29. Mai 2017

Feinstaub-Diesel-Hype Keine Verschwörung – es ist Selbstorganisation zur Erreichung identischer Ziele

Korrespondenz mit einem aufgeschlossenen Journalisten

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Bildquelle: shutterstock Umweltbelastung: Wirklich eine Folge des Wohlstands?

Seit Monaten wird eine neue Sau durchs mediale Dorf getrieben. Wegen angeblicher Feinstaubbelastung sollen Dieselfahrzeuge bald verboten werden. Waren es zuvor vermeintlich gesundheitsschädliche Stickoxidwerte, die vom Diesel ausgestoßen werden, sind es jetzt vermeintlich gesundheitsschädliche Feinstaubemissionen, die dem Diesel den Garaus machen sollen. Immer werden die Verbote mit Überschreitungen von Grenzwerten begründet. Diese Grenzwerte werden regelmäßig immer tiefer gesetzt. Schaut man sich das ganze Bild an, dann zeigt sich, dass bereits hinter der Festlegung immer engerer Grenzwerte seit langem Methode steckt. Mittels dieser Strategie soll vor allem das Ziel einer Rückkehr zur idealisierten grundgütigen Natur vorgegaukelt werden, doch das eigentliche Ziel ist die Reduktion der Zahl der Menschen. Doch das durchschauen die meisten nicht.

Alle Medien schrieben vor kurzem über die Pläne Stuttgarts, den Betrieb von Diesel-Kfzs zu verbieten. Geplant ist dieses Verbot generell für Ballungsgebiete zu erlassen. Einige Journalisten machten sich Gedanken, wohin dieser geplante Bann führen würde. So auch die Zeitung „Die Welt“. Dort las man unter der bangen Frage: „Warum wird die Autoindustrie an die Wand gefahren?“ einen besorgten und kritischen Kommentar. Aber eben nur bezüglich des Dieselverbots. In anderen Blättern wurde manchmal ähnlich kommentiert.

Gelegentlich nehme ich solche Artikel zum Anlass, dem Autor einen Leserbrief zu schreiben. So auch hier. Daraus entspann sich der folgende Mailwechsel, den ich für so interessant halte, dass ich ihn den Lesern zur Kenntnis geben möchte. Interessant deshalb, weil aus den Antworten sowohl Einsichtsfähigkeit als auch Unkenntnis erkennbar ist, die zwangsläufig zu falschen Schlussfolgerungen führt. Meine erste Email an Herrn XY lautete so:

„Lieber Herr XY,

Ihre Erkenntnisse zur Dieselsituation sind teilweise richtig, aber Ihre Fragestellung am Schluss geht meines Erachtens am Kern des Problems vorbei. (Anmerkung: Diese Schlussfolgerung lautete so: ‚Mit der Energiewende haben wir die deutschen Stromkonzerne gegen die Wand gefahren. Mit dem Dieselbashing und Fahrverboten könnten wir die Autoindustrie hinterherschicken. Warum glauben wir, uns das leisten zu können?‘)

Um dieses zu erkennen, genügt es nicht, sich auf das jeweilige aktuelle Problem zu fokussieren, sondern man muss den zeitlichen Bogen weiter spannen. Mindestens 50 Jahre – nämlich als der immer noch extrem einflussreiche Club of Rome seine unheilvolle Tätigkeit aufnahm. Der stellte schon 1970 in den Mittelpunkt seiner Strategie die folgende Überlegung: ‚Alexander King – Club of Rome, 1970: ‚Auf der Suche nach einem neuen Feind, der uns vereint, kamen wir auf die Idee, dass sich dazu die Umweltverschmutzung, die Gefahr globaler Erwärmung, Wasserknappheit, Hunger und dergleichen gut eignen würden. Alle diese Gefahren werden durch menschliches Eingreifen verursacht. Der wirkliche Feind wäre dann die Menschheit selbst.‘

Und daraus entwickelten die vielen NGOs, zum Teil zunächst von den Regierungen gegründet (zum Beispiel von Staatssekretär Hartkopf unter Genscher), später massiv finanziell und mit Sachmitteln kräftig unterstützt, und die sie tragende Politik, die Strategie, die Vorschriften und Grenzwerte in fast allen Bereichen unserer Gesellschaft immer weiter anzuziehen. Das gelang auch sehr gut, weil man besonders die Angst vor all den möglichen (aber nicht wahrscheinlichen) Folgen schürte. Dank der Entfernung der meisten von Landwirtschaft und Produktion fiel die professionell betriebene Panikmache auf fruchtbaren Boden. Die Saat ging auf.

