23. April 2017

Markus Lanz trifft Dirk Steffens Postfaktiker unter sich

Unterschichtenfernsehen ab sechs Jahren

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Bildquelle: shutterstock Wird nicht so schnell gefährlich: Kohlendioxid

Bei Markus Lanz, dem beliebten Seicht- und Dauertalker des ZDF, darf man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen. Schon gar nicht, wenn er – was er immer tut – beim Talken sorgsam im politisch korrekten Mainstream bleibt. Und man kann von ihm eigentlich auch nicht verlangen, dass er bei jeder Hochzeit, auf der er tanzt, alle Gäste und die Brautpaare kennt. Denn fast jeden Tag tanzt er auf einer anderen Hochzeit. Doch leider tut er so, als ob er alle kennen würde, und will dazu noch seinen Gästen und Zuschauern immer aufs neue weismachen, dass man mit ihm – egal bei welchem Thema – auf Augenhöhe fachsimpeln könne. Das macht er mit treu wissendem, manchmal zwinkernden Augenaufschlag auf sehr sympathische (oder müsste ich schreiben „empathische“?) Weise.

So auch beim Kollegengespräch am 21. Februar 2017. Gast und Gesprächspartner war diesmal Dirk Steffens, ebenso wie Markus Lanz ein bekannter Fernsehjournalist und ebenso voll auf der Mainstreamwelle schwimmend.

Übrigens fällt trainierten Fernsehguckern schon des längeren auf, dass Journalisten, wenn sie denn schon keine kompetenten Gesprächspartner für ihre Show gewinnen können, sich eben selber interviewen. Nach dem alten Motto: Ich kenne jemanden, der jemanden kennt, der eventuell Ahnung von etwas hat. Und darüber lässt sich nicht nur wundervoll palavern, sondern man kann sogar ganze Sendezeiten füllen.

So auch hier. Dieses Glanzstück journalistischer Naivität bei gleichzeitig schon lustig anzusehender Selbstüberschätzung ist noch bis zum 22. Mai 2017 in der ZDF-Mediathek zu sehen. Diese Sendung ist zudem vom ZDF passgenau schon für Kinder ab sechs Jahren freigegeben. Wobei ich mich als besorgter – aber wohl aus der Zeit gefallener – Großvater frage, welche Eltern ihre Kinder ab sechs Jahren noch um 23 Uhr vor dem Fernseher hocken lassen. Aber das ist ein anderes Thema.

Donald Trump wagt es, den menschengemachten Klimawandel anzuzweifeln

Mit diesem Dirk Steffens – gelernter Journalist für Rundfunk und Fernsehen – unterhielt sich Lanz über die Ungeheuerlichkeiten des Donald Trump, der es nicht nur gewagt hatte, völlig gegen alle journalistischen Erwartungen Präsident der USA zu werden, sondern der – vielleicht noch viel schlimmer – gar am menschengemachten Klimawandel zweifelt. Denn, so Lanz, das sei doch „die große Herausforderung“, „das können wir noch gar nicht richtig einschätzen“. Das fand Steffens auch und wunderte sich außerdem, dass sich bei Trump trotz Ausübung der journalistischen Hauptaufgabe – Steffens: „Wenn man jemandem eine Lüge nachweist, dann hat man einen publizistischen Erfolg errungen und kann dem Menschen, dem man diese Lüge nachweist, dadurch schaden“ – so gar kein Erfolg einstellen wolle. Und schaute bei dieser Feststellung beifallheischend in die Runde. Leider haben der Journalist Steffens und seine Kollegen dem Trump bisher nun leider nicht geschadet! Worauf Lanz, sich der Ironie dieser Klage gar nicht bewusst werdend, zustimmend nickt und sagt: „Das gilt nicht mehr!“

Denn Trump – so Steffens weiter – machte ja den Ex-Exxon-Chef Rex Tillerson zu seinem Außenminister, obwohl die (von Exxon) „ja schon 1977 wussten“, dass die Verbrennung fossiler Brennstoffe das Klima erwärmen würde. Weil, so seine meiner Meinung nach für einen Wissenschaftsjournalisten schon recht einfältige Begründung, ein Forscher von denen – ein Jack Black – dies ja schon 1977 behauptet hatte. Und – man glaubt es nicht – Tillersons Exxon habe danach Millionen für Studien ausgegeben, um das Gegenteil zu beweisen.

