sind? Dies gilt natürlich ebenso für psychisch Kranke! Die Freiheit der Mehrheit ist hier klar die Einschränkung der Freiheit und Entwicklungsmöglichkeiten der Minderheit. Blöd ist nur wenn mein Kind erschossen wird, dann rufen die liberalen nach dem starken Staat, der die Schulen bewacht. Zum Lachen.

5. Zu guter letzt möchte ich jeden auffordern mal Nachts im Central Park einen Spaziergang zu machen (WAFFENBESITZ ERLAUBT). Wer stattdessen lieber in Tokio (WAFFENBESITZ VERBOTEN) nachts spazieren geht, hat zufälligerweise (?) ein über 1000x niedrigeres Risiko, um diese Zeit erschossen oder niedergemetzelt zu werden. Aber Risiko ist ja was tolles, solange es nur andere und nicht mich bestrifft. Oder?

Jurij Below, am 13. März 2009 um 21:33 ( Link )

Lieber Herr Lichtschlag,
ihr Kommentar ist so vielfältig, dass man kann wirklich nichts dem zu zufügen. Ein Aspekt davon scheint es mir am wichtigsten zu sein: "mangelnde Liebe in der Familie".

Leider diese selbszertörische Amokläufer sind in unserem globalen Dorf auch global geworden.

Man spricht oft von den USA wo in April 2007 der schwerste Vorfall mit 33 Toten stattgefunden hat. Dennoch der ersten der Nachkriegsgeschichte schweren Vorfall dieser Art ereignete in Deutschland in Volkhoffen bei Köln mit 10 Toten (1964). Der erste Vorfall dieser Art in den USA zwei Jahre später (1966) wurde in Austin (Texas) mit 15 Toten die Amerikaner geschockt.

Ich frage nun: was hat uns Globalisierung gebracht? Vor allem wurde an bessere Miteinanderleben in einem globalen Dorf. Es wurde auch von Frieden und Wohlstand geträumt.

Nur inzwischen die elementare menschliche Werte: wie etwa Liebe zur Heimat, Traditionen, Mitmenschen – wurde durch einen Konsumrausch ersetzt. Geld und Lust wurden ins Zentrum gestellt. Die Werte wurden als altmodisch abgewertet. Das haben die jungen Menschen als eine grenzlose Freiheit verstanden.

Dabei die so genannte „autoritäre Erziehung“ wurde abgeschafft. Zwar Disziplin ist auch ein Last, aber ohne dieser der Mensch ist nun zum Mittel geworden – damit mehr und mehr Profite auszuschlagen. Wir leben in einem Rausch, wir vergessen, dass unsere Erscheinung auf diese Erde zu kurz ist. Was die Erwachsene nicht mehr wahr nehmen, können auch die Kinder nicht: MEMENTO MORI.

Man nimmt das nur zur Kenntnis, verstehen kann man das nicht. Einziges, was für mich plausibel erscheint ist der Verdacht, dass in unserer Gesellschaft nicht in Ordnung ist. Und viele von uns ahnen schon: WAS.

Ein Suizid allein wäre ganz „langweilich“ gewesen, mit einer Tat bekommt einen Selbstmord auch einen „Wert“. Zwar einen falschen, aber mindestens logischen: wenn ich kein Wert habe, dann die anderen auch…

Her ist keine vollständige Chronik: 40 Jahre der Amokläufe an Schulen weltweit.
In diese dramatische Liste von meist jungen Menschen die Deutschen "Selbsattentäter" kommen schon leider mehrmals vor:

33 Tote 20 Verletzte
16. April 2007: Virginia Tech, Blacksburg im US Bundesstaat Virginia, USA
Ein 23 jähriger verletzt 20 Menschen, tötet 27 Studenten und 5 Hochschullehrer und anschließend sich selbst.

17 Tote
März 1996: Grundschule im schottischen Dunblane, GROSSBRITANBIEN
Ein Amokschütze tötet in 16 Kinder und deren Lehrer, bevor er sich erschießt.

16 Tote 2 Verletzte
11. März 2009: Realschule Winnenden, Baden-Württemberg, DEUTSCHLAND
Ein 17-jährige erschießt an seiner Realschule 3 Lehrerinnen und 9 Schüler. Tötet auf der Flucht 3 weitere Menschen, und stirbt bei einem Schusswechsel mit der Polizei.

16 Tote
26. April 2002: Gutenberg-Gymnasium, Erfurt, DEUTSCHLAND
Der 19-jährige Robert Steinhäuser erschießt in seiner Schule 12 Lehrer, eine Sekretärin, 2 Schüler und einen Polizisten und danach sich selbst.

15 Tote 31 Verletzte
August 1966: Universität von Texas, Austin, USA
Charles Whitman tötet an der in 15 Menschen und verletzt 31 weitere - auch seine Mutter und die Ehefrau werden dabei Opfer des Verbrechens.

14 Tote
20. April 1999: Columbine-Schule, Littleton im US-Bundesstaat Colorado, USA
zwei schwarz gekleidete und vermummte Jugendliche erschießen 12 Mitschüler sowie einen Lehrer und begehen Selbstmord.

14 Tote 8 Verletze
Dezember 1989: Schule für Polytechnik in Montreal, KANADA
Marc Lepine, 25, stürmt eine und erschießt 14 Frauen. Vier Männer und acht weitere Frauen werden verletzt, bevor Lepine die Waffe gegen sich selbst richtet.

11 Tote
23. September 2008: Berufsschule, Kauhajoki, FINNLAND
Ein 23-Jähriger erschießt 9 Schüler und einen Lehrer und tötet sich selbst.

10 Tote 8 Verletzte
11. Juni 1964, katholischen Volksschule des Kölner Vororts Volkhoven, DEUTSCHLAND
Ein 42 Jahre alter Invalide (42) tötet in den zehn Menschen. Er gibt vom Schulhof aus mit einem Flammenwerfer durch ein offenes Fenster mehrere Flammenstöße auf eine Klasse neun- bis elfjähriger Kinder ab und ersticht danach zwei Lehrerinnen mit einer Lanze. Acht der 28 schwer verletzten Kinder sterben. Der Täter vergiftet sich.

9 Tote
7. November 2007: Jokela-Gymnasium, Tuusula, FINNLAND
Ein 18-jähriger erschießt 8 Menschen und tötet sich selbst.

9 Tote
21. März 2005: Red Lake im US-Bundesstaat Minnesota, USA
Ein Jugendlicher erschießt erst seinen Großvater und dessen Lebensgefährtin. Anschließend tötet er in seiner Schule 5 Schüler und eine Lehrerin. Nach der Tat tötet sich selbst.

8 Tote
Juni 2001: Grundschule bei Osaka, JAPAN
Mit einem Küchenmesser bewaffnet betritt Mamoru Takuma eine und tötet acht Kinder. Im September 2004 wird Takuma hingerichtet.

7 Tote
März 1997: zwei Schulen in Sanaa, JEMEN
Ein Mann richtet in sein Sturmgewehr auf hunderte Schüler und tötet dabei sechs Kinder und zwei weitere Personen. Am nächsten Tag wird er zum Tode verurteilt.

6 Tote 15 Verletzte
14. Februar 2008: Universität in Chicago im US-Bundesstaat Illinois, USA
Ein ehemaliger Soziologiestudent verletzt 15 Personen erschießt 5 Menschen und sich selbst.

6 Tote
3. Juni 1983, in einer Schule in Eppstein-Vockenhausen (Hessen), DEUTSCHLAND
Ein Exil-Tschechoslowake (34) erschießt fünf Menschen: zwei zwölfjährige Schülerinnen, einen elfjährigen Schüler, einen Lehrer und einen Polizisten. Danach erschießt der Täter sich selbst. Ein Lehrer überlebt schwer verletzt. Das Motiv des als aggressiv geltenden Amokschützen bleibt rätselhaft.

6 Tote
2. Oktober 2006: Nickle Mines im US-Bundesstaat Pennsylvania, USA
Ein Amokläufer tötet in einer Dorfschule 5 Mädchen der Religionsgesellschaft der Amish und nimmt sich anschließend das Leben.

