20. Januar 2017

Protest gegen Treffen der ENF-Fraktion Krank melden!

Von der Zone lernen

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Bildquelle: rkl_foto / Shutterstock, Inc. Hobby der Nettostaatsprofiteure: Protest

Der Koblenzer Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig (SPD) kündigt an, dass am morgigen Samstag mehr als 1.000 Menschen an einer „parteiübergreifenden Gegendemonstration“ teilnehmen und durch die Stadt marschieren – nein, das macht ja nur Pegida –, durch die Stadt schlappen werden. Es ist das übliche „breite Bündnis“ aus Nettostaatsprofiteuren und anderweitig staatlich Alimentierten. Sie protestieren – der durchschnittliche Nettostaatsprofiteur hat ja unendlich Zeit zum Protestieren, er muss gemeinhin weder besonders viel arbeiten, noch pflegt er ein zeitraubendes Hobby oder unterhält verzehrende Leidenschaften –, sie protestieren also gegen die Tagung der ENF-Fraktion des Europaparlaments in der Rhein-Mosel-Halle. Mehr als 1.000 Polizisten sollen die friedfertigen Demonstranten vor Übergriffen von Marine Le Pen, Geert Wilders, Frauke Petry und ihrer rüden Anhänger schützen. Die Rheinische Philharmonie will zusammen mit den Protestlern gegen 12:30 Uhr Beethovens „Ode an die Freude“ anstimmen. Ich versuche eben, mich in die Lage eines Musikers zu versetzen, der keine Lust verspürt, bei dergleichen DDR-Spielereien mitzutun. Äußerte er, sei‘s aus konservativer Daseinsgestimmtheit, sei‘s aus Liberalität oder schierer antikollektivistischer Unlust, solch unfromme Gedanken, wahrscheinlich entzöge man ihm die Orchesterplanstelle für immer. Also, wie in der Zone: Krank melden! Aber unbedingt Attest vorlegen! Und in wilder Schwermut Bedauern heucheln!

Bürgermeister Hofmann-Göttig erklärte ebenfalls und wahrscheinlich sogar aufrichtig bedauernd, die mit öffentlichen Mitteln finanzierte Rhein-Mosel-Halle habe aus rechtlichen Gründen an die „demokratisch gewählte“ ENF-Fraktion vermietet werden müssen. Man hätte es gern verhindert – nur am Rande: was wäre dann aus dem Wellness-Wochenende samt Feldgottesdienst geworden? –, doch die Rechtspopulisten beziehungsweise Rechtsstaatspopulisten „hätten sich eingeklagt“. Und in diesem Fall konnte kein Privatunternehmer unter sozialen Ächtungsdruck gesetzt werden, um die Stadt populistenrein zu halten, wie das zuvor mindestens einem Koblenzer Hotelier widerfuhr. Leider ziehen noch immer nicht alle benachbarten Kommunen mit.

Die Veranstaltung steht unter dem Motto „Koblenz bleibt bunt! – Wer in der Demokratie schläft, kann in der Diktatur aufwachen!“ Es beschreibt bemerkenswert exakt, aus welchem Grund und mit welchem politischen Ziel Le Pen, Petry et al. am Rhein zusammentreffen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Acta diurna.


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