Robert Grözinger

Robert Grözinger, Jahrgang 1965, Diplom-Ökonom, ist freier Journalist und Übersetzer.

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Debatte: Warum Glaube doch Berge versetzen kann

von Robert Grözinger

Zumindest eine Religion ist der Freiheit förderlich

Gary Merrett und Kai Jäger haben einiges daran auszusetzen, dass manche Freiheitsfreunde eine Verbindung zwischen Freiheit auf der einen Seite und Religiosität im allgemeinen beziehungsweise Christentum im besonderen sehen. (Debatte: San Fransico statt Augsburg, „ef-online“ vom 23. April 2008.) Ihre Kritik beleuchtet zwar einige tatsächliche Meinungsdifferenzen, beruht aber teilweise auch auf Missverständnissen und Fehlinterpretationen, die ich in diesem Artikel auszuräumen versuche.

Merret und Jäger schreiben: „In einem Satz zusammengefasst lautet die Argumentation, dass christlicher Glauben und heterosexuelle Monogamie zu einer größeren Akzeptanz des Privateigentums und der Privatsphäre führen und somit eine kapitalistische Gesellschaftsordnung erst ermöglichen. Im Umkehrschluss würde dies bedeuten, dass Atheismus, Homosexualität, Promiskuität und ein progressiver Lebensstil die freiheitliche Gesellschaftsordnung zersetzen.“

Ich glaube nicht, einen Zusammenhang in der Form postuliert zu haben. Ich habe jedoch vor kurzem eine Studie aus dem Jahr 1934 erwähnt, die einen eindeutigen Zusammenhang zwischen „expansiver Energie“ einer (wie auch immer gearteten) Zivilisation und der Monogamie feststellte (ein Zusammenhang, der allerdings meines Wissens seit dem nicht weiter untersucht wurde, was ich einschränkend ebenfalls erwähnte). Und die außerdem ganz wertfrei feststellte, dass, wenn die Sexualmoral in diesen Gesellschaften sich lockerte, immer ein Verfall der Gesellschaft folgte. Außerdem hatte ich auf eine Untersuchung des Soziologen Pitirim Sorokin aus den 50er Jahren hingewiesen, der verschiedenste Kulturen in einer Zeitspanne von mehreren Jahrtausenden analysierte. Er stellte fest, dass sämtlichen politischen Revolutionen, die einen gesellschaftlichen Zusammenbruch zur Folge hatten, eine sexuelle Revolution voranging, in der Ehe und Familie entwertet wurden. (Monogamie und Familie: Zeichen einer expansiven Zivilisation, „ef-online“ vom 10. März 2008.)

Das beweist natürlich nicht, dass Privateigentum, Privatsphäre und eine kapitalistische Gesellschaftsordnung durch christlichen Glauben und heterosexuelle Monogamie „erst ermöglicht“ werden. Es bedeutet zunächst lediglich, dass wenn, wie bis vor kurzem der Fall, in einer (einigermaßen) freiheitlich-kapitalistischen Gesellschaftsordnung Monogamie die Norm war, diese Ordnung empirisch gesehen stark gefährdet ist, wenn sich diese Norm auflöst. Sie (die Ordnung) muss dann noch nicht verschwunden sein, sie ist lediglich, empirisch gesehen, gefährdet.

Der von den Autoren suggerierte Umkehrschluss stimmt dann so auch nicht. Die Zunahme der Phänomene „Atheismus, Homosexualität, Promiskuität und progressiver Lebensstile“ sind nicht die Ursachen der Zersetzung, sondern ihre Frühindikatoren und Begleitumstände. Man muss diese Phänomene also nicht bekämpfen, es gibt aber auch keinen Grund, sie zu begrüßen oder zu feiern. Manch einer geht derzeit sicherlich weiter und fordert staatliche Maßnahmen zur Zurückdrängung solcher Lebensstile und Sichtweisen. Das staatliche Verfolgen oder Benachteiligen von Gesinnungen ist aber Unrecht, da Gesinnungen allein die Rechte anderer nicht verletzen. Setzen wir also vernünftigerweise auf persönliche Überzeugung, Sezession und auf Ausschluss unerwünschter Personen vom Privateigentum. Aber darf man Lebensstile „moralisch verurteilen“? Ja, denn: Genauso, wie Menschen das Recht haben, ihren Lebensstil zu verwirklichen, wenn sie dabei niemandem schaden, haben andere das Recht, diese Lebensstile „moralisch“ zu verurteilen. Das gehört zu ihrem Lebensstil. (Wobei manche Verurteiler allerdings vergessen, dass Jesus mit den „Sündern“ speiste und warnte, dass nur derjenige, der ohne Sünde ist, den ersten Stein werfen darf – allerdings auch den moralischen Appell aussprach, nicht mehr zu sündigen.)

Es gibt allerdings Anzeichen für kausale Zusammenhänge zwischen christlicher Theologie im allgemeinen (nicht speziell die christliche Sexualmoral) und dem Aufstieg des Kapitalismus (seit dem frühen Mittelalter), die Rodney Stark ausführlich im jetzt auch auf deutsch erschienenen Buch „The Victory of Reason“ („Sieg der Vernunft“) diskutiert. Aufgezählt werden das Primat der Vernunft, die Idee des freien Willens und die Trennung von geistlicher und weltlicher Macht.