5 Tote
10. August 1999, In Los Angeles in Kalifornien, USA
schießt ein Mann in einer jüdischen Vorschule um sich; er tötet zwei Erwachsene und drei kleine Kinder und wird später zu lebenslanger Haft verurteilt.

1 Tote, 19 Verletzte
13. September 2006: eine Schule in Montreal, KANADA
Ein ganz in Schwarz gekleideter junger Mann stürmt in und schießt wild um sich. Eine 20-jährige Schülerin stirbt, 19 Menschen werden verletzt.

1 Toter 37 Verletzte
20. November 2006: Emsdetten im Münsterland, DEUTSCHLAND
Ein 18-jähriger ehemaliger Schüler verletzt an einer Realschule 37 Menschen, erschießt sich.

1 Toter
16. März 2000, Internat in Brannenburg (Bayern), DEUTSCHLAND
Weil er am Tag zuvor von seinem Realschulinternat in verwiesen wurde, schießt ein 16 Jahre alter Schüler den Leiter der Anstalt in den Kopf und fügt sich dann selbst schwere Verletzungen zu. Der Internatsleiter stirbt sechs Tage später.

Quellen: Die Welt, FAZ, dpa, AFP

Sphairon, am 13. März 2009 um 21:44 ( Link )

5. Zu guter letzt möchte ich jeden auffordern mal Nachts im Central Park einen Spaziergang zu machen (WAFFENBESITZ ERLAUBT). Wer stattdessen lieber in Tokio (WAFFENBESITZ VERBOTEN) nachts spazieren geht, hat zufälligerweise (?) ein über 1000x niedrigeres Risiko, um diese Zeit erschossen oder niedergemetzelt zu werden. Aber Risiko ist ja was tolles, solange es nur andere und nicht mich bestrifft. Oder?

Der Central Park, sofern wir denselben meinen, ist eine Grünanlage in New York City, nicht wahr? Als ich das letzte Mal nachgeschaut habe, war New York City eine der Großstädte mit dem restriktivsten Waffenrecht, die den Besitz von Handfeuerwaffen nahezu illegal gemacht hat. Ähnlich gilt übrigens für Washington, D.C., wo die Verbrechensrate auch überdurchschnittlich hoch ist. Hmm ...

Im Übrigen wäre ich nachts tatsächlich lieber in Tokyo als in New York, was aber nicht unbedingt mit dem restriktiveren Waffenrecht zu tun hat. Sie begehen den Fehler, Korrelation mit Kausalität zu verwechseln.

Arne Schmidt, am 13. März 2009 um 22:29 ( Link )

@Sphairon
Sie haben Recht.
Meine Daten vom Central Park sind aus den 90´ger Jahren. Es ist gut möglich, daß durch ein jetzt restriktives Waffengesetz, die Sicherheit grösser geworden ist. Nur mussten auch die New Yorker erst viele Morde erleben, um das zu verstehen.

Sphairon, am 13. März 2009 um 22:57 ( Link )

Herr Schmidt, Sie interpretieren viel. Haben Sie exakte Statistiken, um einen Zusammenhang zwischen Verschärfung des Waffenrechts und Rückgang der Kriminalität aufstellen zu können? Und selbst wenn, wie erklären Sie sich die verdächtig niedrige Verbrachensrate im US-Bundesstaat Vermont, einem der liberalsten (auch im waffenrechtlichen Aspekt) Staaten der USA?

Sphairon, am 13. März 2009 um 22:58 ( Link )

"Verbrechensrate" sollte das Letztere natürlich heißen, bitte gnädigst um Verzeihung.

FritzLiberal, am 13. März 2009 um 23:25 ( Link )

@Arne Schmidt: besten Dank für den erneuten Beweis Ihrer Unwissenheit über das betreffende Thema. New York hat seit Jahrzehnten ein restriktives Waffenrecht und nach wie vor eine hohe Kriminalitätsrate. Ähnlich sieht es - wie richtigerweise von Sphairon dargestellt - in Washington DC aus. Dort herrscht ebenfalls ein extrem restriktives Waffenrecht. Umgekehrt haben zahlreiche Bundesstaaten der USA ihr Waffenrecht in den letzten Jahren liberalisiert und unbescholtenen Bürgern nach einer entsprechenden Ausbildung erlaubt, Schusswaffen verdeckt zu tragen. Das Ergebnis: eine deutlich niedrigere Rate bei der Gewaltkriminalität.

Inwieweit Menschen (so wie ich), die für unbescholtene Bürger den Besitz und das Tragen von Schusswaffen erlauben wollen, sich als "Wölfe im Schafspelz" enttarnen, erschließt sich mir nicht. Ist wohl einer der typischen Phrasen der Anbeter des Obrigkeitsstaates. Und inwieweit Ihr Ideal, sich wehrlos abschlachten zu lassen, "humanistisch-aufklärerisch" sein soll, bleibt auch Ihr Geheimnis.

Ihre Abhandlungen über Psychopharmaka werde ich nicht kommentieren. ICH pflege nämlich nicht über Sachen zu referieren, von denen ich nichts verstehe. Letzeres scheint bei Ihnen aber Usus zu sein; etwa wenn Sie meinen, "hohe Besteuerung" sei "liberal". Diese beiden Dinge vertragen sich eher wie Feuer und Wasser, genauso übrigens wie "Waffenverbote für Private" und "Liberalismus".

Ich gehöre übrigens nicht zu denen, die danach rufen, dass der Staat die Schulen bewachen soll. Ich bin - nebenbei gesagt - dafür, dass der Staat sich aus dem Schulwesen komplett zurückzieht. Mein Idealbild ist der mündige und wehrhafte Bürger, der einem Verbrecher wie dieser Kreatur aus Winnenden massiv und wirksam entgegentritt. Ihr Idealbild des Menschen ist das des hilflosen Schafes, das dem Schlächter ohne Gegenwehr ausgesetzt ist. Zumindestens solange, bis die Obrigkeit in Form der Polizei eintrifft. Das passiert zwar erst so ca. fünfzehn Minuten und ebenso viele Tote später, aber das muss man wohl in Kauf nehmen, wenn man braver, wehrloser Untertan sein will.

Und schließlich: ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass solche Taten immer nur in waffenfreien Zonen passieren, dort wo man keine Schusswaffe führen darf? Haben Sie vielleicht schon einmal von einem Amoklauf in einem Schützenverein gehört? Dort, wie die vielen pöhsen Schusswaffen und die vielen pöhsen legalen Waffenbesitzer versammelt sind?

Und zuletzt: es gibt immer zwei Möglichkeiten, sich vor einem gewalttätigen Angriff zu schützen. Hier bildlich dargestellt:
http://www.a-human-right.com/twoways_s.jpg

Ich bevorzuge zweitere.

Arne Schmidt, am 14. März 2009 um 0:15 ( Link )

@FritzLiberal
Bitte nicht die einzelnen US Staaten miteinander vergleichen, sondern die Gesamttötungsdelikte mit Waffenmissbrauch.

Sehr anschaulich:
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Map-world-murder-rate.svg&filetimestamp=20070108213529

Seit 1971 hat sich die Zahl der Straftaten in Deutschland, auch bedingt durch die Wiedervereinigung, fast verdreifacht. Im gleichen Zeitraum sank der Missbrauch von Schusswaffen jedoch um fast ein Drittel.

Die Zahl der Fälle in denen geschossen wurde sank von 1971 bis 1990 von 12.904 auf 4.185. Nach einem zwischenzeitlichen Höchststand von 8.471 im Jahr 1996 nahmen diese Fälle kontinuierlich bis 2006 auf 4.584 ab.

Quelle: Zweiter Periodischer Sicherheitsbericht; Bundesministerium des Innern, Bundesministerium der Justiz; am 15. November 2006 von der Bundesregierung verabschiedet; Seite 59

Dagegen USA:
Während der Schusswaffenmissbrauch zwischen 1980 und 1985 stabil, teilweise sogar abnehmend war, konnte zwischen 1985 und 1994 eine Zunahme beobachtet werden. Während die Zahl der Gewaltstraftaten um 42,1 % stieg, stieg die Verwendung von Schusswaffen um 59,5 % an. Ähnlich stark (52,6 %) war der Anstieg bei anderen gefährlichen Gegenständen wie etwa Werkzeug. Unterdurchschnittlich war dafür der Anstieg bei Messern (11 %).

