Andreas Tögel

Jg. 1957, Kaufmann in Wien.

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Index of Economic Freedom 2009: Politik gefährdet Wohlstandsentwicklung

von Andreas Tögel

Und Kreditblasen haben kurze Beine

04. März 2009

Die konservative US-amerikanische Denkfabrik „Heritage Foundation“ erstellt – zusammen mit dem „Wall Street Journal“ – einmal jährlich eine Statistik, in welcher jene Staaten, von denen die entsprechenden Daten vorliegen, anhand von 10 wirtschaftsrelevanten Kriterien miteinander verglichen und gereiht werden. Die Wertungshöhe jedes Faktors liegt zwischen 0 und 100. Je größer der Wert, desto höher der Freiheitsgrad. Die Kriterien sind die folgenden und erklären sich Großteils von selbst: Unternehmensfreiheit, Handelsfreiheit, steuerliche Freiheit, Regierungsgröße, monetäre Freiheit, Investitionsfreiheit, Finanzfreiheit, Eigentumsrechte, Freiheit von Korruption, Arbeitsfreiheit. Die Bewertung des Faktors „Regierungsgröße“, ein Maß für die herrschende Regulierungsdichte und den politischen Einfluss auf betriebswirtschaftliche Entscheidungen, ist dann besonders hoch, wenn staatliche Interventionen in die Wirtschaft weitgehend unterbleiben.

Im Jahr 2009 liegt der Index zum nunmehr 15. Mal vor. Die Zahl der untersuchten Staaten ist auf 183 gestiegen, wobei einige davon wegen unvollständiger Datenbasis nicht bewertet werden konnten (zum Beispiel Afghanistan und Bhutan). In den beobachteten 15 Jahren haben die Studienautoren eine Zunahme der wirtschaftlichen Freiheit auf der Welt um insgesamt 8 Prozent-Punkte festgestellt. Das Weltsozialprodukt kletterte von 30 auf 50 Billionen Dollar.

Um die Vergleichbarkeit der Daten aus verschiedenen Jahren zu gewährleisten, werden Veränderungen der Bewertungsinstrumente und -Kriterien sehr behutsam vorgenommen. Änderungen des aktuellen Index gegenüber jenem des Vorjahres liegen im Bereich der Messung der Erwerbsfreiheit und in der Gestaltung der einzelnen Länderportraits.

Die 15. Ausgabe erscheint nun in einer schwierigen Zeit – am Beginn einer vermutlich Jahre andauernden weltweiten Depression. Wie bei der „Großen Amerikanischen Depression“ der 1930er-Jahre ging auch der gegenwärtigen Finanzkrise eine jahrelange inflationistische Periode voraus (nämlich von 1921 bis 1929). Dessen ungeachtet nutzen Etatisten und Sozialisten in allen Parteien derzeit die Gunst der Stunde, lauthals nach verstärkten Regulierungen, ja sogar nach der Verstaatlichung von Bankwesen und Schlüsselindustrien, zu rufen. Begünstigt wird diese Tendenz durch die mangelhafte Darstellung der eigentlichen Ursachen des Debakels. Die in der veröffentlichten Meinung und in Sonntagsreden wirtschaftsferner Politiker als Sündenböcke denunzierten „Spekulanten“, „gierigen“ Banker und Manager konnten ihre Aktivitäten nämlich ausschließlich auf der Basis eines im Kern verrotteten „Fiat Money“-Systems entfalten, das in kaum einer Analyse in Frage gestellt wird. Eine auf beiden Seiten des Atlantiks betriebene verantwortungslose Geldpolitik,hat – analog zur „Großen Depression“ der 1930er Jahre – die Voraussetzungen für den Zusammenbruch geschaffen. Protagonisten dieses betrügerischen Spiels waren und sind aber ausschließlich die hohe Politik und die von dieser beherrschten Zentral- und Notenbanken. Wer über Jahre und Jahrzehnte hinweg die Währung mit jährlichen Raten von 10 Prozent und mehr inflationiert, darf sich über das Entstehen von „Blasen“ und deren zur Wirtschaftskontraktion führendes Platzen nicht wundern.

Aber zurück zum aktuellen Index: An der Spitze hat sich nichts geändert. Hong Kong führt seit 15 Jahren ununterbrochen die Liste an. Neu im Spitzentrio: Australien – nach Singapur auf Platz 3.

Das von der aktuellen Krise besonders schwer getroffene Irland ist auf Platz 4 vorgestoßen und damit bestes Land der Eurozone. Offensichtlich überwiegen „in the long run“ die negativen Effekte einer hemmungslosen Kreditexpansionspolitik die positiven Impulse einer relativ freien Wirtschaft. Auf Pump finanzierter Wohlstand ist nicht dauerhaft zu halten.

Österreich konnte, nachdem es in den zurückliegenden Jahren laufend an Boden verlor, nun wieder ein paar Plätze gutmachen, liegt jetzt auf Rang 23 und hat damit Deutschland (auf Rang 25) wieder überholt. Die katastrophale Bewertung unseres Landes beim Kriterium „Regierungsgröße“ korreliert mit der schlechten Einstufung der „steuerlichen Freiheit“. Die jeden Lebensbereich durchdringende Anmaßung Leviathans kostet eben Geld. Geld, das der Fiskus privater Verwendung entzieht und verpulvert.

Die Fakten sprechen eine eindeutige Sprache. Wirtschaftliche Freiheit korreliert mit Wohlstand. Hohe Regulierungsdichte hingegen mit Armut und Rückständigkeit. Wer meint, ausgerechnet jetzt Werkzeuge aus der planwirtschaftlichen Mottenkiste hervorholen zu müssen, der sollte die Voraussetzungen überprüfen, auf denen sein eitles Verlangen gründet.

Abschließend ein Zitat aus dem vorliegenden Report: „Wirtschaftliche Freiheit ist kein Plan und keine Ideologie. Es ist vielmehr die Antithese zu zentralisierter Planung und Regierungskontrolle.“ Wie wahr!

Internet

Der Index 2009 steht unter www.heritage.orgzum Gratisdownload bereit.

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