20. Februar 2017

Die Umweltministerin und ihre Zwangsernährungsverordnung Nicht Fisch, nicht Fleisch

Auf dem Weg zum Nanny-Staat

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Bildquelle: shutterstock Nicht für Gäste des deutschen Umweltministeriums: Fisch und Fleisch

Seit 30 Jahren gibt es das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Es entstand als Reaktion auf die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl, um den erstarkenden Grünen kein politisch bedeutsames Feld zu überlassen. Gegründet aus wahltaktischen Überlegungen, hat es heute soviel gesellschaftlichen Einfluss wie kein anderes Bundesministerium. Immer mehr Kompetenzen sind über die Jahre hinzugekommen. Längst hat sich das Umweltministerium auch zentrale Aufgaben des Verkehrs-und Bauministeriums einverleibt. Kein Wunder, dass Barbara Hendricks die Bodenhaftung zu verlieren scheint. Die Bundesumweltministerin herrscht über ihr stetig wachsendes Reich mit der Selbstgewissheit einer unbeirrbaren Ideologin. Zu ihrem Selbstverständnis gehört offenbar vor allem ein Erziehungsauftrag. Dabei sind Ministerien eigentlich Dienstleistungsbehörden. Der Begriff leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet Dienst oder Amt. Minister sind demnach leitende Diener – mehr nicht. In ihrer Verantwortung liegt die Erarbeitung von Gesetzesentwürfen, Rechtsverordnungen und Verwaltungsvorschriften. Schon das erledigt Hendricks mit viel Eifer. Sie scheint gar nicht genug kriegen zu können von der Reglementierung der Bürger. Ihre Regelungswut hat jetzt auch den Magen erreicht: Die SPD-Politikerin mit grüner Seitenlage setzt den Besuchern ihres Hauses bei Veranstaltungen und Pressegesprächen nur noch vegetarische Kost vor.

Die zu niedrigen Türen der „Friesenhäuser“

Seit drei Wochen schaut dumm aus der Wäsche, wer als offizieller Gast des Umweltministeriums seinen Hunger mit einem saftigen Stück Fleisch stillen will. Selbst Fischliebhabern gönnt man ihre Scholle nicht mehr. Wer einen Termin im Hause Hendricks hat, bringt sich sein Wurstbrot am besten selbst mit. Nun kann man sicher einwerfen, dass jeder halbwegs gesunde Mensch die Einnahme einer Gemüsesuppe überleben werde. Ganz sicher ist dies so. Dass sich aber ein Gast von seiner Gastgeberin gängeln lassen muss, dürfte kaum zu rechtfertigen sein. Das ganze erinnert an die berühmten „Friesenhäuser“ auf Amrum: Ähnlich wie die von König Gottfried absichtlich zu niedrig gehaltenen Türen, deren einziger Sinn darin bestand, dass sich die besiegten Friesen beim Austritt vor dem Herrscher verbeugen mussten, setzt Hendricks ihren Besuchern Vegetarisches vor, damit sie nicht umhin kommen, sich ihrer Ideologie zu unterwerfen. Ab sofort geht nach dem krachenden Scheitern der grünen „Veggie Day“-Doktrin vom Epizentrum der Umerziehung ein klares Signal aus: Wenn ihr nicht freiwillig mitmacht, werden wir euch zwingen. Hendricks rechtfertigt ihre interne Dienstanweisung, nur noch fisch- und fleischlose Kost anliefern zu lassen, mit der Vorbildfunktion ihres Ministeriums. Ende letzten Jahres schlug sie zudem vor, Fleischprodukte mit dem vollen Mehrwertsteuersatz zu belegen, um ihr ehrgeiziges Ziel zu erreichen, den deutschen Fleischkonsum bis 2050 zu halbieren. Ginge es ihr aber wirklich darum, würde sie zumindest weiterhin Fisch servieren lassen.

Mangelernährung als neues Klimaschutzziel?

Hendricks will – wieder einmal – das Weltklima retten, von dem niemand weiß, was es vorhat, weil vegetarisches Essen „klimafreundlicher als Fleisch und Fisch“ sei. Dass dies auch gegenüber Milch und Käse gilt, macht die Sache zwar nicht besser, verdeutlicht jedoch eines: Wer Landwirtschaft betreibt, um die Menschen auf der Erde zu ernähren, kann nicht gleichzeitig die Welt retten. Ohnehin ist fraglich, ob die Dogmen der Politik den komplexen Zusammenhängen der Natur überhaupt gerecht werden. Es ist jedenfalls sicher keine besonders kluge Idee, Mangelernährung als neues Klimaschutzziel zu definieren. Glücklicherweise bezieht sich die Verordnung (noch) nicht auf die Kantine des Ministeriums. Hendricks wird wissen, dass viele der fast 1.200 Mitarbeiter Sturm laufen würden, könnten sie künftig an ihrem Arbeitsplatz nur noch Tofu und Salat zu sich nehmen. Fisch und Fleisch gehören nun einmal zu einer ausgewogenen Ernährung. Die Politikergeneration unserer Zeit gibt ein trauriges Bild ab. Verbote und Verordnungen treten zunehmend an die Stelle von Aufklärung und Diskurs. Statt immer neue Wege der Bevormundung zu suchen, sollte Frau Hendricks gemeinsam mit ihren Kollegen darüber nachdenken, wie man den zur Unmündigkeit erzogenen Bürger wieder darin bestärken könnte, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Wer einen Nanny-Staat errichtet, verhindert, dass eine Gesellschaft kreativ daran mitwirkt, die Rahmenbedingungen für echte Nachhaltigkeit zu schaffen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog des Autors.


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