Hieraus lässt sich die Aussage treffen, dass bei Straftaten besonders die Messer durch Schusswaffen verdrängt wurden. Bei Fällen von Körperverletzung griff man außerdem stark auf Gegenstände des täglichen Gebrauchs sowie die Fäuste zurück.
Der Anteil des Schusswaffenmissbrauchs an den Morden variiert zwischen 25 % und 75 %. Der Durchschnitt für die gesamten USA beträgt für 2006 68 %.

Quelle: FBI, Crime Report 2006, u. a.: Expanded Homicide Data Table 7

MfG
Arne Schmidt

FritzLiberal, am 14. März 2009 um 0:52 ( Link )

@Arno Schmidt: netter Versuch. Nur ist es eben unseriös, sämtliche Bundesstaaten der USA mit teilweise extrem unterschiedlichem Waffenrecht in einen Topf zu werfen und mit Deutschland zu vergleichen, das bundesweit ein einheitliches Waffenrecht aufweist. Und schließlich endet Ihre "Statistik" über die Straftaten in den USA mit 1994. Mit gutem Grund: nur dann passt Sie in Ihr Weltbild.

Wie Sie aus dieser Aufstellung
http://www.disastercenter.com/crime/uscrime.htm
(2.Tabelle) unschwer entnehmen können, ist die Rate der Gewaltkriminalität seit 1994 bis heute kontinuierlich gesunken, und zwar von 713 auf 466 Fälle pro 100.000 Einwohner. Und das ist genau der Zeitraum, in dem die meisten Bundesstaaten den Concealed Carry Permit, also das Recht, Schusswaffen verdeckt zu tragen, eingeführt haben.

Schließlich ist es auch nicht aussagekräftig, nur den Schusswaffenmissbrauch zu betrachten. Für ein wehrloses Opfer ist es irrelevant, ob es mit einer Pistole oder einem Messer ermordet wird. Ein liberales Waffenrecht gibt ihm aber die Möglichkeit zur Gegenwehr und es erst gar nicht zu einem Mord kommen zu lassen.

Genau der umgekehrte Effekt zeigt sich übrigens in England: dort ist nach dem totalen Privatwaffenverbot die Rate von Gewaltverbrechen geradezu explodiert. Sozialexperiment misslungen, dumm gelaufen.

Lion Edler, am 16. März 2009 um 1:32 ( Link )

Zur Psychopharmaka-Erkärungs-Theorie hat mich folgender Artikel stutzig gemacht:
http://www.bild.de/BILD/news/2009/03/13/winnenden/tim-kretschmer-letzter-tag/mathe-klausur-pizza-poker-letzter-tag-vor-amok-lauf.html

Zitat:
Der Inhaber der Privatschule, an der Tim unterrichtet wurde, glaubt nicht daran. Karl-Heinz Donner sagt, Tim habe sich wohl gefühlt: „Er war gern da.“ (...)
Nachdenklich sagt Donner: „Der Tim war bis auf diesen einen Tag ein anständiger Kerl. An diesem einen Tag muss er einen schrecklichen Aussetzer gehabt haben. Für mich ist er in irgendeiner Weise auch Opfer – weil er nicht die Therapie bekam, die er brauchte.“ "

Auch der Rest des Artikels ist ziemlich interessant, wobei man wohl z.T. ,,zwischen den Zeilen lesen" muss.

Sven Lamb, am 16. März 2009 um 5:27 ( Link )

Zuersteinmal, fantastische Satire, dieser Kommentar. Zuerst hatte ich ihn faelschlicherweise ernst genommen und schon ein wenig verwirrt die Stirn darueber gerunzelt, dass Herr Lichtschlag nicht auf die Idee kommt, psychologische Betreuer koennten besser dazu geeignet sein eine Traumatisierung zu verhindern als die Eltern, welche die Situation trotz ihrer Naehe unbeabsichtigt und tätig oder untätig verschlimmern koennten. Erst fuenf Absaetze tiefer wurde mir klar, dass diesem Kommentar eine humoristische Note zugrunde liegen koennte, nein, muss! Denn wer wuerde, außer im Scherz, verlangen unsere Schulen unter Polizeischutz zu stellen (waehrend er flaechendeckende Psychologenbetreuung scheinbar belaechelt) oder gar die Schueler zu bewaffnen. Bei der Menge an leicht reizbaren Persoenlichkeiten die mir in meinem Leben, insbesondere waehrend meiner Schulzeit begegnet sind hatte ich schon oft genug ein beunruhigendes Gefuehl - da moechte ich nicht auch noch davor zittern muessen, dass mein Gegenueber Lust zu einer spontanen Schießerei bekommt. Darauf zu hoffen, dass er sich waehrend einem irrationalen Ausbruch darauf besinnt, dass seine Mitmenschen ebenfalls bewaffnet sind, wuerde ich als keine ausreichende Sicherheit bezeichnen. Aber selbstverstaendlich wuerde ich auch kein Benzin in meinen Feuerloescher fuellen - alles Geschmackssache.

Natuerlich fehlt noch die herausragende Parodie eines bekannten Deutschen Schmierblatts/Zeitung, Vermutungen als Tatsachen dahinzustellen. Schliesslich "wissen" wir nicht, dass Tim K. in Behandlung war sondern haben von einer Bescheinigung fuer ambulante psychologische Behandlung gehoert die der Taeter fuer seine Musterung verwendet hatte - dass Jugendliche betraechtliche Anstrengungen auf sich nehmen um sich eine Ausmusterung zu erluchsen kann ich hoffentlich einigermaßen glaubwuerdig versichern.

Und schließlich, so muss ich gestehen, wirken einige der Kommentare so perfekt auf den eigentlichen Kommentar abgestimmt, dass ich mir nicht ganz sicher bin ob sich Herr Lichtschwert dort nicht vielleicht selbst kommentiert - als Kommentar-Kommentator, sozusagen.
Da werden Feuerwaffen als Meilenstein der koerperlichen Egalitaet (die uebrigens nicht so heisst weil sie Egal ist) gepriesen. Mein Gegenvorschlag waere eine kuenstliche Querschnittslaehmung - sorgt ebenfalls fuer absolute Gleichheit und tut nicht so weh wie eine Kugel im Bauch.
Ueber den Einfluss von Psychopharmaka werde ich, um mich nicht durch verschwoererische Theorien in verlegenheit zu bringen, ausschweigen, ebenso ueber den Ruf nach einer Verschaerfung des Waffengesetzes, was nur noch einen Punkt ueber laesst.
Den Ansatz von angeblich gewaltverherrlichenden Medien als Ursache bin ich eigentlich Muede, darum habe ich ihn ganz ans Ende verdammt - weil mir aehnlich wie seinen Vertretern die Ideen ausgehen. Schon zu Shakespeares Zeiten hiess es, Medien - in diesem Fall Theater - verderbe die Jugend. Ein großer Teil, um nicht zu sagen die Mehrheit an jungen Maennern vertreibt sich zumindest gelegentlich seine Zeit mit Gewalt in einer Form, sei es in Form von Sport, Filmen oder Spielen. Da laesst es einen doch nachdenklich werden, dass all diese Menschen es noch nicht geschafft haben einen Amoklauf auf die Beine zu stellen. Entweder macht Gewalt auch unheimlich Faul, oder diese Freizeitvergnuegen wecken doch nicht das dringende Verlangen zu zerfleischen. Cum hoc non est propter hoc.

PS: Ich bin sicher Sie werden es mir nachsehen, sollte mir der ein oder andere ortografische Lapsus unterlaufen sein.

FritzLiberal, am 17. März 2009 um 9:16 ( Link )

@Sven Lamb: "flächendeckende Psychologenbetreuung", das wird sicher sehr helfen. Nicht umsonst heißt eine gängige Definition: "Ein Psychologe ist jemand, der selbst einen braucht."

Übrigens, in den 50er Jahren etwa gab es einen ziemlich freien Zugang zu Schusswaffen, aber kaum Psychologen. Und keine Amokläufe. Heute: sehr restriktiver Zugang zu Schusswaffen, Psychologen zum Saufüttern (Ösi-Ausdruck für "im Übermaß vorhanden"). Und viele Amokläufe.

