27. November 2020

Unzuverlässige Corona-Tests Polymerase Circus Rotation (PCR)

Ein portugiesisches Gericht sprach vor wenigen Tagen ein Urteil, das hoffentlich auch auf andere Länder Einfluss nehmen wird

von Rüdiger Pötsch

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Bildquelle: Fadhli Adnan / Shutterstock.com Gerichtsurteil in Portugal: Glaubwürdigkeit von PCR-Tests infrage gestellt

Die Bestimmungen über die Delegation ärztlicher Leistungen an nicht ärztliches Personal sind nicht nur in der Bundesrepublik gesetzlich einheitlich geregelt. Entscheidende nicht delegierbare Leistungen sind Anamnese, Indikationsstellung, Untersuchung des Patienten einschließlich invasiver Diagnostik, Diagnosestellung, Aufklärung und Beratung des Patienten, Entscheidung über die Therapie inklusive medikamentöser, invasiver oder operativer Eingriffe.

In unserem EU-Partnerland Portugal ist es kaum anders: Eine medizinische Diagnosestellung ist eine medizinische Handlung, zu der nur ein Arzt mit der Prüfung „Ordem dos Médicos“ rechtlich befugt und „für die er allein und vollständig verantwortlich ist“.

Niemand kann per Dekret für krank oder ansteckungsgefährdend erklärt werden, schon gar nicht aufgrund eines Labortests, der nicht von einem Arzt interpretiert wurde. Andernfalls ist die Grenze zur unrechtmäßigen Berufsausübung überschritten.

Nun sollte man annehmen, dass jeder, der in der Lage ist, „A“ zu sagen, auch mit dem Buchstaben „B“ vertraut ist. So müsste doch insbesondere der in der Bundeshauptstadt Berlin ansässige Berliner Senat mit dem Buchstaben „B“ bestens vertraut sein. Doch wie leicht kann man sich täuschen.

Einerseits antwortet die Berliner Senatsverwaltung auf die Anfrage des Abgeordneten Marcel Luthe, dass PCR-Tests nicht in der Lage seien, eine Infektion im Sinne des Infektionsschutzgesetzes (§ 2 IfSG) festzustellen, und sagt damit klar „A“. Aber der logische Folgebuchstabe „B“ bleibt seltsamerweise im Halse des Senats stecken. Man testet munter weiter, nimmt falsche Ergebnisse in Kauf und buchtet weiter unschuldige Gesunde ein. Die total „hirnrissige“ Begründung hierfür klingt so: weil mit dem PCR-Test das Vorhandensein von SARS-CoV-2-Viren oder deren Bruchstücken nachgewiesen wird. „Das Vorhandensein dieser Viren korreliert [!!!] mit einer Infektion mit diesen Viren. Diese Infektion ist relevant für die Überlegungen zum Infektionsschutz.“

Frage: Wie will ich mit einem nicht vermehrungsfähigen Virus oder dessen Bruchstücken eine Infektion auslösen?

Ist nun „janz Berlin eene Wolke“ oder qualmt es nur im Senat, der möglicherweise nach dem Grundsatz handelt: „Je schwachsinniger eine Argumentation, desto größer die Chance, dass sie geglaubt wird.“

Um zu denen zu kommen, die „B“ denken und sagen können, müssen wir bis nach Portugal fahren: Das portugiesische Berufungsgericht in Lissabon hat am 11. November in einem Urteil zum Ausdruck gebracht, dass es den Covid-PCR-Test für unzuverlässig hält, und hat deshalb auch die darauf begründeten freiheitsberaubenden Maßnahmen aufgehoben. Schon lange gibt es an den von der WHO gepushten Drosten-PCR-Tests erhebliche Zweifel; und vor allem Unverständnis dafür, dass Ergebnisse dieser Tests – wie bei uns – für behördliche Entscheidungen von Quarantäne bis Lockdown herangezogen werden.

Das Gericht bestätigte in seiner Entscheidung vom 11. November das Urteil eines Untergerichts gegen die regionale Gesundheitsbehörde der Azoren. Dieses Untergericht hatte die Quarantänemaßnahmen gegen vier Personen für unrechtmäßig erklärt. Von diesen vier Personen war eine mit einem PCR-Test positiv auf Covid getestet worden, bei den anderen drei Personen ging man davon aus, dass sie einem hohen Expositionsrisiko ausgesetzt waren.

Folglich hatte die regionale Gesundheitsbehörde entschieden, dass alle vier Personen infektiös und gesundheitsgefährdend seien, und die Isolation angeordnet. Eine Vorgehensweise, die wir auch bei unseren Gesundheitsbehörden regelmäßig erleben.

Mit der Bestätigung des Urteils der Vorinstanz gegen die Gesundheitsbehörde bestätigte das Berufungsgericht die wissenschaftliche Ansicht zahlreicher Gesundheitsexperten hinsichtlich der mangelhaften Zuverlässigkeit der PCR-Tests. Weiter schloss das Gericht zum Thema Arztvorbehalt, dass weder vor noch nach der Durchführung der Tests auch nur Hinweise darauf vorlagen, dass die vier Personen von einem Arzt untersucht worden waren.

Sozusagen als „Zugabe“ gab das Gericht einige sehr spannende Überlegungen zur Zuverlässigkeit der Drosten-PCR-Tests zum Besten: „Auf der Grundlage der derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Beweise ist dieser Test nicht in der Lage, zweifelsfrei festzustellen, ob eine Positivität tatsächlich einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus entspricht, und zwar aus zwei Gründen vorrangiger Bedeutung: Die Zuverlässigkeit der Tests hängt von der Anzahl der durchgeführten Zyklen und von der Viruslast (Menge der vorhandenen vermehrungsfähigen Viren) ab.“ Unter Berufung auf Jaafar et al. (2020; https://doi.org/10.1093/cid/ciaa1491) kommt das Gericht zu dem Schluss, dass „wenn eine Person durch PCR als positiv getestet wird, wenn ein Schwellenwert von 35 Zyklen oder höher verwendet wird (wie in den meisten Labors in Europa und den USA) diese Person mit einer Wahrscheinlichkeit von weniger als drei Prozent infiziert ist und die Wahrscheinlichkeit eines falsch (kalt) positiven Ergebnisses 97 Prozent beträgt. Der ct-Wert für Portugal ist derzeit unbekannt.“

Das Gericht fasst folgendermaßen zusammen: „Angesichts der von Experten geäußerten Zweifel an der Zuverlässigkeit der PCR-Tests und in Ermangelung einer ärztlichen Diagnose, die das Vorhandensein einer Infektion oder eines Risikos belegt, kann dieses Gericht niemals feststellen, ob ‚C‘ tatsächlich ein Träger des SARS-CoV-2-Virus war oder ob ‚A‘, ‚B‘ und ‚D‘ einem hohen Risiko ausgesetzt waren."

Hoffentlich werden sich jetzt auch Gerichte in anderen Ländern aufgrund dieses Urteils mit den wissenschaftlichen Grundlagen dieser Entscheidung befassen.

Die Tatsache, dass der Berliner Senat einerseits auf die Anfrage des Abgeordneten Luthe antwortet, PCR-Tests seien nicht in der Lage, eine Infektion im Sinne des Infektionsschutzgesetzes (§ 2 IfSG) nachzuweisen, andererseits aber munter symptomfreie Bürger(innen) weitertesten lässt, zeigt klar, dass nicht jeder, der „A“ sagen kann, auch „B“ sagen kann (oder will?).

„Wie sich körperlich viele für krank halten, ohne es zu sein, so halten umgekehrt geistig sich viele für gesund, die es nicht sind.“ Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799)


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