14. Juni 2017

GEMA Da geht das Messer in der Tasche auf

Auch wenn es verrostet ist

Artikelbild
Bildquelle: shutterstock Da hilft kein Caramba: Rostiges Messer

Kowalskys technische Hilfe:

Den Jüngeren unter meiner verehrten Leserschaft und den Frauen sei versichert, dass ich noch eine Zeit erlebt habe, in der ein Tankwart (ohne Abitur und Studium) das Lämpchen im Autoscheinwerfer auswechseln konnte, auch wenn man keinen Opel Manta fuhr. Heute bedarf es dafür eine entsprechend qualifizierte Werkstatt, um den Motor auszubauen und eben diese Glühbirne zu wechseln. Das Auto beim geringsten Defekt in die Tonne zu hauen, geht bei vielen nicht, weil die Karre noch nicht bezahlt ist.

Die Opel-Manta-Fahrer und andere Besserwisser mögen sich wieder abregen, denn das war nur eine beispielhafte Erwähnung, weil mir kein anderer Gegenstand einfiel, den man sonst noch reparieren könnte. Jedenfalls ist mir vor einem Jahr der kristalline Aschenbecher in die Toilettenschüssel gefallen und hat den Sturz überlebt. Nur die Schüssel hatte ein circa 20 Zentimeter großes Loch. Die Sache wurde zur größeren Operation. Nicht wegen des Austauschs der Schüssel, sondern wegen des blöden Geschwätzes, das ich mir anhören musste. Nebenbei: Meine Zigarettenkippen haben keine Filter und belasten weder das Abwasser noch sonst eine Scheiße.

Da es also gewöhnlicherweise nichts zu reparieren gibt, aber fast jeder so ein Schweizer Taschenmesser besitzt, besteht deshalb die Möglichkeit, dass das gute Stück, sollte man es doch einmal gebrauchen, nicht mehr aufgeht, weil eingerostet. Der Tipp, hier mit Caramba nachzuhelfen, ist natürlich unsinnig. Denn wer schleppt schon die ganzen Jahre ein Entrostungsmittel mit sich herum.

Was hier hilft, ist ein handelsübliches Smartphone. Sie stecken das verrostete Taschenmesser in die Hosentasche. Nehmen das Smartphone und googeln die Stichworte „Urheberrecht“ und „GEMA“. Wenn Sie die Satzung dieser 1933 gegründeten Organisation verstanden haben, wenn sie mitbekommen, dass ein handelsüblicher schwarzer Geldkoffer wohl nicht ausreicht, um die Beweggründe der Vorteilsnehmer und Profiteure in diesem Bereich auch nur zu erahnen, dann geht Ihnen das verrostete Messerchen in der Tasche auf.

Bereits der entsprechende „Wikipedia“-Artikel hebt das „in der Verfassung verbriefte Recht auf Eigentum“ explizit hervor.

Potzblitz! Im Wettbewerb der Gauner übertreffen sich die Herrschaften geradezu, Geld, Haus, Gehalt und Grundstück zu besteuern, zu belasten und zu beschlagnahmen. Aber geht es um das Trällern eines Liedchens im Freibad, dessen Komponisten und Texter nicht bereits 70 Jahre tot sind, beruft man sich auf den Eigentumsschutz und kassiert ab.

Also, mir ging das Taschenmesser so oft auf und zu, dass ich vor lauter Schreck vergessen habe, was ich eigentlich reparieren wollte.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Facebook-Seite des Autors.


Artikel bewerten

Artikel teilen

Facebook Icon Twitter Icon VZ Icon del.icio.us Logo Reddit Logo

Anzeigen

Kommentare

Die Kommentarfunktion (lesen und schreiben) steht exklusiv Abonnenten der Zeitschrift „eigentümlich frei“ zur Verfügung.

Wenn Sie Abonnent sind und bereits ein Benutzerkonto haben, melden Sie sich bitte an. Wenn Sie noch kein Benutzerkonto haben, nutzen Sie bitte das Registrierungsformular für Abonnenten.

Mit einem ef-Abonnement erhalten Sie zehn Mal im Jahr eine Zeitschrift (print und/oder elektronisch), die anders ist als andere. Dazu können Sie dann auch viele andere exklusive Inhalte lesen und kommentieren.

drucken

Dossier: Eigentum

Mehr von Kurt Kowalsky

Über Kurt Kowalsky

Anzeige

ef-Einkaufspartner

Unterstützen Sie ef-online, indem Sie Ihren Amazon-Einkauf durch einen Klick auf diesen Linkstarten, oder auf ein Angebot in der unteren Box. Das kostet Sie nichts zusätzlich und hilft uns beim weiteren Ausbau des Angebots.

Anzeige