18. Juli 2020

Der moderne Genderwahn Love me gender

Kleiner Einblick in die Absurditäten des Genderismus

von Rüdiger Pötsch

Artikelbild
Bildquelle: buabunya / Shutterstock.com Geschlechtsneutrale Selbstumarmung: Politisch korrekte Liebe?

Romeo:
„Oh, sie nur lehrt den Kerzen, hell zu glühn!
Wie in dem Ohr des Mohren ein Rubin,
So hängt der Holden Schönheit an den Wangen
Der Nacht: zu hoch, zu himmlisch dem Verlangen!
Sie stellt sich unter den Gespielen dar
Als weiße Taube in der Krähen Schar.
Schließt sich der Tanz, so nah’ ich ihr: ein Drücken
Der zarten Hand soll meine Hand beglücken.
Liebt’ ich wohl je? Nein, schwör’ es ab, Gesicht!
Du sahst bis jetzt noch wahre Schönheit nicht.“
(Shakespeare, „Romeo und Julia“)

Ist Romeo maskulin, feminin, nicht-binär oder divers?
Ist Julia feminin, maskulin, nicht-binär oder divers?

Soziale Spannungen zwischen Montague und Capulet liegen seit Generationen offen auf der Hand.

Gender Studies behaupten, dass ein kulturfreier und wertneutraler Blick auf die biologischen Strukturen der Geschlechterdifferenz nicht möglich sei. Professor Stefan Hirschauer (Mainz): „Selbstverständlich gibt es körperliche Aspekte der Geschlechterdifferenz. Aber Sie können das nicht als ein Fundament beschreiben, das unabhängig wäre von sozialen Beziehungen, von Geschichte und so weiter.“

Die amerikanische Philosophin Judith Butler radikalisiert diese Sichtweise weiter: „Mann“ und „Frau“ seien ausschließlich soziale Kategorien, die dem Körper erst später ein biologisches Geschlecht einprägten. Die Einteilung der Menschen in Männer und Frauen schaffe eine „binäre Opposition“. Lesben, Schwule, Transsexuelle und Intersexuelle seien aus dieser Ordnung ausgeschlossen.

Der Behauptung, das biologische Geschlecht sei nur eine soziologisch-kulturelle Konstruktion, widersprechen zahlreiche Biologen: Prof. Axel Meyer – Evolutionsbiologe in Konstanz – hält Gender-Forschung für „unwissenschaftliche Ideologie“. Der Kasseler Biologe Prof. Ulrich Kutschera wählt den Begriff „universitäre Pseudowissenschaft“.

Vor diesem Szenario erblüht ein neues Phänomen: Die Illusion, die Realität durch Sprechverbote zu verändern, greift immer stärker um sich. Wichtige Begriffe werden attackiert:

Patriotismus – Habeck: „Vaterlandsliebe fand ich stets zum Kotzen“ –, Kulturbewusstsein – F.-W. Steinmeier: „Die deutsche Sprache ist die Sprache der Mörder" –, innere Sicherheit – H. Yaghoobifarah: „Polizisten gehören auf die Mülldeponie". Und der Sarotti-Mohr wird zur rassistischen Provokation – trotz Shakespeare: „wie in dem Ohr des Mohren ein Rubin, so hängt der Holden Schönheit an den Wangen“.

Ungeachtet dieser sprachpolizeilichen Mainstream-Szene liebe ich neben Shakespeare noch immer die Sprache von Goethe und Schiller. Und: Gerne habe ich als Kind Neger*innen-Küsse oder Mohr*innen-Köpfe genascht, die inzwischen bei einigen Konditoreien als „Merkel-Gäste“ erworben werden können.  

Nicht selten verspeiste ich – und ich tu’ dies auch noch heute – mit Hochgenuss Zigeuner*innen-Schnitzel. Lange Flaschenreihen mit „Zigeuner*innen-Sauce stehen noch immer in den Regalen meines Lieblingssupermarkts.

Seit dem Abschluss meiner Berufsausbildung bin ich als Arzt – wie zahllose meiner Kolleg*innen – mit der Behandlung meiner Patient*innen beschäftigt. Darüber hinaus betreue ich ebenso einige „diverse“ und „nicht-binäre“ Varianten unserer Spezies.

Brauchen wir – angesichts der Genderisten – die „X“- und „Y“-Chromosomen unseres Erbguts noch und können wir die bekannten Chromosomen-Aberrationen in den Orkus werfen? Müssen wir etwa auch die „binäre“ Programmierungssprache unserer digitalen Systeme unter dem Druck der Genderisten aufgeben und verändern?  

Mit diesen Fragen möchte ich mich an dieser Stelle jedoch nicht weiter auseinandersetzen, denn mein Hobby ist die Musik:

So habe ich unlängst den berühmten Elvis-Song „ Love me tender“ für klassisches Symphonieorchester arrangiert und musste bei dieser Arbeit feststellen, dass die Tentakel des Genderismus bis in die hintersten Reihen der Orchesterpulte vordringen. Hierbei kommt die Vielfalt der deutschen Sprache paradoxerweise gerade denen gelegen, die unsere Sprachkultur ansonsten nicht zu schätzen wissen.

Neben dem Gendersternchen muss auch das Partizip Präsens kräftig mithelfen: Da sitzen die ersten Geigenden vor den zweiten Geigenden, die Bratschist*innen neben den Cellist*innen und werden von den Bassgeigenden begleitet. Dahinter spielen die Holzblasenden vor den Blechblasenden, die Paukenden und Trommelnden schließen den Kreis.

Die Zuhörenden müssen in diesem Theater selbst entscheiden, ob sie eher dem Titel „Love me tender“ oder lieber dem Titel „Love me gender“ applaudieren wollen.


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Dossier: Gender Mainstreaming

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Rüdiger Pötsch

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