20. Juli 2017

Satire Fake-News-Quote in der „Tagesschau“

Endlich Schluss mit dem großen Lügen

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Bildquelle: shutterstock Oft „aufgearbeitet“: Fernsehnachrichten

Nachdem „ZDF heute“ vor einigen Tagen wieder eingestehen musste, Fake News gezeigt zu haben, und das Video „Was wirklich in Hamburg geschah“ löschte, hat sich die „Tagesschau“ nun auf eine 50/50-Klausel besonnen. Diese besagt, dass mindestens 50 Prozent der Neuigkeiten der Wahrheit entsprechen müssen. So stimmen beispielsweise im Artikel „Rechtsextreme wollen Flüchtlinge abfangen“ in der Überschrift die Worte „wollen“ und „abfangen“, wohingegen „Flüchtlinge“ und „Rechtsextreme“ einer Aufarbeitung (so nennt man im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Manipulationen) zum Opfer fielen. Aber auch im Artikel selbst hält man sich durchgehend an die 50/50-Klausel.

Ein Beispiel gefällig? Autorin Karin Bensch: „Ein Schiff der NGO rettete erst vor wenigen Tagen über 800 Menschen aus dem Mittelmeer.“ Der 100 Prozent wahrheitsgetreue Satz würde lauten: „Ein Schiff der kriminellen Schlepper holte erst vor wenigen Tagen über 800 Menschen an der Küste Libyens ab.“ Mehr als 50 Prozent der Wörter entsprechen der Wahrheit. Die Vorgabe wurde eingehalten.

Zweites Beispiel. Karin Bensch: „Für den Vorwurf, dass Hilfsorganisationen mit kriminellen Menschenschleppern kooperieren, gibt es bislang keinen Beweis. Besteht die Gefahr, dass Rechtsextreme und Seenotretter in den kommenden Wochen auf hoher See aneinandergeraten?“

Der 100 Prozent wahrheitsgetreue Absatz würde lauten: „Dass die kriminellen Organisationen mit anderen Menschenschleppern kooperieren, sieht der Staatsanwalt der sizilianischen Hafenstadt Catania, Carmelo Zuccaro, nach Mitschnitten von Telefonaten als bewiesen an. Besteht die Gefahr, dass Aktivisten und kriminelle Schleuser in den kommenden Wochen auf hoher See aneinandergeraten?“

Hier muss man ein wenig kompensieren. Denn beispielsweise stimmt das Datum des Artikels. Insgesamt kommt man also knapp auf 50 Prozent. Dank der 50/50-Klausel sind die Zeiten des großen Lügens endlich vorbei.

Danke, liebe „Tagesschau“!

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.


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