10. November 2017

„CO2-Konzentration steigt so schnell wie nie“ Panik, Panik, Panik

Wie kommt man auf so genaue Messwerte?

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Bildquelle: shutterstock Angeblich stark gestiegen: Kohlendioxid-Anteil in der Atmosphäre

Die Profiteure des „Klimaschutzes“ heizen die Stimmung wieder mächtig an. Diesmal fällt der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) mit Sitz in Genf die Rolle des Panikmachers zu. Und diese ehemals seriöse Organisation nimmt sie gerne an. Da wohl ein Wiederaufguss der früheren Panikmeldungen von den jeweils „heißesten“ Jahren im kalten Herbst nicht mehr so recht zieht, besann man sich auf das zum Bösewicht erklärte CO2, dessen Konzentration brav und seit Menschengedenken mal in kleineren mal in größeren Schritten steigt.

Dabei unterstellt die WMO mit vollem Recht, dass die Klimaschutz-begeisterten Medien in Pawlowscher Manier keinerlei Belege mehr dafür benötigen, dass das bisschen CO2 in der Atmosphäre irgendeine gefährliche Wirkung zeigte, ja noch nicht mal eine Notwendigkeit sehen würden, zu überprüfen, ob zwischen dem Steigen der CO2-Konzentration und einer eventuellen globalen Erwärmung irgendein Zusammenhang besteht. Nein, es genügt, wenn man den Plappermäulern der schwatzenden Klasse immer mal wieder einen Brocken vorhält. Die Medien und viele andere sind inzwischen dressiert genug, um zu wissen, dass alles, was mit Klima eventuell zu tun hat, irgendwie zusammenhängt, dass alles, was mit Klima eventuell zu tun hat, irgendwie schädlich ist und dass alles, was mit Klima eventuell zu tun hat, vom Menschen verursacht ist. Soweit, so klar. Und mit dieser Pawlowschen Dressur lässt sich zielsicher arbeiten.

Doch was ist eigentlich passiert?

Die offizielle Messstelle, das Earth System Research Laboratory der USA, die die Daten der amerikanischen Nationalen Ozean- und Atmosphärenbehörde (NOAA) zum CO2 zusammenfasst – zu ihr und ihren Möglichkeiten komme ich noch –, zeigt  auf ihrer Website eine Graphik der berechneten weltweiten CO2-Konzentration über der Zeit. Zumindest für objektive Menschen ist darauf nichts besonderes zu erkennen. Man sieht nur, dass der rote Jahreszeitwert, offenbar dem Winter folgend, sich auf seinem üblichen Abwärtstrend befindet, während der gemittelte um den Jahreszeitenverlauf bereinigte Trend stetig weiter ansteigt. Nichts neues also!

Doch die Klimamafia wäre nicht Klimamafia, wenn sie nicht auch daraus noch eine Sensation schnitzen könnte. Dazu braucht es bloß eine obskure Mittelwertberechnung, die in der vierten bis sechsten Nachkommastelle – und das auch nur deklamatorisch, denn messen kann das keiner – als Ergebnis behauptet, dass dieser Mittelwert von 0,040183 Volumprozent auf 0,040395 Volumprozent gestiegen sein soll. Und das auch nur für Juli 2017. So jedenfalls blenden diese Leute das Juli-Ergebnis auf ihrer Website ein. Andere Zahlen liegen nicht vor. Das ist die Sensation! Nicht mehr!

Und im Kleingedruckten weiter unten lesen wir, dass die aktuellen Werte wie auch die Werte des letzten Jahres (also auch Juli 2016) nur vorläufig seien, wegen noch zu erstellender notwendiger Rekalibrationen der Referenzgase (was immer das ist).

Und was machen die selbsternannten Erzieher der Menschen, die Medienmacher, daraus?

Statt ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht nachzugehen und zu überprüfen, ob und wenn ja wie es denn möglich ist, mit derartiger Genauigkeit die mittlere Konzentration des CO2 in der Erdatmosphäre zu messen, die mit einer Masse von 5,15 mal 1018 Kilogramm oder 5.150.000.000 Gigatonnen ja nun nicht gerade klein und auf dem Erdball und in jeder Höhe höchst unterschiedlich dicht ist, beschließen sie einfach, zu glauben und in vorauseilendem Erziehungseifer Panikmeldungen zu konstruieren.

Und die sehen dann zum Beispiel so aus: „CO2-Konzentration steigt so schnell wie nie“ („Spiegel Online“) – „Niveau wie vor Millionen Jahren: CO2-Konzentration steigt in Rekordtempo“ (ntv) – „Kurz vor Beginn der Weltklimakonferenz in Bonn schlagen die Vereinten Nationen Alarm: Die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre habe ein Niveau erreicht wie seit Millionen Jahren nicht mehr, warnen UN-Klimaexperten. Das könne schlimme Folgen haben.“ (ntv) – „Folgen bereits drastisch: Rekordanstieg von Kohlendioxid in Atmosphäre“ („FAZ“) – „UN-Bericht zu Treibhausgasen: CO2-Konzentration auf Rekordhoch“ (Tagesschau) – „Das Kohlendioxid-Niveau ist im Jahr 2016 auf den höchsten Stand seit 800.000 Jahren gestiegen. Das teilte die Wetterorganisation der Vereinten Nationen mit. Die Zunahme der CO2-Konzentration beschleunige die Erderwärmung und mache den Planeten immer unwirtlicher.“ (Tagesschau)

Statt die Verbreiter dieser Schreckensmeldungen – also zunächst die WMO, dann die NOAA – zu fragen, wie man denn bitteschön diese Werte bestimmt, wie denn dann die Fehlergrenzen sind und was das alles mit der „globalen Erwärmung“ zu tun habe, wird nur brav – man könnte auch sagen: strohdumm – übernommen. Es wird schon stimmen.

