15. Juli 2008

Privater Waffenbesitz Verbote verhindern keine Verbrechen

Nur brave Bürger halten sich an Waffengesetze

Dossierbild

Ein Verbot von Schusswaffen ist der letzte Schrei. Dem Vorstoß von Torontos Bürgermeister David Miller für ein landesweites Verbot von Schusswaffen schlossen sich auch andere Bürgermeister großer kanadischer Städte an. Da er mit dem Tempo auf nationaler Ebene unzufrieden war, forderte Miller zuletzt mit Erfolg den Stadtrat dazu auf, Maßnahmen zu ergreifen, um weitere Waffenkäufe in Toronto zu erschweren – mit Erfolg: So werden zum Beispiel nun stadteigene Schießstätten geschlossen.

Obwohl es vielen Leuten als offensichtlich erscheint, dass ein Schusswaffenverbot Leben rette und Verbrechen reduziere, zeigt die Erfahrung in den USA etwas anderes. So haben es zwei große US-Städte, nämlich Washington D.C. und Chicago, mit einem Schusswaffenverbot versucht.

In Washington trat das Verbot Anfang 1977 in Kraft, doch seitdem gab es lediglich ein Jahr, nämlich 1986, in dem die Mordrate geringer war als im Jahre 1976. Die Mordrate war vor dem Verbot im Abfallen begriffen und stieg nach dem Verbot wieder an. In den fünf Jahren vor dem Verbot fiel die Rate von 37 auf 27 Morde je 100.000 Einwohner zurück. In den fünf Jahren danach stieg die Rate wieder auf 35.

Die Mordrate in Washington stieg auch im Vergleich zu anderen US-Städten auf dramatische Weise. In den 29 Jahren nach dem Verbot, für die uns Daten zur Verfügung stehen, belegte die Washingtoner Mordrate in 15 einzelnen Jahren Platz eins unter den 50 größten Städten der USA. In weiteren vier Jahren dieses Zeitraums belegte sie Platz vier. Doch im Jahre 1976 hatte Washington erst auf Platz 15 bei der Mordrate gelegen.

Die Washingtoner Mordrate stieg nicht nur steiler an als in anderen Städten, sie stieg auch schneller an als in den benachbarten Staaten Maryland und Virginia und auch schneller als in den gesamten USA. Sowohl bei der Gesamtverbrechensrate als auch bei der Rate der Gewaltverbrechen gab es nach dem Verbot in Washington nur zwei Jahre, in denen die Quote unter den Wert des Jahres 1976 fiel.

Sicherlich hat Washington viele Probleme, die eine hohe Verbrechensrate begünstigen, doch selbst Städte mit einem weitaus besseren Polizeiapparat haben infolge von Schusswaffenverboten einen steilen Anstieg bei Morden und Gewaltverbrechen erlebt. Chicago verbietet seit 1982 sämtliche Handfeuerwaffen. Doch diese Maßnahme brachte keine Abnahme der Gewalt. Die Mordrate in Chicago fiel von 27 auf 22 von jeweils 100.000 Einwohnern in den fünf Jahren vor dem Verbotsgesetz und stieg dann leicht auf 23 an. In Relation zu anderen großen Städten und den fünf benachbarten Counties von Illinois stieg die Mordrate in Chicago sogar stark an.

Doch vor allem die Erfahrungen aus anderen Ländern sollten Herrn Miller und seine Unterstützer etwas nachdenklich stimmen, vor allem die Erfahrungen von Inselnationen, die ein Waffenverbot verhängt haben und deren Grenzen leicht zu kontrollieren sind. Das sind Orte, in denen man nicht einfach die USA oder andere Nachbarländer für den fehlenden Erfolg von Waffenverbotsgesetzen verantwortlich machen kann. Nicht nur, dass auch dort Gewaltverbrechen und Morde nicht wie erwartet abnahmen, nein sie stiegen sogar noch an.

Großbritannien hatte im Januar 1997 Handfeuerwaffen verboten. Doch in den sieben Jahren zwischen 1998 und 2005 stieg die Zahl der Toten und Verletzten durch Verbrechen mit Schusswaffengebrauch in England und Wales um 340 Prozent. Die Quote schwerer Gewalttaten, bewaffneter Überfälle, von Vergewaltigungen und Morden schoss ebenso in die Höhe. Auch Irland und Jamaika mussten einen großen Anstieg der Mordrate nach Einführung von Handfeuerwaffenverboten hinnehmen.

Jeder möchte natürlich Kriminellen die Waffen abnehmen, doch Waffenverbote führen nur dazu, dass ausschließlich Kriminelle, nicht aber gesetzestreue Bürger über Waffen verfügen. Es ist extrem schwer, illegale Drogen nicht nach Kanada gelangen zu lassen, und genauso wenig wird man die Drogenbanden daran hindern können, auch Waffen über die Grenze zu schaffen. Die Waffen, die kanadische Grenzer beschlagnahmen, kommen hauptsächlich von unbedarften US-Touristen. Nur wenige kriminelle Waffenschmuggler werden gefasst.

Möglicherweise werden Toronto und Kanada irgendwie anders funktionieren als der Rest der Welt, doch privater Waffenbesitz ist jetzt für die Politiker der ultimative Sündenbock für das Versagen bei der Verbrechensbekämpfung geworden. Man möchte dennoch hoffen, dass die Politiker einsehen werden, dass es die gesetzestreuen Bürger sind, die die Verbote beachten, nicht jedoch die Kriminellen.

Information

Der Artikel wurde am Mittwoch, den 25. Juni 2008, in der kanadischen Zeitschrift "National Post" veröffentlicht und von David Schah exklusiv für ef-magazin.de ins Deutsche übersetzt. Wir danken Autor und Verlag und freuen uns auf bereits angekündigte weitere ef-Artikel von John Lott.


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Dossier: Waffen

Autor

John R. Lott Jr.

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