13. August 2008

Feminismus Denkfähigkeit runter, Herrschaft hoch

Warum kulturhistorisches Wissen vor emanzipatorischer Torheit schützt

"Die Emanzipation ist erst dann vollendet, wenn auch einmal eine total unfähige Frau in eine verantwortliche Position aufgerückt ist." So soll Heidi Kabel dereinst zum Thema befragt geantwortet haben. Nun, wenn man auf die Erfolge amtlicher Verkehrsplanerinnen hinsichtlich der Gleichstellung strassenverkehrsbeeinflussender Symbolik blickt, an dieser Stelle sei nur auf die spektakuläre Ampelmännchenproblematik und die patriarchalische Prägung der Verkehrszeichen Nr. 237 sowie 239 bis 244a Straßenverkehrsordnung (StVO) verwiesen, lässt einen der Verdacht nicht los, dass das Ziel der Emanzipationsvollendung bereits übererfüllt wurde. Ein weiteres Betätigungsfeld, in dem allem Anschein nach diverse federführende Protagonistinnen ebenfalls schon die Stufe der eigenen Inkompetenz erreichen konnten, ist die der deutschen Sprache. Nun ist die potenzielle Gefahr manipulativer Eingriffe in das Sprachgut nicht erst seit 1984 bekannt, dennoch konnte die Entmännlichung bzw. Verweiblichung der deutschen Sprache  kuriose Stilblüten treiben. So hat sich ja mittlerweile selbst in offiziellen Reden und/oder amtlichen Schreiben die Unsitte durchsetzen können, die Mitglieder einer Zielgruppe gesondert nach Geschlecht anzusprechen, im akzeptablen Fall wenigstens noch mit einem kleinem „i“, bei optischer Vergewaltigung jedoch mit einem großem. Dabei kennt jede Sprache zur Verhinderung von Redundanzen Gattungsbegriffe, die ja gerade per definitionem alle Elemente der jeweiligen Menge umfassen, unabhängig von ihren sonstigen Merkmalen.

Führende Soziolinguisten — nur zur Klarstellung, gemeint sind sowohl weibliche als auch männliche Vertreter dieser Lehre — waren aber anscheinend Kreide holen, als dieses Kapitel im Deutschunterricht behandelt wurde, ansonsten hätten sie die Verballhornung des wohl häufigsten Gattungsbegriffs der deutschen Sprache so auch nicht zugelassen. Tatsächlich suggeriert ja das allgemein gehaltene „man“ einen ursächlichen Bezug zum geschlechtsspezifischen „Mann“, weswegen dieses Relikt maskuliner Dominanz gerne durch „frau“ ergänzt beziehungsweise ersetzt wird. Dabei ist „man“ ein sprachliches Erbe des indogermanischen Begriffs „manu“. Im Sanskrit ist es als sächliches Subjekt „manas“ noch heute bekannt und bedeutet sinngemäß „aus feiner Materie bestehende Denksubstanz“, vielfach wird es auch mit „Geist“, „Gemüt“ oder „Verstand“ übersetzt, jedoch immer im Kontext einer denkfähigen Lebensform, eines intelligenten Geistes. Das mit diesem Wort ausgedrückte Konzept einer geistig autonomen Person war so bedeutsam, dass es selbst in den romanischen Sprachen Einzug halten konnte. Das lateinische „mens“ bezeichnet ja nicht nur den schlichten „Geist“ oder „Verstand“, im mythologischen Sinn war es ebenfalls Platzhalter einer personifizierten Seele. Dementsprechend steht das Substantiv „mente“ im Italienischen und Spanischen für „Sinn“, „Verstand“, „Gedächtnis“, als adverbiale Endung ist „-mente“ in beiden Sprachen zum Synonym geworden für die Art und Weise des Schaffens, Denkens und Fühlens menschlicher Handlungen, zum Beispiel in „perfettamente“ oder „completamente“. Ähnliches gilt auch für das englische „mind“, welches ja auch über die reine Beschreibung einer Gehirnaktivität hinausgeht. Der heutige deutsche „Mann“ wurde in der althochdeutschen Sprache des Frühmittelalters dann auch als „wer“ bezeichnet, abgeleitet aus dem lateinischen „vir“, zu finden zum Beispiel in „Werwolf“.

