28. November 2016

Fidel Castro Vom Westen zum Helden Kubas erklärt

Hoffentlich nutzen die Kubaner ihre Chance

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Bildquelle: Rob Crandall / Shutterstock.com Verstarb am Freitag: Fidel Castro

Kein kommunistischer Umsturz ist mehr romantisiert worden als die Machtergreifung der Castro-Rebellen auf Kuba. Die bärtigen Freiheitskämpfer beflügelten die Phantasie der rebellischen Jugend des Westens. Besonders Fidel Castros Mitkämpfer Che Guevara wurde zur Legende, der keine historische Wahrheit mehr etwas anhaben kann. Sein Tod in Bolivien machte ihn unsterblich und verdeckte alle Verbrechen, die Guevara begangen hatte. Selbst der kritische DDR-Liedermacher Wolf Biermann sah Guevara als „Jesus Christus mit der Knarre“.

Ähnlich weit entfernt von der Wirklichkeit ist das Kuba-Bild von heute. Fidel Castro ist tot. Er hat ein verwüstetes, verfallendes Land hinterlassen. Jenseits der Touristenrouten in Havanna und anderen Städten stürzen die Häuser zusammen. Die Infrastruktur liegt in den letzten Zügen. Einen öffentlichen Nah- und Fernverkehr gibt es nicht mehr. Große Teile der ehemals landwirtschaftlich genutzten Fläche liegen unter einer Unkrautdecke verborgen, die nur noch mit der Machete beseitigt werden kann. Schlimmer ist, wie mir unser junger Reiseleiter sagte, der unsere Studiengruppe betreute, das Unkraut in den Köpfen. Die bleiernen Jahrzehnte des Fidelismus haben einen trägen, zur Eigeninitiative weitgehend unfähigen, Menschenschlag hervorgebracht.

Kuba ist eine Zweiklassengesellschaft, geteilt zwischen jenen, die den konvertierbaren CUC-Peso verdienen, und jenen, die mit kubanischen Peso vorlieb nehmen müssen. Es gibt CUC-Läden und Peso-Läden. Während in den CUC-Läden das Angebot dem eines Dorfkonsums der DDR in den 70er Jahren gleicht, sind die Regale in den Peso-Läden weitgehend leer. Der Verdienst reicht gerade so zum Überleben. Das hat aus Kuba das Land der Bettler und Prostituierten beiderlei Geschlechts gemacht. Castro ist seinerzeit angetreten, den Puff, den der Diktator Fulgencio Batista aus dem Land gemacht hatte, zu beseitigen. Bei seinem Tod ist das Land ein Anziehungspunkt für Sextouristen aller Couleur.

In den Nachrufen auf Castro werden immer wieder die von ihm eingeführten „sozialen Errungenschaften“ erwähnt, das vorbildliche Gesundheitssystem, die soziale Absicherung, das Bildungssystem. Letzteres kann man vielleicht gelten lassen. Aber das hochgelobte Gesundheitssystem ist zwar kostenlos, dafür aber so schlecht, dass es für die Menschen ohne CUC-Peso-Einkommen, die sich keine Medizin kaufen können, lebensgefährlich ist. Für die Ernährung der Kranken in den Hospitälern müssen die Familien sorgen. Am deutlichsten wird das Versagen des Gesundheitssystems, wenn man die Gebisse der älteren Kubaner zu sehen bekommt. Die sind so schlecht und lückenhaft, dass man sich fragt, wie die westlichen Lobpreiser von Castro das übersehen können.

Guantanamo ist in aller Munde, aber wie es in Castros Gefängnissen aussieht, wird kaum thematisiert. Über die vielen Menschenrechtsverletzungen des Castro-Regimes wird ebenfalls kaum gesprochen. Den Touristen aus dem Westen scheint nicht aufzufallen, oder es stört sie nicht, dass die Ferienparks mit Stacheldraht umzäunt sind, der bis ins Meer reicht, um die Bewohner der umliegenden Siedlungen davon abzuhalten, sich den Touristen zu nähern.

Vor den kommunistischen Widerwärtigkeiten verschließt der Westen gern die Augen. Die verheerenden Folgen der Castro-Diktatur werden lieber der Blockade durch die Amerikaner zugeschrieben als dem Verursacher. Castro hat das Land viel zu lange unter seiner Knute gehabt. Nun hat der Tod vollbracht, was die Kubaner aus eigener Kraft nicht vermochten: Kuba ist von seinem schlimmsten Feind befreit.

Man kann für das Land und für die Kubaner nur hoffen, dass sie die Chance nutzen, die ihnen der Tod Castros eröffnet, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und Kuba zu dem karibischen Paradies zu machen, das es von Natur aus sein könnte.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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