Was Zeitgenossen, die offensichtlich mit einer besonderen Art von Logikbegabung versehen sind, konsequenterweise fordern lässt: Waffengesetze verschärfen, und wir brauchen mehr Psychologen!

Sphairon, am 17. März 2009 um 13:24 ( Link )

Da werden Feuerwaffen als Meilenstein der koerperlichen Egalitaet (die uebrigens nicht so heisst weil sie Egal ist) gepriesen. Mein Gegenvorschlag waere eine kuenstliche Querschnittslaehmung - sorgt ebenfalls fuer absolute Gleichheit und tut nicht so weh wie eine Kugel im Bauch.

Gut an meinem Argument vorbeigeredet. Bezweifeln Sie etwa, dass sich Kriminelle massiv im Vorteil befinden, wenn ihre Opfer vom Staat entwaffnet wurden?

Sven Lamb, am 17. März 2009 um 17:33 ( Link )

FritzLiberal, wenn sie diesen herablassenden Spruch aus dem Volksmund zur Definition und ueber seinen eigentlichen Wert erheben moechten nur zu, ich werde es nicht tun. Und mich auch nicht zu lange ueber den Wert von Psychologen streiten - wir sind uns einig, dass wir uns nicht einig sind.

Den zweiten Teil ihres Kommentars finde ich viel interessanter. Scheinbar ist es fuer sie etwas besonderes wenn man sich bei einem Vergleich nicht zwei Faktoren herauspickt und davon ausgeht, dass alle anderen gleich bleiben. 1949 wurde naemlich auch die allseits beliebte Currywurst erfunden - wuerde jemand ihr die Schuld an Amoklaeufen zuschreiben? Natuerlich nicht, obwohl nach der Erfindung der Currywurst die Anzahl an Amokllaeufen stark zunahm. Ihr kleines Gebilde aus gefaehrlichen Waffengesetzen und Psychologen mag fuer sie funktionieren, aber die von Ihnen so freundlich als logisch begabt titulierten Zeitgenossen (zu denen ich mich frecherweise zaehle) sehen auch auf Dinge wie ein geaendertes Familien- und Weltbild, allgegenwaertigen Horror in den Medien dessen Ursache taeglich wechselt. Kaum etwas ist noch wie 1950 - da faellt es leicht eine solche Theorie zu unterstuetzen. Dass die Ursachen fuer Amoklaeufe tief in der Gesellschaft zu finden sind - Ausgrenzung und Entwurzelung des potentiellen Taeters, verlust der psychosozialen Integration, konflikte und kraenkungen mit Mitmenschen oder sogar Liebespartnern - wird gerne uebersehen. Ob gewollt um eigene Ziele mit vorschieben des Amoklaufes schneller zu erreichen oder ungewollt aus Unwissen variiert vermutlich.

Nun zu Ihnen, Sphairon. Selbstverständlich haben normale Buerger nicht das selbe Tötungspotential wie ein Krimineller. Nur finde ich es im Gegensatz zu ihnen geradezu beruhigend, dass alle potentiellen und tatsaechlichen Gewalttaeter nicht extra vom Staat bewaffnet werden. Soll mich mein Nachbar auf offener Straße niederschießen weil ich verdaechtig gezuckt habe? Mir ist es lieber in der (wirklich geringen) Gefahr zu leben einem Amoklauf zum Opfer zu fallen als von jedem Menschen einen Sicherheitsabstand zu halten. Oder wollen Sie ernsthaft behaupten die Menschheit waere reif genug fuer verantwortungsbewussten Umgang mit Waffen? Wenn das so waere, gaebe es nicht mal Amoklaeufer.

Sphairon, am 17. März 2009 um 20:19 ( Link )

Nur finde ich es im Gegensatz zu ihnen geradezu beruhigend, dass alle potentiellen und tatsaechlichen Gewalttaeter nicht extra vom Staat bewaffnet werden.

Da seien Sie ganz unbesorgt, von staatlicher Bewaffnung halte ich auch nicht viel. Deswegen nenne ich es ja "privaten Wafenbesitz".

Soll mich mein Nachbar auf offener Straße niederschießen weil ich verdaechtig gezuckt habe?

Klassischer Fehlschluss: Die Menschen werden nicht plötzlich zu Tötungsmaschinen, nur weil sie die Mittel dazu besitzen. Falls dem doch so wäre, hoffe ich, Sie haben keine Familie, mit der Sie jedem Tag am Esstisch sitzen - all die Messer und Gabeln, die Sie Ihren potentiell mordlustigen Liebsten in die Hand geben, da wird einem doch ganz kribbelig.

Mir ist es lieber in der (wirklich geringen) Gefahr zu leben einem Amoklauf zum Opfer zu fallen als von jedem Menschen einen Sicherheitsabstand zu halten.

Da bedanken sich die Kriminellen aber. Für die ist das nämlich ein ökonomischer Glücksfall:

Durch die nahezu komplette Auslöschung privaten Waffenbesitzes, zumindest des privaten Waffenführens, können sie sich relativ sicher sein, auf unbewaffnete Opfer zu stoßen, was den Kauf einer Schwarzmarkt-Waffe rentabel macht und sogar Anreize dazu schafft - wenn man nämlich bei einer Straftat gefasst wird, kommt das teilweise schlecht im Lebenslauf, was durch eine überlegene Bewaffnung jedoch oft verhindert werden kann. Generell vereinfachen sich Straftaten durch überlegene Bewaffnung erheblich. In einer Gesellschaft mit restriktivem Waffenrecht genügt da schon ein simpler Revolver.

Auf der anderen Seite ist es für Sie, wie Sie richtig feststellen, unrentabel, sich in einer waffenfeindlichen Umgebung zu bewaffnen, da die Chance, Opfer eines Verbrechens oder Amoklaufs zu werden, verhältnismäßig gering ausfällt. Dadurch, und durch die drakonischen Strafen, die illegaler Waffenbesitz mit sich bringt (bis zu 10 Jahre Haft in schweren Fällen), werden die allermeisten lieber unbewaffnet und ungeschützt bleiben. Irgendwen trifft's aber relativ sicher. Und dann ist das Geschrei groß.

Zudem: Denken Sie wirklich, nur weil jemand eine Waffe trägt, will er Ihnen Böses? Haben Sie schon 'mal eine Feuerwaffe in der Hand gehabt? Die Verantwortung, die so ein Gerät mit sich bringt, dämpft Ihre Stimmung eher als dass sie Sie zur wilden Schießerei anstiftet. Und: Wenn ein jähzorniges Gemüt um die Macht weiß, die in anderer Leute Holster schlummert, wird es vielleicht weniger handgreiflich werden als sonst üblich. Oder wie sehen Sie das?

Oder wollen Sie ernsthaft behaupten die Menschheit waere reif genug fuer verantwortungsbewussten Umgang mit Waffen?

Das wird aber auch zur Zwickmühle für Sie, werter Herr. Wenn die Menschheit nämlich zu unreif für den Umgang mit Waffen ist, wie können Sie dann allen Ernstes fordern, staatliche Gewaltmonopolisten mit dieser Macht auszustatten? Wäre das nicht geradezu eine Einladung zum Missbrauch?

Oder sind Sie etwa ein pazifistischer Anarchokapitalist? In dem Fall muss ich mich natürlich entschuldigen.

FritzLiberal, am 17. März 2009 um 20:21 ( Link )

@Sven Lamb: "FritzLiberal, wenn sie diesen herablassenden Spruch aus dem Volksmund zur Definition und ueber seinen eigentlichen Wert erheben moechten nur zu, ich werde es nicht tun. Und mich auch nicht zu lange ueber den Wert von Psychologen streiten - wir sind uns einig, dass wir uns nicht einig sind."

Korrekt, darüber brauchen wir uns auch nicht streiten. Es wäre allerdings sehr interessant zu sehen, wieviel Psychologen tatsächlich auf einem freien Markt (also ohne Staatseinfluss) gebraucht würden. Mein Tip: deutlich weniger als jetzt. Es scheint ja jetzt schon ein Überangebot an Psychologen zu geben, wenn man die Heerscharen als Maßstab nimmt, die über Winnenden hergefallen sind. Wenn man Zeitungsberichten glaube darf, wurden die unverletzten Schüler nach dem Amoklauf nicht zu ihren Eltern gelassen, sondern erst von herbeigeschafften Psychologen zwangsbehandelt. Auch eine Art von Arbeitsbeschaffung für staatsabhängige Berufsgruppen.

