Das Interview der Freiheitlichen Jugend - Unnachgiebig – provokant – nervend

Interview mit André F. Lichtschlag

In Denkzettel Nr. 12/2003 (www.freiheitlichejugend.de)

DZ: Hallo Herr Lichtschlag, Sie sind Eigentümer, Herausgeber, Chefredakteur und Autor der libertären Monatszeitschrift eigentümlich frei (www.eifrei.de). Habe ich eine Funktion vergessen?

Lichtschlag: Sätzer, Layouter, Poststelle, Anzeigenabteilung, Sekretär. Immerhin haben wir inzwischen schon die Buchhaltung, das Lektorat und den Internetauftritt ausgegliedert. Bei weiterem Wachstum hoffe ich, auch andere Funktionen professionell auslagern zu können.

DZ: Eine Frage muss ich Ihnen eingangs unbedingt stellen: Könnten Sie uns einmal den Unterschied zwischen liberal und libertär erklären? Handelt es sich um eine bloße Abgrenzung vom Sozialschmusekurs heutiger Liberaler, beispielsweise der FDP?

Lichtschlag: Das Thema wurde zuerst in Amerika aktuell, da dort heute das Wort “liberal” im Sinne von “sozialdemokratisch” oder “links” verwendet wird. Deshalb haben sich die klassisch und/oder radikal Liberalen in “Libertarians” umbenannt. In Deutschland haben wir ein anderes Problem, nämlich dass “liberal” vor allem Dank jahrelanger Verwässerung durch die FDP heute leider für gar keine Meinung mehr steht. Vielmehr wird mit “liberal” oft ein “scheiß egal” bzw. purer Opportunismus assoziiert. Da lag es nahe, dass auch die deutschen wirklich Liberalen das Wort “libertär” aus den USA übernahmen. Hinzu kommt, dass das Wort “libertär” auch neuere anarchistische Tendenzen im Liberalismus mit berücksichtigt und integriert. Vor einigen Jahren hatten den Begriff “libertär” hierzuzlande noch die Anarcho-Sozialisten gepachtet. Heute wird er schon ganz selbstverständlich in vielen Massenmedien als Ausdruck für radikal- oder klassisch- oder anarcho-liberale Ideen benutzt.

DZ: Sie fühlen sich dem Laissez-faire-Kapitalismus verpflichtet, also einer Marktwirtschaft ohne staatliche Einschränkungen. Glauben Sie, dass ein solcher radikal freier Markt funktionieren könnte?

Lichtschlag: Ja! Wenn Sie neugierig sind, lesen Sie das jüngst erschienene Buch von David Friedman: Das Räderwerk der Freiheit. Es werden dort ganz sicher viele der Fragen beantwortet, die Sie sich unweigerlich erst einmal über eine reine Marktgesellschaft stellen.

DZ: Eine Marktwirtschaft ohne Einschränkung hätte doch zur Folge, dass die großen Konzerne den Mittelstand schlucken und es zu Monopolstellungen mit unabsehbaren Folgen kommt. Oder ist der Einwand naiv?

Lichtschlag: Nicht naiv, sondern weit verbreitet und ökonomisch falsch. Nennen Sie mir nur ein dauerhaftes Monopol am Markt! Sie wären der erste, der mir eins nennen könnte. Nein, alle bekannten dauerhaften Monopole sind staatlich garantierte Monopole. Es gibt von Zeit zu Zeit immer mal wieder sehr große Unternehmen. Aber wenn Sie sich die Liste etwa der weltweit 100 größten Unternehmen vor 100 Jahren anschauen, jener Unternehmen, die man damals ähnlich wie heute Microsoft leichtfertig als “Monopolisten” bezeichnete, dann werden Sie kaum ein einziges dieser Unternehmen heute noch unter den Top-100 finden. Und dies ist auch ganz natürlich, da ja alle bekannten Wirtschaftstheorien Monopolgesetzmäßigkeiten erkennen, wonach Monopole dazu neigen, Wucherpreise für geringe Leistung anzubieten. Und dies führt auf Dauer bei wirklich freien Märkten dazu, dass automatisch andere kommen, die eine bessere Leistung zu günstigeren Preisen anbieten. Leider wird der Wettbewerb, der Schlechtes zurück lässt um Besserem Platz zu machen – Schumpeter spricht hier von der schöpferischen Zerstörung des Kapitalismus –, nur zu gerne politisch unterbunden. Da werden dann heute noch Zechen in Deutschland betrieben, die vor 30 Jahren schon nicht mehr konkurrenzfähig und profitabel waren. Da werden dann Steuergelder in diese maroden Bereiche gepumpt, die zuvor aus produktiven Bereichen abgezogen wurden. So entstehen in produktiven Branchen Pleiten und Innovation wird verhindert, um an altem Eisen festzuhalten. Es sind die vielen “Dinge, die man nicht sieht”, wie der große Frédérc Bastiat es formulierte, die also gar nicht erst entstehen können aufgrund staatlicher Eingriffe, die den besonderen Schaden für uns alle ausmachen. Das wird häufig vergessen, etwa wenn neosozialistische Vulgärökonomen Kriege oder Katastrophen zynisch als wirtschaftsfördernd betrachten, da dann ja wieder aufgebaut werden müsse. Es wird aber nur wieder errichtet mit Mitteln, mit Kapital, mit Arbeitszeit, mit denen ansonsten Neues geschaffen worden wäre! So macht uns jede staatliche Wirtschaftlenkung durch die angesprochenen Mechanismen ärmer, was auf freien Märkten weder theoretisch möglich ist noch in der Praxis z.B. im Fall der Monopole je beobachtet wurde.

