23. März 2017

Jungjournalisten interviewen einen „Klimaleugner“ Er sieht ein bisschen aus wie ein Agent!

Aber sie wissen nicht, was sie tun

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Bildquelle: shutterstock Journalistennachwuchs: Weiß nicht, was er tut

Das Online-Jugendmagazin „Bento“ von „Spiegel Online“ veröffentlicht einen fast fröhlichen Artikel, leider mit vielen falschen, aber vor allem diffamierenden Aussagen über mich. Von dem man nach der Lektüre nicht recht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Hier die ganze Story zum Inhalt und dessen Vorgeschichte. Entscheiden Sie selbst.

Am Sonnabend, dem 18. März 2017, erhielt ich von einer guten Bekannten eine Mail folgenden Inhalts:

„Lieber Herr Limburg, ich habe soeben eine Denunziation über Sie als Klimaskeptiker im ‚Spiegel‘ gelesen. Ein glänzendes Muster der linksliberalen Arroganz und Ignoranz. Man kann nicht einmal wütend sein.

Doch man wird den Gedanken nicht los, dieses Land arbeite eifrig an seiner Selbstzerstörung. Immer öfter, wenn ich diese ‚Öffentlichkeit‘ bellen und denunzieren höre, muss ich daran denken, was wohl diese Leute in der Nazizeit gemacht hätten. Und wissen Sie, ich glaube, heutige Gesinnungsethiker und humanistische Speichellecker würden genau das tun, wofür sie ihre Vorfahren gegeißelt hatten.

Ich möchte Sie nur meiner Unterstützung versichern. Lassen Sie sich nicht unterkriegen.“

Anmerkung: Die Schreiberin hat noch die Sowjetunion im Original erleben dürfen.

Ich war zunächst nicht sicher, welchen Beitrag sie meinte, vermutete aber sofort, dass dies die geplante Veröffentlichung eine Gruppe von drei Studenten der Münchner Journalistenschule sein müsse, die 14 Tage zuvor mit mir ein Fernseh-Interview zum Thema Klimawandel gedreht hatten. Mit im Mittel vielleicht 25 Jahren kamen sie mir zwar als Studenten schon etwas alt vor, aber in der Generation Praktikum findet eben mancher etwas später seine wahre Berufung.

So war dann abgesprochen, dass sie daraus auch einen Artikel erstellen und verschiedenen Medien anbieten wollten. Bei „Bento“ waren sie dann gelandet. Also suchte ich den Beitrag und fand ihn dann bei eben dieser „studentischen Schülerzeitung“ von „Spiegel Online“, wie sie Peter Heller von „Science Sceptical“ ein wenig unsicher, was sie nun wirklich ist, nannte. Unter der Überschrift: „Grün: Herr Limburgs Kampf gegen die Windräder“.

Das falsche Deutsch in der Überschrift fiel den Machern wohl bald auf, denn kurze Zeit später wurde der Titel geändert in: „Grün: Dieser Mann zweifelt am Klimawandel – und hat damit viel Erfolg“.

Der Chefredakteur von „Bento“, Ole Reißmann, der beim Erstellen des Artikels wohl seine Finger mit im Spiel hatte (siehe weiter unten), rühmt sich damit, dass „Bento“ zu den 20 meistgelesenen deutschsprachigen Nachrichtenseiten gehört. Immerhin steht es im Webrankingportal „Alexa“ auf dem achtbaren Platz 437 (je niedriger, desto besser), aber zum Mutterblatt „Spiegel Online“ mit Rang 16 ist immer noch ein beträchtlicher Abstand. Vielleicht – so dachten wohl die Macher von „Bento“ – hilft es ja, das Ranking zu verbessern, wenn man kräftig auf Abweichler von der Regierungslinie eindrischt. Und da kam Rentner Limburg gerade recht. Und deshalb war der Artikel alles andere als neutral, von positiv gar nicht erst zu reden.

Denn auch nach mehrmaligem Durchlesen musste ich leider feststellen: Meine gute Bekannte und auch einige weitere, die sich kurze Zeit später meldeten, hatten leider recht. Der Beitrag, im Duktus etwas angestrengt frisch, bemüht fröhlich, jugendlich gehalten, war in erster Linie – und das sollte so sein – diffamierend. Und enthielt zudem kräftige sachliche Fehler.