Merrett und Jäger sehen die Ursache kooperativen Verhaltens und damit der Ethik (und damit vermutlich des Kapitalismus) in den Genen: „Gene enthalten Informationen über Hirnstrukturen und chemische Prozesse im Gehirn, die wiederum Einfluss auf die Denkstruktur und Mentalität haben. Durch den evolutionären Prozess gelangten vor allem solche psychologischen Charakteristika in den Genpool, die kooperatives Verhalten förderten.“

Der von den Autoren in diesem Zusammenhang erwähnte Matt Ridley hat jedoch in dem von ihnen erwähnten Buch „Die Biologie der Tugend“ dargestellt, dass fast alle Lebewesen auf irgendeine Weise mit ihren Artgenossen kooperieren. Der große Unterschied zwischen Menschen und selbst den intelligentesten Tieren ist laut Ridley, dass sie die Fähigkeit besitzen, den aus der Kooperation entstehenden Vorteil der Arbeitsteilung auch mit Artgenossen auch jenseits der eigenen Familie, ja selbst jenseits des eigenen Stammes, zu nutzen. Der für diese Diskussion wesentliche Punkt ist: Die Fähigkeit zur Kooperation sich hat sich also nicht evolutionär innerhalb einer Art entwickelt, sondern ist offenbar mit dem Leben selbst entstanden. Das „egoistische Gen“ hat schon früh in der Evolution dafür gesorgt. Mit Mutation und Selektion alleine kann man die Entstehung des Kapitalismus und der individuellen Freiheit nicht erklären.

Die entscheidende Frage ist: Warum gab all die Segnungen des Kapitalismus noch nicht vor 5000 Jahren, also lange nach der letzten Eiszeit? Warum hat sich der moderne Kapitalismus ausgerechnet in Europa und ausgerechnet seit dem frühen Mittelalter entwickelt, und nicht vorher? Und warum hatte sich ausgerechnet in Europa seit dem frühen Mittelalter ein Kapitalismus entwickelt, der diesem Weltteil um das Jahr 1500, spätestens um das Jahr 1600 (also noch vor der „Aufklärung“) einen riesigen technischen Vorsprung verschaffte, mit dem es ihm ein halbes Jahrtausend lang möglich war, praktisch die ganze Welt zu beherrschen? Reiner Zufall? Oder gibt es einige identifizierbare Ursachen? Die Rohstoffe können es nicht gewesen sein, die hatten andere Erdteile auch. Die vielen geographischen Binnengrenzen Europas haben sicherlich geholfen, eine Vielfalt kleiner und kleinster politischer Einheiten zu erzeugen, die wiederum der Freiheit und somit dem Kapitalismus dienlich waren, die zu diesem technischen Vorsprung führten. Jedoch: Diese geographischen Grenzen gab es schon ewig, trotzdem gab es zuvor keinen Kapitalismus, sondern ein bürokratisches römisches Reich, und davor nichts, was weiter entwickelt war als ein mittelmäßiger Indianerstamm. (Die Ausnahme war Griechenland, vielleicht, weil es dort extrem viele natürliche geographische Grenzen gibt. Die Griechen entwickelten zwar Ansätze des rationaler Argumentation. Aber ihre Theoretiker und Philosophen wollten von der Empirie nichts wissen. Und ihren hervorragenden Praktikern fehlte das Verständnis von der Bedeutung der Theorie. Moderne Naturwissenschaft, die von der Zusammenführung von Theorie und Praxis lebt, entwickelten die Griechen bei aller Genialität nicht. Rodney Stark vermutet, dass die Griechen über diese Ansätze nicht hinauskamen, weil sie keinen rationalen Gott kannten und ein zirkuläres Weltbild hatten. Ein zirkuläres Weltbild und dauerhafter Fortschritt schließen sich aus. Wer nicht an Fortschritt glaubt, wird keine dazugehörigen Anstrengungen unternehmen.) Der einzige übrigbleibende Unterschied zu den anderen Weltregionen und zu den vorangegangen Zeiten Europas ist das Christentum.

Es gibt viele Menschen, die nach einer rein biologisch-genetischen Ursache menschlicher Verhaltensnormen suchen. Das soll ihnen unbenommen sein. Ich vermute jedoch, dass die (bewusste oder unbewusste) philosophische Grundlage dieser Suche die Negation des freien Willens ist. (Eine Idee, die das Christentum zwar nicht ursprünglich entwickelt hat, die aber erstmals mit ihm zum zentralen Bestandteil eines Menschen- und Weltbildes wurde.) Vorausgesetzt, dass das Ziel dieser Suche Frieden und Wohlstand für alle ist, bedeutet dies, dass wir nur noch die Formeln und die Technik für die richtige Züchtung, die richtige Genmanipulation und die Zwangsterilisation „unwerten Lebens“ (Mutationen in Richtung „Kooperationsunwilligkeit“) brauchen, dann hätten wir quasi das Paradies. Ich unterstelle den Autoren keineswegs, dass sie Eugenik anstreben. Mit einem Weltbild des reinen Zufalls hat man jedoch argumentativ einen schwachen Stand gegen jemanden, der mit der Eugenik dem Zufall auf die Sprünge helfen will.