DZ: Ist Ihnen der Rückzug des Staates nur auf wirtschaftlicher Ebene von Bedeutung? Oder beziehen Sie auch alle weiteren Lebensbereiche mit ein?

Lichtschlag: Ich beziehe alle Lebensbereiche mit ein, auch etwa die Freiheit, Drogen zu konsumieren, meine Meinung sagen zu dürfen oder eine Waffe tragen zu dürfen. Nur weiß ich inzwischen, dass auch diese “bürgerlichen Freiheiten” sich auf die ökonomische Freiheit, also auf das Eigentumsrecht zurückführen lassen. Dort, wo ich wiklich Eigentümer etwa meiner Wohnung wäre, da dürfte ich sagen, was ich will, eine Waffe tragen oder Drogen konsumieren. Mehr noch, dort dürfte ich diese Dinge auch handeln. Nur leider sind wir alle vom Staat teilenteignet.

DZ: Problematisch ist doch wohl, dass der Mensch von Natur aus Eigenverantwortung nur ungern übernimmt. Libertäre sind da wohl eine rühmliche Ausnahme.

Lichtschlag: Eigenverantwortung übernimmt jeder Mensch von Natur aus ganz natürlich. Aber in unserer Rundumbetreuungsgesellschaft wurde den Menschen konsequent aberzogen, Verantwortung zu übernehmen. Das gilt auch etwa für Nächstenliebe, für die ja jetzt das Sozialamt und nicht mehr der Einzelne zuständig ist. Das hat jüngst zu meiner großen Überraschung sogar Wolgang Schäuble sehr richtig erkannt.

DZ: Mit eigentümlich frei haben Sie für die Libertären eine Printplattform geschaffen. In den nächsten Wochen wollen Sie den Kioskvertrieb aufbauen. Glauben Sie, dass die ef für die Masse der Bürger von Interesse sein könnte?

Lichtschlag: Nein, natürlich sprechen wir nur den Teil der Menschen an, der für unkonventionelle, freiheitlich-libertäre Ideen empfänglich ist.

DZ: Die ef bietet Monat für Monat interessante Sichtweisen und Analysen hinsichtlich unserer verstaatlichten Gesellschaft. Was wollen Sie mit der ef erreichen? Hoffen Sie, mit Hilfe der ef eine libertäre Generation erziehen zu können?

Lichtschlag: Meine Hoffnung beruht tatsächlich sehr stark auf der Jugend, der wir Munition geben wollen. Natürlich werden wir nicht die ganze Generation erreichen. Schließlich gab es auch 1968 junge Menschen, die antisozialistisch dachten. Aber eine Kulturrevolution wie 1968 mit ganz anderen Vorzeichen ist schon genau unser Ziel.

DZ: In den letzten 12 Monaten kam es zu ersten vorsichtigen Annäherungen zwischen der ef und der Jungen Freiheit, die ja nun nicht gerade im Verdacht steht, die radikale Marktwirtschaft zu preisen. Andererseits kamen zunehmend konservative Autoren in der ef zu Wort und umgekehrt libertäre Köpfe in der JF. Vereint da der gemeinsame “Feind” oder steckt mehr dahinter?

