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Wolfgang Wippermann: Stalins Mann in Berlin

von Stephan Waitz

Über einen zweifelhaften Chefhistoriker von ZDF und „Bild“-Zeitung

Jetzt kennt ihn jeder, „den Professor“. Wolfgang Wippermann bereitete die Rolle des unangreifbaren Anklägers beim Schauprozess gegen Eva Herman vor dem Gericht Johannes B. Kerners sichtbar Freude.  Zwei Tage später interviewte ihn die „Bild“-Zeitung, um sich und ihren Lesern noch einmal von allerhöchste Stelle erklären zu lassen, warum „Autobahnen nicht gehen“. Die „Bild“-Überschrift: „Darum ist es so gefährlich, Hitlers Autobahn zu loben“. Das hatte zwar niemand getan, aber auch das spielt in Zeiten wie diesen keine Rolle.

Wer ist nun dieser „Faschismusexperte“ Wolfgang Wippermann? Der Berliner Historiker arbeitet seit Jahren eng mit der „antifaschistischen“ Szene zusammen. Mit zahlreichen Autoren aus diesem Dunstkreis publizierte er im vom Verfassungsschutz als „linksextrem“ eingeschätzten Konkret-Verlag des Kommunisten Gremliza ein Buch mit Kritik am Schwarzbuch des Kommunismus. In diesem hatten französische Historiker um Stéphane Courtois die Grauensgeschichte des Kommunismus detailliert aufgezeichnet und festgestellt, dass die Opferzahlen des roten Sozialismus mit mehr als 100 Millionen Toten jene des braunen Terrors bei weitem noch übertreffen. Reinhard Mohr schrieb 1998 im „Spiegel“ in seinem Artikel „Die Wirklichkeit ausgepfiffen“ folgendes: „Schon auf der tumultuösen Berliner Veranstaltung warnte Wolfgang Wippermann, Historiker an der Freien Universität, vor den Folgen dieser Lektüre, die ‚eine ermüdende Reihung von Mordgeschichten’ biete. Im ‚Neuen Deutschland’ konzedierte er, dass die Bilanz der Regime in der Sowjetunion, China, Kambodscha etc. zweifellos grausig sei, doch müsse gefragt werden, ‚ob es sich hier wirklich um kommunistische bzw. sozialistische Systeme gehandelt hat’. Nach einer kleinen, aber feinen Zitatfälschung, mit der er Courtois drei Buchstaben unterjubelt – als habe dieser von ‚nur’ 25 Millionen Opfern der Nazis gesprochen –, kommt Wippermann zum eigentlichen Thema: Das Schwarzbuch betreibe die ‚Dämonisierung des Kommunismus’“

Ein Student Wippermanns in Berlin schreibt in einem Internetforum, er „hatte mal ein Semester Faschismustheorie bei Wippermann. Es war unglaublich, wie er über seinen Doktorvater Ernst Nolte hergezogen hat. In jeder Stunde musste er mindestens drei mal Bemerkungen wie ‚mein furchtbarer Doktorvater sagt ja..., aber der hat ja sowieso nicht alle Tassen im Schrank’ fallen lassen. In der Öffentlichkeit äußert er sich dagegen immer sehr vorsichtig zu Nolte und seinen Thesen. Dieser ‚ausgewiesene Fachmann’ ist ein Drückeberger und Nachtreter mit Minderwertigkeitskomplex – und überzeugter Kommunist ist er auch, gar kein Zweifel.“

In einem seiner Beiträge im Antischwarzbuch unter der Überschrift „Der nekrophile Antikommunismus der ‚aufgeklärten Linken’“ wertet Wippermann die Gegnerschaft zum Kommunismus als „pathologisch“. Auch Eva Herman attestierte der vermeintliche Chefdoktor vor Millionenpublikum eine krankhafte „Verfolgungspathologie“.

Immer schon war er dabei, wenn es um die Verfolgung Andersdenkender ging. Zuletzt auch gegen den Kölner Kardinal Joachim Meisner. Im Deutschlandradio Kultur sagte Wippermann über Meisner, der sträflicherweise das Wort „entartet“ benutzte wie Eva Herman das Wort „Autobahn“: „Das ist Kulturkampf und das ist fundamentalistisch. Einen nationalsozialistischen Propagandabegriff darf man einfach nicht gebrauchen. Das geht nicht.“ Einmal warm geredet fügte der Hobby-Ankläger hinzu: „Meisner ist ein Mehrfachtäter.“ Der Kardinal habe „eine fatale Nähe zu Äußerungen von Ayatollahs und islamistischen Extremisten“. Dann droht Wippermann: „Hier wird ein Kulturkampf geführt und wenn sie einen Kulturkampf haben wollen, dann sollen sie ihn bekommen. Wir müssen sehen, wo die Grenzen der Toleranz sind! Wir müssen etwas schärfer hier umgehen. Das geht nicht. Auch ein Kardinal hat sich unserer Ordnung zu beugen.“