Weiter merken Merrett und Jäger an: „Wenn das Christentum das rationale Denken und Argumentieren verlangen würde, ist das jedoch kein Argument für das Christentum. Denn was spricht dagegen, direkt das Denken und Argumentieren zu verlangen, ohne den Umweg über die Religion?“

Nichts. Verlangen kann man viel. Ob man es bekommt, ist jedoch eine andere Geschichte. Das Christentum hat ein linares Weltbild mit definiertem Anfang und Ende sowie einen rationalen Gott, dessen Schöpfung folglich für die Gläubigen rational verstehbar sein muss. Bei der Vorherrschaft eines solchen Weltbildes ist es kein Wunder, dass sich das Primat rationalen Denkens und Handelns durchsetzte. Was beileibe nicht heißt, dass sich die Menschen, einschließlich führender Christen, immer an dieses Primat hielten. Es galt aber sehr früh schon, zumindest implizit, als Orientierungsrahmen und trug schließlich entscheidend zu einer freiheitlichen Gesellschaftsordnung bei. Es ist schwer vorstellbar, wie mit einem Weltbild, dessen oberste Instanz kein rationales, personales Wesen ist, sondern der irrationale, unpersönliche Zufall, sich das rationale Denken als bestimmende Norm durchsetzen beziehungsweise erhalten bleiben soll. Viel eher ist wahrscheinlich, dass sich dann das Gegenteil durchsetzt.

Merrett und Jäger haben meine Kritik am Materialismus missverstanden. Sie schreiben: „Es [gibt] kein einziges wissenschaftlich überprüfbares Indiz dafür, dass es etwas Unmaterielles, also etwas Übernatürliches existiert. Es macht deshalb gerade Sinn, sich auf die real-existierenden Dinge in dieser Welt - also Materielles - zu konzentrieren.“

Etwas Unmaterielles ist nicht gleich etwas Übernatürliches. Mit „Vergötterung des Wohlstandes“ meinte ich, den Wohlstand als Selbstzweck anzusehen, als höchtes Ziel anzustreben und darüber zum Beispiel das gänzlich unmaterielle, und dennoch real existierende, persönliche Glück zu vergessen. Was dann oft passiert, kann man im Märchen vom Fischer und seiner Frau nachlesen. Man will am Ende „wie Gott“ sein. Das ist keine Verurteilung des Wohlstandes an sich. Es ist eine Warnung vor falscher Prioritätensetzung. Wohlstand kommt, wenn Glück angestrebt wird, nicht umgekehrt. Das Märchen ist außerdem eine Verurteilung des „free lunch“-Syndroms, das entsteht, wenn man seinen moralischen Kompass verliert. (Zwischenfrage: Kann man seine Gene verlieren?) Übrigens: Dass ich jeden sein rechtmäßig erworbenes Reichtum gönne, brauche ich hoffentlich nicht zu betonen. Sonst würde ich ja wohl kaum auf dieser Website schreiben..

Wo wir gerade bei Märchen sind: Die Autoren machen es sich zu einfach, wenn sie biblische Geschichten als bloße „Märchen“ abtun. Märchen sprechen in verdichteter Form Wahrheiten aus, für die andere ganze Wälzer brauchen. Vor kurzem habe ich auf diesem Blog mit Hilfe des Märchens von Hans im Glück die Funktion und Wirkungsweise des Grenznutzens erklärt. Vor Jahren habe ich in eigentümlich frei eine libertäre Interpretation von Hänsel und Gretel veröffentlicht. Und auch die Geschichte vom Fischer und seiner Frau ist, wie eben angedeutet, in dieser Hinsicht sehr zweckdienlich. Ähnlich ist es mit den „Märchen“ in der Bibel. Gott schuf, so heißt es da, die Menschen nach seinem Bild. Das heißt unter anderem, dass man Menschen nicht einfach umbringen darf, wenn man zufällig der Stärkere oder Erleuchtetere ist. Der zweite Teil der Josephsgeschichte ist eine Warnung vor Zentralismus und Planwirtschaft. Der erste Teil der Exodus-Geschichte ist Warnung an all diejenigen, die so „sein wollen wie Gott“ (wie der Pharao, Hitler oder Stalin). Der zweite Teil ist die Lehre, dass Freiheit Schwierigkeiten mit sich bringt und dass ohne moralischen Kompass das Ziel vieler Leute die „Fleischtöpfe Ägyptens“ ist. Ein Phänomen, das wir derzeit in Zeitlupe in der ganzen westlichen Welt beobachten können, aller vermeintlichen dortigen christlichen Religiosität zum Trotz. Denn die wahre Religion der meisten Amerikaner und Europäer ist derzeit der Glaube an den erlösenden Staat. (Die derzeit herrschenden Priester, die Kämpfer für politische Korrektheit und Umweltschutzterror, haben übrigens inzwischen die Trennung von Staat und [ihrer] Kirche aufgehoben.)

