21. Dezember 2016

Frauenbild der AfD Karriere nur am Herd?

Karikatur und Wirklichkeit

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Bildquelle: Galyamin Sergej / Shutterstock.com Am Herd: Frauenbild der AfD?

Die Alternative für Deutschland ist die zur Zeit größte Bedrohung einer aufgeklärten und modernen Gesellschaft. Sie ist nationalistisch, autoritär, umweltvergessen, rassistisch, unsozial, frauenfeindlich … Moment mal!? Frauenfeindlich? Ich bin auch eine Frau, habe mich bislang aber noch nie von der AfD diskriminiert gefühlt. Was stimmt nicht mit mir?

Schließlich ist die AfD doch „eine Gefährdung der Errungenschaften der Gleichberechtigung“ und möchte Frauen nicht nur „die Karriere verbieten“, sondern sie gleichzeitig als reine „Gebärmaschinen, Mütter und Hausfrauen“ determinieren. Damit sei sie nicht nur „illiberal und rückwärtsgewandt“, sondern auch „gegen die Emanzipation der Frau“ gerichtet. Warum die AfD mit Frauke Petry dann gerade eine Frau als Bundesvorsitzende hat, die doch eigentlich „an den Herd gehört“, erscheint den AfD-Gegnern nicht widersprüchlich. Sie skizzieren weiterhin ein Frauenbild, das sich irgendwo zwischen „Küche, Kindern und Kirche“ bewegt.

Was also ist dran an den Vorwürfen gegen die Partei? Ich treffe den AfD-Politiker Martin E. Renner, Sprecher der Alternative für Deutschland NRW und einer der 16 Gründungsmitglieder der Partei. Renner – obwohl rechtspopulistischer, frauenfeindlicher AfD-Politiker – begrüßt mich sehr herzlich, bittet mich in sein Büro und bietet mir sogar etwas zu trinken an. „Kaffee? Wasser?“ Ich entscheide mich für das Wasser und frage mich im selben Augenblick, ob ich mir den Kaffee hätte selbst kochen müssen, denn schließlich gehöre ich laut AfD genau dort hin: in die Küche. Oder etwa doch nicht?

„Natürlich nicht“, antwortet Renner und bremst damit meinen gedanklichen Ausflug zur Kaffeemaschine. Dass viele Medien die eigentlich komplexe Familienpolitik der AfD dennoch auf das Bild der biederen und züchtigen Hausfrau reduzieren, stehe sinnbildlich für unsere Entwicklung hin zum Nanny- und Erziehungsstaat: „Banale Dinge werden dramatisiert, hochpolitische hingegen banalisiert, darunter auch das des demographischen Wandels. Das deutsche Renten- und Solidarsystem ist im Grunde nichts weiteres als ein Generationenvertrag – Jung zahlt Alt. Die Überalterung der Gesellschaft führt aber dazu, dass die Einzahlungen in die Rentenkassen nicht mehr garantiert werden können. Das ist eine erhebliche Fehlentwicklung der aktuellen Politik, die man entweder nicht erkennen möchte oder bei der man nicht entscheidend genug gegensteuert.“

Auch die derzeitige Prophezeiung, dass die Masseneinwanderung den demographischen Wandel stoppen wird, ist ein Irrtum, den uns die Altparteien jedoch als Lösung verkaufen wollen. Im Gegenteil vergrößert die Zuwanderung die Belastung und stellt die Sozialsysteme vor einen finanziellen Kollaps, denn der Anteil wirklich fähiger Fachkräfte ist gering. Die meisten muslimischen Länder, die unter dem Gesetz der Scharia stehen, können mit der Wettbewerbsfähigkeit des Westens nicht mithalten. Sie produzieren einen erwerbslosen Bevölkerungsüberschuss, der nun in die westlichen Länder exportiert wird. Anstatt in unsere Leistungsgesellschaft wandert ein Großteil der Migranten nur in unser Sozialsystem ein. Wirkliche Fachkräfte kommen hingegen nicht nach Deutschland, um hier unseren Sozialstaat zu retten. Sie wandern in Länder aus, in denen sie weniger Abgaben zahlen müssen. Auch die Tatsache, dass unsere eigenen Hochqualifizierten immer öfter den Weg ins Ausland suchen, sollte uns zu denken geben.

