03. Januar 2017

Neuer Aufregerbegriff „Nafri“ ist kein Rassismus

Einfach ein praktikabler Umgang mit einem anderen Problem

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Bildquelle: shutterstock Wurden 2016 in Köln an sexuellen Übergriffen gehindert: Nafris

„Nafri“ ist der neue Aufregerbegriff der Linken, die hinter jeder Ecke Rassismus und Diskriminierung wittern. „Nafri“ steht im Polizeijargon für „Nordafrikaner“ oder auch „Nordafrikanischer Intensivtäter“ und verdeutlicht eine Problematik der Kölner Exzesse zu Silvester 2015/2016 und deren Verhinderung 2016/2017. Natürlich gab es auch in früheren Jahren schon Übergriffe, sexuelle Attacken auf Frauen, Gegrapsche und Schlimmeres – durch Männer egal welcher Herkunft. Nur war das bis Silvester 2015/2016 kein Massenphänomen, und mit diesem massenhaften Auftreten kristallisierte sich auch eine spezielle Tätergruppe heraus: die der südländisch Aussehenden, allerdings im wesentlichen aus Nordafrika stammenden jungen Männer, häufig Migranten oder Flüchtlinge.

Fokus

Geht man, oben Gesagtes im Hinterkopf, davon aus, dass Übergriffigkeiten sich nie ganz verhindern lassen, man aber eine versuchte Massenvergewaltigung in jedem Fall unterbinden will: Auf wen fokussiert man dann seine Aufmerksamkeit? Wer einen Neonazi-Aufmarsch verhindern will, der wird weiße Männer mit Thor-Steinar-Pullis im Auge behalten, auch wenn es Männer mit diesem Aussehen gibt, die mit einer Nazi-Ideologie nichts im Sinn haben. Und auch wenn es möglicherweise südländisch erscheinende Nazis geben mag. Wer Ausschreitungen wie die vom vergangenen Jahr verhindern will, der wird Männer ohne weibliche Begleitung im Auge behalten, deren Herkunft man dem Äußeren nach in Nordafrika vermuten kann, auch wenn man annimmt, dass die Mehrheit der Menschen, die dieser Beschreibung entsprechen, mit sexuellen Übergriffen nichts im Sinn hat. Und auch wenn es andere Männer gibt, die zu Silvester auf der Domplatte nichts anderes vorhaben, als Frauen anzugrapschen.

Insofern ist der Begriff „Nafri“ eine eher technische Bezeichnung, die einen Polizisten in die Lage versetzen soll, zu fokussieren. Weder diese Bezeichnung noch die damit einhergehende Fokussierung der Kölner Silvesterkontrollen auf diese „Klientel“ (derzeit als „racial profiling“ bezeichnet) stellt eine Minderwertigkeit der insgesamt unter diese Gruppe fallenden Menschen fest; darum ist sie auch nicht rassistisch. Alles, was hier gewährleistet wird, ist eine statistisch verantwortbare Entscheidung über die Verteilung von Polizeiressourcen. Die sind naturgemäß begrenzt, und wenn man am Kölner Bahnhof nicht alle zigtausend Besucher der gleichen Kontrolle unterziehen kann (!) und will, dann konzentriert man sich eben auf die, bei denen man statistisch gesehen am ehesten fündig wird.

Rassismus?

Wenn also so manche politisch interessierten Gruppen „Rassismus“ schreien, dann ist dies einer eigenen Ideologie geschuldet, der der Gleichheit. Jeder Mensch, so meinen deren Vertreter, ist gleich und sollte auch gleich behandelt werden. Das ist aber nachvollziehbar nicht der Fall: Nicht alle Menschen sind gleich intelligent, nicht alle Menschen sind gleich gut ausgebildet, nicht alle Menschen haben den gleichen Charakter … Eigentlich ist es eher schwer, Dinge zu finden, bei denen Menschen tatsächlich gleich sind. Was es allerdings gibt, sind Ähnlichkeiten oder statistische Auffälligkeiten wie die oben beschriebenen. Die sind aber nicht einer „Rasse“ zuzuschreiben, sondern den Rahmenbedingungen, unter denen sie gelebt haben und leben. Wer jahrzehntelang in einer extrem patriarchalischen Struktur islamischer Prägung groß geworden ist und nach einer Flucht oder Migration nach Deutschland diese Werte nicht mehr repräsentiert sieht, vielleicht auch aus verschiedenen Gründen unzufrieden ist, der reagiert eben auch mal aggressiv.

Wer solche Muster nicht erkennen will, oder sie erkennt und nicht darauf reagiert, handelt bestenfalls fahrlässig oder aber ideologisch verblendet. Eher noch aber möchten wohl viele die Augen davor verschließen, dass sich durch die Flüchtlings- und Migrationspolitik seit Ende 2015 in Deutschland die Verhältnisse eben doch geändert haben. Dass die Polizei so agiert, wie sie agiert, ist dieser Veränderung geschuldet, die mit dem Begriff von „Integrationsproblemen“ grob umrissen ist. Diese Problematik wird unter anderem auf den Schultern der Polizisten abgeladen, die sich nun rechtfertigen müssen, wieso sie auf die beschriebene Art und Weise die Situation – offenbar sehr erfolgreich – gemeistert haben. Das Problem ist aber nicht die Bezeichnung „Nafri“, ist nicht die Selektion potentieller Tätergruppen; das Problem ist die noch immer mangelnde Bereitschaft, Probleme der Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen auch als solche zu bezeichnen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Papsttreuen Blog.


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