Natürlich kann man sich über „üble“ charakterliche Eigenschaften eines alttestamentarischen Gottes echauffieren – wenn man den historischen, kulturellen und erzählerischen Kontext übersehen will und den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Kein Volk in der Gegend beispielsweise war damals ohne Kriegsgott. Oder: Im historisch-kulturellen Kontext ist „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ keine Rachsucht, sondern ein strafrechtlicher Fortschritt. Solche Vorwürfe ignorieren, dass sich Religionsinhalte im Laufe der Zeit immer gewandelt und sich den gewandelten sozioökonomischen Verhältnissen angepasst haben. Wenn bisherige Aspekte Gottes nicht mehr „funktionierten“, wurden sie in den Hintergrund gedrängt und durch andere ersetzt. Die von den Autoren genannten „unnötigen“ Regulierungen des Lebens („Essenswahl, Arbeitszeiten und Kleiderordnung“) zum Beispiel sind im Neuen Testament ad acta gelegt, treffen also als Vorwurf nicht das Christentum. Was sich jedoch nicht geändert hat, sind grundsätzliche Vorstellungen wie das erwähnte lineare Weltbild, die zehn Gebote und, seit Aufkommen des Christentums, der freie Wille. Auch heute ist der Gott der Christen nicht nur der „liebende Papa“, wie die Autoren unterstellen, sondern einer, der bei Gebotsmissachtungen auch Strafe androht. Wenn man sich das recht überlegt, ist eine wahre Liebe ohne dieses Element auch gar nicht möglich. Vergebung nicht ausgeschlossen.

Internet:

Rodney Stark, Sieg der Vernunft

Brüder Grimm: Von dem Fischer und seiner Frau

28. April 2008

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Kommentare

Knut Schreiber, am 28. April 2008 um 12:02 ( Link )

Wenn die Freiheit vom irrationalen Glauben an imaginäre Wesen abhängt, ist es um sie wahrlich schlecht bestellt.

Nico Metten, am 28. April 2008 um 12:21 ( Link )

„Man muss diese Phänomene also nicht bekämpfen, es gibt aber auch keinen Grund, sie zu begrüßen oder zu feiern. Manch einer geht derzeit sicherlich weiter und fordert staatliche Maßnahmen zur Zurückdrängung solcher Lebensstile und Sichtweisen. Das staatliche Verfolgen oder Benachteiligen von Gesinnungen ist aber Unrecht, da Gesinnungen allein die Rechte anderer nicht verletzen.“

Und hier sind wir genau an dem Punkt, der mich an ef in letzter Zeit sehr aufregt. Dass Atheismus oder Homosexualität nicht erstrebenswert sind, kann man ja von mir aus so sehen. Ich sehe das anders, aber dass ist eben Privatsache. Bei Freiheit geht es aber darum für das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben auf eigene Kosten zu kämpfen. In ef werden aber mittlerweile Koalitionen mit Leuten gebildet, die genau dafür nicht kämpfen, sonder im Gegenteil tatsächlich friedliche Lebensstile bekämpfen. Und warum geht man diese Koalitionen ein? Weil bei den Machern von ef mittlerweile die Meinung vorzuherrschen scheint, dass das bekämpfen dieser Lebensstile tatsächlich etwas positives ist. Lediglich in irgendwelchen Lebensätzen oder gleich ganz in Klammern gesetzt findet man die Einsicht, dass das Mittel zur Bekämpfung nicht der Staat sein sollte. Warum sagt man selbst das so leise? Hat man Angst, da könnten vielleicht einige neu gewonnene Freunde verschreckt werden? Denn im Grunde wissen die Autoren sehr gute, das Leute wie Eva Hermann astreine Etatisten sind, die keine freie Gesellschaft anstreben.
Wer in friedlichen Lebensstilen eine Bedrohung für sich sieht, der ist bereits auf die Politik hereingefallen. Denn das ist genau das, was Politik will. Denn solange sich Menschen untereinander bekämpfen, bekämpfen sie eben nicht mehr die politische Macht selbst, ja stärken sie sogar! Dabei ist es die Politik, die in den meisten Fälle die wahre Ursache des Problems ist (traurig, dass war auch mal das Motto von ef). Und damit ist nicht die Politik irgend einer Partei gemeint, sondern die Politik ganz allgemein.
Von mir aus kann jeder glauben an was er will. Wer glauben will, dass das Christentum die Wurzel alles guten ist, der wird dafür Argumente finden. Wer das Gegenteil glauben möchte wird dafür ebenso viele Gründe finden. Ich will nur in Ruhe gelassen werden und das Recht haben an meinen eigenen Hokuspokus zu glauben. Dafür trete ich ein. Ef zunehmend leider nicht mehr. Der Wunsch nach Anerkennung von der deutschen Öffentlichkeit scheint da doch zu groß zu sein.

Haunebu III, am 28. April 2008 um 13:42 ( Link )

es gibt ausser in den theistischen Religionen noch andere Glaubensfallen ... zum Beispiel jenen Glauben an einen großen Staat EU

http://de.youtube.com/watch?v=21MlrowJqqc

JKG, am 28. April 2008 um 14:30 ( Link )

Die Fragestellung ob das Christentum die Grundbedingung für die Idee und Umsetzung der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ist, werden wir hier nicht beantworten können. Wie Nico Metten richtig sagt, ist das eher eine Glaubensfrage und in der Komplexität nicht zu beantworten. Wenn der Kapitalismus seinen Beginn in China gemacht hätte, dann würde man dies heute in Bezug auf den Konfuzianismus oder den Buddhismus diskutieren, bei denen man wahrscheinlich genauso viel Argumente finden kann. Mir fallen noch eine Vielzahl anderer Gründe, die alle ähnlich plausibel sind, z.B. Geographie, Rohstoffmangel, Gewaltenteilung zwischen Kirche und Staat, Kleinstaaterei, griechische Philosophie usw. Eines können wir aber wahrscheinlich mit Sicherheit sagen, Christentum und Kapitalismus bedingen einander nicht. Ein Blick in die Welt klärt das Bild.

