04. Juli 2019

Auswüchse des Gender Mainstreaming Blick ins Tollhaus?

Was, wenn die Bokumiden kommen?

von Norbert Breuer

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Bildquelle: shutterstock Genderneutrales Klosett: Toilette oder Tollhaus?

Der deutschen Wirtschaft – insbesondere jener Zweige, die sich mit sogenannten „Charme-offensiven“ Schnittblumen und Naschwerk befassen – war die Zeit zwischen Weihnachten und Ostern schlicht zu lang. Unruhig trippelte man auf und ab – dann der Geistesblitz: Fortan vermarktete man den bedeutungsarmen Gedenktag des heiligen Valentinus – er wurde vom Berber-Papst Gelasius zwar 469 eingeführt, 1.500 Jahre später jedoch aus dem liturgischen Kalendarium verscheucht – als Lückenbüßer.

Für die Minne ist er kaum vonnöten, denn man sollte seiner Herzensdame schließlich jeden Tag etwas kredenzen, wofür man im Gegenzug mit einem Ozean von Liebe überschwemmt wird.

Was können wir daraus lernen: Dass man uns von oben mit Kram vollzustopfen sucht, den wir nicht brauchen. Haben wir hier noch einen halbwegs harmlosen Klamauk vor uns, so im Nachfolgenden womöglich ein deutsches Tollhaus.

Gender I – die Sprache

Ich kam jüngst nicht umhin, dem Hessischen Rundfunk zu mailen: „Guten Morgen und guten Morgin! Gerade habe ich mit Genuss den ergreifenden Bericht Ihres ARD-Redakteurs und -redakteurin Clemens(in) Verenkotte gehört. Wie er da mitten in den drohenden Schneemassen und Schneemassinnen tapfer von Soldatinnen und Soldaten von Feuerwehrern und Feuerwehrinnen und Schneepflügen und ‑pflüginnen über sein Mikrofon und seine Mikrofoninnen seine Botschaften und Botschaftinnen zu den Lawinen und Lawininnen hinüberweht zu den hörhörigen Hörerinnen und Hörern Ihres Senderins. Sensationell – so viel unnachahmliches Durchgegendertsein gleich am frühen Morgin. Mir fiel vor Begeisterung die Marmeladin von meiner Semmelin. So, nun muss ich mich sputen, damit ich meine Bussin noch erwische... Mit freundlichinnen Grüßen und Grüßinnen“.

Der hessische Finanzminister/‑in Thomas/ine Schäfer/‑in (CDU) verstieg sich sogar zu „Gemeindinnen und Gemeinden“. Wunderlich, dass darob am meisten Gejohle von eben jenen Parteien gekommen sein soll, die die ganze ideologische Sprach-Tollerei verantworten...

Gender II – die Lehre

Hat man zu viel Armagnac in sich eingefüllt, sind Kopfschmerzen die Folge; so wanken wir zum Apotheker, der gibt uns ein Pülverlein, und wir schlucken es. Bald sind wir wieder frisch und greifen zur nächsten Flasche. Das sieht jeder ein: Eben Ursache (A), Auswirkungen (B), Behebung (C). Insofern ist es bemerkenswert, dass wir in Deutschland mittlerweile eine Behebung (C) haben, die ohne A und B dasteht: 185 Lehrstühle für Genderforschung nämlich. Fast so viele, wie wochenends Bundesligaspieler auf dem Platz stehen. Und gar nicht mal viel billiger. Immerhin zwischen 4.200 und 8.750 Euro pro Monat berappen wir pro Professorin. Sie sollen ausschließlich „weibliche Studierende“ als Lauschende haben.

Vom Asta Bielefeld wurde ein Kurs angeboten, dessen brachialsexuellen Titel ich aus Formgefühl nicht auszusprechen wage. Jedenfalls wurden – wie RTL zu berichten nicht anstand – beispielshalber Masturbationskurse für „Frauen und Transsexuelle“ offeriert.