Heißt das also in der Konsequenz, frage ich Renner, dass Frauen künftig in der Verantwortung stehen, den demographischen Wandel in Deutschland bremsen zu müssen, indem sie Kinder bekommen? Sollten sie im Sinne der Gesellschaft handeln und damit ihr Selbstbestimmungsrecht aufgeben? Steht das Wohl der Gesellschaft über dem freien Entscheidungsrecht des Individuums? „Auch das ist falsch“, entgegnet Renner. „Der Kinderwunsch ist heute ausschließlich eine individuelle Entscheidung. Vielmehr ist es die Politik, die fördernde Lebensumstände für Eltern und Familien schaffen muss, sodass das Bedürfnis nach einem harmonischen Beziehungs- und Familienleben erfüllt werden kann – alles andere wäre menschenverachtend.“

Wer heute Kinder bekommt, nimmt jedoch weiterhin gesellschaftliche und wirtschaftliche Nachteile in Kauf. Ziel der AfD ist es, mit Anreizen gegenzusteuern, beispielsweise die Einkommenssteuer gemessen an der Anzahl der Kinder zu reduzieren, um so die Elternschaft durch Steuerentlastungen attraktiver zu gestalten. Besonders will man so die leistungserbringenden und werteschaffenden Milieus erreichen, die im Gegenzug den Fortbestand des Renten- und Sozialsystems garantieren würden. Dass das Wohlstandsniveau noch heute den Kinderwunsch vieler Paare beeinflusst, ist für die AfD nicht tragbar. Oft müssten beide Elternteile arbeiten, um die Kosten zu decken, während die Kinder dem Stress einer frühkindlichen Betreuung ausgesetzt werden. Dabei wären genügend Gelder da, die in die Gesellschaftspolitik fließen könnten. Stattdessen retten wir lieber Banken, überschulden uns durch die Euro-Politik und überfordern unsere Sozialsysteme mit der Aufnahme von Wirtschaftsflüchtlingen. Wenn wir Politik machen, dann nicht für Deutschland.

„Im übrigen muss es nicht die Frau sein, die zu Hause bleibt“, fügt Renner hinzu. „Es kann selbstverständlich auch der Mann sein. Das fällt in die Entscheidungsfreiheit der Lebenspartner und ist individuelle Aufgabenverteilung. Wichtig ist, dass die Politik die Familiengründung unterstützt und wertschätzt, anstatt sie zu erschweren.“ Der Mann an den Herd? Ich höre quasi, wie die bequemen Denkmuster der AfD-Gegner klirrend in sich zusammenbrechen. War es das also mit dem Bild der biederen Hausfrau, die in der Küche ein reichhaltiges Mittagsmahl für die vier Kinder und den Gatten kocht, nachdem sie aus der Kirche gekommen ist? „Unsere Gesellschaftspolitik ist nicht Ausdruck eines altbackenen Frauenbildes, sondern die Grundlage eines gesellschaftlich harmonischen Zusammenlebens der Generationen, in dem Jung und Alt aufeinander abgestimmt sind. Frauen und Männer müssen zusammenwirken, und die Familie ist die beste und gewöhnlichste Form dafür, die auch die Kinder schützt.“

Doch auch wenn die Zahl der „Hausmänner“ zunimmt und die Gleichberechtigung fest im deutschen Grundgesetz verankert ist, gehen linke Ideologen und Gender-Beauftragte weiterhin von einer gesellschaftlichen Benachteiligung der Frau aus. Gerade Schwanger- und Mutterschaft würden sie in ihrer Gleichstellung zum Mann begrenzen, einschränken und diskriminieren. Dass Männer und Frauen verschiedene Körper- und Wesensmerkmale aufweisen, ist hingegen natürlich. Der größte Unterschied ist wohl, dass der Frau das Gebären des Nachwuchses vorbehalten ist. Warum sollte sie sich also von etwas diskriminiert fühlen, das sie im Besonderen als Frau auszeichnet? Sind nicht diejenigen, die die absolute Gleichheit der Geschlechter fordern und Geschlechterunterschiede nur als künstliches Konstrukt bezeichnen, die wahren Gegner der Frau, da sie ihre grundlegende und natürliche Körperlichkeit nicht anerkennen wollen? Und bedeutet das nicht gleichzeitig auch eine Abwertung der Mutterschaft?