Wenn also „man“ im Rahmen einer lingualen Neuorientierung für die eine Hälfte der Menschheit verworfen wird, heißt dass nichts anderes, als das der aus dieser Kategorie nunmehr heraus fallenden Gruppe die Denkfähigkeit aberkannt wird und von dieser geäußerte Inhalte mithin zum Un-Sinn verkommen. Doch wie steht es um Herkunft und Bedeutung der nachgeschobenen Ersatzvokabel „frau“?

Sie geht zurück auf das mittelhochdeutsche, also hochmittelalterliche, Wort „vrouwe“ beziehungsweise den althochdeutschen Ausdruck „frouwe“, dem wiederum die nordische Göttin Freyja zugrunde lag, jene unbezwingbare Kriegerin und Gebieterin über die Valküren, deren Insignien Kriegswagen, Schild, Speer, Harnisch und Schwert ihre bildlichen Darstellungen schmücken. Die ihr ehedem geschuldete Ehrerbietung begründet sich damit nicht nur durch ihre Schönheit, sondern vor allem in dem ihr eigenen Gewaltpotenzial, das sie in zahlreichen Kämpfen unter Beweis stellen konnte. Folgerichtig wurden „Frau“ beziehungsweise deren begriffliche Vorläufer im Sinne von Herrscherin und Gebieterin, also für weibliche Personen des Adelstandes benutzt, für das einfache feminine Volk existierten im Mittelalter die Begriffe guina“ für den weiblichen Mensch im Allgemeinein und „wip“ oder „wib“, heute wiedrum antiquiert „Weib“, für erwachsene, verheiratete Frauen im Speziellen. Letzteres übrigens in enger Anlehnung an das altenglische „wifman“, kurz „wif“, bis heute als „woman“ und „wife“ erhalten, was nochmals darauf hindeutet, dass „man“ immer erst durch Vorsilben einen geschlechtsspezifischen Charakter erhielt. Wer also despektierlich von einer „Hausfrau“ spricht, sollte sich vergegenwärtigen, dass damit ja tatsächlich die Haus- bzw. Hofherrin, die Gebieterin über das ländliche Anwesen, bezeichnet wurde. Im historischen Kontext einer feudal organisierten Agrarordnung ist dies natürlich eine exponierte Machtstellung, insbesondere dann, wenn der Ehemann erfolgreich zur Kreuzzugsteilnahme genötigt werden konnte. Genau aus diesem Grund lebt „frau“ auch in einem anderen, äußerst negativ besetztem Begriff fort, nämlich der ausbeuterischen „Fron“. Dies passt zwar nicht ins klischeebeladene Bild der einer per se liebevoll zärtlichen Weiblichkeit, deckt sich dafür aber umso besser mit den anthropologischen Befunden. Denn matriarchalisch geprägte Stämme und Clans standen in ihrer Grausamkeit den patriarchalischen in nichts nach. Im Gegenteil, sie bildeten im Schnitt größere Familienverbünde, deren männliche Komponente sich dann natürlich auch für große Beutezüge besser organisieren ließ. Bis heute wird daher im Industal die Göttin Kali als große Zerstörerin wie auch göttliche Mutter und Beschützerin verehrt, ihre zahlreichen Arme halten die abgetrennten Köpfe ihrer frischen Opfer, während die weniger frischen an einer Kette um ihren Hals baumeln.

Fazit: Der rituell feministische „man/frau“ Gebrauch begründet letztlich einen Unterschied zwischen Menschen und Frauen. Der Gebrauch ist in sofern ein Akt gnadenloser Selbstehrlichkeit, als dass ja tatsächlich die Grundkategorie „Mensch" und damit die Behandlung ihrer Elemente als unterschiedlose Rechtssubjekte politisch teilweise bereits aufgehoben wurde und weiter aufgeweicht werden soll. Konsequenterweise enthält der emanzipierte Gegenentwurf in Teilen wiederum die Elemente neofeudaler, weiblicher Gebieterschaft. Frauen, die sich anschicken, die in ihrem kruden Weltbild historisch den Männern zugedachte Rolle einzunehmen, sollten einen Moment inne halten und sich Sofia Lorens Rat zu Herzen nehmen. Wie sagte doch gleich die Diva: „Ich bin gegen die Emanzipation. Durch Emanzipation verliert die Frau ihre Weiblichkeit. Was kann einer Frau Schlimmeres passieren?“

Literatur

Hoffmann, Arne: Männerbeben - Das starke Geschlecht kehrt zurück; Lichtschlag Verlag, 2007


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