19. Juni 2008

Fußballökonomie Jogi Löw und die Beamten

Kleine Philosophie der Euro 2008

Theoretisch war es uns immer klar: Beamte ohne besondere Aufgaben – die soll es geben – tendieren dazu, sich Funktionen selbst anzueignen. Und diese Angelegenheiten, auch das wissen wir, werden von Monopolisten, die Beamte immer sind, im Laufe der Zeit immer schlechter ausgeführt. Staatliche Beamte, so hat es der Ökonom und Philosoph Hans-Hermann Hoppe einmal ausgedrückt, sind „Monopolisten der Schiedsgerichtsbarkeit“.

Dasselbe gilt für die Funktionäre der Uefa für die Fußball-Europameisterschaft. Die haben nicht nur, wie es sich für einen Behördenapparat gehört, die Fußballregeln mit den Jahren immer weiter verkompliziert, sie haben sich auch immer neue Stellen selbst geschaffen, etwa zuletzt den „vierten Mann“ – einen Kickergenerationen zuvor völlig überflüssigen Ersatz-Schiedsrichter.

Und genau dieser „vierte Mann“ hat sich nun erstmals eine wirkliche Aufgabe selbst angeeignet, nämlich für absolute Ruhe auf der Trainerbank zu sorgen. Üblicherweise verschlechtern sich im Zeitverlauf dann die Verwaltungsakteure kontinuierlich bei ihrer „Arbeit“ – Monopolgesetze eben.

Damir Skomina aus Slowenien aber hat es im Spiel Deutschlands gegen Österreich geschafft, die philosophisch begründete Vorhersage gleich selbst vorwegzunehmen. Er hat unmittelbar mit der Aufgabenselbstaneignung den Job auch gleich in finalbeamtlicher Qualität ausgeführt. Da ist es nur konsequent, dass der im Anschluss gerne tagende Beamtenapparat der UEFA geschlossen applaudiert – und die Fehlurteile nun erst recht vollstreckt.

Internet

DFB entsetzt über Tribünenzwang für Löw


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