Schon an dieser Stelle hätte man sich gewünscht, dass ein Wissenschaftsjournalist, der Dirk Steffens vorgibt zu sein, wenigstens etwas vom Wesen der Wissenschaft kennen würde, nämlich immer bereit zu sein, alle vermeintlichen Fakten immer und immer wieder in Frage zu stellen. Nicht so bei Dirk Steffens, der gab nur den Wissenschaftsjournalisten-Darsteller. Denn diese Studien, so Steffens, dass wisse er ganz genau, seien (natürlich) allesamt falsch gewesen.

Und – oh Schreck – Exxon wagt es doch tatsächlich, trotzdem zu überlegen, ob und wo in der schmelzenden Eiswüste der Arktis sich gegebenenfalls die Suche nach fossilen Brennstoffen lohne. Um damit nach Steffens sein einziges Ziel zu erreichen, nämlich auch dort die heilige Umwelt zu zerstören, wie ihm Lanz beflissen soufflierte. Steffens folgerte daraus, dass Exxon somit die Umweltzerstörung zu seinem Geschäftsmodell gemacht habe … „Da kriege ich natürlich Horrorvisionen, klar!“ Die kriegte ein erheblicher Teil des Publikums auch, viele klatschten aber trotzdem.

Leider war ihm bei aller verständlichen Entrüstung entgangen, dass Tillerson, Geschäftsmann, der er ist und der die Rieseninvestitionen, die Exxon in „erneuerbare“ Energien getätigt hat, schützen will, neben Trumps Tochter Ivanka und Schwiegersohn Kushner der Hauptgegner einer konsistenten Klimaschutzausstiegspolitik der Trump-Regierung ist. Er ist nämlich dagegen, dass die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen.

Doch Steffens wäre nicht Steffens, wenn er nicht flugs seine Entrüstung darüber vermarkten würde, gründete er doch sofort das „Team Weltrettung“: Darunter macht es Dirk Steffens eben nicht.

Danach freute sich Steffens noch darauf, mit Lanz im Schlauchboot über den Nordpol fahren zu können, weil der ja bald (irgendwann, genaues weiß man ja nicht) im Sommer eisfrei sein würde. Worüber es dann sicher eine spannende Reportage von Dirk Steffens im ZDF geben wird, mit ausführlicher Vor- und Nachbereitung von und mit Markus Lanz. Vielleicht würde dann auch das Team Weltrettung immer noch vonnöten sein. Fast möchte man es ihm wünschen. Es gibt doch noch so viel zu tun.

Stichwort „postfaktischer Unsinn “

Dann leitete Buchautor Dirk Steffens unter dem Stichwort „postfaktischer Unsinn“ von Trump auf die AfD über und zog deren Aussagen im Grundsatzprogramm zur Klimathematik aus seiner Jackentasche. Die habe er eigens mitgebracht, erzählte er amüsiert. Und darin, so Steffens, „sei jeder zweite Satz genauso falsch wie das, was Trump erzählt“.

Dann legte er mit seinem ganzen breiten Wissen über das AfD-Programm los, beflissen assistiert von seinem Gastgeber Markus Lanz. Es sei eben fast alles falsch, was in diesem Programm übers Klima stehe, zum Beispiel auch die Aussage, dass die Klimapolitik auf hypothetischen Klimamodellen beruhe! Die beruhe nämlich auf Messdaten, wie Steffens ebenso wichtigtuerisch klar wie falsch hinzufügte. Wenn sie auf Messdaten beruhen würde, dann wäre der gesamte Klimahype schon längst verdunstet und die wenigen Klimaforscher, die sich noch vom winzig klein gewordenen Kuchen der Klimaforschungsfinanzierung ernähren könnten, wären wieder in ihrem Elfenbeinturm verschwunden.

Und dass die Klimamodelle, wie im Programm behauptet, vom IPCC erstellt würden, monierte er auch noch. Vermutlich hatte er sich zuvor bei Harald Lesch – seinem Bruder im Geiste und bei der gleichen Anstalt tätig – schlau gemacht. Der sagt das nämlich auch. Und hat recht damit. Die Aussage ist zwar sachlich korrekt, allerdings der Kürze des zur Verfügung stehenden Platzes im Programm geschuldet, ändert aber an den falschen Ergebnissen der Modelle überhaupt nichts. Doch das merkte Steffens nicht einmal, ebenso wenig wie sein Stichwortgeber Lanz. Denn dass diese Modelle grottenfalsche Ergebnisse liefern, egal ob vom IPCC nur in Auftrag gegeben oder selbstgemacht, war für ihn keine Erwähnung wert. So ist das eben, wenn man – ohne es selber zu merken – über Dinge schwadroniert, von denen man nichts versteht.