Also, wenn die Finanzkrise ein gutes hat, dann das: sie wird zu einer deutlichen Bereinigung bei unnützen Berufen wie Psychologen, Politologen, Soziologen, u.ä. führen. Unnütz in der Hinsicht, dass sie ihr Einkommen primär nicht am freien Markt, sondern durch staatliche Alimentation erzielen. Waffenschmiede werden dagegen eher einen Aufschwung erleben.

"Ihr kleines Gebilde aus gefaehrlichen Waffengesetzen und Psychologen mag fuer sie funktionieren, aber die von Ihnen so freundlich als logisch begabt titulierten Zeitgenossen (zu denen ich mich frecherweise zaehle) sehen auch auf Dinge wie ein geaendertes Familien- und Weltbild, allgegenwaertigen Horror in den Medien dessen Ursache taeglich wechselt. Kaum etwas ist noch wie 1950 - da faellt es leicht eine solche Theorie zu unterstuetzen. Dass die Ursachen fuer Amoklaeufe tief in der Gesellschaft zu finden sind - Ausgrenzung und Entwurzelung des potentiellen Taeters, verlust der psychosozialen Integration, konflikte und kraenkungen mit Mitmenschen oder sogar Liebespartnern - wird gerne uebersehen. Ob gewollt um eigene Ziele mit vorschieben des Amoklaufes schneller zu erreichen oder ungewollt aus Unwissen variiert vermutlich."

Vollkommene Zustimmung. Man fragt sich nur, warum Hoplophobe (der Begriff dürfte Ihnen als Psychologe bekannt sein) dann andauernd das Waffengesetz verschärfen wollen, wenn dieses mit der Häufung von Amokläufen genau nichts zu tun hat.

"Selbstverständlich haben normale Buerger nicht das selbe Tötungspotential wie ein Krimineller. Nur finde ich es im Gegensatz zu ihnen geradezu beruhigend, dass alle potentiellen und tatsaechlichen Gewalttaeter nicht extra vom Staat bewaffnet werden."

Wahnvorstellungen? Wer hat hier die Bewaffnung durch den Staat gefordert? Hier wurde nur gefordert, dass der Staat sich aus der persönlichen Entscheidung, sich eine Schusswaffe zuzulegen, gefälligst herauszuhalten hat. Sind Sie wirklich so staatsgläubig, dass Sie allen Ernstes meinen, eine solche Anschaffung könnte ausschließlich durch staatliche Zuteilung passieren, anstatt ganz trivial durch ein Geschäft zwischen Privaten?

"Soll mich mein Nachbar auf offener Straße niederschießen weil ich verdaechtig gezuckt habe? Mir ist es lieber in der (wirklich geringen) Gefahr zu leben einem Amoklauf zum Opfer zu fallen als von jedem Menschen einen Sicherheitsabstand zu halten."

Angst vor den Mitmenschen? Weil ihr Nachbar eine Schusswaffe trägt, ist er in Ihren Augen auf einmal viel gefährlicher als dann, wenn er im Besitz von Messern, Motorsägen, Äxten oder Autos ist? Welche psychologische Diagnose wäre hier wohl fällig?

Aber ich kann sie beruhigen. Wenn ihr Nachbar ein friedlicher Zeitgenosse ist, können sie ihm auch dann, wenn er eine Schusswaffe trägt, vertrauen. Falls nicht, kann es gut sein, dass er bereits eine trägt. Ganz ohne staatlichen Sanktus. Ja, Herr Doktor, so etwas gibt es! Ehrlich! Der macht so etwas ganz ohne staatliche Genehmigung! Shocking, isn't it?

"Oder wollen Sie ernsthaft behaupten die Menschheit waere reif genug fuer verantwortungsbewussten Umgang mit Waffen? Wenn das so waere, gaebe es nicht mal Amoklaeufer."

Na bravo, und Sie wollen Psychologe sein? Haben sie nie gelernt, dass es so etwas wie "die Menschheit" nicht gibt, sondern nur Individuen? Ist Ihnen bisher komplett entgangen, dass es eben einen Unterschied zwischen guten (der Mehrzahl) und bösen (der Minderzahl) Menschen gibt? Und würden Sie nicht zugestehen, dass die guten Menschen das Recht haben, sich vor den bösen zu schützen?

Jurij Below, am 17. März 2009 um 22:44 ( Link )

Liebe Leute,
bei dieser Diskussion es handelt sich um sehr wichtige Fragen, welche Herr Lichtschlag so umfangreich in seinem Artikel angesprochen hat. Nun wird hier diskutiert und etwas trivialen Sachen. Ja natürlich, der Formell stimmt: wenn es keine Waffe bei letztem Amokfall gegeben würde, dann hoffentlich wenigen Menschen getötet würden. Also man kann, wenn auch keine Schusswaffe zu hand ist, sogar mit Messer bzw. mit einem Eisenstift, auch ein paar Menschen töten. Es gibt dazu auch Feuer, Gift usw.

Wenn man bevor man so energisch die Waffe in Mittelpunkt dieses Geschehens stellt, auch etwas nüchterner sein. Die US-Amerikaner haben mehr als dreifache Bevölkerung als Deutschland und damit Zahl der Toten mit erlaubter Waffen in der USA etwas geringer als bei uns: 1964-2009 in den USA ca. 80 Tote bei uns 40.(für eine vergleichbare wissenschaftliche Diskussion, sollte dem nach um 1:1 zu schaffen: 120 Opfer sein).

Also schließlich, wie Friedrich Nietzsche meinte: nicht die Gelegenheit, sonder der Wille spielt bei alle Taten die entscheidende Rolle. Zwar der Wille zum töten klingt makaber, aber wenn man auch bei Kant mit seinen kategorischen Imperative nachschlägt – dann auch vor mehr als 200 Jahren findet dort, dass ein solcher Wille den Menschen auch damals „immanent“ war.

Alle offizielle Diskursen und ritualisierte Inszenierungen in den Medien nerven die Menschen, die alles Mögliches dabei hören, außer den Umständen, über welchen unser lieber Autor André spricht.

Egal ob in Finnland, Frankreich, USA oder bei uns zu eine Mode gekommen so weise zur einem personalisierten Held zu kommen – ist Zeugnis der Müdigkeit der Zivilisation der Massen, die nicht einmal eine freie Gedankenaustausch ohne in einer oder andere Schublade gesteckt zu werden, sich erlauben können. Der Mensch ist nicht mehr als Subjekt in sich selbst vorkommt, sondern als Objekt, der nützlich oder unnützlich bewertet wird.

Der Herr Lichtschlag nicht umsonst der „Spiegel“ zitiert:

„Der „Spiegel“ berichtet in diesem Zusammenhang von einem typischen solchen Foreneintrag: „Ich finde Amokläufe wesentlich lustiger als Kriege oder Genozid. Amokläufe sind chaotisch-böse und eines der wenigen Verbrechen, welches nicht irgendeinem verlogenen Ziel dient.

Wie Recht hat er: das ist auch klar, dass die Menschen, die von Holocaust jeden Tag hören müssen daran gewöhnen, dass so was unwichtiges wie ein paar Toten in eine Schulde oder weitentfernten Tschetschenien oder Gaza bzw. ein paar Millionen Vertriebenen, oder polnische Kriegsgefangene, die durch NKWD in Katyn bei Smolensk „liquidiert“ worden waren – sind auch nicht so wichtig sein sollte.
Haben Sie nicht bemerkt was André zum Schluß sagt:
„…Soziologen deuteten in den 70er Jahren die schrecklichen Gewalttaten der RAF-Terroristen etwa so: „Sie handeln falsch, schrecklich falsch, aber sie meinen es eigentlich nur gut, sie haben hehre sozialistische Ziele gegen den konservativen Muff der Vergangenheit und gegen den falschen Staat.“
Heute müsste ein solcher verlogener Satz etwa so klingen: „Sie handeln falsch, schrecklich falsch, aber sie meinen es nur gut, sie haben nämlich keine Ziele mehr, weil alle hehren, verlogenen politischen Ziele längst diskreditiert sind."