Lichtschlag: Es gibt unter den Libertären viele kulturkonservativ Denkende. Und unter den Konservativen gibt es einige strukturfreiheitlich Denkende. Da gibt und gab es immer Schnittstellen, die mit einem gemeinsamen starken Feind natürlich sehr deutlich werden. Dennoch gibt es natürlich auch unter den JF-Sympathisanten bzw. Konservativen viele, die mit Freiheit nicht allzuviel anfangen können, die eigentlich ordinäre Sozialdemokraten sind. Und unter den eifrei-Freunden und Libertären gibt es auch einige, die kulturell alles andere als konservativ eingestellt sind. Diesseits dieser beiden anderen Gruppen, also der sozialdemokratischen Konservativen und der kulturprogressiven Libertären, die jeweils von JF und eifrei weiterhin bedient werden müssen, könnte aber an der genannten gemeinsamen Schnittstelle etwas Neues entstehen. Ich habe versucht, das in meinem Artikel für die konservative Theoriezeitscheft “Sezession” näher zu erläutern.

DZ: Nun, in den letzten 3 Monaten haben Sie jedenfalls kein Blatt vor den Mund genommen. Nach dem Tode von Jürgen W. Möllemann, in den Sie viele Hoffnungen gesetzt hatten, forderten Sie die politische Eheschließung von Libertären und Konservativen. Mussten Sie die Telefonleitung kappen oder wurde die Idee eher positiv aufgenommen? Die FJ jedenfalls hat sich sofort auf Ihre Seite geschlagen.

Lichtschlag: Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Sehr euphorisch positiv und vehement ablehnend. Und ich vermute, dass das auf konservativer Seite bei der “Sezession” oder der “Jungen Freiheit” nicht viel anders aussehen wird...

DZ: Haben Sie bei den Reaktionen einen Generationenunterschied ausmachen können?

Lichtschlag: Eine interessante Frage, die ich mir selbst noch gar nicht gestellt hatte. Ja, ich glaube schon. Insgesamt haben wir mit eifrei eine überdurchschnittlich junge Leserschaft. Aber von den Älteren kam doch eine wesentlich stärker positive Reaktion als durch die jüngeren Stammleser, die etwa auch in unserem Diskussionsforum sehr aktiv sind. Bei einigen Jüngeren vermute ich einen Antifa-Reflex, der allen jenen, die ab den 80er Jahren zur Schule gingen, bekanntlich antrainiert wurde. Das hat manch einen schon bei der ersten Erwähnung der Wörter “konservativ” – oder, was noch schlimmer ist: “rechts” – zurückschrecken lassen. Dazu kommt, dass die Älteren vielleicht auch etwas gelassener sind. Da wird dann in einem Nicht-100-Prozent-Libertären schon einmal schneller ein interessanter Gesprächspartner erkannt, statt in ihm gleich den Feind zu erblicken. Wer neu mit solch radikalen Ideen in Berührung kommt, der sieht sich erst einmal als heroischen Kämpfer gegen eine feindliche Welt aus lauter dummen Sozialdemokraten und in heiliger Mission unterwegs. Mit der Zeit wird man dann aber wieder gelassener. Bei mir war es jedenfalls so!

DZ: Insgesamt betrachtet wäre eine Kooperation von Konservativen und Libertären doch eine Symbiose erster Klasse. Die Konservativen überlassen den Libertären die Wirtschaft und die Libertären den Konservativen die Bildung. Jeder für sich wird es wohl kaum schaffen, oder?

Lichtschlag: Eine simple Aufgabenverteilung wäre gerade nicht das dynamisch Neue, welches ich anstrebe. Beim sozialistisch-feministisch-ökofanatisch-antifaschistischen Gegner wurde ja auch keine pure Aufgabendelegation betrieben. Denn heute sind doch fast alle etablierten Politiker gleichzeitig sozialistisch-feministisch-ökofanatisch-antifaschistisch. Es geht darum, etwas neues zu schaffen! Aber Ihre Idee lenkt auf einen wichtigen Punkt hin: Für viele Konservative ist die Wirtschaft keine wichtige Kategorie. Es interessiert sie bisher nicht. Und viele Libertäre interessiert vieles nicht, was mit ökonomischen Theorien nicht greifbar ist. Dabei werden Konservative, die über ökonomische Fragestellungen nachzudenken beginnen, mit ihrer traditionellen und skeptischen Grundhaltung sehr schnell erkennen, dass der Markt das den fehlbaren Menschen angemessene und produktivste System ist. Umgekehrt werden viele Libertäre, die sich mit Fragen jenseits der Ökonomie beschäftigen, etwa mit Fragen der Ästhetik oder der Bildung, feststellen, dass eine kulturkonservative Haltung die ideale Ergänzung zu ihren Marktideen darstellt. Sowohl das konservative Menschenbild als auch die libertären ökonomischen Erkenntnisse kreisen um die unermessliche Verschiedenartigkeit der Menschen, um ihre Fehlbarkeiten und um Eliten, die herausragen.

