29. April 2017

Erschienen in der neuen Zeitschrift „Frank & Frei“ „Dann gnade uns Gott!“

Dokumentation des Interviews mit ef-Chefredakteur André F. Lichtschlag

Artikelbild
Bildquelle: eigentümlich frei André F. Lichtschlag: Schurke auf Wikipedia

André F. Lichtschlag ist Herausgeber von eigentümlich frei. Das deutsche Monatsmagazin und die dazugehörige Webseite sind die publizistische Heimat für libertäre, liberale, wertkonservative und andere kritische Geister. Wer wie Lichtschlag seit vielen Jahren kompromisslos für Freiheit, Eigenverantwortung und freie Marktwirtschaft kämpft, also im durch und durch politisch korrekten Deutschland gegen den Strom schwimmt, macht sich keine Freunde.

F&F: Wo verorten Sie Ihre Zeitschrift im politischen Koordinatensystem, wie beschreiben Sie die Blattlinie von eigentümlich frei?

André Lichtschlag: Ich bevorzuge ein dreidimensionales Koordinatensystem. eigentümlich frei liegt auf der Links-rechts-Achse rechts außen, wenn ich hier die Links-rechts-Definition des Ritters Erik von Kuehnelt-Leddihn heranziehe, nach der natürlich Hitler wie seine Geistesbrüder Stalin und Mao auch ein Linker war. Nebenbei: Es ist in meinen Augen der größte propagandistische Coup der Linken, dass sie es geschafft haben, die Nazis zu Rechten umzudeuten und damit Liberale, Libertäre und Konservative in deren Nähe zu rücken. Dabei sind und waren die Zwillinge Nationalismus und Sozialismus immer genuin linke Ideologien, und auch der Totalitarismus als Erbe von 1789 ist nur als linkes Phänomen denkbar. Zurück zum politischen Koordinatensystem und eigentümlich frei: Auf der Freiheitsachse zwischen libertär und etatistisch liegt eigentümlich frei ebenfalls am extremen Ende libertär und auf der inzwischen ebenso wichtigen Institutionenachse zwischen Establishmentkritik und Establishmentnähe sind wir außen auf Seiten der Kritiker zu finden. Dreimal also sehr eindeutig positioniert – und in dieser Zusammenstellung vielleicht einzigartig.

F&F: Gibt es vergleichbare Magazine am deutschsprachigen Markt?

Lichtschlag: Nein, wie gesagt, in der Kombination kenne ich sonst kein Magazin – hinzu kommt, das hatte ich noch vergessen zu erwähnen, die rheinische DNA von eigentümlich frei. Es gibt mit dem „Schweizer Monat“ und „Novo“ zwei ebenfalls mehr oder weniger libertäre Magazine, die sich aber eher nicht „rechts“ oder sehr establishmentkritisch verorten würden. Und es gibt Establishmentkritiker wie „Compact“ oder auch nach Kuehnelt-Leddihn Rechte wie die „Sezession“, die aber beide eben nicht libertär sind und schon gar nicht rheinisch.

F&F: Auf Wikipedia kommt eigentümlich frei – zumindest aus linker Sicht – nicht gerade gut weg. Da wird Ihr Magazin unter anderem der „Neuen Rechten“ zugeordnet. Können Sie mit dieser Kategorisierung, mit dieser Wikipedia-Beschreibung, leben?

Lichtschlag: Wie gesagt, mit rechts habe ich kein Problem, Hitler war, man kann es nicht oft genug sagen, ein Linker. Nur bin ich dann ja auch als Libertärer eher klassisch liberal und also irgendwie „altrechts“. Aber die Begriffe „Neue Rechte“ oder „Rechtspopulismus“ sind ja ohnehin nur Schmähwörter der Linken. Sollen sie also schimpfen.

F&F: Es hat ja eine längere Auseinandersetzung zwischen Ihnen und Wikipedia gegeben. Was ist da genau passiert?

Lichtschlag: Ich musste auch erst verstehen lernen, dass die gesamte Struktur von Wikipedia, die anonyme Denunzianten gegen reale Personen diffamieren lässt, nicht etwa missbraucht, sondern offenbar aus diesem Grunde nur geschaffen wurde, Liberale, Libertäre und Konservative als böse vulgo „rechts“ bloßzustellen.

F&F: Ein gewisser Gerald Hensel, ein mittlerweile ehemaliger Mitarbeiter der Agentur Scholz & Friends, zu deren Kunden deutsche Ministerien und die EU-Kommission zählen, hat unlängst versucht, werbetreibende Unternehmen moralisch zu erpressen, nicht bei Medien zu werben, die aus Hensels Sicht rechts sind. Waren Sie von diesem Boykottaufruf betroffen und war die heftige und erfolgreiche Gegenreaktion auf diese Kampagne ein Zeichen für einen politischen Klimawechsel im Land?

Lichtschlag: Hensel hat sich auf das von der Wochenzeitung „Die Zeit“ initiierte „Netz gegen Nazis“ gestützt. Auch so ein Projekt, das eigens geschaffen wurde, um die geschilderten denunziatorischen Ziele anzustreben. Ja, da sind wir auch betroffen. Andererseits ist eigentümlich frei nicht allzu sehr von Online-Werbung abhängig, wir setzen hier auf ein Bezahlmodell und also darauf, dass unsere Leser unsere Arbeit schätzen. Und ja, die Gegenreaktion zeigt, dass die Gegenbewegung gegen den um sich greifenden Wahnsinn immer stärker wird. Wir leben ja in einem Zeitalter, das spätere Generationen wohl als die „Satire-Zeit“ bezeichnen werden.

F&F: Mit welchen Schwierigkeiten und Widerständen hat man als Herausgeber einer Zeitschrift zu kämpfen, die sich nicht immer im vorgegebenen politisch korrekten Meinungskorridor bewegt?

Lichtschlag: Mit der beschriebenen systematischen Denunziation und Zerstörungswut der Gegner, die bei den etatistisch-machtgeilen Linken von 1789 an zum Programm gehören. Die können gar nicht anders, die sind so: neidzerfressen und ohne positiv-produktive Ziele im Leben. Oder mit den Worten von Igor Schafarewitsch: Sie sind von einem sozialistischen Todestrieb besessen.

F&F: Unter dem Vorwand von „Fake News“ und „Hate Speech“ wollen die Regierungen in Berlin, Wien und anderen EU-Ländern die Meinungsfreiheit einschränken. In Deutschland bastelt man sogar an einer Art Orwellschem Wahrheitsministerium. Was kommt da auf uns zu?

Lichtschlag: Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Die Opposition gegen den um sich greifenden Wahnsinn wächst, aber das macht sie nur noch wütender und gefährlicher. Es wird knapp, und wenn die andere Seite sich durchsetzt, dann gnade uns Gott!

Erschienen in der Erstausgabe des neuen Magazins „Frank & Frei“


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