In Kiel lud der Asta 2018 zu einer Veranstaltung, die „Einblicke in feministische Produktionen, die sex-positive Bewegung und Kriterien für Fair-Porn“ offerierte. Die altehrwürdige Göttinger Georg-August-Universität beehrte sich mitzuteilen, das Männer-Klosett in „Herren/Inter*/Trans*-Toilette“ umgetauft zu haben. Ob des berühmten Göttinger Gelehrten Professor Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) Feststellung „Es gibt Leute, die glauben, alles wäre vernünftig, was man mit einem ernsthaften Gesicht tut“ ausreichend beherzigt wurde, mag dahinstehen. Manch einer wird die Toilette mit Scheu betreten oder doch lieber in den Wald schwengeln.

Gender III – die Praxis

Schauen wir doch mal darauf, was man mit solch einem teuren Studienabschluss nun in der Praxis anzufangen vermag. Wie Heinrich Böll berichtet, soll sich das Naturvolk der Rujuks erstaunlicherweise nicht für Abschlüsse europäischer Hochschulen interessiert haben, sondern bloß für die Fähigkeiten eines Arztes. Nehmen wir einmal an, wir senden eine Diplom-Genderistin namens Vera auf eine entlegene Südseeinsel. Der Häuptling trinkt mitunter über den Durst – wie alle Häuptlinge, auch in Europa –‍, besitzt eine eisenbeschlagene Keule und eine bezaubernd lispelnde Gespielin ohne Büstenhalter. Doch Schluss mit „Born to be wild“. Denn glücklicherweise hat Vera die Gender-Broschüre der Landessuchtstelle Nordrhein-Westfalen in ihrer Rucksäckin, so dass sie mit ihrer Bekehrung zum dressierten Mann sogleich loslegen kann. Wir lesen dar/‑innen – bitte bestaunen Sie das nachfolgende Zitat nur, wenn Sie heute gute Nerven haben, ansonsten sparen Sie es lieber aus: „Gender-Gap- und Gender-Sternchen-Schreibweise“ – „Das allgemein etablierte Geschlechtersystem ist binär, da es von der Existenz zweier eindeutig bestimmbarer Geschlechter ausgeht. Dekonstruktivistische Ansätze in der Geschlechterforschung und die sogenannten Queer-Studies verweisen hingegen darauf, dass die Selbstverständlichkeit dieser Zwei-Geschlechter-Ordnung in Frage gestellt werden muss und vielmehr von einer Vielzahl geschlechtlicher Identitäten auszugehen ist. Insofern gilt es, nicht ausschließlich ‚Frauen‘ und ‚Männer‘ in ihrer vermeintlich eindeutigen bipolaren Zuordnung gleichberechtigt wahrzunehmen,sondern auch jene, die sich nicht in diesem Zwei-Geschlechter-System wiederfinden (wie Intersexuelle, Transgender, Transsexuelle), sprachlich abzubilden. Eine Möglichkeit hierfür bietet die Gender-Gap-Schreibweise (Gender Gap = Geschlechter-Zwischenraum), mit der zwischen der maskulinen und femininen Endung eines Wortes ein Unterstrich eingefügt wird. Die Intention hierbei ist, durch den Zwischenraum Geschlechter und Geschlechtsidentitäten abseits der gesellschaftlich hegemonialen Zweigeschlechtlichkeit darzustellen. ‚Mitarbeiter_innen, Teilnehmer_innen, ein_e Klient_in, der_die Konsument_in, Leser_innenschaft, jede_r Substituierte‘. Der Gender Gap kann auch mit einem Sternchen, als weitere sprachliche Repräsentationsform jenseits des binären Geschlechtersystems, zum Ausdruck gebracht werden. Im Computerbereich wird das Sternchen schon lange als Platzhalter für eine beliebige Anzahl von weiteren Zeichen verwendet. Im queeren Zusammenhang taucht es schon länger vor allem als ‚Trans*‘ auf, um abgekürzt ‚Transgender‘, ‚Transsexuell‘ und ‚Transidentität‘ auszudrücken. ‚Mitarbeiter*innen, Teilnehmer*innen, ein*e Klient*in, der*die Konsument*in, Leser*innenschaft, jede*r Substituierte‘.“

