21. Dezember 2007

Das Wunder des Kapitalismus Frohe Weihnachten aus Grevenbroich!

Ein kleines Gleichnis zum Jahresabschluss

Gestern morgen musste ich mal wieder zur Behörde. Mit dem Amt hatte ich in diesem Jahr viel zu tun. Ich hatte einen Termin: 10.30 Uhr. Um 10.25 Uhr trat ich ein. Sechs Beamte saßen in ihrem Großraumbüro – sie plauderten miteinander. Keiner von ihnen arbeitete. Ich war bei Frau X angemeldet. Freundlich grüßte ich. Etwas unfreundlicher schickte mich Frau X wieder vor die Türe: „Sie haben den Termin um 10.30 Uhr. Bitte warten Sie draußen, ich rufe Sie dann herein!“ Ich wartete. Aus dem Großraumbüro drangen Scherze und eine vorweihnachtliche Behördenstimmung nach außen. Um kurz nach 10.30 Uhr rief Frau X heraus: „Herr Lichtschlag, Sie dürfen reinkommen!“

Gestern Abend rief mich Herr Y an, bei dem ich in diesem Jahr ebenfalls ein guter Kunde war. Er führt einen kleinen Familienbetrieb. Er fragte, ob er um 19 Uhr ganz kurz vorbeikommen dürfe, er habe da noch etwas für mich. Abends kam er und überbrachte einen reichhaltigen sehr schönen Geschenkekorb für mich und meine Familie – mit bestem Dank für die gute Zusammenarbeit in diesem Jahr und guten Wünschen zu Weihnachten und für das neue Jahr.

Vermutlich ist Frau X ein genauso netter und lieber Mensch wie Herr Y. Politische Systeme fördern jedoch unterschiedliches Verhalten. Der kalte Sozialismus der Monopolbehörde ließ Frau X den menschlichen Anstand verlieren und degradierte mich vom gern gesehenen Kunden zu einem lästigen Bittsteller. Privateigentum, Selbstverantwortung und die Konkurrenz im Kapitalismus veranlassten Herrn Y, mich nach allen Regeln herzenswarmer Mitmenschlichkeit zu beschenken.

Das Wunder des Kapitalismus macht aus fremden Menschen Freunde. Was den Sozialismus betrifft: Sein wahres Gesicht kann einjeder mühelos auf dem Postamt oder auf öffentlichen Toiletten erblicken. Das eigentliche Wunder ist hier, dass immer noch die meisten Menschen auf seine leeren Versprechen hereinfallen. Vielleicht ist der Sozialismus doch eine Art Geisteskrankheit – wie sonst soll man seine Anziehungskraft noch erklären?

Auch vor diesem Hintergrund wünsche ich allen Lesern besinnliche Weihnachtstage, einen guten Rutsch und vor allem Kraft und Gesundheit im neuen Jahr!


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Mehr von André F. Lichtschlag

Über André F. Lichtschlag

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige