12. Mai 2017

Xavier Naidoo Die Marionetten wappnen sich zum Geplänkel

Und Bob Dylan besang auch „Ton Steine Scherben“

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Bildquelle: meunierd / Shutterstock.com Bob Dylan: Klärendes Gespräch mit den kalten Kriegern?

Die Marionetten wappnen sich zum Geplänkel: Am Montag lud Mannheims Oberbürgermeister die „Söhne Mannheims“ um den Sänger Xavier Naidoo, Mitautor des „umstrittenen“ (gleich feindlich-negativen gleich auf den Index gehörenden) Lieds „Marionetten“, zu einem allen Ernstes so genannten „Krisentreffen“ mehr vor denn ein und verlangte Aufklärung über die „antistaatlichen Aussagen“ in dem Titel. Drei Stunden habe das Gespräch gedauert, teilte ein Behördensprecher später mit. Die Kommune, hieß es weiter, wolle trotz des Streits nicht vergessen, was die Mannheimer Stadtmusikanten für die schnuckelige Metropole an Rhein und Neckar geleistet hätten. Soll heißen: Über Selbstkritik und Abbitte führt ein Weg zurück in die Herde der Anständigen und an die städtischen Zitzen.

„Spiegel Online“ meldete: „Der Song hat den Söhnen Mannheims weitreichende Missbilligung eingebracht. Kritiker geißeln das Lied als mindestens rechtspopulistisch. Die Gruppe hatte die schweren Anschuldigungen zurückgewiesen.“

Mindestens (!) rechtspopulistisch, das gilt als eine schwere, des Feigenblattes der künstlerischen Freiheit unwürdige Schuld in der DDR 2.0, in der bekanntlich jeder Analphabet und Strauchdieb willkommen ist, der Rechtspopulist aber keineswegs. Deswegen kann sich eine Claudia Roth über Naidoo mokieren – „plumper, gewaltverherrlichender Pegida-Sprech“; auch diese welke Maid weiß anscheinend nicht, was ein Pleonasmus ist –, dieselbe C. Roth, die ehedem als sogenannte Managerin der Band Ton Steine Scherben dem Herrn die Zeit stahl, die wiederum, also die Band, nicht die Roth, im Lied „Keine Macht für Niemand“ Folgendes ins Land tirilierte: „Ich bin nicht frei und kann nur wählen/ Welche Diebe mich bestehlen, welche Mörder mir befehlen.“ – „In Augsburg, in München, Frankfurt, Saarbrücken/ Es sind überall dieselben, die uns unterdrücken/ In jeder Stadt und in jedem Land/ Mach ne Faust aus deiner Hand/ Keine Macht für Niemand.“

Während der sogenannte Justizminister Heiko Maas vor nicht allzu langer Zeit via Twitter eine Combo für ihr Engagement gegen „rechts“ pries, die nicht nur SPD-Folklore wie „Deutschland verrecke“ singt (im allerweitesten Sinne „singt“, ich höre gerade Carlo Bergonzi), sondern auch, ohne je eine Ladung von den Wismarer, Rostocker oder Greifswalder Stadtvögten erhalten zu haben, Texte darbietet wie diesen: „Wir stellen unseren eigenen Trupp zusammen/ Und schicken den Mob dann auf euch rauf/ Die Bullenhelme – sie sollen fliegen/ Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein/ Und danach schicken wir euch nach Bayern/ denn die Ostsee soll frei von Bullen sein.“ (Feine Sahne Fischfilet: „Staatsgewalt“.)

Mehrere Leser haben mich zudem auf einen Song von Bob Dylan aufmerksam gemacht, der unlängst aufgrund einer weiteren launigen Entscheidung des „Stockholmer Elferrates“ (Eckhard Henscheid) den Literaturnobelpreis erringen durfte.

Dylan sang 1936, quatsch 1963: „And I hope that you die/ And your death will come soon/ I‘ll follow your casket/ On a pale afternoon/ I‘ll watch while you‘re lowered/ Down to your deathbed/ And I‘ll stand over your grave/ Til I‘m sure that you‘re dead“ (Und ich hoffe, dass ihr sterbt/ und euer Tod bald kommen wird/ Ich werde eurem Sarg folgen/ an einem fahlen Nachmittag/ Und ich sehe zu, während ihr abgesenkt werdet/ hinunter in euer Totenbett/ Und ich werde über eurem Grab stehen/ bis ich sicher bin, dass ihr tot seid.) („Masters of War“.)

Das ging aber nicht gegen Frau Merkel und Herrn Gauck, die sangen weiland noch die originalen DDR-Lieder, sondern gegen den Kalten Krieg, also gegen Chruschtschow und Kennedy gleichermaßen, und letzterer bekam ja wenige Monate darauf die Quittung in den Hinterkopf. Ob der Präsident den Nobelpreisträger in statu nascendi damals zu einem klärenden Gespräch eingeladen hat, ist nicht überliefert, gilt aber als unwahrscheinlich.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Acta diurna“.


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