BESSER KANN EIN DENKENDER MENSCH NICHT SAGEN.
Wenn man alles in Gesamtheit und nicht von scheinbaren wichtigen Fragmenten sich Kopf zerbrechen versucht – dann müssen wir noch schrecklichen Tücken des Alltags erleben. Selig sind die, die hemmungslos die Vergangenheit nicht von der Gegenwart abgrenzen – die haben auch etwas bessere Zukunft.
In vielen Foren weniger eloquenten Männer und Frauen sagen dazu sehr einfach ohne sich mit Nuancen zu beschäftigen: „Unsere Gesellschaft ist krank“ und wünschen sich eine baldige Systemreparatur...

ISBN3451322005, am 18. März 2009 um 16:46 ( Link )

Oder wollen Sie ernsthaft behaupten die Menschheit waere reif genug fuer verantwortungsbewussten Umgang mit Waffen?

Nee, diese Gabe ist irgendwie seit geraumer Zeit verlustig gegangen.

Bei der vorherrschenden Geisteshaltung, möchte ich es auch nicht erleben, wie der Libertäre, mit dem allgemeinen Recht auf Waffenbesitz, in der Weltgeschichte voranstolpert!!

Sven Lamb, am 20. März 2009 um 7:43 ( Link )

Sphairon, FritzLiberal, ich vermute, dass Sie es mir nachsehen wenn ich mich mit Ihren Beitraegen zu diesem Kommentar gesondert befasse und mich dabei moeglicherweise wiederhole.

Sphairon, ich muss Ihnen zugestehen, dass sie weder Herr Lichtschlag in seinem Vorschlag die Opfer zu Bewaffnen zugestimmt noch soetwas gefordert haben. Allerdings koennte die aktive Bewaffnung und das Wegfallen von restriktiven Waffengesetzen auf laengere Sicht das gleiche Resultat mit sich ziehen. Auch teile ich nicht ihre Meinung, dass die Gewaltbereitschaft von Menschen von der Bewaffnung unabhaengig ist. Denn wie sie so schoen sagen, auch der Traeger einer Pistole ist sich seiner gegenueber Hieb- und Stichwaffen deutlich ueberlegenen Bewaffnung bewusst, und die Handhabung einer Schusswaffe ist sehr viel einfacher. Einen Abzug zu druecken geht schnell, und es genuegt ja schon jemanden mit einer moeglicherweise nicht gezogenen Waffe zu bedrohen. Wieso sollte man versuchen einen Konflikt gewaltfrei zu loesen wenn man doch die vermeintliche Ueberlegenheit geladen im Holster sitzt? Je maechtiger eine Waffe ist, desto groesser ist die Verantwortung. Ich halte einen Großteil der Menschheit fuer nicht in der Lage mit dieser auch nur ansatzweise umzugehen.

Im uebrigen bin ich der Meinung, dass sie sich ein wenig selbst an den Karren gefahren haben als sie Gewaltpotential von Bewaffnung trennten. Ein Verbrecher koennte ja nach ihnen ebensogut ein Messer fuer einen Ueberfall benutzen. Auch bleibt die Frage offen, ob es fuer den Ausgang eines Ueberfalls hilfreich waere wenn das Gegenueber eines nervoesen, aus Not heraus handelnden, Verbrechers versucht seine Waffe zu zuecken. Eine beidseitige Bewaffnung kann ebensogut zur unnoetigen Eskalation fuehren.
Außerdem moechte ich unkommentiert anmerken, dass ein Straßenraeuber bei einem generellen Waffenverbot das gleiche Risiko einginge wie ein normaler Buerger wenn er statt auf ein Messer auf eine Schusswaffe zurueckzugreifen versucht.

Zu guter letzt moechte ich Ihnen noch naeherbringen, dass ich keineswegs die Ausstattung des Staates mit Waffen, noch zwingendermaßen den Staat selbst befuerworte. Allerdings besitzen wir ein mehr oder weniger stabiles System in dessen Grenzen ich meine Ausfuehrungen zu halten versuche um nicht noch andere politische oder fast schon philosophische Fragen mit einbeziehen zu muessen, aber ich versichere Ihnen, dass meine Ablehnung einer bewaffneten Bevoelkerung unabhaengig von der Existenz oder Bewaffnung des Gewaltmonopols, wie sie es so schoen nennen, besteht.

Keine Sorge, Fritzliberal. Ich habe sie nicht vergessen und kuemmere mich sofort um ihren Beitrag.
Ihrem ersten Absatz moechte ich, wenn ich mir diese Unverschaemtheit erlauben duerfte, mit einem Zitat meiner Wenigkeit begegnen:

"psychologische Betreuer koennten besser dazu geeignet sein eine Traumatisierung zu verhindern als die Eltern, welche die Situation trotz ihrer Naehe unbeabsichtigt und tätig oder untätig verschlimmern koennten."

Falls sie ein studierter Psychologe sein sollten - zu denen ich mich uebrigens nicht zaehle, aber ich fuehle mich geehrt (oder, angesichts ihrer Meinung ueber Psychologen, eher diffamiert), dass sie mich scheinbar fuer einen solchen halten nachdem ich mich ihrer diskreditierung entgegenstellte - koennen sie sicher die Elaboration der Frage, welche Maßnahmen nach so einem Vorfall bei der Betreuung der Opfer noetig sind, uebernehmen. Falls nicht wuerde es mich neugierig stimmen woher sie die Behauptung die Versorgung der Opfer waere nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßname nehmen.
Mir faellt auf, dass sie sich beinahe genuesslich darin suhlen, dass die Finanzkrise moeglicherweise die ganzen unnuetzen Menschen trifft, die sich damit beschaeftigen wie andere Menschen denken und handeln. Haben sie etwas zu verbergen? Persoenlich moechte ich nur anmerken, dass ich eher andere zwischen die Muehlraeder der Finanzkrise wuensche. Zum Beispiel Investmentbanker, Fusionsmanager, Unternehmensberater...

Uebrigens finde ich ihre Bezeichnung von Befuerwortern schaerferer Waffengesetze als Hoplophobe entweder aeußerst ungluecklich oder aber unverschaemt. Denn eine irrationale Angst, eine Phobie vor Schusswaffen, ist eine psychische Stoerung und in keiner Weise mit Einsatz gegen die Verbreitung derselben zu verbinden. Ich gehe allerdings davon aus, dass sie den Begriff nur unbedacht verwendet haben.
Befuerworter restriktiver Waffengesetze, um auf ihre Frage zurueckzukommen, benutzen Vorfaelle wie Winnenden natuerlich mit ebensolcher Schamlosigkeit um fuer ihre Sache zu werben wie andere, und der blinde Aktionspopulismus der meist auf solche Taten folgt spricht natuerlich auch schaerfere Waffengesetze an. Doch schauen wir uns mal die Amoklaeufe an - Die meisten Taeter hatten mehr oder weniger legalen Zugang zu Waffen. Natuerlich koennte ein Amoklaeufer auch mit einem Messer in eine Schule stuermen oder sich auf dem Schwarzmarkt bewaffnen, aber die Hemschwelle fuer so eine Tat steigt selbstverstaendlich wenn man nicht das noetige Machtwerkzeug besitzt. Natuerlich moechte ich damit nicht rechtfertigen, dass die Diskussion um Waffengesetze nur zu solchen Anlaessen losbricht - auch wenn die meisten sich nur Gedanken machen, falls sie sich jemand die Finger verbrennt - und die Entwaffnung der Taeter auch nicht als Loesung anpreisen, aber es waere ein Schritt in die richtige Richtung um die Ausfuehrung solcher Taten so schwer wie moeglich zu gestalten.

