18. Januar 2007

Der Silberexperte Reinhard Deutsch

Ein großer Freiheitsfreund ist gegangen

Gestern, am 17. Januar 2007, ist Reinhard Deutsch völlig überraschend im Alter von 71 Jahren von uns gegangen. Er war nichts weniger als der Silberexperte in Deutschland, mit Wirkung und Freunden weit über dieses Land hinaus.

Vor heute ziemlich genau 10 Jahren trafen sich erstmals Libertäre aus dem deutschsprachigen Raum in Köln zu einem „Libertären Forum“, um gemeinsam über Ideen und Strategien zu beraten. Das noch relativ junge Internet führte etwa 30 radikale Freiheitsfreunde zusammen, die sich bis dahin als einsame Exoten fühlen mussten. Im Internet erfuhren sie von den anderen einsamen Streitern. Man diskutierte heiß und schmiedete große Pläne – unter anderem wurde die Idee zur späteren Zeitschrift eigentümlich frei hier geboren.

In Köln trafen sich viele relativ junge Menschen und einige Erfahrenere. Zu diesen Erfahreneren gehörte Reinhard Deutsch. Ich traf ihn in Köln zum ersten Mal – und danach auf verschiedenen Veranstaltungen oder Treffen vielleicht noch acht bis zehnmal.

Er, der schon einige Unternehmen gegründet hatte, war von Beginn an einer derjenigen, an denen wir etwas Jüngeren uns orientieren konnten. Das fiel bei ihm aufgrund seiner sehr freundlichen, sehr humorvollen und stets verbindlichen Art besonders leicht. Dabei war er – obwohl er sicherlich nicht nur mir bald das „Du“ anbot – eher kein Kumpeltyp, sondern einer, der auf seine persönliche Integrität und geistige Unabhängigkeit ganz besonderen Wert legte.

Fast schon legendär ist sein Foto, welches bei seinen ersten ef-Beiträgen stets abgebildet wurde: Reinhard Deutsch mit nacktem Oberkörper beim Segeln. Sportlich-durchtrainiert und persönlich wie geistig ganz besonders unabhängig – fast könnte man sagen, dass er dem Idealbild Ayn Rands entsprochen haben muss.

Lange war sein im Eigenverlag herausgegebenes Buch „Die Geldfalle“ ein Geheimtipp. Im Kopp-Verlag erschien dann vor acht Monaten „Das Silberkomplott“ – und wurde ein Bestseller sogar über die enge Edelmetall- und Libertären-Szene hinaus.

Legendär sind Reinhards lange und intensive Internetdiskussionen etwa mit den sich auf Silvio Gesell berufenden Freiwirten über Zinsen, Geld und Edelmetalle. In seinem Buch „Das Silberkomplott“ hat er die wichtigsten Argumente zugunsten der Sicht der Österreichischen Schule, die er weitgehend teilte, noch einmal zusammengetragen. Gestritten hat er nie persönlich verletzend, sondern immer mit äußerster Wertschätzung für seine Kontrahenten. Auch dies drückt sich in seinem Buch, welches auch ein Vermächtnis ist, aus – wenn er etwa den Gesell-Anhängern bescheinigt, doch immerhin auf dem richtigen Weg zu sein und die besten Absichten zu haben.

Reinhard war keiner, der mit Netz und doppeltem Boden dachte und formulierte. Er wagte sich auch mit unkonventionellen Ideen immer weit vor. Während viele Edelmetallfreunde empfehlen, unbedingt schuldenfrei in die kommende Währungskrise zu gehen, empfahl Reinhard zuletzt in eigentümlich frei das Gegenteil. Die Gefahr einer Deflation sei, so Reinhards Überzeugung, sehr gering. Die heutige Situation sei eben nicht mit den Krisen in den 20er oder 30er Jahren vergleichbar, da die Währungen heute im Gegensatz zu damals jegliche Bindung an den Goldstandard verloren hätten. Deshalb sei in Bälde alleine eine Hyperinflation mehr als wahrscheinlich. Und deshalb solle man konsequenterweise sogar Schulden machen und dafür reale Werte, vor allem eben Silber, kaufen. Mit ein paar Unzen dieses Silbers könne man dann nach der Inflationierung die Schulden zurückzahlen. Ein kühner Plan! Aber wohlbegründet. Typisch Reinhard!

Ähnlich kühn waren seine Pläne, eine private Silberwährung in Deutschland hier und heute einzuführen. Jahrelang warb er dafür, dass sich Jüngere diesem Unterfangen annehmen sollten. Am Ende trug er sich mit dem Gedanken, den steinigen Weg selbst auf sich zu nehmen.

Verwirklicht hat er zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter den Plan, Wertanlagen in Kunst und Silber zu verbinden. Auf den Internetseiten von Bullionart.de sind deshalb nun wunderschöne Kunstwerke und -werte zu finden, die auch ein Stück weit Nachlass von Reinhard an uns alle sind.

Typisch für seine oft unkonventionellen Ideen war auch der Plan, eine neuartige Thermoweste zu entwickeln. Da die Energiepreise und nicht zuletzt die staatliche Ausbeutung darin in Zukunft noch stark zunehmen würden, so Reinhard, müsse doch ein mit eigener Körperwärme beheizter Thermoanzug, versehen mit einem Dollarzeichen oder einer Freiheitsstatue, zumindest für Libertäre ein Verkaufsschlager werden. Er hatte vor, einen Prototyp zu entwickeln und seinen Thermoanzug später über Capitalista zu verkaufen. Vermutlich war er auch mit diesem Plan seiner Zeit weit voraus.

Ich bin sehr glücklich, dass ich Reinhard, seine liebe Frau und im letzten Oktober in München auch seine liebe Tochter persönlich kennenlernen durfte. Mein aufrichtiges Beileid gilt dieser, seiner Familie.

Ein eigentümlich freier und großer Freund ist von uns gegangen. Er wird in eigentümlich frei – und an vielen anderen Orten – eine nicht zu schließende Lücke hinterlassen. Auf zukünftigen Treffen von Edelmetall- oder Freiheitsfreunden wird seine Frage fehlen, mit der er Vorträge stets begann: „Wer hier im Raum glaubt daran, dass Silber wieder Geld wird?“ Die Ja-Antworten wurden mit der Zeit immer zahlreicher. Auch das war fast alleine das Verdienst des Mannes, der wie kaum ein anderer – und immer wohlbegründet – für das Silbergeld geworben hat.

Viel mehr als nur sein Leitspruch bleibt uns also als Wegweiser: „Trust Yourself!“ Danke, Reinhard!
RIP, Reinhard Deutsch!

Internet:

Interview mit Reinhard Deutsch: Das Geheimnis der Schlafvögel

Reinhard Deutsch: Das Silberkomplott


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