Ich stelle mir nun vor, wie unsere Vera versucht, den Häuptling nebst siiner Fru zu bekehren. Doch Vorsicht: Männer, die aus dem Rausch erwachen, können auf Belehrungen recht unwirsch reagieren – und er hat eine Keule...

Gender IV – die Natur

Ich habe das – heutzutage extravagante – Glück, zuweilen von Kindern umgeben zu sein. Ihre Existenz verdanken sie dem uralten, nicht selten stürmisch-lustvollen Zusammenspiel von Männlein und Weiblein, die die oben erwähnte „Selbstverständlichkeit der Zwei-Geschlechter-Ordnung nicht in Frage gestellt haben“.

Mit den Kindlein spaziere ich gerne zu einem Gemeinde-Spielplatz, den ich aufgrund meiner Steuerzahlungen nach mir benannt habe (wenn Sie mal vorbeikommen: „Norbert-Breuer-Stadion“ – Eintritt frei). Das Mädchen will sich die Fingernägel rosarot wie Mama lackieren, und in die Tanzschule will sie auch. Der Junge ist praktisch seit der Entbindungsstation von Baumaschinen fasziniert und von nichts anderem, außer Salami. Ich habe die beiden befragt, ob sie sich für jenes interessieren, was das Geschwister interessiert. Die Kindlein sahen mich darob vielsagend an, schwiegen zunächst höflich. Dann jedoch stoben sie laut lachend davon.

Ich habe mal ein wenig Biologie studiert und bin mir sicher: Wer die Naturgesetze, die seit mindestens Hunderttausenden von Jahren existieren, auf den Kopf stellen will, wird ihr Opfer. Wir sind dabei, eben dies zu tun. Ob es sich beim besessenen Herumgendern demnach noch um seriöse, sinnhafte Wissenschaft oder puren Klamauk handelt? Die Kommentarspalte unterhalb freut sich auf Ihre Meinung!

Gender V – die Auswüchse

Die These, dass Gott sich bei der Schaffung von Mann und Frau, also von üppigem Brusthaar und prallen Brüsten, doch irgendetwas gedacht haben dürfte, ist offenbar längst überholt. Der Zeitgeist ist bekanntlich unser Götze: Frauen sollen gefälligst boxen, bis die Schwarte platzt, Männer in selbstgehäkelten rosa Trikots kapriziös am Schwebebalken schwingen. Das ist die Zukunft. Aufrichtiger Dank ging schon vor längerer Zeit in die Provinz: Bei der Weihnachtsfeier des Awo-Seniorenkreises in Geinsheim bei Rüsselsheim war – Vorhang auf – erstmals eine „Nikoläusin“ im Einsatz. Die nachvollziehbare Begründung lautete, der Nikolaus selbst habe wegen überbordender Verpflichtungen kurzfristig abgesagt und dafür seine „Frau“ entsandt.

Mit einer „Weihnachtsmännin“ wurde indes noch kaum aufgewartet. Zwar sind zunehmend „Weihnachtsfrauen“ im Einsatz, doch bloß im „Playboy“, mit Strapsen und roten Latex-Handschuhen. Vielleicht könnte man sich ja auf „Weihnachtsneutrinos“ einigen. Auch hier wäre die unentbehrliche Genderforschung am Zuge. Eine Rückfrage bei Frau Professor Dr. Amalie Zick-Nußdorf vom Institut für Zwangsgenderisierung ergab indes zu unser aller Beruhigung, dass man bereits am „Christakind“ arbeite.

Gender VI – die Zukunft?