Nun zu meinen Wahnvorstellungen, oder moeglicherweise ihren. Von einer Bewaffnung durch den Staat spreche ich bei ihnen natuerlich aus folgendem Grund: Herr Lichtschlag schlaegt in seinem Kommentar eine Bewaffnung der Opfer als Maßnahme vor. Nicht etwa die Moeglichkeit sich zu Bewaffnen soll geschaffen werden, sondern eine aktive BewaffnUNG soll stattfinden - und dass diese nicht von den Herstellern auf eigene Kosten in Hoffnung auf einen hohen Munitionsverbrauch geleistet wuerde, duerfte klar sein. Eine aktive Bewaffnung macht, folgt man ihren Argumenten, auch viel mehr Sinn. Schließlich kostet eine Schusswaffe Geld, und man moechte ja aermere Familien nicht beim Selbstschutz benachteiligen. Also bleibt nur noch der Staat als Bewaffnender, schließlich werden die Gegenmaßnahmen ja von den Politikern erwartet. Angesicht dessen moegen sie mir verzeihen, dass ich sie woertlich genommen habe als sie schrieben:
"Danke für den Artikel, volle Zustimung. Insbesondere für den Teil betreffend der Bewaffnung der Opfer."
Angst vor meinen Mitmenschen habe ich grundsaetzlich nicht, und vor denen die ich naeher kenne meist erst recht nicht. Bei den mir fremden Menschen wuerde es allerdings stark zu meinem Unbehagen beitragen, wenn ich wuesste, dass sie ein Kampfmesser im Guertel tragen. Aber auch dann wuesste ich, dass ich vor einem Messer fliehen oder mich im schlimmsten Fall zur Wehr setzen kann. Bei einer auf mich gerichteten Pistole hilft mir nicht einmal die eigene Schusswaffe im Schulterholster, oder wollen Sie mir erzaehlen, dass Sie SO schnell ziehen koennten? Zu den Gedanken meines Nachbarn habe ich mich ja bereits gegenueber Sphairon geaeußerst. Und schliesslich werfen Sie mir tatsaechlich vor, dass mein Nachbar das Gesetz brechen und nicht erwischt werden koennte? Er koennte auch Kinder in sein Lebkuchenhaus locken und dabei nicht erwischt werden. Dennoch wuerde ich Kannibalismus nicht bloß deshalb legitimieren weil die Durchsetzung des Verbots nicht lueckenlos greift. Moeglicherweise haette mein Nachbar gern eine Waffe aber gelangt nicht in den Besitz einer solchen? Die Durchsetzung eines Gesetzes und das Gesetz selbst haben nur bedingt etwas miteinander zu tun.
Kommen wir zum Ende und beantworten ihre naechste Frage: Nein, ich habe nie behauptet Psychologe zu sein. Zudem ist"Die Menschheit" in diesem Falle selbstverstaendlich ein voellig angemessener Begriff. Denn auch wenn Sie von Individuen sprechen unterteilen sie danach in "gut" und "boese". Ist jemand der Gesetze befolgt fuer sie zwingend "gut"? Ist jemand der sie bricht unbedingt "boese"? Eine solche Unterteilung ist unsinnig, denn sie impliziert, dass Menschen gut oder boese sein koennen. Sie koennen aber nur so handeln, und ob ihre Taten dann letztendlich gut oder boese sind haengt von vielen Faktoren ab die zu entschluesseln Aufgabe der von Ihnen so verhassten Psychologen ist. Ich dagegen schrieb von einer Menschheit weil ich, so schockierend das fuer sie sein mag, der Meinung bin, dass der Anteil von durchweg verantwortungsvollen Waffenbesitzern gegen Null geht. Dass ich diesen meiner Ansicht nach verschwindend geringen Teil der Menschheit unterschlagen habe, koennten sie mir doch verzeihen nachdem ich ihre Provokationen so nachsichtig uebersehen habe.

Eine letzte Sache, da ich fuer Herr Belows Beitrag leider nicht mehr genuegend Zeit hatte um eine zufriedenstellende Antwort zu verfassen.

Fritzliberal wird dieser Statistik vermutlich wenig Glauben schenken wenn er die Quelle erfaehrt, aber die MedUni Wien (meduniwien.ac.at) hat einen mehr als deutlichen Rueckgang unter Schusswaffenmorden und Selbstmorden nach der Verschaerfung des Waffengesetzes beobachtet. Dass die Opfer stattdessen ausnahmslos abgestochen wurden koennten vermutlich nur Sie glauben.

FritzLiberal, am 20. März 2009 um 9:15 ( Link )

@Svan Lamb: "Einen Abzug zu druecken geht schnell, und es genuegt ja schon jemanden mit einer moeglicherweise nicht gezogenen Waffe zu bedrohen."

Vollkommen korrekt. Erfahrungen in jenen Bundesstaaten der USA, die das Waffenrecht liberalisiert haben, zeigen, dass zahlreiche Verbrechen genau dadurch verhindert werden konnten. In mehr als 90% der Fälle wird bei berechtigter Notwehr durch das Opfer nicht geschossen, sondern es reicht bereits ein bloßes Zeigen der Schusswaffe, um den Überfall sofort zu beenden. Niemand wird verletzt, auch der Täter nicht. Was beweist: das Vorhandensein von Schusswaffen wirkt deeskalierend.

Letzteres gilt noch in zusätzlichem Maße: da Verbrecher üblicherweise nicht komplett verblödet sind, lernen sie dazu. Wenn sie mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit damit rechnen müssen, auf ein bewaffnetes Opfer zu stoßen, werden sie auf andere Arten der Geldbeschaffung ausweichen; üblicherweise auf Verbrechen, die keine direkt Konfrontation mit dem Opfer mit sich bringen. Also etwa Diebstahl statt Raub. Auch das haben die Erfahrungen in den USA gezeigt. Auch Diebstahl ist unangenehm für das Opfer, aber eben nicht lebensgefährlich.

"Ich halte einen Großteil der Menschheit fuer nicht in der Lage mit dieser auch nur ansatzweise umzugehen."

Sie sollten nicht immer von Ihrer unmittelbaren Umgebung auf die Grundgesamtheit "Menschheit" schließen. Psychologen haben nun einmal primär mit Gestörten zu tun, genau so wie Polizisten mit Verbrechern. Das prägt.

"Mir faellt auf, dass sie sich beinahe genuesslich darin suhlen, dass die Finanzkrise moeglicherweise die ganzen unnuetzen Menschen trifft, die sich damit beschaeftigen wie andere Menschen denken und handeln. Haben sie etwas zu verbergen?"

Und wieder das dümmliche Argument, man müsse staatlicherseits alles mögliche mit sich anstellen lassen, weil man "ja nichts zu verbergen habe." Man muss das Bankgeheimnis aufgeben, Internet-, Video- und sonstiche überwachung akzeptieren. Und man muss wohl auch akzeptieren, von einer Personengruppe zwangsbehandelt zu werden, die das Studium der Psychologie zu einem hohen Prozentsatz deshalb wählt, weil sie sich dadurch Heilung für die eigenen psychischen Probleme erhofft. Aber ich kann Sie beruhigen: von mir aus soll es beliebig viele Psychologen geben. Solange sie sich ihr Geld am freien Markt verdienen, anstatt von meinen Zwangsabgaben alimentiert zu werden.

"Uebrigens finde ich ihre Bezeichnung von Befuerwortern schaerferer Waffengesetze als Hoplophobe entweder aeußerst ungluecklich oder aber unverschaemt. Denn eine irrationale Angst, eine Phobie vor Schusswaffen, ist eine psychische Stoerung und in keiner Weise mit Einsatz gegen die Verbreitung derselben zu verbinden. Ich gehe allerdings davon aus, dass sie den Begriff nur unbedacht verwendet haben."

Sie können davon ausgehen, dass ich den Begriff bewusst verwendet habe.

"Natuerlich koennte ein Amoklaeufer auch mit einem Messer in eine Schule stuermen oder sich auf dem Schwarzmarkt bewaffnen, aber die Hemschwelle fuer so eine Tat steigt selbstverstaendlich wenn man nicht das noetige Machtwerkzeug besitzt."

Ich bin ganz sicher, dass jemand, der - offentlich nach sorgfältiger Vorbereitung - bereit ist, ein Dutzend Menschen oder mehr umzubringen, andererseits Hemmungen hat, sich eine Schusswaffe am Schwarzmarkt zu besorgen. Klingt logisch.

