27. Januar 2009

Die Piusbrüder, Richard Williamson und die politische Korrektheit Auf Papst Benedikt XVI. wird gezielt

Die Medien könnten sich diesmal ein zu starkes Opfer ausgesucht haben

Die scheinheilige Lehre der politischen Korrektheit fordert von Zeit zu Zeit ihre Kampagnen gegen allzu freiheitlich-konservative Widersacher. Opfer werden als Exempel statuiert –Abschreckung funktioniert schließlich immer. Keiner soll glauben, dass man im „freiesten Staat deutscher Geschichte“ einfach so sagen und machen darf, was man will. Gestern Heitmann, Möllemann, Hohmann, Herman – und nun der Stellvertreter des Herrn auf Erden selbst; der Papst!

Wohl seit 1945 wurde in der deutschen Presse nicht mehr derart respektlos gegen den Heiligen Vater in Rom zu Felde gezogen. Die „Süddeutsche Zeitung“ spricht vom „Sündenfall des Papstes“, von einem „beschämenden“ und „bestürzenden Signal“ Benedikt des XVI. In den wiederkehrenden Kampagnen gegen Konservative werden immer wieder die seltsamsten Ankläger zum Schuldspruch hinzugezogen – Hauptsache, so scheint es, sie richten erbarmungslos. War es gegen Möllemann noch dessen langjähriger Erzfeind Paolo Pinkel und vor Kerners Tribunal gegen Eva Herman der berüchtigte kommunistische „Historiker“ Wippermann, so wird nun vom „Spiegel“, wer könnte es anders sein, die einstige DKP-Vorzeigetheologin und notorische Papst-Verächterin Uta Ranke-Heinemann aus der Mottenkiste geholt. Frau Professorin fällt denn auch wenig überraschend ihr Urteil: Benedikts Verhalten, so Heinemann im „Spiegel“, sei einfach, „in besonderem Maße untragbar und beschämend“.

Was war da geschehen? Grund für die Kampagne gegen Benedikt XVI. ist dessen Entscheidung vom Wochenende, die Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Pius-Bruderschaft rückgängig zu machen und diese wieder in die katholische Kirche zurückzuführen. Zu den vier Bischöfen gehört auch der Brite Richard Williamson, der in einem bereits im November aufgezeichneten und „zufälligerweise“ genau jetzt gesendeten Interview gegenüber einem schwedischen Fernsehsender eine in Deutschland strafbare Meinung kundtat, im Amtsdeutsch „den Holocaust leugnete“. Das Interview, in dem Williamson mit plötzlichen Fragen zur Geschichte offenbar überrascht wurde, war im Priesterseminar der Piusbruderschaft in Zaitzkofen bei Regensburg aufgenommen worden – die deutschen Meinungspolizei hat die Ermittlungen deshalb bereits aufgenommen. Bischof Williamson droht auf deutschem Boden die Inhaftierung.

Die Exkommunikation der führenden Piusbrüder war 1988 vom Heiligen Stuhl ausgesprochen worden, nachdem die vier Bischöfe Bernard Fellay, Bernard Tissier de Mallerais, Richard Williamson und Alfonso de Galarreta vom früheren Erzbischof von Tulle, Marcel Lefebvre, geweiht worden waren, ohne dass eine Zustimmung von Rom vorlag. Lefebvre und seine Bischöfe gehören dem traditionalistischen Flügel der Katholischen Kirche an, der mit den in den letzten Jahrzehnten vollzogenen Anpassungen der Kirche an den Zeitgeist unzufrieden ist.

Erzbischof Lefebvre hatte die Bruderschaft St. Pius X (lat.:Fraternitas Sacerdotalis St. Pii X; FSSPX) 1970 gegründet, die ab 1975 im Konflikt mit Rom stand. Anlass waren einige Lehrpunkte des Zweiten Vatikanischen Konzils sowie verschiedene nachkonziliare Reformen, die vom französischen Erzbischof als mit der gesamten kirchlichen Tradition unvereinbar kritisiert wurden. Insbesondere die Liturgiereform wird von den der katholischen Tradition verpflichteten Piusbrüdern abgelehnt. Papst Johannes Paul II. hat am 2. Juli 1988 im Apostolischen Schreiben Ecclesia Dei die Bischofsweihen Lefebvres als schismatischen Akt verurteilt und dessen Exkommunikation sowie die der vier Bischöfe offiziell festgestellt. Sein Nachfolger, Papst Benedikt VI., war auf die Traditionalisten zugegangen, indem er den vorkonziliaren alten Ritus als „außerordentliche Form der Liturgie der Kirche“ auch ohne Sondergenehmigung wieder erlaubt hat.