Zurückzuführen sei der Verlust des natürlichen Rollenverständnisses von Mann und Frau auf drei Brüche in der Gesellschaft, so Renner. Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges sollte die deutsche Bevölkerung umerzogen werden, um so den Nationalsozialismus zu überwinden. Es folgte eine bis heute nicht nachlassende linke Indoktrination der Gesellschaft („Reeducation“, Frankfurter Schule, 68er-Bewegung, Internationalisierung, grün-ökologische Bewegung, multikulturelle Bekehrung, Hypermoralisierung, Gender-Mainstreaming, Feminismus, Frühsexualisierung …). Die Grundannahme war, dass der deutsche Charakter grundsätzlich amoralisch sei. Um die Deutschen nun wieder gesellschaftsfähig zu machen, mussten sie folgerichtig immer und immer wieder an ihre Kriegsschuld erinnert werden. Das Programm der Umerziehung besagte damit nicht nur die Entnazifizierung, sondern auch die Veränderung von Mentalität, Tradition und Charakter der deutschen Nation und damit eine fortschreitende Zerstörung ihrer Kultur. Die ständige Beteuerung der Grundschuld der Deutschen führte zum Bruch der nationalen Identität und zur Etablierung eines Schuldkults, der – man kann es nicht anders sagen – bis heute anhält. Damit einher geht der zweite Bruch, der durch die linke 68er-Bewegung ausgelöst wurde. Man brachte die Kinder gegen die Eltern auf – den Vater gegen den Sohn – indem man ihnen eine generationsübergreifende Kollektivschuld am Dritten Reich zusprach. Die Folge war das Brechen der Generationenidentität und ‑kontinuität, wodurch auch das heutige herkunfts- und zukunftsvergessene Dasein erklärt werden kann. Hedonismus und Narzissmus bilden die neuen bestimmenden Parameter der Gesellschaft, sodass das generationsübergreifende Denken mehr und mehr verdrängt wird. Der dritte Bruch ist schließlich der Bruch der Geschlechteridentitäten: Frauen und Männer werden gegeneinander aufgebracht, anstatt zusammenzuwirken, wodurch auch die Etablierung einer Familie ideologisch erschwert wird. „Die Gleichberechtigung von Mann und Frau wollen wir alle schützen, eine unreflektierte Gleichstellung hingegen ist ein Fehlschluss, weil sie zu neuen Benachteiligungen des Mannes führen würde“, kommentiert Renner. Indem man das natürliche Zusammenspiel künstlich destabilisiert, produziert man also lediglich neues Konfliktpotential.

Die einstige Abwertung weiblicher Eigenschaften schlägt heute um in deren oberflächliche Glorifizierung, Hofierung und Idealisierung bei gleichzeitigem Rückzug typisch männlicher Wesenszüge. Während Männer konfliktbetont agieren, zeichnet die Frau ein moralisches Verständnis und Harmoniebedürfnis aus. Gerade Jungen treffen während des Heranwachsens oft nur auf Frauen in Erziehungs- und Lehrpositionen, die typisch jungenhaftes Verhalten (zum Beispiel Raufereien) durch weibliche Maßregelung unterbinden, sodass bereits unsere männlichen Nachkommen effeminiert werden. Auch die kinderlose Frau von heute, der dennoch weiterhin ein Fürsorgetrieb innewohnt, versucht nicht selten, ihre Kinderlosigkeit auszugleichen, indem sie beginnt, Angehörige oder Haustiere zu bemuttern. Oder eben Migranten, denen man dann freudig mit Teddybären entgegenwedeln kann. Dabei sind Pflege- und Fürsorgeverhalten der Frau im Grunde sehr positive Eigenschaften, die kompensierend zum Konkurrenzdenken, Heldentum und Tapferkeitsideal des Mannes stehen. Man schadet einer Gesellschaft erst dann, wenn man die jeweiligen Wesenheiten und Stärken von Mann und Frau überzieht und pervertiert und sie als allein praktikable Gesellschaftsmodelle klassifiziert, anstelle eines notwendigen Ausgleichs. Zurück bleibt eine verweiblichte Gesellschaft, die nun auf eine Zuwanderung maskuliner, offensiver, vitaler und teilweise aggressiver Asylbewerber trifft. Vielleicht ist es das Bestreben der Natur nach Gleichgewicht, der effeminierten Gesellschaft wieder ein männliches Konträr gegenüberzustellen.

Sollte man nun schlussfolgern, dass die Familie dem Lebensmodell der Karrierefrau oder dem des homosexuellen Paars überlegen ist, so wie es viele AfD-Gegner angsterfüllt karikieren? Renner merkt an, dass die Karrierefrau ein beispielhaftes Konstrukt für eine Gesellschaft ohne Zukunft sei. Natürlich würde sich ihre Lebensführung nicht in ihrer Wertigkeit von der einer Familie unterscheiden, doch gehöre sie schlicht nicht in den Fokus der Politik, da sie nicht den gleichen gesellschaftlichen Nutzen erfülle und den Fortbestand einer Gesellschaft garantieren könne. Auch der Staat unterliegt den Gesetzen der Markt- und Volkswirtschaft und muss, um überlebens- und entwicklungsfähig zu bleiben, nutzenorientiert, leistungsbejahend und kompetitiv denken. Doch genau die Dinge, derer es dafür bedarf – Bildung, Leistung, Wettbewerb, die starke Familie – werden negiert oder nach unten korrigiert und durch Effeminierung, Moralisierung und Gleichstellung zur Stagnation gezwungen. Damit sind es entgegen ihrer Verheißungen die Altparteien und linken Ideologen, die mit ihrer Werte-, Kultur- und Familienvergessenheit den Sozialstaat gefährden und den gesellschaftlichen Motor lahmlegen, nicht ohne dabei die AfD zum bequemen Sündenbock zu machen.


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Dossier: AfD

Autor

Marei Bestek

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