13. September 2020

Veränderungen der deutschen Medienlandschaft Die „Alpen-Prawda“ und der neue Faschismus

Über das heutzutage von den Nachfolgern der alten Linken gern verwendete Vokabular

von Rüdiger Pötsch

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Bildquelle: AlSharq1969 / Wikipedia.org Ronen Steinke: Redakteur der „Süddeutschen Zeitung“

Es gab einmal – vor 20 oder 25 Jahren – in München am Fuß der Alpen eine wunderbare Zeitung mit hohem sprachlich-intellektuellem Niveau, mit messerscharfem investigativem Journalismus und mit kristallklarer politischer Analyse. Im Feuilleton dieses Blattes überstrahlten die brillanten Elaborate des Kritikers Prof. Joachim Kaiser die meisten anderen Beiträge. Von Carlos Kleiber bis Daniel Barenboim, von Sergiu Celibidache bis Lorin Maazel strahlten die Sterne der höchsten Interpretationskultur. Und gab es Meinungsverschiedenheiten und Kritik, dann stets in Form von sachlich-konstruktiver, nie verletzender Darlegung.

Ich hatte dieses Presseerzeugnis abonniert, bis ich eines Tages zu der Überzeugung gelangte, dass der Name dieser Zeitung besser von „Süddeutsche“ auf „Alpen-Prawda“ geändert werden sollte. Es hatte nämlich eine merkwürdige Veränderung des verwendeten Wortschatzes stattgefunden: Immer häufiger tauchten in Beiträgen Worte wie „Fremdenfeinde, Demokratiefeinde, Rassisten, Neonazis, Nazis, rechte Hetzer, Rechtspopulisten, Rechtsextremisten, Faschisten, Reichsbürger, Identitäre, Verschwörungstheoretiker und – last, but not least – islamverachtende Antisemiten“ auf. 

Muslimischer Antisemitismus wurde eher selten bis gar nicht thematisiert. Genussvoll ritt man auf den Attentaten von Halle oder Hanau herum, die islamistischen Gräueltaten von Charlie Hebdo oder Bataclan wurden weitmöglichst der publizistischen und politischen Amnesie überantwortet.

Und alles, was mit dem dergestalt veränderten Wortschatz in irgendeiner Weise abzuhandeln war, befand sich rechts, rechts, rechts.

Was war dann links? Tja, man hat – bis heute – den Zeitpunkt übersehen, an dem namhafte Politikwissenschaftler erkannten, dass die alte „Links-Rechts-Polarität“ die gesellschaftlichen Verhältnisse nicht mehr abbildet: So sind die Nachfolger der alten „Linken“ heute die „ökologisch-kosmopolitischen Globalisierer“ und die Nachfolger der bisherigen „Mitte-Rechtsfraktion“ die „wertkonservativen Kommunitären“.

Aber die Nachfolger der alten Linken benutzen lieber (insoweit in alter Tradition) das zitierte „rechtsdiffamierende“ Vokabular. Ein klassisches Beispiel: In der Süddeutschen Zeitung vom 1. September 2020 verbreitet ein Herr Ronen Steinke auf Seite vier unter der Überschrift „Im Feindbild vereint“ seine Sicht der Demonstration gegen die Corona-Beschränkungen vom 29. August 2020 in Berlin:

Seinen ersten Eindruck, dass alles ziemlich durcheinandergewürfelt aussah, „was da Seit an Seit auf das Reichstagsgebäude zugerannt ist am Samstag“, diesen Eindruck nimmt er sofort wieder zurück, um – vermutlich unter Auswertung des Videos im Stil von „Zecke Antifa“ – blitzschnell tief in die sozialistische Mottenkiste des bewährten rechtsdiffamierenden Vokabulars zu greifen. Da müssen natürlich auch unverzüglich „vermeintlich links stehende Impfkritiker“ flugs nach rechts gebeamt werden, damit der Sack, auf den er draufhaut, auch wirklich voll wird.