Ein Leser hat diese Panikmeldungen jedoch zum Anlass genommen, einen der hiesigen Ober-Klimakatastrophenverbreiter, Prof. Dr. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), zu fragen, wie man denn auf diese extreme Genauigkeit komme. Er schrieb ihm: „Lieber Herr Rahmstorf, zu Ihrem Vorteil möchte ich annehmen, dass der Inhalt des Artikels (‚Klima schadet der Gesundheit. Rekordanstieg der CO2 –Konzentration‘, ‚Ruhr-Nachrichten‘, 31.10.2017) nicht auf Ihrem Wissen beruht. Hierzu folgende Formulierung in den ‚RN‘: ‚Die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre ist nach Daten der WMO noch nie so schnell angestiegen wie im vergangenen Jahr. Sie liege jetzt bei 403,3 Teilchen pro Million Teilchen (ppm), verglichen mit 400 ppm im Jahr zuvor.‘ Zur Messgenauigkeit von CO2 in stehender Raumluft – also um ein Vielfaches einfacher/besser/genauer messbar als in der Atmosphäre – lese ich folgendes Untersuchungsergebnis der FH Dortmund: ‚Genauigkeit von CO2-Gassensoren zur Raumluftüberwachung – CO2-Sensoren nur bedingt geeignet‘. Das Institut für Mikrosensorik (IfM) der FH Dortmund hat 28 Gassensoren verschiedener Sensorenhersteller hinsichtlich ihrer Einsatzfähigkeit in der Gebäudetechnik miteinander verglichen. Die Messungen zeigen, dass die Streubreite der Messwerte sehr groß und zeitabhängig ist. Selbst über einen relativ kleinen Zeitraum von zwei Wochen kann das Sensorsignal im Vergleich zum Referenzsensor bereits stark variieren. Und kann dann die WMO einen rasanten Anstieg von 400 auf 403,3 ppm messen? Das ist ein Messspielraum von plus/minus 0,99 Prozent Genauigkeit, in der Atmosphäre und nicht in der Raumluft. Solch genauen Messtechniken gibt es nicht. Daher sind dies Fake News. Wären Sie so korrekt und weisen die WMO aufgrund Ihrer guten Kontakte zu ihr auf diesen Fehler hin?“

Recht hat der Mann. Eine Antwort von Rahmstorf steht aus.

Nachtrag

Nachdem ich den Artikel geschrieben hatte, wollte ich genauer wissen, wie, wie genau, wo und wie oft die CO2-Konzentration in der Atmosphäre gemessen wird. Zu diesem Zweck wandte ich mich an das CDIAC Datacenter, das bis zum 1. Oktober 2017 damit betraut war. Der nette Mitarbeiter dort, der eventuell seit dem 1. Oktober ohne Job ist, nannte mir eine Website des CDIAC Datacenter zu meiner Frage nach Messmethode und Messmittel sowie Orten der CO2-Bestimmung weltweit.

Auf einer der Seiten hier wird erwähnt, dass man seit 1991 beim Messort „Amsterdam Island“ das Siemens ULTRAMAT 5F NDIR verwendet. (Der dort aufgeführte Artikel beschreibt die Zeit bis 1995.) Das Gerät gibt es nicht mehr ab Werk, sondern nur noch gebraucht. Ich fand auch keine technischen Daten dazu. Eventuell ist es mit dem Siemens ULTRAMAT 6E NDIR vergleichbar, das zur Zeit angeboten wird.

Im Gerätehandbuch von Siemens wird etwas zur Unsicherheit geschrieben. Doch bei allen dort aufgeführten Messgeräten wird die Messgenauigkeit nicht angegeben. Sie hängt von vielen Faktoren ab, unter anderem Referenzgas, Temperatur, Luftdruck, Wind, Lage der Messung, Boden oder weiter höher. Das heißt, wenn nicht unter den gleichen Bedingungen gemessen wird, variieren die Messergebnisse. So kann man im Prinzip immer dann, dort und so messen, um das Ergebnis messen zu können, das man gerne hätte. Genau wie bei den Berechnungsprogrammen. Was das für die Messung beziehungsweise deren Fehler bedeutet, vermag ich so schnell nicht zu überblicken. In einem anderen Link werden auch die Messorte aufgelistet. Es sind nicht so viele.

Damit scheint die Bestimmung der mittleren CO2-Konzentration genauso fehlerbehaftet zu sein, vermutlich sogar mit noch größeren Fehlern, wie die Bestimmung der globalen Mitteltemperatur. Eine Hausnummer auf sechs Stellen hinter dem Komma genau.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE).


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