16. Dezember 2016

Gerald Hensel Gott? Teufel? Oder einfach nur ein Jammerlappen?

Weder mutig noch ehrlich

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Bildquelle: shutterstock Nimmt zu: Denunziation im Internet

Derzeit ist ein Name in aller Munde: Gerald Hensel. Der Mann, der in seinem „Kampf gegen rechts“ die Wogen hochschlagen lässt. Der Mann, der mit der Aktion „#keingeldfürrechts“ deutschlandweite Aufmerksamkeit erlangt hat. Schließlich hat er niemand Geringeren als Henryk Broder beziehungsweise die „Achse des Guten“ des Schlimmsten aller Verbrechen bezichtigt, das man derzeit begehen kann; sich nämlich des angeblichen Rechtspopulismus schuldig gemacht zu haben. Nicht nur die „Achse“ musste dran glauben, auch „Tichys Einblick“ war auf der „bösen Liste“, das Magazin eigentümlich frei und sogar Roger Köppel und diverse andere Medienangebote, die sich (mal im besseren, mal im schlechteren Stil) dem zeitgeistströmigen Einheitsbrei nicht anschließen wollen. Ein Schritt, den Gerald Hensel noch bitter bereuen dürfte. Aber dies aus ganz anderen Gründen, als man das bisher annehmen würde.

Die „Achse“ und andere Medienplattformen haben sich inzwischen gegen die Diffamierungen gewehrt. Zu Recht. Und der Sturm der Entrüstung war groß. Auch zu Recht. Und das nicht deshalb, weil ich mit den genannten Herrschaften immer einer Meinung bin, sondern weil Meinungsfreiheit eben auch dann gilt, wenn einem diese Meinung nicht passt. Wenn man sie für falsch hält. Und für gefährlich. Aber man selbst hält sie eben für gefährlich. Genauso wie die andere Seite, die eben genau die Meinung des Ersteren für gefährlich hält. Diese Ambivalenz ist es, die normalerweise in einer freiheitlichen Gesellschaft dafür sorgt, dass sich keine bedrohlichen Tendenzen bilden, die dann dazu führen, dass eine Seite die (gewalttätige) Meinungsüberhand nimmt – mit all den negativen Begleiterscheinungen, die wir aus der Vergangenheit kennen. Genau das hat Hensel aber bezweckt.

In einem Aufruf, in dem er seinen Arbeitgeber als Rückendeckung missbraucht (eine private E-mail hat jeder, hat er aber nicht genutzt), fordert er Unternehmen dazu auf, sich von diesen „rechten“ Seiten fernzuhalten, Werbeverträge zu kündigen oder gar nicht erst einzugehen. Und tritt genau damit eine Lawine los, die sich nun gegen ihn wendet. Nicht deshalb, weil er angeblich fremdenfeindliche Parolen anprangert, sondern weil er sich zum Meinungsapostel aufspielt, dem man zu folgen hat, will man nicht in der gleichen Kloake landen wie der „böse rechte Mob!“ Dieser Versuch ist weitestgehend nach hinten losgegangen. Zum einen deshalb, weil man dieses Geplapper vom „Jeder ist ein Nazi, der nicht unserer Meinung ist“ langsam satt hat, und zum anderen, weil immer mehr Menschen inzwischen erkennen, ob es sich wirklich um Ausländerfeindlichkeit handelt oder um Kritik, die den links-grünen Zeitgeist entlarvt.

Der eigentliche Schaden, der wirklich entscheidend ist, entsteht für Hensel erst jetzt. Nachdem er ein Interview im „Stern“ gegeben hat. Denn hier und an dieser Stelle offenbart sich der Charakter des 41-Jährigen. Und dieses Bild dürfte nur denen gefallen, die in ihrem „Kampf gegen rechts“ eindimensional durch die Gegend laufen.

Schauen wir uns an, was dieser Menschenfreund so von sich gegeben hat (mit meinen Anmerkungen in Klammern dazu).

„Stern“: Herr Hensel, wo befinden Sie sich gerade?
GH: Ich bin in einem Hotel an einer Stelle, die nicht in Berlin ist.

