06. Juni 2017

Trumps Rückzug aus dem Pariser Klimaabkommen Vernünftig oder verantwortungslos?

Der Vertrag bringt erhebliche Nachteile für die Industrie

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Bildquelle: Evan El-Amin / Shutterstock.com Nicht immer verantwortungslos: Donald Trump

Nun ist offiziell, was bereits zuvor als wahrscheinlich angesehen wurde: Trump verlässt den Pariser Klimavertrag. Schauen wir uns kurz, aber rundum die zugehörigen Fakten an.

Erstens: Fortwährender Klimawandel auf unserer Erde ist naturgesetzlich, konstantes Klima gab es noch nie. Wollte man das Klima schützen, müsste man dazu mit dem Schutz des Wetters beginnen. Die Herstellung „konstanten“ Klimas ist unmöglich. Leider ist nicht jedem Zeitgenossen der Unterschied zwischen dem unvermeidbaren, natürlichen Klimawandel und einem vermuteten „menschgemachten“ Klimawandel geläufig. Nur um den letztgenannten geht es! Man mag von Trump halten, was man mag. Den Klimawandel bezweifelt er nicht. Niemand, der noch richtig im Kopf ist, bezweifelt ihn.

Zweitens: Als Auslöser eines vermuteten menschgemachten Klimawandels verdächtigt man das menschgemachte (anthropogene) CO2. Die Weigerung Trumps, dem Pariser Klimaabkommen seines Amtsvorgängers zu folgen, betrifft daher die Frage, ob er die CO2-Auslöser-Hypothese anerkennt und infolgedessen für CO2-Reduktionsmaßnahmen ist oder eben nicht. Seine Rückzugsgründe hat Trump aber nur mit zu hohen Kosten für den US-Steuerzahler begründet.

Drittens: Was sagt eigentlich die Klima-Fachwissenschaft zur CO2-Auslöser-Hypothese? Sie kann keine zuverlässige Antwort geben. Es gibt bis heute keine begutachtete wissenschaftliche Fachpublikation, die einen nennenswerten Beitrag des menschgemachten CO2 auf irgendeinen Klimawandel nachweisen kann. Dies hätte Trump als Argument vorbringen können. Warum er es nicht tat, weiß nur er selber.

Viertens: Was sagt der Weltklimarat (IPCC) zur CO2-Auslöser-Hypothese? Das IPCC stützt sich auf theoretische Berechnungen und Modelle. Es ist allerdings zu betonen, dass die Berichte des IPCC nicht begutachtet sind und daher den Qualitätsstandard wissenschaftlicher Fachliteratur nicht erfüllen. Das IPCC ist eine politische, keine wissenschaftliche Organisation, und es hat eine politische Agenda. Mit neutraler Wissenschaft hat das wenig zu tun. Es zeichnet sich ferner durch fragwürdige Methoden aus. Nur seines großen politischen Einflusses wegen gehen wir in den nächsten zwei Punkten überhaupt auf das IPCC ein.

Fünftens: Die theoretischen Berechnungen des IPCC ergeben circa ein Grad Celsius globale Temperaturerhöhung bei jeder Verdoppelung der atmosphärischen CO2-Konzentration. Dieser Wert ist völlig unbedenklich. Auch Billionen Euro teure CO2-Vermeidungsmaßnahmen würden somit die globale Mitteltemperatur bis zum Jahre 2100 nur in Bereichen von Hundertsteln Celsiusgraden verringern – immer vorausgesetzt, dass die IPCC-Berechnungen stimmen.

Sechstens: Nur die Modelle des IPCC zeigen beliebig hohe Erwärmungswerte infolge menschgemachter CO2-Emissionen an. Sie sind freilich völlig indiskutabel, denn sie können weder die Klimavergangenheit noch die Klimagegenwart wiedergeben.

