11. Januar 2017

Moderne Gedanken Mut zur Reaktion!

Die Schweigespirale funktioniert

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Bildquelle: shutterstock Führt ins Verderben: Herdentrieb

Im öffentlichen Diskurs findet eine Trennung zwischen modernen und unmodernen Gedanken statt. Letztere finden selten Eingang in die Presse, in die Bücher, in die Klassenzimmer, in die Universitätshörsäle und in die Parlamente.

Der große russische Schriftsteller und Dramatiker Alexander Solschenizyn schrieb im amerikanischen Exil: „Der Geist eurer Forscher ist juristisch frei, jedoch umstellt von den Götzen der heutigen Mode. Nicht durch offene Gewalt, jedoch durch die Notwendigkeit, dem Massenstandard zu genügen, werden die selbständig denkenden Individuen von einem Beitrag zum gesellschaftlichen Leben abgedrängt. Es entstehen gefährliche Symptome des Herdentriebes, die eine gedeihliche Entwicklung unmöglich machen.“

Dieser Herdentrieb lässt sich in unserer Gesellschaft oft beobachten. Nicht nur an den Universitäten, nein, auch schon in den Klassenzimmern – von den Massenmedien und der Politik ganz zu schweigen. Aufbegehren tun nur die wenigsten, selbst jene nicht, die mit den Zuständen unzufrieden sind und die mit den vorherrschenden modernen Gedanken nichts anzufangen wissen oder diese sogar rigoros ablehnen.

Die berühmte Kommunikationswissenschaftlerin und Begründerin der Theorie der Schweigespirale, Elisabeth Noelle-Neumann, hatte wohl recht, als sie schrieb, dass Menschen, bedingt durch die Empfindlichkeit ihrer „sozialen Haut“, spüren, welche Meinungsäußerungen gesellschaftlich erwünscht sind und welche nicht. Das wirkt konditionierend. Wer nicht allzu große persönliche Nachteile erleiden möchte und Positionen vertritt, die gesellschaftlich nicht opportun sind, wird diese, sofern er nicht eine ausgeprägte rebellische Ader hat, öffentlich nicht äußern, was wiederum dazu führen kann, dass diese Positionen den von den Diskurseliten definierten Korridor des Sagbaren immer mehr verlassen, bis sie ganz verschwinden. So funktioniert die Schweigespirale.

Das ist vor allem dann tragisch, wenn das Moderne, das den Korridor des Sagbaren immer mehr füllt, abscheulich und schädlich ist. Dann bedarf es der Reaktion! Auf das Abscheuliche und auf das Schädliche muss reagiert werden, völlig egal, ob es sich dabei um scheinbar irrelevante Alltagskleinigkeiten oder um hohe Politik handelt. Und das Abscheuliche und Schädliche tritt immer klarer hervor: Die Sitten, die Sprache, die Umgangsformen verkommen zunehmend. Und eine utopiebesoffene Politik, die sich beispielsweise in einem egalitären Streben nach der sogenannten sozialen Gerechtigkeit, in einem im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlos naiven Multikulturalismus und in einem papierenen Geldsozialismus äußert, entfaltet immer mehr ihre zerstörerische Kraft. Hierauf gilt es zu reagieren. Der Vorwurf der „Reaktion“ darf einen dabei nicht schockieren. Er sollte vielmehr, ob der unerträglicher werdenden Zustände, Ansporn sein.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Freitum“.


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