(Da fragt man sich, warum nicht. Liegt es an den Morddrohungen, die er angeblich bekommen hat?)

„Stern“: Aus Sicherheitsgründen?
GH: Ja, klar.

(Aha, wusste ich es doch.)

„Stern“: Sie werden persönlich bedroht?
GH: Ja. Es ist ein systematischer, konzertierter Shitstorm, der zu einem Angriff auf mein persönliches Leben und mein Arbeitsumfeld, meine Kollegen, meinen Arbeitgeber geworden ist. Ich bekomme seit sieben Tagen täglich Tausende von Hass-Tweets und Facebook-Messages, es wurden mehrere Fake-Profile mit meinem Namen angelegt. Menschen arbeiten sich durch insgesamt 22.000 meiner oft politischen Tweets, um mich dann in Foren als Antisemit zu zeichnen. So startet dann die nächste Angriffswelle.

(Soso, Herr Hensel. Ein „Shitstorm“, der zum Angriff auf das persönliche Leben und das Arbeitsumfeld erfolgte. Komisch, dass Sie der „Shitstorm“, den Ihre „Feinde“ ertragen müssen und mussten, nicht so tief berührt. Wahrscheinlich, weil Sie sich auf der „richtigen“ Seite befinden und „Shitstorms“ bei Leuten, die auf der „falschen“ Seite stehen, berechtigt und gut sind.)

„Stern“: Wie sind Sie in diese Situation gekommen?
GH: Ich bin Politologe und Digitalstratege. Ich bin mit der Logik von Mediaschaltung vertraut. Wenn ich auf eine Seite komme, die hetzt, und daneben das Banner einer großen Marke sehe, finde ich das nicht nachvollziehbar. Dadurch bin ich an einen Punkt gekommen, wo mir ein Fehler im System aufgefallen ist. Darauf wollte ich hinweisen.

(Gott oder Teufel? Darauf kommen wir noch!)

„Stern“: Wie war die Resonanz auf die Aktion?
GH: Seit sieben Tagen stehe ich unter Dauerfeuer von populistischen und rechten Blogs, die täglich mit mehreren Artikeln in einer sehr systematischen Weise gegen mich persönlich schießen. Mein Arbeitgeber und ich werden mit den absurdesten Vorwürfen konfrontiert.

(Spiegel, Herr Hensel, Spiegel!)

„Stern“: Haben Sie auch positive Erfahrungen gemacht?
GH: Ja. Und es gibt Resonanz auf die eigentliche Idee: Faktisch bestellen Werbekunden ihre Banner ab. Irgendwas scheint wohl dran zu sein an meiner Frage, die ich gestellt habe.

(Nein, Herr Hensel, das hat was mit der Stimmung zu tun, die Leute wie Ihresgleichen heraufbeschworen haben. Gerade bei Geschäftsleuten, die von Kunden abhängig sind, wiegt der „rechte“ Vorwurf schwer. Sie sind nur auf einen fahrenden Zug aufgesprungen. Mehr haben Sie nicht bewegt.)

„Stern“: Auf ihrer Website davaidavai.com haben Sie eine Liste veröffentlicht mit Websites, die Sie als rechts klassifizieren. 
GH: Es geht mir nicht darum, dass ein Kreuzzug gegen einzelne Seiten geführt wird. Es geht darum, dass die Leute, die Banner schalten, ein Verständnis dafür kriegen, wohin sie eigentlich ihre Werbegelder lenken. Es geht mir nicht um Blacklisting. Ich habe nie zu einem Boykott aufgerufen. Ich habe gesagt: „Werbeleiter dieser Welt, schaut mal wieder hin, wohin ihr euer Geld gebt. Ihr habt nämlich keine Ahnung mehr, wie eure Budgets funktionieren. Oft sind es eben manipulative Knoten, die Gesellschaften in Echtzeit in Hate-Mobs verwandeln.“

(Eine Antwort, die einem klar denkenden Menschen Angstschauer über den Rücken jagen sollte. Und daher noch einmal für das leise Gehör: „Es geht mir nicht darum, dass ein Kreuzzug gegen einzelne Seiten geführt wird.“

(Ja, was denn sonst, Herr Hensel?)

