21. September 2017

Matthias Meisner im „Tagesspiegel“ über ein Bürgerforum mit Frauke Petry Wie man zur Rechtsradikalen gestempelt wird

So geht moderner Journalismus in Deutschland

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Bildquelle: shutterstock Moderner Journalismus: Mit Fake News an die Öffentlichkeit

Matthias Meisner beim „Tagesspiegel“ ist ein Qualitätsjournalist und ein begnadeter Rechercheur, das ist vermutlich, wie er sich selbst sieht. Er zählt sich vielleicht auch mit Stolz zu den „aktiven“ Journalisten, die nicht nur Nachrichten übermitteln, sondern gern auch selber Nachrichten kreieren. Dabei schreckt er vor wenig zurück.

Letzten Freitag um 12:56 Uhr bekam ich einen Anruf von Herrn Meisner. Ich stand gerade an der Kasse, um meinen Einkauf zu bezahlen. Ich sagte ihm, dass ich nicht mit ihm sprechen wolle, denn als ich ihm das letzte Mal eine Frage beantwortet habe, hat er mir eine Antwort untergeschoben, die ihm in die Story passte. Ich würde das kein zweites Mal mit mir machen lassen. Als ich zu Hause ankam, es war gegen 14:00 Uhr, fand ich eine Twitter-Direktnachricht von Meisner in meinem Mail-Account. Jetzt wusste ich, worum es ging: Ein Bürgerforum mit Frauke Petry heute in Pirna, auf Einladung lokaler Unternehmer, für das ich die Moderation übernommen habe. Meisner unterstellte, dass die Veranstaltung von der „Ein-Prozent-Bewegung“ organisiert sei, ob ich das wisse?

Ich versuchte, den Unternehmer zu erreichen, der mich eingeladen hatte. Ich wollte mir bestätigen lassen, dass die Einladung nicht von ominösen Strippenziehern ausgesprochen worden war, sondern von einer Gruppe Unternehmer, die zum Teil gar nicht politisch organisiert sind.

Um 14:55 Uhr, nur zwei Stunden nach seinem Anruf, bevor ich eine Rückmeldung von den Unternehmern hatte, ging Meisner an die Öffentlichkeit. Und zwar mit vollem Rohr. Schon in der Überschrift wurde ich mit Rechtsradikalen in Verbindung gebracht: „Frauke Petry, Vera Lengsfeld und die Rechtsradikalen“. Zuletzt hat die „Junge Welt“ 1987 in der DDR einen solchen Vorwurf gegen mich erhoben. Allerdings hat der Chefredakteur sich nach dem Zusammenbruch der DDR-Diktatur glaubwürdig bei mir entschuldigt und geschrieben, dass er sich dafür schäme. Das ist heute der Unterschied: Meisner verübt den versuchten Rufmord an mir nicht auf irgendeine Anweisung, sondern im eigenen Auftrag.

Gibt es überhaupt eine Substanz hinter der Anschuldigung? Gibt es Rechtsradikale, die angeblich die Strippen hinter dem geplanten Auftritt in Pirna gezogen haben? Nein! Es sind Unternehmer aus Pirna, die es nicht hinnehmen wollten, dass Frauke Petry ein Auftritt in der Stadt unmöglich gemacht werden sollte. Sie haben sich privat zusammengetan, einen Raum gemietet und zu einem Bürgerforum eingeladen, auf dem sich die Pirnaer ein Bild von Petry machen sollten. Ich wurde gefragt, ob ich die Moderation übernehmen würde. Da ich von den Unternehmern schon einmal zu einer Lesung auf die Pirnaer Kunstbühne eingeladen worden war und vor allem, weil mich der undemokratische Umgang mit der AfD stört, sagte ich zu. Keiner der Unternehmer ist rechtsradikal, es gibt keine Verbindungen zwischen der „Ein-Prozent-Bewegung“ und der Veranstaltung. Dies haben mir die Unternehmer versichert. Diese Rückmeldung, sie ging beim „Tagesspiegel“ um 16:30 Uhr ein, hatte Meisner aber nicht abgewartet.

Um 18:05 Uhr ergänzte Meisner diese Informationen, die klar die Substanzlosigkeit der Unterstellungen belegen, am Ende des Artikels, änderte die Vorwürfe gegen mich in Überschrift, Untertitel und Text aber nicht. „Die Strippen ziehen Rechtsradikale“ entspreche laut Nachricht von 18:32 Uhr dem „Stand seiner Recherchen“. Beweise für den ungeheuerlichen Vorwurf gegen die Pirnaer Unternehmer fehlen allerdings nach wie vor. So geht offenbar moderner Journalismus in Deutschland.

Das wird noch nicht das Ende der Geschichte sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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