09. Mai 2017

„Macronleaks“ Der Leser ist immer der Dumme

Oder besser: Wird für strunzdumm gehalten. Eine Erwiderung auf Jasper von Altenbockum

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Bildquelle: Frederic Legrand - COMEO / Shutterstock.com Wunderheiler Europas: Emmanuel Macron

Frage an ef-Leser: Wissen Sie mit absoluter Sicherheit, was hinter den mutmaßlichen Hackerangriffen auf den Geldadel-Wunschkandidaten Emmanuel „Supermacron“ („Die Welt“) steckte, das „Wunderkind“ und „Genie“ (ganz und gar nicht diverse Fischröckchen)?

Anders gefragt: Können Sie mir auch nur einen einzigen gesicherten Beweis präsentieren, dass dieser angebliche Angriff überhaupt stattfand? Eben. Könnte eng werden. Sogar so eng, dass ein Nadelöhr im Vergleich mit geradezu kosmischen Weiten zu endlosen Entdeckungsreisen einlädt. To boldly go where no man has gone before. Enterprise, ich komme.

Wie bitte? Oh, Verzeihung. Habe den Begriff einfach eingeführt, ohne ihn zu erklären. Also, als „Fischröckchen“ bezeichnet man Zeitungen, die von im Wasser beheimateten, geschuppten Kiefermäulern als kleidsam empfunden werden, vor allem nach Fang und Landverbringung. Aber auch nur von ihnen. In solchen Kreisen mag es ganz schick sein und Gipfel der „Haute Couture“, in Printprodukte gewickelt zu werden.

Nun also, gibt es überhaupt irgendeinen überprüfbaren Beweis für diesen Angriff? Nö. Keinen. Es handelt sich nach wie vor um eine bloße Behauptung. So wie im Falle unleugbar gut patentierter Giftgasangriffe zur Legitimierung von Krie ... Einsätzen zur Integration bockiger Länder in Zentralbanksysteme. Unter anderem. Ach so: Aber die Informationen kommen doch von staatlicher Stelle!? Na dann. Ihr habt recht und ich meine Ruhe: Wenn Nachrichten- und Geheimdienste sagen, es habe einen solchen Angriff gegeben, wird‘s wohl stimmen. Was gäbe es da zu hinterfragen? Denn „nur der Staat kann Recht gewährleisten“ (Jasper von Altenbockum). Eine Annahme, die gerade mit dem Aufkommen kopf- und konzeptloser Migrationskybernetik bombenfeste empirische Unterstützung erfuhr.

Und so kann es natürlich auch nicht verwundern, wenn Altenbockum in einem Artikel vom 7. Mai unter dem Titel „Macronleaks“ den Bock zum Gärtner schminkt: „Der Hackerangriff auf Emmanuel Macron sollte für Desinformation und Verwirrung sorgen. Aber die Öffentlichkeit ist darauf vorbereitet. Der Schuss geht nach hinten los.“

Hm. Also ich weiß nicht. Ganz sicher? Sollte er wirklich nur für „Desinformation“ sorgen? Das erscheint mir höchst unlogisch zu sein, denn warum sollten Hacker, egal ob selbstverfreilich nutzrussisch, wie unter anderem in der „Welt“ gewohnheitsmäßig vermutet, oder amerikanisch-populistisch und aus dem Lager des geostrategisch berechenbaren Inside Jokes Trump (als krönend kreative Variation des in jüngster Zeit bei jedem Wehwehchen bemühten Hacknarrativs) den ihnen doch so verhassten Leitmedien die Arbeit abnehmen?

Gerade angesichts des Wahlsieges von Superrekordwundergenie Macron stelle ich mir ganz ernsthaft die Frage, ob der behauptete Angriff nicht sogar die gegenteilige Richtung eingeschlagen und statt „nach hinten“ eher nach vorne losgegangen sein könnte wie sonst nur der berühmte Shuffle-Groove des, Gott hab ihn selig, leider schon verstorbenen Toto-Schlagzeugers Jeff Porcaro im Evergreen „Rosanna“.

Nun habe ich zu einer eigentlich unfassbar banalen, lachhaften Sache mehr Worte gemacht, als ich wollte. Gestatten Sie mir deshalb eine drastische Abkürzung.

Zu glauben, ein mutmaßlicher Hackerangriff unmittelbar vor einer Wahl, obendrein auf einen Kandidaten, der von der ganz und gar nicht diversen Nutzpresse – oder in den goldrichtigen Worten Xavier Naidoos: Marionettenpresse – schon seit Monaten zum „unabhängigen“, aus dem „Nichts“ gekommenen Wunderheiler „Europas“ und Allheilmittel gegen (klabaster) populistische Lösungen für komplexe Probleme (Schwallplattenspieler aus) in einer so überdrehten Weise hochgeschwurbelt wird, dass „Tom und Jerry“ sich dagegen so schläfrig ausnehmen wie eine Krankenhaus-Geriatrie nachts um halb zwei, sei nichts als Zufall, vor allem russischer oder, ja doch, von mir aus auch von Trump persönlich gepökelter, also das ist, mit Verlaub, die mit Abstand krudeste, albernste, ja bescheuertste Theorie, die ich je gehört habe.

Ist ja lächerlich: mit Hilfe eines fingierten Angriffs einen machtelitären Wunschkandidaten attraktiver aufleuchten lassen. Was für Spinner kommen bloß auf solche weltreichsdruidischen Ideen?

Nur weiter so. Einfach die Leser für dumm halten. Strunzdumm. Wenn es so weitergeht, werden bald Tiefenbohrungen nötig sein, um der Auflagenzahlen noch habhaft werden zu können. Ist aber kein Problem, schließlich gibt es Super-Drill-Teams, die jede beliebige Tiefe mühelos erreichen. Die kann man übrigens kostengünstig buchen. Oder besser gesagt, leihen. In einer Videothek.

Einfach nach „Michael Bay‘s Armageddon“ fragen.


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