13. Juli 2017

Schüleraktion zur Entwicklungshilfe Kein Tag für Afrika

Immer mehr Afrikaner nervt das europäische Helfersyndrom

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Bildquelle: shutterstock Afrika ohne Entwicklungshilfe: Untergang?

In diesen Wochen wird wieder, wie jedes Jahr seit 2003, vom Verein Aktion Tagwerk „Dein Tag für Afrika“ organisiert. Im gesamten Bundesgebiet werden Schülerinnen und Schüler für „Afrika“ mobilisiert. Es soll das Bewusstsein für Entwicklungshilfe gefördert werden. Bei uns wird immer der Eindruck erweckt, ohne Hilfe für Afrika würde der Kontinent untergehen. Mit diesem „Tag für Afrika“ wird das Image Afrikas verfestigt, dass die Afrikaner unfähig seien, sich selbst zu helfen. Mit dieser Kampagne werden „Afrika und Hilfsbedürftigkeit“ ohne jede Differenzierung gleichgesetzt und kommuniziert.

Der „White Savior Complex“ (Teju Cole) macht die Afrikaner zu ewigen Opfern. Die jungen Wohltäter bestärken die Vorstellung vom afrikanischen Kontinent als einem Ort nie endender Sorgen. Sie tragen auch unbeabsichtigt zur negativen Wahrnehmung Afrikas bei. Vielleicht wissen Lehrer und Schüler nicht, dass bereits 40.000 (!) Nichtregierungsorganisationen (William Easterly) Afrika „retten“ wollen. Aber viele Schüler werden – soweit ich höre – gar nicht gefragt, ob sie mitmachen wollen. Viele junge Afrikaner werfen uns heute schon vor, dass wir „Hilfe“ in der heutigen Form nicht deshalb leisten, weil wir von ihrer Wirksamkeit überzeugt sind, sondern weil es für uns der einfachste und billigste Weg sei, Engagement gegen Armut und Ungerechtigkeit in der Welt zu demonstrieren.

Alle Afrikaner, die ich kenne, nervt es, wenn alle sie retten wollen. „Man muss den Afrikanern nicht helfen, weil sie ja ach so arm sind. Es würde schon reichen, wenn man sie in Ruhe lässt“, meint der Autor und Regisseur Aristide Tarnagda aus Burkina Faso. „Eine Einstellung der Hilfe wird es an den Tag bringen, dass die meisten Organisationen die afrikanische Misere genutzt haben, um Spenden zu sammeln, um sich einen humanitären Anstrich zu geben“, schimpft James Shikwati vom Inter Region Economic Network in Nairobi. Aber welche Rolle spielen schon die Meinungen von Afrikanern, wenn Weiße beschließen, ihnen zu „helfen“. Ich finde es erfreulich, dass immer mehr Afrikaner dagegen ankämpfen und sich zu Wort melden.

Würden die Schüler nicht mehr über Armut und Ungerechtigkeit lernen, wenn sie einen Tag in einem Obdachlosenasyl, bei einer Tafel oder ähnlichem helfen würden? Stattdessen muss einmal mehr Afrika herhalten. Aber dem verheerenden Drang, Gutes in Afrika zu tun, lässt sich bisweilen nicht mit Vernunft begegnen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der „Achse des Guten“.


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