Ich kenne die Studien bezüglich Sexualmoral und gesellschaftlichen Umwälzungen nicht, aber aus meiner Sicht ist das wieder der gleiche Fall wie die Rasse-IQ-Wohlstand-Studien. Korrelation ist keine Kausalität. Vielleicht lockerte sich die Sexualmoral vor dem „Verfall der Gesellschaft“ (OffTopic: „There is no such thing as society“) gerade durch den Verfall und war nur eine Auswirkung. Japan hat übrigens die lockerste Sexualmoral der Welt. Homosexualität und Prostitution sind gesellschaftlich voll akzeptiert und reichen weit in die japanische Geschichte zurück. Die Gesellschaft zerfällt deshalb nicht.

Reine Glaubensfragen, die leider die Zielgruppe unnötig verkleinert.

Stefan Sedlaczek, am 28. April 2008 um 14:56 ( Link )

"Wer in friedlichen Lebensstilen eine Bedrohung für sich sieht, der ist bereits auf die Politik hereingefallen. Denn das ist genau das, was Politik will. Denn solange sich Menschen untereinander bekämpfen, bekämpfen sie eben nicht mehr die politische Macht selbst, ja stärken sie sogar!" (Nico Metten)
Sehr wahr! Der Wettbewerb um die Staatsgewalt vergrößert die Staatsgewalt. Das ist genauso, wie der Wettbewerb um einen Markt diesen Markt vergrößert. Es wird höchste Zeit für einen Wettbewerb um die Beschränkung der Staatsgewalt und einen Wettbewerb für "empowernde" Selbstbestimmung und Selbstbeherrschung. Nicht, weil das "Selbst" "das Höchste" ist, sondern weil nur die Selbstbeschränkung andere in Ruhe und Frieden läßt. Es gibt keinen Anspruch auf Fremdbestimmung - auch keinen demokratischen. Ich mag Homosexualität und anderes als Gott ungefällig ansehen oder deren Praxis unästhetisch, aber ich darf mir nicht deshalb Homosexuelle mit Gewalt aus dem Gesichtsfeld schaffen - und unter Mißbrauch der Staatsgewalt schon gar nicht (dadurch tritt weiteres Unrecht dazu). Dasselbe gilt für die Homo-Ideologen, die Meinungsäußerungen gegen Homosexualität via Staatsgewalt nebst den Personen der Homophoben verfolgen und bestrafen. Das nur als das inzwischen übliche Beispiel und ich entschuldige mich ein wenig dafür, daß ich nun auch die HS zur Veranschaulichung von Rechtsprinzipien heranziehe. Nochmals also allgemeiner: Politik, die mehr ist als Diskurs, ist Unrecht. Wer um die Staatsgewalt streitet, vergrößert diese. Andere fremdzubestimmen steht niemandem zu - auch nicht via Staat und auch nicht demokratisch oder moralisch. Gefragt ist friedliche Selbstbeherrschung und Selbstbeschränkung. Dabei ist der Mensch unvollkommen, aber durch Gottes eigenen Sohn unvollkommen erlöst. Und: Ohnmächtige Unbeherrschtheit ist heilbar. Daran mitzuwirken ist gelebtes Christentum.

Was die Gene angeht, so mögen diese für mehr Dispositionen stehen, als anderes. Lernen aber, etwas ganz wesentliches, ist kaum genetisch determiniert. Die Vorfahren fast aller Professoren, Erfinder und Nobelpreisträger waren einfache Bauern. Und Intelligenz und kulturelle Entwicklung mögen auch mit dem Fischkonsum (essentielle Fettsäuren) zusammenhängen, der in küstenreichen Gegenden nun einmal typischerweise höher ist. Also spielt wahrscheinlich die Geographie eine größere Rolle als die Gene. Deren willkürliche Selektion ohnehin eine maßlos unmenschliche Hybris ist. Und die Fern- und Feinsteuerung an langen staatlichen und bürokratischen Hebeln muß noch mehr scheitern: Kybernetik und Hebelgesetze gelten nun einmal wirklich.

Ich würde mir wünschen, daß die Richtungs- und Begründungskämpfe aufhören und wieder das Gemeinsame hervorgehoben wird: die Freiheitsfreude. Der eine ist für dies, der andere ist für das - und es macht auch schon einmal Sinn, sich gegenseitig abzuklopfen, was richtiger und besser ist. Vor allen Dingen sollten wir uns aber fragen, was der Freiheit dienlich ist, die sich friedlich leben läßt. Zu überlegen, wo man welche Möglichkeiten sieht, Aggressoren und Fremdbestimmer zurückzuweisen. Und vor allem Zeugnis dafür abzulegen, wie schön es es, Freiheit genießen zu können und sich dabei auf rechtmäßige Vollzüge zu beschränken. Und auch Christen sollten nicht Gott spielen und meinen, seine Rechte mit Gewalt verteidigen zu müssen. Gottes Rechte kann kein Mensch berühren. Vielmehr hat Gott die Menschen in ihre Rechte und in ihre Freiheit eingesetzt. Es gefiel ihm, um den Preis von Sünde und Unvollkommenheit, die Menschen freie Geschöpfe sein zu lassen. Selbst die Engel des Allmächtigen sind frei auch zu fallen und sich von Gott abzuwenden, ja ihn zu bekämpfen. Und obschon unvollkommen, ist der Mensch erlöst. Man muß das nicht glauben, aber man kann die Bibel nicht einfach als Märchen abtun: Sprachwissenschaftler und viele Schriftsteller vermögen Dichtung wohl zu unterscheiden. Ich - für meinen Teil - halte die Existenz Gottes schlichtweg für wahrscheinlicher als eine Nichtexistenz. Und Glaube und Vernunft? Am Ende glauben wir nur, daß wir vernünftig sind, ja glauben vielleicht nur, was wir ach so sicher sehen, messen und wiegen. Vielleicht ist alles Einbildung, reiner Glaube. Sicher aber ist das Materielle auch nur Energie, Gehalt, Nichts - und hat doch Gestalt. Glauben wir wenigstens. Den Glauben zu diskreditieren ist nicht sehr materialistisch.

