25. Oktober 2020

„Bayernkönig“ Markus Söder „Gott mit dir, du Land der Bayern …“

„Frei“staat – oder doch schon bald wieder Königreich?

von Rüdiger Pötsch

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Bildquelle: Stefan Brending / Wikipedia.org (Lizenz: Creative Commons CC-BY-SA-3.0 de) Markus Söder: Erleben wir demnächst die Krönungsmesse des „Prinzregenten Luitpold“?

Schon immer habe ich die Meinung vertreten, die Übertragung medizinischer Entscheidungsgewalt über Patienten auf Nichtmediziner sei – besonders dann, wenn diese politische Entscheidungsträger sind – einer der bedenklichsten gesellschaftspolitischen Vorgänge.

Markus Söder hat dies am 21. Oktober 2020 wieder einmal bewiesen. Im Bayerischen Landtag glänzte er mit seinen Reflexionen über die Corona-Politik: Deutschland habe bei der Bewältigung der Pandemie ein „politisch-mentales“ Problem. „Seit Monaten wird das Thema kleingeredet, es wird schöngeredet.“ Es sei aber wichtig, die Pandemie wieder als Herausforderung zu verstehen. Das heißt ganz einfach: Markus, weiter mit der Panik, Markus, heiz ein!

Eine Frage bleibt hier unbeantwortet: Aus welchen Medien bezieht Söder seine Informationen? Seit April hört man Tag und Nacht ein Propaganda-Trommelfeuer aus allen Rohren: Die Regierung begrüßt ununterbrochen die „zweite Welle“, die bis heute auf sich warten lässt. Das Problem „kalt-positiver“ PCR-Tests von „Nichtinfizierten“ und „Nichtinfektiösen“ wird entweder mangels intellektueller politischer Kapazität oder absichtlich (?) nicht erwähnt.

Söder reitet seit Wochen auf der exponentiellen Entwicklung von „Neuinfektionen“ herum, die keine sind und die sich deshalb in ihrer Nichtexistenz auch nicht exponentiell vermehren. Er sollte sich vor einer umgekehrt exponentiellen politischen Abwärtsbewegung in Acht nehmen, die mit einem brutalen Absturz beginnt, der sich – schwacher Trost – gegen Ende der Absturzbewegung etwas abmildert.

Inzwischen ist Jens Spahn positiv getestet worden. Hoffen wir, dass es sich bei seinem Digitalisierungs- und Kontrollwahn nicht um Voranzeigen der Inkubation mit einem auch neurologisch aktiven Virus gehandelt hat.

Laut Söder gibt es nur zwei Möglichkeiten in der Corona-Politik: eindämmen oder durchseuchen.

Die Überlebensrate bei Covid-19-Infektionen hat sich seit Mai auf 99,8 Prozent der Infektionen erhöht. Dies kommt einer gewöhnlichen Grippe nahe, deren Überlebensrate bei 99,9 Prozent liegt. Covid kann schwerwiegende Nachwirkungen haben, aber eine Influenza oder jede andere Atemwegserkrankung auch.

Darüber hinaus gibt es unzählige andere Viren, mit denen wir uns täglich auseinandersetzen müssen. Sollen wir zur Bekämpfung dieser Viren die Bevölkerung ganzjährig „wegsperren“?

Derartige Gedankenspiele zeigen, dass nur „medizinische Vollpfosten“ die Ansicht vertreten können, die staatsdirigistischen Einschränkungen seien „verhältnismäßig und angemessen“. Wenn Söder mit einem Seitenhieb auf andere Bundesländer „Vorsicht und Umsicht statt Leichtsinn und Sorglosigkeit“ anmahnt und hinzufügt: „Corona ist nicht nur eine medizinische Herausforderung, sondern auch eine geistig-mentale", zeigt er überdeutlich seine vorliegende eigene – nicht nur medizinische, sondern auch geistig-mentale – Überforderung.

Seine Forderung nach einer Testpflicht für Berufspendler begründet er mit der Argumentation: „Wer Grenzen offenhalten will, der muss auch für mehr Sicherheit sorgen.“ Parallelen zu seiner Kritik am „Asyltourismus“ sind an dieser Stelle unübersehbar. Aber hier geht es ja nur um Sanktionen gegen die eigene Bevölkerung.

Die dritte Strophe der „Bayernhymne“ in der Urfassung von 1860 lautete:

„Gott mit ihm, dem Bayernkönig! Segen über sein Geschlecht!“


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