"Eine aktive Bewaffnung macht, folgt man ihren Argumenten, auch viel mehr Sinn. Schließlich kostet eine Schusswaffe Geld, und man moechte ja aermere Familien nicht beim Selbstschutz benachteiligen. Also bleibt nur noch der Staat als Bewaffnender, schließlich werden die Gegenmaßnahmen ja von den Politikern erwartet."

Sie können fix davon ausgehen, dass ich staatliche Intervention grundsätzlich ablehne, also auch hier. Ich bin auch dagegen, dass der Staat Schulen betreibt. Solange er das aber tut und die Lehrer vom Staat bezahlt werden, wäre deren Bewaffnung eine Aufgabe des Staates. Ansonsten soll sich der Staat aus der Entscheidung des Bürgers, ob er sich bewaffnen will oder nicht, einfach nur heraushalten.

"Er koennte auch Kinder in sein Lebkuchenhaus locken und dabei nicht erwischt werden. Dennoch wuerde ich Kannibalismus nicht bloß deshalb legitimieren weil die Durchsetzung des Verbots nicht lueckenlos greift."

Sie wollen im Ernst das Verbrechen der Tötung von Kindern mit dem Wunsch, zum Selbstschutz eine Schusswaffe zu tragen, gleichsetzen?

"Ist jemand der Gesetze befolgt fuer sie zwingend "gut"? Ist jemand der sie bricht unbedingt "boese"?" Eine solche Unterteilung ist unsinnig, denn sie impliziert, dass Menschen gut oder boese sein koennen. Sie koennen aber nur so handeln, und ob ihre Taten dann letztendlich gut oder boese sind haengt von vielen Faktoren ab die zu entschluesseln Aufgabe der von Ihnen so verhassten Psychologen ist."

Für mich ist jemand "gut", der das Recht befolgt, nicht das Gesetz. Das ist ein Riesen-Unterschied. Es kann sogar sein, dass jemand gerade deshalb gut ist, der bewusst ein Gesetz nicht befolgt. Wir kennen wohl beide solche Beispiele aus der deutschen Vergangenheit. Übrigens: die Schlächterei an den Juden im Dritten Reich hat mit deren Entwaffnung begonnen.

"Eine solche Unterteilung ist unsinnig, denn sie impliziert, dass Menschen gut oder boese sein koennen. Sie koennen aber nur so handeln, und ob ihre Taten dann letztendlich gut oder boese sind haengt von vielen Faktoren ab die zu entschluesseln Aufgabe der von Ihnen so verhassten Psychologen ist."

Darauf habe ich gewartet. Einmal mehr das "Argument", dass Verbrecher ja eigentlich nichts für ihre Taten können, weil ja immer andere daran schuld sind. Nur eine Frage dazu: wenn Ihrer Meinung nach die Führung des Dritten Reiches ja "nur so handeln konnte", wie sie gehandelt hat, warum hat man sie dann einfach aufgehängt? Waren auch diese Männer nicht einfach nur bedauernswerte Opfer der Umstände?

"Fritzliberal wird dieser Statistik vermutlich wenig Glauben schenken wenn er die Quelle erfaehrt, aber die MedUni Wien (meduniwien.ac.at) hat einen mehr als deutlichen Rueckgang unter Schusswaffenmorden und Selbstmorden nach der Verschaerfung des Waffengesetzes beobachtet."

Ich kenne diese "Studie". Der Autor hat sich als Beobachtungszeitraum genau jenen ausgesucht, der das von seinen Auftraggebern aus der Politik gewünschte Ergebnis (Restriktive Waffengesetze führen zu einer Verringerung der Gewaltkriminalität") stützt. Der Zeitraum davor, in dem es bei einer massiven Zunahme des legalen privaten Schusswaffenbestandes gleichzeitig zu einem deutlichen Sinken der Rate an Gewaltverbrechen kam, hat er geflissentlich unterschlagen.

Jurij Below, am 20. März 2009 um 15:56 ( Link )

Lieber Herr @Sven Lamb
Ich würde an Ihrer Stelle liebe genau den Autor zitieren was seinen Vorschlag über Bewaffnung der Opfer angeht:

„Wirklich nahe liegende Forderungen wurden nicht erhoben. Wäre etwa die Schule statt von einem Psychologen von zwei Polizisten im Eingangsbereich geschützt worden, wäre die Tat so wahrscheinlich nie geschehen. Anstatt die Täter im Nachhinein immer wieder entwaffnen zu wollen, was in der Realität nirgends auf der Welt funktioniert, könnte man auch die Opfer präventiv bewaffnen. Von amerikanischen Experten erfahren wir nämlich, dass Schulen nur deshalb bevorzugte Orte für Amokläufe sind, weil sie auch in den USA unbewaffnete, also besonders ungeschützte Zonen sind. Da freuen sich die Täter und fühlen sich immer wieder geradezu eingeladen.“

Obwohl ich selbst nicht besonders damit begeistert bin, doch im Kontext seinen Argumenten, wirkt seinen Vorschlag etwas anders. Das könnte eventuell doch solche großen Massaker verhindern, wenn es ungeschützte Zonen, wie Schulen, vielleicht auch die Hochschulen gebe. In diesem Passage mich irritiert etwas anders – der Schlusssatz: „Da freuen sich die Täter und fühlen sich immer wieder geradezu eingeladen.“ Und vor allem die „Täter“. Wenn man genau die Motive bei vielen solchen Gewaltausbrüchen unter die Lupe nimmt, dann auch den Begriff „Täter“ sehr flüssig erscheint und zwar bis das Gegenteil „Opfer“. Überlegen Sie bitte das nochmal.

Deswegen die ganze Flucht in etwas sekundäre Ebene (Waffe) finde ich nicht besonders überzeugend. Denn Wirrwarr kocht erst in den Köpfen der „Tätern“, die für sich eher für Opfer eines ungerechten Systems empfinden. Das ist zweifelsohne stimmt eine wichtige Rolle als allgemeine Unzufriedenheit und manchmal sogar als Erniedrigung durch der Heuchelei der Gesellschaft. Wir sprechen von Schutz der Opfer nach Ausbruch des Wahnsinns, die „Täter“ aber fühlen sich gerade ausgeliefert die allgemeine Schutzlosigkeit der Person. Davon wissen wir schon von den Zeiten von RAF, selbst wenn dabei ganz deutlich auch eine Indoktrination der Revoluzzer sowjetischer Art mitwirkte.

In dem Zusammenhang finde ich hysterische Überlegungen bei dem Orwell-Staat Portal nicht besonders paranoid. Als mein Enkel (15) ließ die Begründung meiner Sperrung bei der ZEIT Online wegen des Versuchs mein Interview mit Max Eichenhain http://www.2034-abschied.de zu veröffentlichen so formuliert:

Sehr geehrter Benutzer,
wir haben Ihren Account in der Community von ZEIT ONLINE gesperrt. Bitte Sehr geehrter Benutzer, wir haben Ihren Account in der Community von ZEIT ONLINE gesperrt. Bitte
beachten Sie, dass wir Antisemitismus in jeglicher Form nicht bei uns
dulden.
Mit freundlichen Grüßen,
Johannes Kuhn, Redaktion ZEIT ONLINE

hat er ohne Hemmung darüber sehr aggressiv (hier wage ich nicht doch seine Worte zu zitieren) gesprochen, weil in diesem Interview weder von Juden, noch vom Holocaust die Rede war. Also die Kinder sind auch Menschen, die wir ernst nehmen müssen und der Tim K., wollen wir daran glauben oder nicht, war auch ein Kind, das sich nur geistiger Zustand widerspiegelt in dem er nicht so, wie wir Erwachsene, lange zu überlegt bevor er zu Waffe griff.

Dazu muss man auch der 2 Beitrag zum Thema Winnenden von André Lichtschlag genau lesen und insbesondere das Gespräch mit Dagmar Neubronner:

ef: Tim K. war den Medienberichten zufolge wegen Depressionen in Behandlung.
Neubronner: Ja, der Amoklauf ist dann der letzte verzweifelte und furchtbare Versuch, die gigantische Masse an gestauter Frustrationsenergie in einem mörderischen Befreiungsschlag loszuwerden.

Ich bestehe darauf, dass André viel tiefer in die Materie hineinversetzt hat, als ich und die Anderen...
Herzlichst
Jurij Below


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