11. März 2019

Neue Facebook-Richtlinien gegen Diskriminierung treten in Kraft Der Alle-lieben-alle-Wahn

Wagen Sie es nicht, jemandem eine Chancengleichheit zu verwehren

von Oleksandr Zilber

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Bildquelle: Wachiwit / Shutterstock.com Neue Facebook-Richtlinien: Bitte nicht diskriminieren!

Auf der Suche nach einer idyllischen Welt, in der alle Völker, Kulturen und Religionen als eine gleichmäßig verteilte Masse miteinander in Frieden und gegenseitigem Respekt leben, zerbrechen sich die Mächtigen der Welt die Köpfe. Einige davon treten mit der besonders klugen Idee hervor, alle Menschen, gleichgültig, wie unterschiedlich sie von Natur aus begabt und veranlagt sind, gleichzustellen. Auf den ersten Blick klingt das nach einem guten Vorsatz.

Die Umsetzung ist aber meistens weniger erfreulich. Wieder und wieder müssen wir beobachten, wie private Interessen verletzt werden, wie verboten wird, eine Entscheidung aus freiem Willen heraus zu treffen. Facebook steht dabei in der Avantgarde der Antidiskriminierungsliga und setzt privilegierende politische Forderungen durch. Vollständige Kompatibilität mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz, Kampagnen gegen Hate Speech, demonstrative Doppelmoral – das alles sind einige der vielen „großzügigen“ Eigenschaften des Konzerns.

Nun gut, aus der freiheitlichen Perspektive sollten wir auch Facebook sein Recht auf private Diskriminierung einräumen. Wie Hans-Hermann Hoppe einmal sagte: Ohne die willkürliche Entscheidungshoheit jedes Individuums, beliebige Menschen vom eigenen Eigentum auszuschließen, ist man buchstäblich vor gar nichts geschützt.

Aber ganz ohne Kontext können wir die neuen Richtlinien für Werbetreibende gegen Diskriminierung auch nicht bewerten. Es ist längst bekannt, welches Kind einer gewissen politischen Propaganda das größte Sozialnetzwerk in sich trägt. Facebook weist ab sofort eindeutig darauf hin, dass außer Facebook selbst niemand diskriminieren darf. Dazu gehört jegliche Werbung.

Wenn Sie also Ihre Wohnung vermieten möchten, dürfen Sie bestimmte Postleitzahlen für die Bewerbungen nicht ausschließen. Als Ölmagnat dürfen Sie nicht mehr mittels einer Anzeige nach kräftigen Männern suchen, die auf Bohrinseln rund um die Uhr unter harten Bedingungen arbeiten werden, denn die weiblichen Mitarbeiter wären für Sie eher keine profitable Arbeitskraftinvestition und somit ausgegrenzt. Kredite dürfen nicht an Menschen nur eines bestimmten Alters vergeben werden, auch wenn Ihr Risikomanagement das Gegenteil behauptet.

Facebook ist also eine immer länger werdende Hand des politischen Establishments. Das ist nichts Neues, zumal es schon zum Alltag geworden ist, dass Großunternehmen die jüngste Generation von Wachhunden des Staates sind. Daher wiederhole ich immer wieder, was für eine Freiheit die private Diskriminierung darstellt.

Einerseits sind Diskriminierungsverbote von Vorteil. Als Kunde können Sie sicher sein, dass Sie zum Beispiel in jedem Lokal unbedingt bedient werden. Andererseits gibt es ein wichtiges Argument für die private Diskriminierung. Denken Sie mal darüber nach: Es geht nicht nur darum, dass es dem Eigentümer eines Unternehmens erlaubt ist, bestimmte Gruppen von Menschen nicht zu bedienen, wenn er das nicht möchte. Es geht nämlich auch um Ihr Recht, Informationen über die Ansichten des Eigentümers zu erhalten. Wenn Sie eine Anstalt sehen, die beleidigende, rassistische, sexistische oder Gott weiß was für eine Werbung enthält, ist das in erster Linie ein Signal: Sie werden diesen Laden nicht besuchen und kein Geld darin ausgeben.

Aber was passiert nun, wenn der Staat den Eigentümern verbietet, so eine Werbung oder ein diskriminierendes Verbotsschild aufzuhängen? Die Eigentümer der Anstalt bleiben ihren Weltansichten nach wie vor treu und arbeiten weiter – nun aber ohne dieses Schild. Das heißt, Sie können dort reingehen und Ihr Geld dort lassen, ohne die Ansichten der Eigentümer zu erfahren. Sie sind in diesem Fall derjenige, dem die Information darüber und das Recht auf freie Wahl vorenthalten wurden. 

Ein Laie würde hier einwenden: „Rassistische und sexistische Werbung gehört sowieso verboten, denn sie ist an sich schlecht!“ Jedoch schrieb John Stuart Mill vor langer Zeit, dass sogar der beste und richtigste Standpunkt, der keiner Kritik ausgesetzt ist, schnell zu einem leeren Dogma wird. Wir schätzen den Wert einer Diskussion, wenn sie in der Politik, in der Gesellschaft oder in der Wissenschaft stattfindet, auch wenn sich viele der dort dargelegten Meinungen als falsch, schädlich oder nutzlos erweisen. Eine Diskussion ist per se wertvoll. Warum müssen wir also eine Diskussion dort verbieten, wo Menschen jeden Tag eine Vielzahl an moralischen Entscheidungen treffen, indem sie für diese mit ihrem eigenen Geld stimmen? Das wäre offensichtlich falsch.

Wir sollten uns nicht naiv auf die Unternehmen verlassen, die unsere Konsumwünsche erraten, unsere Daten beliebig weiterverkaufen oder einfach nur stehlen lassen, vor allem dann nicht, wenn sie an der kurzen Leine den Willen der Zwangskollektivisten weiterleiten. Vor uns steht ein hoffnungsvolles Zeitalter der Dezentralisierung, in dem das souveräne Individuum die Macht über seine eigenen moralischen Entscheidungen übernimmt. Was wäre das nur für eine Welt voller Konflikte ohne Selbstbestimmung und Sezession?


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