29. Oktober 2017

Dokumentation: Appell des Sprecherkreises des „Bonner Aufrufs“ an die zukünftige Regierung Empfehlungen zur zukünftigen Entwicklungspolitik für Afrika

Orientierungshilfe für die Koalitionsverhandlungen

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Bildquelle: shutterstock Oft bevormundend: Hilfe für Afrika

Wir leisten seit vielen Jahrzehnten Entwicklungshilfe für Afrika – weitgehend ohne wirklichen Erfolg. Die Politik muss aus den Erfahrungen lernen und Konsequenzen ziehen.

Afrika ist für seine Entwicklung selbst verantwortlich. Diese Verantwortung dürfen wir den Ländern nicht abnehmen, weil wir damit Eigenanstrengung verhindern. Wir sollten nicht die „Macher“ sein. Unser Verständnis von Entwicklung entspricht häufig nicht afrikanischen Vorstellungen. „Keine Politik“ ist daher oft die bessere Afrika-Politik.

Lassen Sie sich nicht von der irrigen Vorstellung leiten, eine Erhöhung der EZ-Mittel für Afrika führe automatisch zu mehr Entwicklung.

Gerechtfertigt ist Hilfe nur für Staaten, die eigenverantwortliche, wirksame und nachhaltige Entwicklungsleistungen vorweisen können. Die Gewährung von Not- und Katastrophenhilfe muss davon allerdings unabhängig sein.

Staatliche Entwicklungshilfe ist nur auf der Basis von Regierungsabkommen möglich. Setzen Sie sich aber dafür ein, dass möglichst wenig Hilfe über die Regierungen afrikanischer Länder gelenkt wird, sondern direkt an zivilgesellschaftliche Gruppen und Projekte geht.

Fördern Sie private wirtschaftliche Partnerschaften zwischen Unternehmen bei uns und in afrikanischen Ländern. Diese Partnerschaften führen zu Investitionen, beruflicher Ausbildung, Schaffung von Arbeitsplätzen und technischem Fortschritt.

Bildung vor allem von Frauen und Mädchen ist eine „Investition“, die sich vielfältig auszahlt, zum Beispiel bei dem dramatischen Bevölkerungswachstum in Afrika, das jede Entwicklung zunichtemacht.

Wecken Sie bei den Bürgern in unserem Land nicht die trügerische Erwartung, durch mehr Entwicklungshilfe könne man Afrikaner von der Flucht nach Europa abhalten. Die meisten Fluchtursachen wie Regierungsversagen und daraus folgende Perspektivlosigkeit junger Menschen, kriegerische Auseinandersetzungen und Terror lassen sich nicht mit Geld bekämpfen.

Haben Sie den Mut, Entwicklungshilfe auch zu kürzen oder ganz zu streichen, wenn korrupte politische Eliten in Afrika ihre Staaten ausplündern und unsere Hilfe überhaupt nicht bei der Bevölkerung ankommen lassen.

Dr. Hans Christoph Buch, Schriftsteller und Afrika-Kenner

Volker Franzen, ehemaliger Sprecher GTZ, BDI, Bundesministerium für Wirtschaft

Kurt Gerhardt, Journalist, ehemaliger DED-Landesdirektor, Niger

Dr. Hans F. Illy, Professor für Politikwissenschaft und Afrikastudien

Prof. Dr. Robert Kappel, ehemaliger Präsident GIGA, German Institute of Global and Area Studies, Hamburg

Volker Seitz, 17 Jahre Diplomat in Afrika, Autor („Afrika wird armregiert“)

Elke Zarth, Unternehmerin, Ségou/Mali


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