17. Januar 2017

Kampf gegen „Fake News“ Wie man Menschen aus der Gesellschaft „rauskriegt“

Was geschieht mit den Uneinsichtigen?

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Bildquelle: shutterstock Werden härter bekämpft: „Fake News“

An ihren Worten sollt ihr sie erkennen. Und was hinter ihren Worten steckt.

Der Kampf gegen rechts/Populismus/Fake News hat eine neue Stufe erreicht. Facebook hat das Recherchenetzwerk correctiv damit beauftragt, Fake News aus seinem Netzwerk herauszufiltern. Damit sind natürlich nur Fake News gemeint, die nicht von den Qualitätsmedien produziert werden. Davon haben wir heute wieder schöne Beispiele erleben können. Sowohl „Spiegel Online“ als auch t-online.de meldeten heute vormittag, die NPD sei vom Verfassungsgericht verboten worden. Offenbar wurden da vorgefertigte Meldungen ins Netz gestellt, die zeigen, wie sich die Journalisten den Ausgang des Verfahrens vorgestellt haben. Wir haben aber noch eine Rest-Unabhängigkeit der Justiz, die sich erlaubt, anders zu entscheiden, als sich unsere links-grünen Meinungsmacher wünschen.

Ein ähnlicher Fehler ist correctiv unterlaufen, als seine Recherchespezialisten, die alle Medien mit ihren unfehlbaren Ergebnissen beglücken wollen, den Wahlsieg von Hillary Clinton verkündeten. Die Realität erweist sich immer wieder als die größte Feindin der Fake News. Sie ist ein sichererer Korrektor als alle selbsternannten Falschmeldungs-Jäger zusammen.

Correctiv will aber nicht nur die Medien, sondern auch die Bürger beglücken. Mit einem „Bildungsprogramm, um die Methoden des aufklärenden Journalismus weiterzugeben. Damit wollen wir Bürger vor Ort dazu befähigen, sich selbst Informationen zu beschaffen und für Transparenz zu sorgen“. Zukünftig sollen also Bürger „befähigt“ werden, bevor sie ihre unmaßgebliche Meinung „in die Tasten dreschen“, wie es Justizminister Maas einmal ausdrückte. Roger Letsch hat den Geist, der hinter diesem Ansinnen steckt, so genial analysiert, dass ich an dieser Stelle auf ihn verweise.

Was soll mit den uneinsichtigen Bürgern passieren, die es vorziehen, selbst zu denken, statt sich „befähigen“ zu lassen? Da wird David Schraven, Publisher und inhaltlicher Geschäftsführer von correctiv, im MDR-aktuell ganz deutlich: „Nur mit Aufklärung können wir die Populisten aus der Gesellschaft herauskriegen, nur dann kann man die demokratische Gesellschaft am Ende verteidigen.“ Das ähnelt fatal der Denk- und Ausdrucksweise der beiden deutschen Diktaturen. Wenn man Menschen aus der Gesellschaft entfernen will, statt sie durch bessere Argumente zu überzeugen, hat man den Boden der Demokratie, die man zu verteidigen vorgibt, bereits verlassen.

Correctiv gibt an, unabhängig zu sein, lässt sich aber unter anderem von der Bundeszentrale für politische Bildung finanzieren. Ein Schelm, wer böses dabei denkt?

Roger Letsch, „Die Journalisten-Fabrik und das Schweigen der Bürger“

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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