Wolfgang Wippermann geht es um eine Art Beugehaft für Andersdenkende. Auch im „Fall Hohmann“ gab der Chefankläger gerne ein Interview, damals der „Netzeitung“. Wippermann wiederholte dort die Lüge, Hohmann habe „die Juden als Täter“ hingestellt. Genau das hatte er nicht getan [ef berichtete ausführlich]. Wie sich die Debatten gleichen. Auf die Frage, ob Hohmann „sich als Antisemit geoutet“ habe, antwortete Wippermann knackig: „Ja, das hat er!“

Hohmann ging es wie dem Schwarzbuch darum, der geschichtlichen Wahrheit gerechter zu werden als es die regierende Politische Korrektheit erlaubt. Auch Hohmann verglich den Bolschewismus mit dem Nationalsozialismus. Das ist es, was einen wie Wippermann erst richtig aggressiv werden lässt: „Das geht einfach nicht!“

Auf die Frage, ob die CDU im „Fall Hohmann“ angemessen reagiert habe, antwortete Wippermann:  „Nein, keinesfalls. Es war ein ganz entscheidender Fehler und ein falsches Signal, dass Hohmann nicht sofort aus der Fraktion und der Partei ausgeschlossen wurde.“

In einem Interview mit der „Deutschen Welle“ über den 8. Mai erklärte Wippermann einmal freimütig: „Ich muss sagen, dass Geschichte eben nicht nur das ist, was geschehen ist als historisches Ereignis, sonder auch das, was daraus gemacht wird. Also Geschichte ist Geschichte und Geschichtspolitik.“

Auf der bereits erwähnten Pressekonferenz 1998 bei der Vorstellung seiner Antwort auf das Schwarzbuch des Kommunismus fragte Wippermann, wie die „Berliner Zeitung“ berichtete, besorgt das Publikum: „Dient nicht jede Erforschung des kommunistischen Terrors letztlich nur der Verdrängung von Auschwitz und der Schwächung der sozialistischen Utopie?“ Geschichtspolitik an ihrem Tiefpunkt.

Schließen wir mit einer „Provokation“ der „Bild“-Zeitung an den Lieblingshistoriker der ganz großen medialen „Antifa“-Koalition: „Eva Herman sagt, dass man über den Verlauf unserer Geschichte nicht reden kann, ohne in Gefahr zu geraten.“ Wippermanns Antwort: „Absurd falsch!“

16. Oktober 2007

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Kommentare

Friedrich Herberg, am 16. Oktober 2007 um 17:37 ( Link )

Es ist erschreckend, welche Nachtschattengewächse öffentlich alimentiert und uns in den Medien als Experten präsentiert werden.

Christian Klein, am 17. Oktober 2007 um 9:39 ( Link )

Also was Ernst Nolte angeht, desen Thesen sind nun wirklich völlig daneben und kein seriöser Historiker kann wohl damit etwas anfangen. Die Thesen von Wippermann sind aber sicher genauso ein Schmarrn. ;-)

Was Hohmann angeht: den habe ich zwar damals auch gegen den Vorwurf der Presse verteidigt, weil das beanstandete Zitat verfälscht wurde, aber in seiner Rede waren durchaus andere (in der Presse komischerweise ned so stark erwähnte) problematische und mitunter ziemlich krude Dinge, die man entschieden kritisieren müsste als Freiheitsfreund. Den Glauben an Gott mit Moral und Moral mit Religion gleichzusetzen (und damit Atheismus als gemeingefährlich zu etikettieren) ist m.E. einfach nur falsch. Auch besteht ein Unterschied zwischen "normalen" Arbeitslagern und Vernichtungsindustrien wie den KZ's.

Hermann Müller, am 17. Oktober 2007 um 10:19 ( Link )

Eine hohe Anerkennung vor Leuten, die sich mit Zitaten aus der "Bild"-"Zeitung" beschäftigen und gestandene Professoren mit ewig Gestrigen wie Hohmann und Herman vergleichen.
Wer die "Kerner" Sendung gesehen hat weiß, dass das arme Opfer E.H. genau 52min Zeit hatte ihre Thesen im Ansatz zu widerrufen oder sie öffentlich zurückzunehmen. Das tat sie aber nicht. Der Rauswurf erfolgte nach ihrer Redezeit und nur weil die anderen Gäste sonst gegangen wären.