Siebtens: Nun zum Pariser Klimavertrag. Was beinhaltet er eigentlich? Faktisch nichts! Er ist kein im üblichen Sinne verbindlicher Vertrag, weil er keine Sanktionen bei Nichterfüllung der Verpflichtungen der Unterzeichner enthält. Die Unterzeichner sind – explizit im Vertrag angegeben – völlig frei, wie weit sie die Vereinbarungen erfüllen wollen. Die Bekundung, sich zu bemühen, ist ausreichend. Der Vertrag ist also eine Absichtserklärung. Daher hätte Trump den Vertrag im Prinzip noch nicht einmal kündigen müssen – Nichtstun hätte ausgereicht. Seine Begründung, die USA würden nur die nicht verpflichtenden Bestandteile des Vertrags nicht erfüllen, ist diplomatisch. Die deutsche Lückenpresse hütet sich bislang, die Vertragsdetails der Bevölkerung mitzuteilen. Mal sehen, wie lange das noch möglich ist.

Achtens: Was sagt die deutsche Politik zum Pariser Klimavertrag? Sie verkauft ihn als großen Erfolg – kein weiterer Kommentar erforderlich.

Neuntens: Was passiert wirklich? China mit knapp 30 Prozent Anteil am Gesamtausstoß von CO2 darf trotz Vertragsunterzeichnung weiter CO2 ausstoßen und erhält dafür – zumindest theoretisch bis zu Trumps Weigerung – aus dem in Paris beschlossenen Klimafonds sogar noch viele Milliarden Dollar jährlich (die unter anderem auch wir mitbezahlen). Jeder Depp würde unter diesen Umständen den Vertrag unterzeichnen, und die chinesische Führung besteht bekanntlich nicht aus Deppen. Unsere CO2-Einsparungen macht China bis zum Jahre 2050 übrigens in drei Monaten wieder wett, dies nur am Rande zur Rationalität der CO2-Politik Deutschlands.

Zehntens: Dass Deutschland nun zum Weltvorreiterretter zu mutieren droht, entbehrt einer gewissen Tragikomik nicht. Schon wieder soll die Welt am deutschen Wesen genesen. Vermutlich hält das solange an, bis auch die hiesigen Kassen leer sind. Sich dazu insbesondere China als Hauptverbündeten beim Klimaretten auszusuchen, zeugt nur von maximaler Panik. Sich ausgerechnet das Land als Vorbild auszusuchen, das bis 2030 keinerlei Reduktionsverpflichtung übernommen hat und praktisch alle paar Tage ein neues Kohlekraftwerk eröffnet, ist an komischer Verzweiflung nicht mehr zu überbieten. Dabei fördert die Klimakanzlerin zugleich, dass die deutsche Konkurrenz sich von selber gegenüber China schwächt.

Trump zieht sich vom Pariser Klimavertrag zurück, weil er dem US-Steuerzahler unnötige Kosten ersparen will. Recht hat er damit. Zumindest in diesem Punkt ist er definitiv nicht der Depp, als den ihn die deutschen Medien so gerne zeichnen. Er hat gute wissenschaftliche Berater, die ihn über die Fakten zum anthropogenen CO2 aufgeklärt haben. In Sachen Klimavertrag handelte er daher sachlich richtig und völlig vernünftig. Von verantwortungslos kann keine Rede sein.

Trump setzt auf billige Energie für die US-Wirtschaft und wird dieser damit Wettbewerbsvorteile verschaffen. Wie die restlichen Industrieländer darauf reagieren werden, ist eine offene Frage. Die Befolgung des Pariser Klimavertrags bringt erhebliche Nachteile für die eigene Industrie mit sich. Das Paradebeispiel dafür ist Deutschland, das momentan dabei ist, seine industrielle Basis mit der Energiewende gründlich zu zerstören. Es sieht nicht danach aus, dass die dafür Verantwortlichen von dieser Agenda abgehen oder gar einmal zur Rechenschaft gezogen werden. Somit darf man nur noch über den Grad der weiteren Zerstörung spekulieren. Eine komplette Umkehr unserer Industriepolitik à la Trump wird unumgänglich werden, oder wir werden eben wieder – in später Vollendung des Morgenthau-Plans – zum Agrarstaat.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE).


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