War es zunächst die ‚Atomindustrie‘, dann die Gentechnik, dann die Chemie im Allgemeinen (ein Totengräber ist das sogenannte REACH-Protokoll), sind es seit einigen Jahren die Energieerzeuger und die Grundstoffindustrie, und nun ist eben die Automobilindustrie mit ihren Zulieferern – das Herzstück der deutschen Wirtschaft – dran.

Wer dahinter eine Verschwörung vermutet, springt zu kurz. Es ist eine Selbstorganisation von Interessierten mit unterschiedlichsten, häufig sehr humanen und ehrenwerten Motiven, von denen nur deren Führungskräfte wissen (wenn auch dort bei weitem nicht alle), wohin die Reise gehen soll. Nämlich zurück in die vermeintliche Wohlfühllaube von Mutter Natur, allerdings mit sehr viel weniger Menschen als heute.

Das Schöne an dieser Strategie ist, dass man bei der Verfolgung dieser Mission sich des Beifalls vieler – insbesondere der Medien – sicher sein kann, dazu noch, wenn man es nicht allzu dumm anstellt, sehr reich werden kann und außerdem – während der Transitphase – viel Macht gewinnt.

Wenn wir uns dem nicht entschlossen entgegenstellen und statt des Herzens endlich den Verstand einschalten, geht das – solange noch Substanz da ist – immer so weiter. Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen, Ihr Michael Limburg

PS: Könnten Sie nicht mal Ihre Kollegen als Investigativjournalisten bitten, uns Lesern den Nachweis auch nur eines einzigen Feinstaub- oder Dieselopfers zu bringen?“

Die Antwort kam vier Tage später:

„Lieber Herr Limburg,

vielen Dank für Ihre Mail. Das ist gut aufgeschrieben, könnte man so glatt als Leitartikel bringen. Wird aber kein Medium tun, der Aufschrei wäre riesig.

Ich kenne natürlich Ihren Standpunkt, ich verfolge ja Ihre Veröffentlichungen im Netz. Einerseits klingt das, was Sie über die Entstehung der NGOs schreiben, vollkommen schlüssig.

Andererseits will es doch das Gros der Menschen in den westlichen Industrieländern so. Die ständige Angst, den Planeten und sich zu vergiften. Immer schön weiter schüren …

Ich denke, da steckt neben berechtigter Sorge eins dahinter: Wir müssten komplett umdenken, wenn wir einer weiteren Zersiedelung und dem fortgesetzten Raubbau auf der Erde ein Ende bereiten wollten: Wir müssten aufhören, an ein wirtschaftliches System zu glauben, das auf ständiges Wachstum fokussiert ist. Wachstum bedeutet, dass wir von allem immer mehr brauchen. Immer mehr Gewinne, immer mehrWaren, immer mehr geförderte Bodenschätze, immer mehr Kunden – und damit immer mehr Menschen. Das ist das Problem.

Zweiter Punkt: Alle diese Menschen, die immer mehr werden, wollen immer besser leben. Was eine berechtigte Forderung ist. Die Inder oder Kongolesen wollen genauso viel konsumieren wie wir. Zu Recht. Aber wir müssten uns alle zügeln, uns alle einschränken, damit der Raubbau aufhört. Es reicht nicht, in Berlin-Mitte im Hipster-Café zu sitzen, zwei IPhones und ein Tablet dabei zu haben, die alle Strom brauchen, Kaffee mit geschäumter Milch zu trinken, dann den Lieferdienst fürs Abendbrot anzurufen und zugleich die Verschmutzung der Erde zu beklagen.

Ich bin alles andere als öko, aber in einem bin ich mir sicher: Wir Menschen tun dieser Erde nicht mehr gut, wir räubern sie aus, wir holzen die Wälder nieder, wir versiegeln die Böden, wir errichten immer größere, irre Städte. Das führt zu den Umweltproblemen, die wir haben. Die werden Sie nicht bestreiten, Herr Limburg. Wer einmal in Los Angeles oder Peking war, der hat den Wahnsinn selbst erlebt. Und das ist von Menschen gemacht, daran kann es keinen Zweifel geben.