LePenseur, am 17. Oktober 2007 um 11:16 ( Link )

@Hermann Müller:
...gestandene Professoren mit ewig Gestrigen wie Hohmann und Herman vergleichen.
Ewig gestrig sind demanch alle, die nicht mit dem Wind des heutigen Zeitgeistes wehen?

Wer die “Kerner” Sendung gesehen hat weiß, dass das arme Opfer E.H. genau 52min Zeit hatte ihre Thesen im Ansatz zu widerrufen oder sie öffentlich zurückzunehmen.
Was sollte sie zurücknehmen? Was sie nie sagte? Oder das, was sie sagte, obwohl es da eigentlich nichts zurückzunehmen gibt?

Mich beschleicht der Verdacht, geehrter Herr Müller, Sie sind ein Freund von Schauprozessen. Naja, damit wären Sie ja nicht der erste ...

Peter, am 17. Oktober 2007 um 13:13 ( Link )

Also ich habe die Sendung gesehen und auch das Gesprächsprotokoll vorliegen.
E.H. hatte überhaupt keine Zeit vernünftig zu antworten.
Sie wurde ständig mit neuen Zitaten und Vorwürfen überhäuft, wobei z.B. Kerner die Antwort von E.H. an den Historiker Wippermann weiterreicht und indessen den
nächsten Vorwurf vorbereitet.
Der kommt dann auch sofort, nachdem der
Hitoriker fertig ist. Das ist eher ein Kreuzverhör. Fehlt nur noch der Scheinwerfer ins Gesicht.
Die Krönung ist es natürlich, wenn ihr der Herr Wippermann Rassismus unterstellt.
Eine Anklage wegen Verleumdung wäre wohl angemessen.
E.H. wurde ständig genötigt, sich von
den Aussagen, die zur Entlassung führten
zu distanzieren.
Sie verwies auf das schwebende Verfahren und sicher wäre es auch als Eingeständnis der eigenen Schuld gewertet worden.
Sie tat sehr gut daran, auch nach mehrmaligen Versuchen von Kerner, nicht in die Falle zu tappen.
Nur diesem Ziel diente offensichtlich die Sendung, die Auswahl der Gäste und des Historikers spricht ja auch eine deutliche Sprache.

Roger, am 18. Oktober 2007 um 18:22 ( Link )

Im zuge der politischen Machtübernahme durch die s.g. Alt68er kamen auch Hunderte von überzeugten Kommunisten auf öffentlich subventionierte und teilweise sehr Einflussreiche Posten.

Einer der bekannteste dürfte hier das ehemalige Mitglied des KBW (Kommunistischer Bund Westdeutschlands)Herr Trittin (nun Grüne) sein.

Wahr-Sager, am 18. Oktober 2007 um 22:09 ( Link )

Wippermann war mir schon von Anfang an suspekt. Die angeblich "goldenen Brücken", die er zusammen mit Kerner Herman bauen wollte, waren eher "goldene Tücken".
Ziemlich kurios fand ich die Äußerung Schreinemakers, die es schade fand, dass Herman sich weigerte, ihre Unterhaltung mit einem "ausgewiesenen Fachmann" fortzuführen. Er habe sich mehr als drei Gedanken gemacht und war weit davon entfernt, nur zu polarisieren. Ne, is klar, deswegen hat Wippermann ja auch eine Geschichtsstunde abgehalten, die in dem Kontext völlig unnötig und offenbar nur im Interesse des überzeugten Kommunisten war. Desweiteren hat er Herman auch noch eine Verschwörungspathologie unterstellt und sich darüber echauffiert, dass sie von "Gleichschaltung" geredet hat.

Wahr-Sager, am 18. Oktober 2007 um 22:14 ( Link )

Felix Hau, Journalist und Redakteur, hat einen interessanten Brief an Johannes B. Kerner geschrieben: http://www.berzengeschnetz.de/blog/?p=87

anti Wippermann, am 24. Oktober 2007 um 9:17 ( Link )

Wie Wippermann lügt, kann man hier

http://www.youtube.com/watch?v=IFbY-EWwnho

und wie der Kommunismus hinter dem Vorhang aussieht, hier sehen:

http://www.youtube.com/watch?v=kS_Y9o4DYEE

anti Wippermann, am 25. Oktober 2007 um 10:09 ( Link )

Wo bleibt mein Beitrag?