Nota bene: Die meisten, die in diesem Sack stecken, sind ja gar nicht „Seit an Seit“ auf das Reichstagsgebäude zugerannt, sondern haben friedlich mit circa 40.000 unbescholtenen Bürgern gegen Corona-Maßnahmen demonstriert. Und was machen die jetzt in dem Sack? Sie „versammeln sich hinter einer gemeinsamen Erzählung“. Und was erzählen sie? Ach so, es ist eine „Verschwörungserzählung“. Alles klar!

Erstes Geheimnis aus der „Verschwörungserzählung“:

Die Migration nach Europa werde insgeheim von sehr reichen Drahtziehern gesteuert.

Hierzu die erste Frage an Herrn Ronen Steinke: Wie sieht das Ergebnis Ihrer Recherche zum UN-Migrationspakt aus – vor allem im Hinblick auf dessen Kompatibilität mit dem nach dem Sozialstaatsprinzip gestalteten und formulierten Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland?

Zweite Frage an Herrn Ronen Steinke: Wie beurteilen Sie aufgrund Ihrer Recherche das „EU Resettlement-Programm“ und dessen Auswirkung auf die Europäische Union?

Dritte Frage an Herrn Ronen Steinke: Wie interpretieren Sie die Polemik von George Soros gegen das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das den Transfer von Steuermilliarden nach Brüssel in großen Teilen als verfassungswidrig klassifiziert hat? Welche Motive hat der ungarisch-jüdische „Philanthrop“ George Soros, ein solches Urteil zum soundsovielten Verfassungsbruch Merkels als „Bombe für Europa“ zu kritisieren?

Vierte Frage an Herrn Ronen Steinke: Welche Vorgänge vermuten Sie hinter der Gesetzgebung in Ungarn, nach welcher ungarische Bürger, die illegale Migration finanziell unterstützen, des Landes verwiesen werden können?

Zweites Geheimnis aus der „Verschwörungserzählung“:

Das Feindbild!

Der Feind, „das sind stets Fremde“[…]. „Und zu diesen gehören immer, Überraschung, die Juden“. Die Bürger, die Herr Steinke in seinen Sack gesteckt hat, bekommen gnadenlos seinen Bar-Code auf die Stirn gebrannt: „Es sind Antisemiten. Es sind Rassisten. In ihrer Verschwörungserzählung verbindet sich die Verachtung von Muslimen und die Verteufelung von Juden. Und wer sich nicht erinnern mag, wohin das führt, der blicke nach Halle oder Hanau.“ Nach Paris jedoch nicht?

Aber wie geht das jetzt zusammen? Was passiert, wenn sich Antisemiten und antisemitische Muslime in ihrem Antisemitismus verbinden und sich gleichzeitig wegen islamistischer Attentate gegen Nichtmuslime bekämpfen? Sehen Sie sich vor, Herr Ronen Steinke, dass der von Ihnen einheitlich geschnürte, „im Feindbild vereinte“ Sack nicht plötzlich in die Luft fliegt. Dann müssten Sie Ihren Artikel „Im Feindbild vereint“ mit den Worten „Ins Feindbild verrannt“ überschreiben und sollten über einen Berufswechsel nachdenken.

„Aber wahrscheinlich rechnen Sie selbst schon mit Eruptionen, wenn „ein derzeit in alle Richtungen (!) wachsendes Milieu […] durch den Verschwörungsglauben eng zusammengeschweißt (?) wird“.

Ihr Aufruf an den „wehrhaften Rechtsstaat“, diesem „Milieu“ mit Macht, Manpower und mit klarer Sprache entgegenzutreten, zeigt eigentlich nur allzu deutlich auf, dass der neue Faschismus links steht – pardon: bei den ehemals linken ökologisch-kosmopolitischen Globalisierern.

Für klare Sprache könnten Sie selbst sorgen. Schon aus diesem Grund wäre es besser gewesen, Sie hätten über die Demonstration gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen berichtet! Sie wären hierbei mit Sicherheit ganz leicht ohne das absolut niveaulose, für ein seriöses Presseerzeugnis unwürdige „rechtsdiffamierende“ Vokabular ausgekommen.


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Rüdiger Pötsch

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