familienwehr, am 28. April 2008 um 15:17 ( Link )

Der Vergleich des Silicon Valley mit Deutschland ist der Vergleich von Äpfeln mit Birnen.
Wie sich homosexuelle/kinderlose Lebensentwürfe in der Gesellschaft auswirken, hängt ausschließlich damit zusammen, inwieweit die Konsequenzen dieser Lebensentwürfe kollektiviert werden:
Im Silicon Valley gar nicht, in Deutschland fast vollständig über die umlagefinanzierten Sozialsysteme.
Wie groß die politische Macht der Kinderlosenlobby ist, die naturgemäß überproportional durch Homosexuelle repräsentiert wird, ist in einem Staat wie den USA unbedeutend, weil dort jeder für Folgen und Risiken seiner Seinsgestaltung selbst aufzukommen hat. In den USA hat das Subsidiaritätsprinzip noch Bedeutung.
In Deutschland ist es der Kollektivierung des „Demographischen Wandels“ gewichen, der seine Ursache in der sagenhaften „Vermehrung der Alten“ hat.
Die USA-Regierung ist über die Sozialordnung nicht vom Wähler erpressbar, in Deutschland funktionieren Wahlen seit 50 Jahren ausschließlich über schuldenfinanzierte Wahlversprechen, die das Sozialsystem auf Kosten der nächsten Generation aufblasen.
Hier kommt der Glaube ins Spiel: Ein durch den christlichen Glauben gesetztes Wertefundament verbietet ein Leben auf Kosten des Nächsten und der nächsten Generation.
Der lebensverachtende Gender-Sozialismus in Deutschland greift massiv das liberale Recht an und zerstört mit dem Wertefundament die Familie.
Das ist ein so massiver Angriff auf die Freiheit, das „unmoralisch“ ein schwacher Ausdruck dafür ist.
Ob Sexualität und Religiosität zum Fluch oder Segen für die Freiheit werden, ist also abhängig vom politischen System.
Die USA werden nach der Finanzkrise aufstehen wie Phönix aus der Asche, Deutschland dreht nach Abzug der freiheitsichernden Besatzer nun zurück in Richtung Sozialismus.

LePenseur, am 28. April 2008 um 17:30 ( Link )

@familienwehr:
Die USA werden nach der Finanzkrise aufstehen wie Phönix aus der Asche ...

Warten wir's ab! Wie schon Mark Twain einst so treffend sagte: „Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen.“

Dagny, am 28. April 2008 um 22:28 ( Link )

Hat sich der Kapitalismus wirklich erst so spät entwickelt? War das Römische Reich lange Zeit nicht für römische Bürger nicht a) kapitalistisch und b) liberal?

Den Religionen und Göttern der unterworfenen Völker gegenüber war Rom, so mein Schulgeschichtswissen, sehr tolerant gegenüber, im Zeitalter der Republik. (bzw. solange der Kaiser später als Gott anerkannt wurde).

Und in der Blogospäre war letztens von einer Gross-Mühle zu lesen, in der am Ende des römischen Reiches Mehl in (kapitalistischer) Massenproduktion gemahlen wurde.

Nicht umsonst sprechen wir heute noch von 'römischem Recht' - Rechtssicherheit, ein wesentliches Merkmal eines liberalen Staates, scheint es damals möglicherweise auch gegeben haben.

Robert Grözinger, am 29. April 2008 um 7:36 ( Link )

@ JKG:
Die Chinesen haben bis ins hohe Mittelalter hinein tatsächlich praktisch alle Erfindungen der Europäer vorweggenommen (bzw., manche dieser Erfindungen wurden von den Europäern kopiert). Die Frage ist aber: Warum nutzten die Chinesen diese Erfindungen nicht, oder entwickelten sie nicht weiter, wie die Europäer. Rodney Stark zitiert den Wisssenschaftshistoriker Joseph Needham, der "den Großteil seiner Karriere und viele Bände der Geschichte der chinesischen Technologie widmete." Needham kam zum Schluss, dass dieses Versagen der Chinesen auf deren Religion zurückzuführen ist, "auf das Unvermögen der chinesischen Intellektuellen, in die Existenz von Naturgesetzen zu glauben, weil 'nie die Vorstellung eines göttlich-himmlischen Gesetzesgeber entwickelt wurde, welcher der nichtmenschlichen Natur eine Ordnung auferlegte.'" (Rodney Stark, The Victory of Reason, Seite 17).
Über Japan weiß ich nicht allzuviel, aber ich weiß, dass Japan derzeit ebenso von Überalterung bedroht ist wie Europa.