Der nächste Satz im Programm, dass CO2 ein unverzichtbarer Bestandteil des Lebens sei, so Steffens weiter, stimme hingegen nur so halb. Denn, so erläuterte er dem begierig lauschenden Lanz, ein bisschen davon sei tödlich und zu viel sei auch tödlich. Dabei fiel dem guten Mann vor lauter Selbstüberhöhung nichtmal auf, dass das wohl für jede lebenswichtige Substanz gilt, zum Beispiel auch für Wasser. Aber da diese Aussage im AfD-Programm steht, die, wenn man auch nur etwas Ahnung vom Thema hat, eindeutig richtig ist, muss sie aber, weil sie ja von der AfD kommt, apriori erstmal falsch sein. Das ist Steffensche Logik vom Feinsten.

Der Kaiser hatte mal wieder keine Kleider an

Und „hanebüchener Unsinn“ sei auch, dass im Programm stehe, durch mehr CO2 wüchsen die Pflanzen besser. Das stimme zwar – wie Steffens später einräumte –, aber nur innerhalb eines gewissen Korridors, den er leider zu nennen vergaß. Aber jenseits davon sei es einfach gaga. Da nickten und lachten ringsum alle Gäste selbstgefällig über den Unsinn, den die AfD da verzapft hatte.

Der von Steffens erwähnte breite Korridor sei hier vorgestellt: Unterhalb von 200 ppm (parts per million) CO2-Konzentration sterben Pflanzen den Hungertod (und mit ihnen alles Leben auf dieser Welt), erst bei circa 1.000 ppm wird das Optimum für viele wichtige Getreidepflanzen erreicht. Und erst oberhalb von 6.000 ppm geht für Mensch und Tier eine Gefahr aus.

Der Apollo-Astronaut Walt Cunningham berichtete beispielsweise auf der jüngsten Heartland Climate Conference in Washington, D.C., dass die Atemluftüberwachung der Apollo-Kapseln zunächst auf einen Alarmwert für CO2 von 3.000 ppm  eingestellt gewesen sei, der später dann auf über 6.000 ppm erhöht worden sei. 6.000 ppm, da ist noch viel Luft nach oben. Die NASA ist jedenfalls nicht dafür bekannt, leichtfertig mit dem Leben und der Gesundheit ihrer Astronauten umgegangen zu sein.

Und auch das wusste „Wissenschaftsjournalist“ Steffens nicht,  dass, selbst wenn man alle bekannten und auch nur vermuteten Brennstoffe dieser Erde verbrennen würde, deren Emissionen nicht ausreichen würden, die CO2-Konzentration der Atmosphäre auch nur in die Nähe von 800 ppm zu bringen.

Also bleibt nur als Feststellung über diesen „Experten“: Der Kaiser hatte mal wieder keine Kleider an. Und die Hofschranzen merkten es nicht einmal!

Nun, damit soll es zunächst mal der Exegese der Lanzschen Sendung und des AfD- Klimaprogramms genug sein. Soviel selbstgefällige Dummheit innerhalb nur weniger Minuten sollte man niemandem, auch nicht kleinen Kindern – trotz Freigabe ab sechs Jahren – zumuten, auch weil die Sendung nicht einmal als Klamauk für den Kinderkanal Kika herhalten kann. Dazu war sie zwar einfältig, aber nicht lustig genug.

Wer trotzdem Lust und Zeit hat, mag sich diese Sendung für Kinder ab sechs Jahren und alle, die deren Wissensniveau und Naivität, vielleicht unbemerkt, nie verlassen haben, selber anschauen. Sie ist noch bis zum 22. Mai 2017 online abrufbar.

Was ist die Moral von der Geschicht? Glaub keinem Unterschichtenfernsehen nicht, auch wenn es als unterhaltsames Bildungsfernsehen daherkommt. Und: Es waren mal wieder zwei Experten für Fake News bei der Arbeit.

Video: Dirk Steffens bei Markus Lanz, 21.02.2017

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE).


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