Ob das am Ende zum Klimawandel führt? Ich weiß es nicht. Klimaschwankungen hat es immer gegeben. Vermutlich sind wir wieder soweit. Aber wir sollten es durch unser Handeln nicht noch befeuern.

Was meinen Sie?

Mit besten Grüßen, XY“

So mutig und ehrlich diese Antwort ist, zeigt sie doch zugleich auf, welche Defizite – nicht nur bei vielen Journalisten, dort aber besonders auffällig – in den Köpfen unserer Journalisten wie auch anderer Leute, die zur Elite zählen, existieren, die dazu führen, dass sie erstens diese Welt in ihren Zusammenhängen nicht richtig verstehen und zweitens schon deswegen die falsche Politik betreiben beziehungsweise drittens Leuten, die alles andere als das Wohl der ihnen gläubig anhängenden Mitbürger im Sinne haben, so willig folgen.

Um diese Defizite, wenn möglich, ein wenig zu verringern und weil er mich um Meinung gefragt hatte, entschloss ich mich, diesem Journalisten noch eine ausführlicher begründete Email zu schicken.

„Lieber Herr XY,

zunächst danke für die Blumen – mit dem Leitartikel – und Ihre ehrliche Einschätzung, was Medien stattdessen damit tun würden. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass manche Medien nicht nur den Links-Grünen, aktuell oder ehemalig, viel Platz einräumen, sondern auch Leuten wie Henryk M. Broder oder gar Birgit Kelle.

Die Zeit wird kommen, wo man genau fragen wird: Warum habt Ihr das nicht gebracht? Was seid ihr für Journalisten, für Medienmacher? Deshalb sollte man die Hoffnung nicht aufgeben.

Zur Sache selber: Ich entnehme Ihren Zeilen, dass wir in der Sache nicht weit auseinander sind. Sie stellen zu Recht fest, dass immer mehr Menschen auf dieser Welt genauso leben wollen wie wir, und verbinden das zwangsläufig mit Ressourcenraubbau, Waldabholzung et cetera et cetera, was letztlich das schlimmere Übel darstelle.

Verzeihen Sie bitte, wenn ich das so offen schreibe, aber da sind Sie – wie der olle Malthus – im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Holzweg. Warum? Nun, deswegen, weil es nicht der (Roh‑) Stoff ist, der darüber entscheidet, ob eine Ressource eine Ressource ist, sondern allein der menschliche Geist. Und daher lebt die Ressourcennutzung von den Sprüngen und Erkenntnissen, die dieser Geist findet beziehungsweise erfindet.

Malthus, oder in moderner Form die Idiotien des Club of Rome und seiner Jünger, ist linear statisches Trenddenken (obwohl dem exponentielles Wachstum zugrundeliegt) und daher so falsch. Was, glauben Sie, haben die ollen Babylonier gedacht, die bereits wussten, dass sie auf reichlich Naphtha saßen? Fühlten die sich reich?

Oder war es ihnen mehr oder weniger egal, weil sie schlicht andere Sorgen hatten und dieses klebrige Zeug nur für ihre Lampen zu nutzen wussten. Die Wirtschaftswissenschaftler Julian Simon (der, der Lomborg auf die richtige Spur brachte) und Indur Goklany haben sich darüber, was Ressourcen sind und was sie dazu macht, viele kluge Gedanken gemacht. Sehr empfehlenswerte und auch mutmachende Lektüre. Übrigens hat man gerade vor wenigen Tagen (erneut) qua Satelliten festgestellt, dass die Welt-Waldbestände dramatisch größer sind als bisher angenommen und weiter wachsen.

Aber nicht nur das, gerade und allein der Wohlstand, nicht der Verzicht, ist die einzige Garantie dafür, dass es der Umwelt auch bei sieben bis zehn (oder mehr) Milliarden Menschen nicht nur besser, sondern richtig gutgeht. Diesen unstreitigen Zusammenhang hat wohl als erster Simon Smith Kuznets festgestellt. Seine Untersuchungen an vielen Volkswirtschaften dieser Erde führten zur bekannten Kuznets-Kurve. Die zeigt, dass die Menschen zunächst, um zu überleben, an ihrer Umwelt Raubbau betreiben. Die Umweltzerstörung nimmt zu, ebenfalls das Pro-Kopf-Einkommen. Sobald sie beginnen, Überschüsse zu erwirtschaften, flacht der Anstieg der Umweltzerstörung ab, um bei circa 6.500 US-Dollar pro Jahr seinen Scheitelpunkt zu erreichen. Dann – wenn das Pro-Kopf-Einkommen weiter wächst – nimmt die Umweltzerstörung wieder ab. Bis zur intakten Umwelt, die sich die wohlhabenden Länder dann leisten können.