@ Dagny:
Im römischen Reich gab es tatsächlich kapitalistische Ansätze – für römische Bürger. Aufgrund aber der Vielzahl an Sklaven erübrigte sich die Suche nach Arbeitskraft sparenden Technologien. Freiheit war ein Privileg, kein Recht. Das kam erst mit dem Christentum, dessen Vertreter dafür sorgten, dass die Sklaverei in Europa im 10. Jahrhundert weitgehend abgeschafft war. (Leibeigenschaft ist etwas anderes. Leibeigene hatten weit mehr Freiheiten als Sklaven.) Es gab in der Römerzeit eine Toleranz gegenüber Religionen, aber die allein garantiert keine individuelle Freiheit oder gar Kapitalismus, zumal den meisten dieser Religionen ein zirkuläres Weltbild zugrundelag und sie von einem eher irrationalen Pantheon bevölkert waren.
Die römischen Straßen übrigens, die oft als Zeichen technischen Fortschritts gedeutet werden, dienten in erster Linie der militärischen Sicherung des Reiches und dem Transport von Beutegut und ägyptischem Getreide nach Rom. Kurz nach dem Fall Roms entwickelten die Europäer Hufeisen und Pferdegeschirr. Sie hatten den Anreiz, diese und andere Technologien zu entwickeln und zu nutzen, weil das gefräßige und bürokratische Monster Rom verschwunden war. Erst dann konnten Pferde für den Gütertransport und in der Landwirtschaft eingesetzt werden, was die Produktivität enorm erhöhte und Europa vom afrikanischen Getreide unabhängig machte – aber die römischen Straßen, die für den Fußmarsch gebaut worden waren, unbrauchbar machten. Sie waren für Pferde zu steil, zu schmal (für Pferdewagen) und zu steinig.
Die Sache mit der Großmühle interessiert mich allerdings. Haben Sie da einen Link?

Nachtwächter, am 29. April 2008 um 8:13 ( Link )

"Und warum hatte sich ausgerechnet in Europa seit dem frühen Mittelalter ein Kapitalismus entwickelt, der diesem Weltteil um das Jahr 1500, spätestens um das Jahr 1600 (also noch vor der „Aufklärung“) einen riesigen technischen Vorsprung verschaffte, mit dem es ihm ein halbes Jahrtausend lang möglich war, praktisch die ganze Welt zu beherrschen? Reiner Zufall?"

Mein sehr bescheidenes Wissen um Geschichte und insbesondere die Geschichte des Kapitalismus im frühen Mittelalter vorausschießend, möchte ich fragen, ob hier nicht die Renaissance vergessen wird, die - beginnend im 14. Jhd. - doch gemeinhin als Ursprung der Aufklärung verstanden wird. Mit der Renaissance ging aber gerade die Abkehr von einem theozentrischen Weltbild einher.

Frank Martin, am 29. April 2008 um 8:32 ( Link )

Großmühle von Barbegal

Dirk Friedrich veröffentlichete im Februar etwas zu diesem Thema:
http://erzliberal.blogspot.com/2008/02/das-ende-der-geschichte-und-rmischer.html

dagny, am 29. April 2008 um 9:30 ( Link )

@Robert Groezinger

Ich hatte den von Frank Martin geposteten Blogeintrag im Kopf.

JKG, am 29. April 2008 um 10:12 ( Link )

@Grözinger
Mit diesen Einwänden habe ich gerechnet.

China: Auch im Taoismus findet man eine Vielzahl von freiheitlichen Ideen, sogar bezogen auf die Staatsführung. Schaut man sich China an, so wird man sehen, daß dessen Landschaften in großen Teilen unwirtlich sind und die Masse der Bevölkerung sich in zugänglichen Küstengebieten niedergelassen hat. Dies begünstigte einen Zentralstaat, der in seiner Geschichte sehr bürokratisch war. Zentralstaat und eine extreme Bürokratie halte ich als Grund plausibler als einen fehlenden Monotheismus. Während bei Needham der Taoismus und der Konfuzianismus verantwortlich für die Stagnation der chinesischen Gesellschaft in der Geschichte verantwortlich war, liest man heute wieder verstärkt über die positiven Züge der Konfuzianismus in Bezug auf den aktuellen Wirtschaftsboom in China. Und das ist ein ganz wichtiger Punkt den man verstehen muss. Die Religion wird wieder verstärkt als Treibfeder der wirtschaftlichen Entwicklung dargestellt, da man den offensichtlichen Punkt, nämlich die wirtschaftliche Freiheit gerne in den Hintergrund rückt. Das bei diesem Spiel sogar die libertäre Avantgarde mitmischt, ist sehr traurig.

