16. August 2017

„Biedermann und die Brandstifter“ Der Technik des Totalitären zum Erfolg verholfen

Wehrlosigkeit gegenüber Verbrechern, die sich nicht tarnen

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Bildquelle: ustinof z. (CC BY-SA 2.0)/flickr Schrieb sein Stück unter dem Eindruck des Februarumsturzes in der Tschechoslowakei: Max Frisch (1911-1991)

Aus dem Klappentext von „Biedermann und die Brandstifter“ von Max Frisch: „Max Frischs Stück ‚Biedermann und die Brandstifter‘ ist die Geschichte des Bürgers Gottlieb Biedermann, der die Brandstifter in sein Haus einlädt, um von ihnen – verzweifelte Hoffnung opportunistischer Gutmütigkeit und Einfalt – verschont zu werden. Das Stück entlarvt präzise eine Geisteshaltung, die der Technik des Totalitären zum Erfolg verhilft. ‚Biedermann und die Brandstifter‘ – eine politische Parabel, die ihre kritische Kraft nicht aus der Entlarvung der Lüge und der Manipulation bezieht, sondern aus der Inszenierung der biedermännischen Wehrlosigkeit gegenüber Verbrechern, die sich überhaupt nicht tarnen, die vielmehr – woran erinnert das? – von Anfang an sagen, was sie wirklich wollen.“

Gänsehaut.

Aus Szene 3: Biedermann (zum warnenden Chor, der aus Erfahrung die Katastrophe vorhersagt): „kurz und gut, meine Herren, ich habe es satt, ihr mit euren Brandstiftern! Ich geh an keinen Stammtisch mehr, so satt hab ich‘s. Kann man eigentlich nichts anderes mehr reden heutzutag? Schließlich lebe ich nur einmal. Wenn wir jeden Menschen, ausgenommen uns selbst, für einen Brandstifter halten, wie soll es jemals besser werden? Ein bisschen Vertrauen, Herrgottnochmal, muss man schon haben, ein bisschen guten Willen. Finde ich. Nicht immer nur das Böse sehen. Herrgottnochmal! Nicht jeder Mensch ist ein Brandstifter. Finde ich! Ein bisschen Vertrauen, ein bisschen...
Pause
Ich kann nicht Angst haben die ganze Zeit!“

Gänsehaut hoch zwei.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.


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