Der Westen hat diesen Zustand seit einigen Jahrzehnten erreicht (Willy Brandt: blauer Himmel über der Ruhr, Ende der 60er Jahre, UK Clear Act 1954 oder so), die Schwellenländer sind auf dem besten Weg dahin, lediglich die ganz armen Länder – insbesondere Afrika – hinken zum Teil mächtig hinterher. Die Kuznets-Kurve ist natürlich eine vereinfachte Darstellung, weil es für komplexe Prozesse eben vieler Ursachen und deren zum Teil gegenseitiger Abhängigkeit bedarf. Aber richtig ist sie deswegen trotzdem, egal, was Wikipedia behauptet.

Und damit sind wir beim Klimaschutz und der Verweigerung, die dieser darstellt, an billige Energie zu kommen. In Afrika südlich der Sahara liegt der Stromverbrauch pro Kopf und Jahr bei nur 500 Kilowattstunden. Das ist soviel, wie die hippen Grünen am Prenzlauer Berg allein für ihre Kühlschränke verbrauchen. Daher ist der Zugang zu jederzeit verfügbarer billiger Energie der Schlüssel, wenn auch bei weitem nicht der einzige, zu Wohlstand zu gelangen.

Der Historiker Ian Morris hat diese Tatsache zum Anlass genommen, einen Index zu entwickeln, der den Zugriff zu (billiger) Energie bewertet, um daraus die Entwicklung der Nationen der letzten 15.000 Jahre zu erklären. Sein Buch (circa 1.000 Seiten) ‚Wer regiert die Welt?‘ ist äußerst lesenswert und zudem sehr lesbar. Neben dieser Grundvoraussetzung sind natürlich andere Kulturtechniken erforderlich, die sich zum Beispiel in Bildung (besonders der Frauen, sie ist der beste Geburtensenker), der Überwindung von Nepotismus und Korruption als große Menschenfeinde manifestieren. Aber ohne dass die Menschen Zugang zu billiger Energie haben, der sie von der Fron des täglichen Überlebenskampfes befreit, nützt das alles nichts.

Und deswegen bin ich sehr zuversichtlich, dass in Peking, Shanghai, Mumbai, Kalkutta, Lagos oder Los Angeles die Menschen genauso clever sind wie wir, solange sie Zugang zum nötigen Kapital und Know-how haben. Und beides haben sie, weil beides – anders als vor 50 Jahren bei uns – heute reichlich existiert.

Noch ein Wort zu Los Angeles. Als ich in den 80er Jahren dort war, sagte man mir, hier können sie die Luft nicht nur riechen, sondern auch sehen. Das ist vorbei. Die können ihre Luft genauso sauber halten wie wir.

Übrigens lassen sich nur zehn bis 20 Prozent des Feinstaubs den Kfzs zuordnen (nicht zwangsläufig den Kfzs, die die Messstelle gerade befahren), der Rest kommt sonstwoher. Und welche Wirkungen der Feinstaub wirklich hat, darüber gibt es nur statistische Phantasiezahlen. Daher meine Bitte, doch mal Kollegen zu begeistern, das mal genauer zu untersuchen.

Und last but not least: Klimawandel gibt es, seit eine Atmosphäre auf dieser Erde existiert, oft mit schnelleren und größeren Sprüngen als wir es die letzten Jahrzehnte erleben. Ein anthropogenes Signal darin lässt sich aber aller milliardenschwerer Forschung zum Trotz nicht finden. Nirgends! Auch nicht in den vielen Tausend Seiten der bisher fünf verschiedenen IPCC-Berichte. Warum das so ist, wird eine wissenschaftliche Arbeit begründen, an der ich als Koautor mitzuarbeiten die Ehre habe. Sie wird in ein bis zwei Wochen vermutlich in London den Medien vorgestellt werden. Deren vorauszusehende Reaktion: (vermutlich) Schweigen.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen, Ihr Michael Limburg“.

Eine Antwort steht bis heute aus.

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE).


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