:(

Martin Möller, am 28. Oktober 2007 um 11:38 ( Link )

Wippermann ist tatsächlich ein Krimineller, der gut ins ZDF paßt und sich nicht nennenswert von dem sonstigen Personal dort unterscheidet. Es ist Eva Hermann hoch anzurechnen, daß sie "allein gegen alle" in diese Arena des Gestanks stieg und sich dort achtbar schwieg. Es wird die brd-Medien noch einst gereuen, daß sie sich hier verrechnet haben.

Martin Möller, am 28. Oktober 2007 um 12:21 ( Link )

Von Christian Klein wüßte ich gern einmal, was er an welchen Thesen Noltes bemängelt. Daß kein seriöser Historiker Nolte unterstützt ist zweifellos unwahr, im Historikerstreit und danach hat sich gezeigt, daß sehr viele Historiker weltweit Nolte hoch anerkennen. Er ist einer der bekanntesten und anerkanntesten Historiker der Welt (ja!)

Burkhard Grafenstein, am 31. Oktober 2007 um 13:33 ( Link )

In ihrem Buch setzt sich Eva Herman kritisch mit der Zeit des Nationalsozialismus auseinander:

"Was viele nicht wissen: Unserer distanzierte Haltung zu unseren Kindern steht auch in einem direkten Zusammenhang mit einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, dem dritten Reich... Damit wurden Kinder zum Politikum. Um ihre Erziehung zu nationalsozialistischen Bürgern zu gewährleisten, sollten sie der elterlichen Fürsorge so früh wie möglich entzogen werden. Es gab nur ein Problem: die emotionale Bindung der Eltern an ihre Kinder. So lag es nahe, diese konsequent in Frage zu stellen und zu zerstören." Das Eva-Prinzip, 2. Auflg., S. 140 f.

Schlosser kh, am 05. November 2007 um 18:50 ( Link )

Danke für die Informationen, die man ja leider in den "Gleichgeschalteten" nicht findet.
Danke!

classless Kulla, am 20. November 2007 um 19:21 ( Link )

Wolfgang Wippermann, Agent des Guten...

Ausführlicher wird in diesem Blog in den nächsten Wochen der Zeithistoriker Wolfgang Wippermann behandelt werden, der auf dem 24C3 über Verschwörungstheorien referieren soll. Als Hobbyist, der aus privatem Interesse das gleiche Thema in den letzten...

Jurij Below, am 12. Dezember 2007 um 16:58 ( Link )

Vielen Dank, Herr Waitz! Es gibt bei uns noch vielmehr Stalins Männer und Frauen und nicht nur in Berlin.
Ihr Zitat:
"Dient nicht jede Erforschung des kommunistischen Terrors letztlich nur der Verdrängung von Auschwitz und der Schwächung der sozialistischen Utopie?“

Ist ja hochaktuell. Man kann aber die Sachen umkehren um die Bestrebungen des Holocaustbesorgten richtig zu verstehen:

Dient nicht jede Erforschung des Holocaust letztlich nur der Verdrängung von kommunistischen Terrors bei dem die Geschichte alle Grenzen zwischen jüdischen Täter und jüdischen Opfer werwischt hat und der berechtigte Revision der widersprüchlichen Zahlen und Methoden, die nun als "offenkundigt" proklamiert wurden?

Das auch stickt abgelehntes Vergleich zwischen Holocaust West und Holocaust Ost (sprich GULAG) ist als "Verrat an die Juden" und gleichzeitig als "anti-Semitische(?) eigentlich "antijüdische" (weil nur weniger als 7 % von Semiten wirklich Juden sind) Propaganda bezeichnet.

Noch krasser ein Vergleich vorkommt, wenn man selbst 6 Millionen Opfer akzeptiere, denn in Russland Bolschewiki über 70 Millionen Menschen "liquidiert" haben. Ein pikantes Detail erklärt warum die "organisierten Juden" (so nennt Norman Finkelstein den Macher von Holocaust-Indutrie) nicht gern auch 5 bis 7 Millionen russischen Jüden zu Opfer zahlen wollen. Oder geht dabei um so genannter "Judentransfer" (von Frau Margolina)?
Arme Eva Herman - so naiv und ehrlich meinte sie, dass in Schlagzeilen geratener "Autobahn" und sonstige Dinge nicht zu tum mit der Rede von Martin Hohmann haben. Welcher Irrtum: ohne Falle von Philip Jeninnger, Jürgen Mölleman und Martin Hohmenn wurde auch nie Fall Eva Hermann gegeben.
Jurij Below,
freier Journalisz
EMail: jubelkron@freenet.de


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