19. Oktober 2017

Kosten der Scheingeldproduktion Teure Zentralbank

Zeit für Alternativen zum monopolisierten Fiatgeld

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Bildquelle: shutterstock Teures Monopol der Geldalchemisten: Europäische Zentralbank

„Mich interessiert nicht, wer die Gesetze macht, solange ich das Geld kontrolliere.“ Dieses ebenso berühmte wie denkwürdige Zitat des Bankiers Mayer Amschel Rothschild bringt auf den Punkt, was sich leider nur den wenigsten Zeitgenossen erschließt. Wer das Geldsystem beherrscht, verfügt auch über die politische Herrschaft, oder besser: Er steht über dieser. Die Aktivitäten der Europäischen Zentralbank EZB beziehungsweise ihres machtbewussten Chefs, der zuvor bei der US-Investmentbank Goldman Sachs gewirkt hat, beweisen es: Wer Geldpolitik, -produktion und -verteilung beherrscht, verfügt über die totale Macht und Kontrolle. Europäische Gesetze und Regeln im Hinblick auf die Staatsfinanzierung oder die „Rettung“ der Finanzen chronisch maroder Mitglieder der EU interessieren Mario Draghi folglich herzlich wenig. Er entscheidet, wie er und seine Geldalchemisten es für angezeigt halten.

Der Ökonom und Mathematiker Karl-Friedrich Israel hat sich verdienstvollerweise kürzlich mit den Kosten der Fiatgeldproduktion beschäftigt und dabei höchst bemerkenswerte Daten erhoben. Israels Analyse ist insofern aufschlussreich, als die Gegner eines wertgedeckten Geldes oder des Goldstandards immer wieder gerne mit der Kostspieligkeit der Förderung von Edelmetallen argumentieren. Man könne, so ihre grundsätzlich einleuchtend erscheinende Behauptung, die Kosten der Geldproduktion deutlich reduzieren, indem man einen intrinsisch wertlosen Stoff, der sich in beliebiger Menge herstellen lässt, zum Geld erklärt und anstatt des „barbarischen Relikts“ Gold (John Maynard Keynes in einer Rede anno 1923) einsetzt.

Die EZB ist eine jener Organisationen, die es neben der US-Fed, der Bank of Japan und der Bank of England unternimmt, unentwegt Geld aus dem Nichts zu schaffen, und damit die Leistungen der Alchemisten von anno dazumal um Längen übertrifft. Die benötigten für ihre Bemühungen immerhin noch Blei oder andere wenig werthaltige Materialien, um daraus Gold zu machen. Die EZB dagegen kommt mit dünner Luft aus.

Man sollte daher meinen, dass die gegenwärtig durch die Geldproduktion entstehenden Kosten gering ausfallen, da sie ja auf das simple Bedrucken von Papier beschränkt sind und darüber hinaus keine großen Anstrengungen anfallen.

Die zitierte Analyse untersucht die Entwicklung der Betriebskosten der EZB seit ihrer Gründung im Jahre 1998. Der Personalaufwand ist der größte Ausgabenbrocken. Der Beschäftigtenstand der Institution wuchs in der Zeit von 1999 bis 2016 von 732 auf 3.171 Personen. Die Personalkosten stiegen von 61 Millionen Euro im Jahre 1999 auf 467 Millionen im Jahr 1916, was einer jährlichen Steigerung von beachtlichen 12,7 Prozent entspricht. Die administrativen Kosten der Bank stiegen im selben Zeitraum von 61 auf 414 Millionen Euro, was eine Steigerung von zwölf Prozent pro Jahr bedeutet.

Sollte diese Entwicklung überraschen? Nein! Denn bürokratische Monster pflegen nun einmal bis ans Ende ihrer Tage, bösartigen Tumoren gleich, zu wachsen – insbesondere dann, wenn es weit und breit keinen Wettbewerber gibt, der sie zur Effizienz- und Kostenkontrolle zwingt.

Da die EZB aber nur einen Teil der mit der Fiatgeldproduktion verbundenen Kosten der Euro-Zone verursacht, zu denen sich die der weiterhin bestehenden nationalen Zentralbanken summieren, kann am Ende von einer Kosteneinsparung im Verhältnis zur Förderung von Edelmetallen nicht gesprochen werden, wie der Autor anhand von Kostenvergleichen mit den führenden Goldminengesellschaften der Welt nachweist. Während sich die akkumulierten Betriebsausgaben des Fiatgeldsystems im Euro-Raum gegenwärtig auf rund 10,6 Milliarden Euro pro Jahr belaufen, liegen die Kosten der Goldförderung (für den auf die Euro-Zone entfallenden Anteil) bei nur 10,2 Milliarden Euro jährlich. Soviel zum Kostenvorteil des ungedeckten Papiergeldes, das zudem in jedem Fall – Voltaire wusste es immer schon – „früher oder später auf seinen inneren Wert zurückgeht – null“.

Eine eingehende Analyse führt zum immer selben Ergebnis, gleichgültig, um welches Produkt oder um welche Dienstleistung es auch immer sich handeln mag: Monopole nutzen nur und ausschließlich deren Inhabern und schaden stets allen anderen. Gleich, ob es um Fahrzeuge, Bildungsvermittlung, Sicherheits-, Beförderungs- oder Personentransportleistungen geht: Monopole produzieren naturgemäß schlechte Leistungen zu überhöhten Kosten – einfach, weil sie den Schrecken des Wettbewerbs und den dadurch entstehenden Disziplinierungsdruck nicht zu fürchten brauchen.

Geldproduzenten bilden da keine Ausnahme. Ganz im Gegenteil, weil sie ja zudem noch mit dem Privileg ausgestattet sind, dass ihr Produkt von jedermann, der unter der Fuchtel der Euro-Zonen-Bürokratie lebt, schuldbefreiend akzeptiert werden muss.

Die armen Ossis mussten weiland mit Autos vorliebnehmen, die aus Plastik und Baumwollfetzen zusammengebastelt wurden, und konnten sich im Ausland ihre wertlose Ostmark an den Hut stecken, während ihre westdeutschen Vettern im S-Klasse-Mercedes saßen und sich der begehrten, harten D-Mark erfreuten. Die Euro-Zonen-Insassen können sich heute zwar (noch!) akzeptable Fahrzeuge anschaffen, müssen aber mit dem täglich an Wert verlierenden Euro-Esperantogeld leben. Legale Alternativen sind nicht vorgesehen. Da seien die Brüsseler Nomenklatura, Mario Draghi und die Seinen vor.

Die Frage, ob es zu einem Währungscrash kommen wird und/oder ob es zuerst den Dollar, das Pfund oder den Euro treffen wird, stellt sich gar nicht erst, da noch kein Fiatgeld dauerhaft ohne Währungsreform (also Enteignung) Bestand hatte. Die bange Frage ist nur, wann es passieren wird und was dann auf uns zukommt.

Karl-Friedrich Israel: „Über die Kosten der Fiatgeldproduktion“


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