DZ: Wie war denn die Reaktion der konservativen Kleinstparteien und –verbände, also DP, DSU und FID? Gab es überhaupt eine Reaktion?

Lichtschlag: Nein, das ist auch nicht unbedingt die Zielgruppe der Gedanken. Da werden sich ohnehin viele anschließen, wenn erst einmal ein neues Ideenpaket mit Sprengkraft vorgestellt wird und sich dann entfaltet. Wichtiger wären da erst einmal Multiplikatoren.

DZ: Wie sollte eine solche Symbiose in der Praxis aussehen. Von Ihrer Forderung nach einer konservativ-libertären Partei sind Sie ja schon wieder abgerückt. Wie wollen Sie die geistig-kulturelle Wende herbeiführen?

Lichtschlag: Ich glaube nicht, dass man das komplett planen kann. 68 kam auch erst nach vielen Jahren Vorlauf. Wenn etwa in der populären Musik unsere Themen aufgenommen werden, dann können Sie sicher sein, dass wir uns bereits inmitten der kulturellen Revolution befinden. Erste Zeichen gibt es auch auf diesem Feld bereits, wenn ich mir etwa ein konservatives Musik-Fanzine wie “Zinnober” ansehe. In den USA gibt es etwa bereits heute namhafte Schauspieler und Musiker, die sich zu libertär-konservativen Ideen bekennen. Und welche diese auch etwa in ihren Filmen umsetzen! Denken Sie an Clint Eastwood oder an die Klapperschlange, Kurt “Snake Plissken” Russel. In wenigen Tagen wird das Buch von Hans-Hermann Hoppe, Demokratie – the God that failed, auf deutsch erscheinen. Und in eineinhalb Jahren wird der hundertste Geburtstag von Ayn Rand eine noch sehr viel größere Welle produzieren, vermutlich mit libertär-konservativen Filmen und mit Musik. Da wird noch einiges kommen! Und dann ist die Frage nach der Partei eher eine nebensächliche.

DZ: Nochmals zurück zur ef. Die FJ hat zur symbolischen Unterstützung der Jungen Freiheit zu Weihnachten einen JF-Kommanditanteil gekauft. Wie können wir die ef symbolisch unterstützen? Vielleicht hat ja noch einer unserer verarmten Studenten Geld für ein ef-Abo übrig. Gibt es in Ihrer radikalen Marktwirtschaft Platz für Vergünstigungen?

Lichtschlag: Ja, auf Anfrage geben wir Studenten und vor allem Schülern Ermäßigungen und suchen auf der anderen Seite nach Sponsoren, die das gegenfinanzieren. Also versuchen wir auch hier, marktwirtschaftliche Mittel einzusetzen. Auch bei uns kann man übrigens Kommanditist werden, ab 1.000 Euro Einlage.

DZ: Lassen Sie uns noch ein wenig über die aktuelle Politik schwadronieren. Auf Grund der wirtschaftlichen Lage unseres Landes und des Staatshaushaltes ist die Bundesregierung zum Sparen und Kürzen verdonnert. Wenn auch nicht aus ideologischer Motivation heraus muss Ihnen das doch gefallen, oder?