Anno 1957 – man beachte – schrieb der ehedem vielgelesene, köstliche Literat Kurt Kusenberg eine Erzählung, die aktueller denn je sein mag. In „Leute aus dem Wald“ erfahren wir: Die Raniden, ein heiteres, geschicktes, anmutiges Volk, vertragen sich mit ihren Nachbarn und meiden den Krieg. Sie bauen hübsche Tempel, bequeme Häuser und halten viel auf feine Sitten. Über dieses Volk fallen nun eines Tages urplötzlich die Uburier her, rohe Krieger aus dem Norden. Sie fällen die Männer mit dem Schwert, sie töten die Frauen, Kinder und Greise und verwüsten den Landstrich. Die Uburier genießen fortan ungestört das Leben in jenem sonnigen Land. Sie schwelgen im Wohlstand und versuchen auf tolpatschige Weise, den vornehmen Lebensstil der Raniden nachzuahmen. Mit der Zeit vergessen sie indes ihre kriegerischen Tugenden. Sie werden „raffiniert“ wie Zucker – doch sie verweichlichen dabei auch. Als die Pronter, ein rohes Volk, vor den Toren stehen, leisten die Uburier keinen Widerstand und werden ausgetilgt. Aber auch den Prontern ergeht es nicht besser – ihr Schicksal nimmt den gleichen bösen Verlauf. Auch sie büßen ihre Kampfkraft ein und erliegen schmählich dem Ansturm der wilden Bokumiden.

Gender VII – endlich: die Frauen

Ich habe einige selbstbewusste Frauen in meiner Umgebung befragt: Sie hegen keinerlei Absicht, als „Quotenfrau“ in einen Aufsichtsrat zu wechseln. Sie sind sogar der Meinung, dass es nicht darauf ankommt, was jemand im Slip, sondern was er im Kopf hat. Und wenn sie hier gut sein sollten, fügen sie feixend hinzu, wollten sie natürlich die bestbezahlten Jobs. Finde ich sehr in Ordnung: Kompetenz statt Klamauk. Wenn ich mir alle tief herabgesunkenen Unternehmen anschaue, die signifikanterweise mit „Deutsche...“ anfangen, sollte man vielleicht echt mal das andere Geschlecht ans Ruder lassen.

Insofern mag auch meinem Vogelpärchen mehr Verstand innewohnen als allem Genderplunder: Er ist Männchen, sie ist Weibchen. Von jeher füreinander unverzichtbar. Und beide fühlen sich noch pudelwohl dabei. Wie bei meinen Großeltern: Opa stellte sich auf einen Sockel und zwirbelte sich den Schnurrbart nach oben. Doch wer hatte das Sagen? Na, raten Sie mal.

Falls uns die „wilden Bokumiden“ dereinst wieder heimsuchen sollten – leider ist das für politisch Hellhörige nicht vollends auszuschließen –‍, bliebe auch die Frage, wie sie eher zu besänftigen wären: mit verbissenen Gender-Gap-Schreibweisen oder mittels mildem Winken mit der Keule des Südseehäuptlings...

Na ja, vielleicht bin ich heute etwas zu urweltlich-urwäldlich. Dann werde ich jetzt doch lieber mal spülen. Und mich derweil damit trösten, wie es der „antiautoritären Erziehung“ erging. Von dieser blieb schließlich ja nur mehr eines übrig – ihre verstörten Opfer. Insofern sollte es in Deutschland wohl rechtzeitig einen ersten Lehrstuhl für Anti-Gendering geben – damit es nicht zu einseitig wird. Was meinen Sie, liebe Leserinnen und Leser?

Landeskoordinierungsstelle Frauen und Sucht NRW: „Leitfaden zur Umsetzung einer geschlechtergerechten Sprache in der Sucht- und Drogenhilfe NRW“

Dieser Artikel erschien zuerst auf biallo.de.


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Dossier: Gender Mainstreaming

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