Japan: Da die japanische Sexualmoral wesentlich ältere Wurzeln als die jüngsten demographischen Probleme hat, wird es nicht an dieser liegen. Die Zusammenhänge zwischen Demographie und Sexualmoral sind schwächer als Du annimmst. Zwar kann man beobachten, daß religiösere Menschen mehr Kinder bekommen, ich halte aber den direkten Zusammenhang für schwächer als andere. Der Verbindung zwischen Wohlstand und Geburtenrate ist m.E. wesentlich plausibler bzw. stärker. Je niedriger der allgemeine Wohlstand einer Bevölkerung desto höher ist die Geburtenrate, man kann sogar in einzelne Bevölkerungsschichten reingehen und sieht diesen Zusammenhang. Wenn man noch tiefer in das Thema einsteigt, dann wird man sehen, daß es sogar mit dem Bildungsgrad der Frau zusammenhängt. Je höher die Bildung der Frau, desto niedriger die Geburtenrate. Das kann man bedauern, aber konservatives Lamentieren über die Entwicklungen in der Postmoderne bringt uns nicht weiter. Übrigens wären die USA auch von Überalterung bedroht, wenn die keine Einwanderung aus dem ärmeren Süden hätten. Die Geburtenrate der WASP-Frauen liegt nur geringfügig über der europäischen Geburtenrate. Da Einwanderung in Japan fast nicht existent ist, macht das Problem der Demographie um so kritischer.

Isidor Rattenhuber, am 29. April 2008 um 14:27 ( Link )

Liberalismus-kompatibel ist ohnehin nur der Buddhismus!

gladstone, am 29. April 2008 um 14:39 ( Link )

Der entscheidende Faktor in Europa war sicher das Fehlen einer Zentralgewalt und das Vorhandensein miteinander konkurrierender territorialer Einheiten. Wäre Europa zu einem einzigen christlichen Großreich unter der Führung der römischen Kirche verschmolzen gewesen, hätte es diesen Fortschritt sicher nicht gegeben.

China besaß im 15 Jahrhundert die größte Seemacht der Welt. Die Entscheidung eines Monarchen genügte, um der Eroberung der Meere ein Ende zu setzen. In Europa konkurrierten Spanier und Portugiesen, später Engländer und Franzosen. Durch diesen Wettbewerb befand sich jede Europäische Macht unter dem Druck sich der modernen Entwicklung anzupassen oder von den anderen ausgestochen zu werden.

In Japan wurde die Anwendung von Waffen mit Schießpulver einfach verboten. In Europa mußte sich jede Macht die moderne Militärtechnik aneignen. Vorurteile gegen den technischen Fortschritt konnte sich auf die Dauer keine Macht leisten.

Es war also eigentlich das "darwinistische Prinzip" das Europa so weit nach vorne katapultierte.

Heute werden wir dasselbe Phänomen im Bereich der Genforschung erleben. Wir mögen dem gegenüber moralische Vorbehalte haben. Aber irgendwo auf der Welt wird es immer einen Staat geben, in dem diese Forschung erlaubt ist. Und dorthin werden sich die Wissenschaftler wenden.

Daraus kann man Schlussfolgerungen ziehen, ob eine moderner europäischer Superstaat genauso zukunftsfähig ist wie die europäische Vielmächtezivilisation.

LePenseur, am 29. April 2008 um 15:53 ( Link )

Heute werden wir dasselbe Phänomen im Bereich der Genforschung erleben. Wir mögen dem gegenüber moralische Vorbehalte haben. Aber irgendwo auf der Welt wird es immer einen Staat geben, in dem diese Forschung erlaubt ist. Und dorthin werden sich die Wissenschaftler wenden.

Ganz richtig. Und deshalb werden wir uns auch an der Züchtung des neuen Menschen beteiligen. Was die Nazis stümpernd nicht zuwegebrachten, wird das darwinistische Prinzip des Shareholder-Value schaffen.

Schöne neue Welt, die solche Bürger hat ...

Dagny, am 01. Mai 2008 um 21:40 ( Link )

Beim erneuten Lesen des Titels 'Glaube versetzt Berge' kommt mir ein Schaudern.

Verlassen sich Liberale jetzt auf Glauben statt Wissen?

Bauer Gerhard, am 02. Mai 2008 um 6:23 ( Link )

20 junge Männer setzen heute die Theorie in die Praxis um:
www.ungebeten.de.

Bitte machen Sie diesen Beginn der Konservativ-Subversiven Aktion um 8.00 Uhr per ePost überall bekannt.

Danke und Gruß!
Götz Kubitschek

Haunebu III, am 04. Mai 2008 um 10:55 ( Link )

Ich stoße auf die Zukunft. UI - Bald EU mit Russland? Krieg gegen Rußland mit der Nato? Schneller kämen wir nicht zur EUDSSR. wer hätte das gedacht. Pravda regierte promt. Soviel zu Glaube und wirklichkeit.

Bitte selber lesen. Glaube versetzt Berge:http://politikglobal.blogspot.com/2008/03/nato-bereitet-krieg-gegen-russland-vor.html

Robert Grözinger, am 05. Mai 2008 um 13:15 ( Link )

@ JKG 13:

Was Du zu China sagst, mag alles stimmen, aber es erklärt nicht, weshalb wirtschaftliche Freiheit in Europa erst nach Einführung des Christentums entstand und nicht vorher. Nur Zufall?

Zu Japan: Die Demographie ist in der Tat ein schlechtes Beispiel für ein Anzeichen gesellschaftlichen Verfalls. Ich könnte mich darauf zurückziehen, zu sagen: Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber das wäre billig. Japan ist ein Land, in dem das Leben, so weit ich weiß, immer noch von recht unflexiblen Bräuchen und Ritualen bestimmt wird, die ebenfalls eine alte Tradition haben. Kann es sein, dass die japanische Gesellschaft, geschützt durch ihre Insellage, ein ganz eigenes Gleichgewicht gefunden hat, das eine lockere Sexualmoral zulässt, ohne zu zerfallen?


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