Lichtschlag: Mir ist noch keine wirkliche Ausgabenkürzung bekannt! Wirklich gekürzt werden die Staatsausgaben nur, wenn der Staat auch Aufgaben in die privaten Hände zurückgibt. Leider versucht die Regierung aber immer noch, zusätzliche Einnahmen zu erzielen, statt Ausgaben einzustellen. Dabei wird auch Etikettenschwindel betrieben. Wenn etwa bisher Pendler oder Häuslebauer weniger Steuern zahlen mussten als zukünftig, dann wird das als “Ausgabensenkung” bzw “Subventionskürzung” deklariert, obwohl es doch eigentlich mal wieder Steuererhöhungen für bestimmte Gruppen sind. Aber natürlich haben Sie recht, der Staat fährt gegen die Wand – wie etwa die Österreichische Ökonomie das immer vorhergesehen hat. Und nun müssen die Politiker beginnen, abzubremsen, um selbst auf ihren unmoralischen Posten überleben zu können.

DZ: Wenn man sich mal vor Augen führt, wie stark die Bundesregierung für ihre sozialen Einschnitte gehasst wird, muss man ja direkt Angst um Sie und Ihre Forderungen haben.

Lichtschlag: Ehrlich gesagt bin ich auch froh, nicht in einer Großstadt zu wohnen, wo bestimmte Antifascho-SA-Trupps marschieren. Für Gewerkschafter etwa sind wir noch zu wenige, damit deren Trillergesichter vor Wut rot anlaufen. Aber wir arbeiten daran, dass das passiert. Versprochen!

DZ: Andererseits muss man der Vollständigkeit halber ja auch darauf verweisen, dass Libertäre nicht nur soziale Einschnitte vornehmen wollen, sondern auf der anderen Seite auch die Steuern radikal kürzen möchten. Ihr Wirtschaftskonzept käme einer Revolution gleich. Glauben Sie, dass das den Menschen vermittelbar wäre?

Lichtschlag: Eine spannende Frage. Die man nur durch den praktischen Versuch wirklich beantworten kann. Auch daran arbeiten wir.

DZ: Die neueste Idee der Bundesregierung, nämlich die Einführung einer sogenannten Bürgerversicherung, muss Ihnen doch schlaflose Nächte bereiten?

Lichtschlag: Nein, es sind doch nur die letzten Zuckungen des Systems. Ein letzter Versuch, auch hier noch einmal mehr Einnahmen zu schaffen. Das alles wird zusammenbrechen. Allerdings wird das schmerzhaft werden, das stimmt.

DZ: Das HartzIV-Konzept hat mittlerweile den Bundestag passiert. Eigentlich fragt man sich doch, wofür man überhaupt noch in die Arbeitslosenversicherung einzahlt. Wäre es nicht sinnvoll, Arbeitslosenversicherung und auch die Rentenversicherung gänzlich abzuschaffen und den Bürgern die Entscheidung über eine solche Versicherung selbst zu überlassen?

Lichtschlag: Natürlich! Sehr schnell wäre dann auch die Massenarbeitslosigkeit verschwunden, wie wir in unserer aktuellen Ausgabe über Gewerkschaften in zwei Artikeln erklären. Und die Politiker könnten dann nach Hause gehen. Aber welcher Politiker gibt schon gerne seinen Einfluss auf solch wichtige Bereiche – und letztlich seinen Job – freiwillig auf? Seien Sie sicher, die Politik wird sich bis zum Schluss an ihre Pfründe klammern.

DZ: Herr Lichtschlag, ganz zum Schluss nochmals zurück zu Ihrer libertären-konservativen Initiative. Im Rahmen der gesellschaftlichen Arbeit eines solchen Projektes wird die ef sehr hilfreich sein. Was aber ist mit der politischen Ebene? Würden Sie auch hier grundsätzlich Verantwortung übernehmen?

Lichtschlag: Ich bin mit eigentümlich frei mehr als ausgelastet, so dass sich die Frage zumindest auf absehbare Zeit für mich gar nicht stellt.

DZ: Entschuldigen Sie, Herr Lichtschlag, aber das war immer noch nicht die letzte Frage. Jetzt aber unsere Standardabschlussfrage: Seit Jörg Haiders Erfolgen ist in Europa ein neuer Begriff im Umlauf – Freiheitlich. Was verstehen Sie unter freiheitlicher Politik?

Lichtschlag: Ein Synonym für libertär-konservativ. Leider ist Jörg Haider in diesem Sinne in manchen Fragen kein Freiheitlicher.

DZ: Herr Lichtschlag, wir danken Ihnen, dass Sie sich die Zeit für dieses ausführliche Interview genommen haben. Wir wünschen Ihnen und der ganzen ef-Mannschaft weiterhin viel Erfolg, insbesondere für den gerade begonnenen Kioskverkauf.

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