„Es geht mir nicht um Blacklisting. Ich habe nie zu einem Boykott aufgerufen.“

(Natürlich haben Sie das nicht. Denn Sie sind ja nicht dumm. Schadenersatzklagen halten Sie sich natürlich fern. Bloß keine Verantwortung für das eigene Tun übernehmen. Immer schön zweideutig bleiben. Um so den größtmöglichen Schaden für den anderen anzurichten und selber fein raus zu sein!)

„Stern“: Steht (der Arbeitgeber) noch hinter Ihnen?
GH: Ja. Die Firma steht rückhaltlos hinter mir. Dennoch habe ich mich entschlossen, mein Vertragsverhältnis mit Scholz & Friends zu beenden. Nicht weil ich denke, ich hätte etwas falsch gemacht. Ich habe alles richtig gemacht. Aber der Erfolg war insgesamt so groß, dass ich mich für zukünftige Ideen selbst freier machen muss – und meinen Arbeitgeber auch. In dieser einen Woche haben sich Menschen demaskiert. Wer bisher noch nicht den Schuss gehört hat, da kann ich nur sagen: Guckt mal, was hier passiert.

(Ohne weitere Worte. Das, mein lieber Herr Hensel, offenbart ein psychologisches Problem. Oder – wobei man nicht weiß, was besser ist – ein narzisstisches Eigenbild, das fernab jeder Möglichkeit ist, sein Verhalten zu reflektieren. Und ja, ich gucke mal, was hier passiert. Genau das ist ja das Problem. Denn ich sehe Menschen wie Sie, die in ihrer Hybris anderen vorschreiben wollen, wie sie zu sein haben. Und wollen diese nicht so, wie Sie das für richtig halten, dann greifen Sie eben zu härteren Methoden – alles natürlich nur im Sinne der „guten Sache“. Da bekommt Ihr „Davai, davai!“ doch einen ganz besonderen Beigeschmack.)

„Stern“: Sie kündigen, um Ihr Leben dem Kampf gegen rechts zu widmen?
GH: Die eine Hälfte Deutschlands denkt, ich bin Gott, die andere denkt, ich bin der Teufel. Wahrscheinlich stimmt beides nicht.

(Das, lieber Herr Hensel, offenbart alles, was ich in meinen Anmerkungen beschrieben habe. Nein, weder denkt die eine Hälfte Deutschlands, dass Sie Gott sind, noch denkt die andere, dass Sie der Teufel sind. Sie sind weder noch. Sie sind ein narzisstisches Würstchen, ein Jammerlappen, der bei ein bisschen Gegenwind darüber weint, dass die Trittbrettfahrerei auf einem ausgelutschten Thema nicht so gelaufen ist, wie Sie sich das vorgestellt haben.)

„Stern“: Wenn Sie die Uhr um zwei Wochen zurückdrehen könnten: Würden Sie etwas anders machen?
GH: Nein, als Mensch, der ich bin, habe ich Fehler gemacht. Aber auch die würde ich noch einmal so machen. Einfach, weil ich ein Mensch bin.

(Nein, Sie würden die gleichen Fehler nicht noch einmal machen, weil Sie ein Mensch sind. Menschen haben Gehirne, die ihnen das Denken ermöglichen. Sie würden die gleichen Fehler wieder machen, weil sie damit ein bisschen vom Publicity-Hype abbekommen, der Ihrem Selbstbild schmeicheln soll. Sie sind weder mutig noch ehrlich. Sie suhlen sich im Selbstmitleid, jammern wie ein Kleinkind in die Kissen und halten sich wahrscheinlich dann doch eher für Gott. Denn dass dies zutreffen könnte, haben Sie ja nur „wahrscheinlich“ ausgeschlossen. Die Nummer mit dem Teufel passt definitiv nicht. Denn der wäre clever – und geistreich. Das, lieber Herr Hensel, trifft definitiv nicht auf Sie zu.)

Dieser Artikel erschien zuerst auf „Juwelen – Das Magazin“.


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