Doch statt die „Klimaleugner“ (O-Ton: „Das Leugnen des menschgemachten Klimawandels hat er sich selbst beigebracht.“) damit – wie deutlich beabsichtigt – nur in die Spinnerecke zu stellen, passierte auch etwas weniger Beabsichtigtes. Meine Bekanntheit und damit die von EIKE wurden kräftig angehoben. Bis heute haben über 430 Leser den Artikel geteilt, und die darin eingeblendete Videosequenz des Böhmermann-Interviews (ja, der Böhmermann, damals noch ein fast unbekannter Gaglieferant des großen Harald Schmidt) schnellte von rund 5.000 Views (am Sonnabendnachmittag) auf bis jetzt über 7.000 hoch.

Man glaube ja nicht, dass das alles nur Anhänger der Klimakirche waren, sondern es sind sicher auch viele darunter, die endlich Fakten für ihren schon lange gehegten Verdacht bekommen, dass irgendetwas mit der Story vom Klimaschutz wohl nicht stimme. Zustimmende Mails und Kommentare bestätigen das. Nicht von ungefähr wird der Klimaschwindel von immer weniger Deutschen geglaubt, wie der Deutschlandfunk vor kurzem etwas jammernd berichtete.

Warum fällt mir dazu nur der schöne Spruch von Mark Twain ein, dem Meister der Spruchwahrheiten: „Als ich 14 war, fand ich meinen Vater unerträglich dumm, als ich 21 wurde, musste ich erstaunt feststellen, wieviel dieser alte Mann in den vergangenen sieben Jahren hinzugelernt hatte.“

Darum erlaubte ich mir, den drei Studenten-Autoren die folgende Mail zu schicken:

„Liebe Frau Vu,

gerade lese ich Ihren und Ihrer Kollegen Beitrag über mich in ‚Bento‘. Herzlichen Dank für die kostenlose, wenn auch diffamierend gedachte, Reklame. Hatte ich doch genau so etwas von Anfang an vermutet, und Sie haben brav und peinlich genau nach Drehbuch geliefert. Übrigens: Warum haben Sie den schönen Titel mit ein wenig ‚falscher‘ Deutsch so schnell wieder geändert? War er Ihnen doch etwas zu peinlich? 

Nur zur Klärung, bitte gestatten Sie mir eine Frage: Sagten Sie nicht, Sie und Ihre beiden anderen Kollegen würden TV-Journalistik studieren?

Was ich aber da lese, hat, jedenfalls nach meinem (Rentner-) Verständnis vom Journalismus und dem zum Beispiel von Hajo Friedrichs, damit kaum etwas zu tun. Neben gelegentlich falschem Deutsch (nun korrigiert), enthält es kaum Fakten, fast nur Propaganda, vorgetragen mit viel herablassender Häme gegenüber Menschen, die anders ticken und dummerweise wesentlich älter sind als Sie, gewürzt mit lustig gedachten Sätzen, garniert von manch sachlichem Fehler. Klar, dass Sie mir vorab nur einen Zitateauszug zur Überprüfung zusandten. Hätten Sie mir den ganzen Beitrag vorab zugeschickt, hätte ich wenigstens die gröbsten Fehler korrigieren können, aber dann hätten Sie mutig vorab Farbe bekennen müssen. Nun ja, Tapferkeit ist nicht jedem gegeben.

Noch‘ne Frage: Wie haben Sie es eigentlich geschafft, jede Verlinkung auf unsere Webseite als Primärquelle zu vermeiden? Stattdessen ausschließlich auf die zu verlinken, die (negativ) über uns schreiben, und wo einer vom anderen abschreibt, statt ihren Lesern die Chance zu geben, sich direkt an der Quelle zu informieren. Ist das Ihr Verständnis von Recherche? Genau das nennt man übrigens Propaganda. ‚Eine Lüge, hundertmal wiederholt, wird zur Wahrheit‘, wusste schon der alte Goebbels unseligen Andenkens.