Die Piusbruderschaft erklärt den grundlegenden Unterschied zwischen „alter“ und „neuer Messe“ so: „In der Alten Messe feiern wir das Opfer unseres Herrn Jesus Christus am Kreuz, also das Geschehen vom Karfreitag; in der Neuen Messe feiert man das Herrenmahl, also ein Gedächtnis des Abendmahls vom Gründonnerstag. Tatsächlich aber hat unser Herr am Abend des Gründonnerstag im Kreis seiner Apostel das Karfreitagsopfer vorweggenommen, indem er sakramental unter den Gestalten von Brot und Wein seinen Opferleib und sein Opferblut gegenwärtig gemacht hat. Und eben dazu hat er die Apostel beauftragt, als er zu ihnen sprach: ‚Tut dies zu meinem Gedächtnis.’ Nicht ein Abendmahl sollten sie zu seinem Gedächtnis feiern, sondern ein Opfer, das Opfer seines Fleisches und Blutes unter den Gestalten von Brot und Wein.“ Ein Nebeneinander von alter und neuer Messe wird von der Piusbruderschaft strikt abgelehnt: „Die Alte Messe ist katholisch und predigt das Christkönigtum; die Neue Messe ist ökumenisch und demokratisch.“

Demokratie und Ökumene aber werden von den Traditionalisten abgelehnt. Im Buchshop der Bruderschaft, angegliedert an den hauseigenen Sarto Verlag, wird denn auch neben dem Schwarzbuch des Kommunismus (eine Dokumentation der Jahrhundertverbrechen der roten Sozialisten, die Heinemann-Vorgänger Wippermann einst leugnete) folgendes Buch beworben: „Alles, was Sie schon immer über Könige wissen wollten.“

Fundamentale Demokratiekritik und der positive Bezug auf die Monarchie gehen nun in der Tat weit über das hinaus, was die Heit-, Mölle-, Hoh- oder Hermänner an politisch Unkorrektem zu äußern sich erdreisteten. Und hier ist denn auch der eigentliche Grund für den wilden Aufschrei der Medien zu vermuten. Alleine, sie könnten sich mit Papst Benedikt am Ende mit dem Falschen angelegt haben. Sie ahnen es vermutlich und werden immer lauter. Die nächsten Tage könnten deshalb spannend werden.

Das Video mit der Holocaust-Leugnung im schwedischen TV jedenfalls dürfte dank „Spiegel“ und Co. über Youtube auch hierzulande Rekordeinschaltquoten verzeichnen. Dafür dürfen sich die Medien weit mehr schämen als der privathistorisch irrende Bischof. Und während die dem Zeitgeist hinterherlaufenden Amtskirchen mit Hobby-Theaterstück-Aufführungen vor leeren Kirchenrängen peinlich auffällig werden, dürfte das ohnehin steigende Interesse am katholischen Traditionalismus wie auf der anderen Seite an evangelikalen Freikirchen weiter zunehmen. Gedankt sei der Empörungsberichterstattung jener, die zwei- bis dreimal im Jahr Adolf Hitler in Nahaufnahme mit gut sichtbarem Hakenkreuz am Revers auf ihr „Spiegel“-Cover platzieren, damit die Auflage steige.

Gregor Hoppe vom ARD-Hörfunkstudio Rom kommentiert in der Tagesschau: „Der Papst will seine Kirche offenbar gesundschrumpfen, zurück auf eine noch kleinere, dafür aber erzkonservative Klientel. Und nimmt dabei in Kauf, dass ihm alle anderen davonlaufen.“ Vieles spricht für die Umkehrung dieser These: Konservative Kirchen (und vorneweg der „Popstar unserer Zeit“, der „ultrakonservative“ Papst Benedikt) haben großen Zulauf. Die 68er-(Ex-)Zeitgeistkirchen aber mit all ihrem antikapitalistischen Öko- und Drittweltklimbim – beispielhaft sei die großspurige Coca-Cola-Boykottkampagne des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) genannt – sind längst nur noch zum Davonlaufen. Und die Mainstreammedien? Würden sie ihre Wächterfunktion gegenüber der Politik oder auch nur ihren eigenen antifaschistischen Anspruch wirklich ernst nehmen, müssten sie sich gerade jetzt einsetzen für die Meinungsfreiheit des Bischofs und gegen die jedem intelligenten Menschen unwürdige und in unseligster Tradition stehende Strafverfolgung falscher Meinungen in Deutschland. Das tun sie nicht. Vielmehr nehmen sie kurz nach dem Mannichl-Supergau mit einer abermaligen billigen Hysterie- und Schmierenkampagne in Kauf, dass ihnen auch noch die letzten gutgläubigen Zuschauer und Leser davonlaufen.


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