Fazit: Dieser Beitrag sagt mehr über Sie und Ihre Kollegen aus, beziehungsweise das, was man Ihnen beibringt, als über mich. 

Sie liefern mir – vermutlich ungewollt – eine Steilvorlage, über dieses denkwürdige Ereignis und die dazugehörige Vorgeschichte zu berichten. Den Anfang haben Sie gemacht.

Ich danke nochmals und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Ihr Michael Limburg“

Kurz danach passierte etwas Merkwürdiges. Fünf Minuten nach meiner Mail erhielt ich eine Irrläufer-Mail von Caroline Wiemann, Koautorin des Artikels:

„Ja, war klar, dass er das so empfinden wird. Mit der Primärquelle hat er allerdings recht, ich dachte, wir hatten auch seine Webseite verlinkt, oder hat Ole das wieder weggemacht?

Noch eine Anmerkung meinerseits: Mein Name ist falsch geschrieben. Wäre lieb, wenn du das Ole noch sagen könntest, wenn du eh noch mit ihm in Kontakt bist.

Ansonsten können wir jetzt also gespannt auf Limburgs Konter sein…“

Frau Wiemann wusste also, wie ich reagieren würde, und hatte es bewusst provoziert oder billigend in Kauf genommen.

Doch, noch merkwürdiger, kurze Zeit später meldete sich Frau Vu telefonisch bei mir, äußerte ihre Verwunderung darüber, dass ich den Artikel als diffamierend empfinde, beteuerte, dass das niemals ihre Absicht gewesen sei, und entschuldigte sich schließlich, wenn auch etwas verdruckst. Als ich ihr sagte, wenigstens die gröbsten Schnitzer hätte sie vermeiden können, wenn sie mir den Artikel vorher gezeigt hätte, meinte sie, dass sie niemals Artikel vorab zur Kenntnisnahme gebe, um eben unbeeinflusst zu bleiben. Das sah man dann ja auch.

Auf die verschiedenen Fehler, die durchgängig tendenziösen Secondhand-Weblinks und besonders auf die unsägliche, allen Fakten widersprechende Diffamierung Fred Singers angesprochen, glaubte ich ihre Äußerungen so zu verstehen, dass nicht allein sie die Urheberin war, sondern wohl noch jemand anders Hand an den Artikel gelegt hatte. Sie sagte mehrmals resignierend – nun ja, jetzt steht ja mein Name unter dem Artikel.

Außerdem, so Frau Vu weiter, hätten sie auch versucht, direkt die Gegenseite zum Mitmachen zu gewinnen, sie hätten das PIK und einige Universitäten angesprochen, aber als die erfuhren, wer ihr Gegenüber sein würde, hätten alle abgesagt. Das wiederum, so sagte ich ihr, zeigt klar, dass diese Leute unter dem Vorwand, uns nicht aufwerten zu wollen, kneifen. Und das nur deshalb, weil sie unseren Argumenten nichts entgegensetzen können. Sie wollen vermeiden, den Kürzeren zu ziehen.

Die Crux insgesamt sei, so sagte ich weiter, dass Journalisten selten überhaupt eine Ahnung davon haben, worüber sie berichten wollen/müssen, aber dennoch Stellung beziehen wollen/müssen.

Im Nachgang empfand ich diesen Anruf als mutig. Andererseits aber auch als erschreckend, zeigte er mir doch glasklar auf, dass Journalistenstudenten heute nicht mehr zwischen Propaganda und faktenbasierter Berichterstattung unterscheiden lernen. Jedenfalls dann nicht, wenn es gilt, über politisch unkorrekte Mainstreamabweichler zu schreiben. Dann ist jede Propaganda, egal ob subtil oder grob vorgebracht, nicht nur erlaubt, sondern sogar zwingend erforderlich. Sie ist Voraussetzung, um überhaupt in einem der Medien veröffentlicht zu werden. Und die armen Studenten – wie viele ihrer Berufskollegen auch – merken noch nicht einmal den Unterschied. Denn sie wissen offensichtlich nicht, was sie tun.

„Bento“: „Dieser Mann zweifelt am Klimawandel – und hat damit viel Erfolg“

Dieser Artikel erschien zuerst auf der Seite des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE).


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