18. November 2016

Kanzlerkandidatenwahl in der CDU Urabstimmung jetzt!

Kann sich die Partei emanzipieren?

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Bildquelle: 360b / Shutterstock.com Angela Merkel: Halten die Begeisterungsstürme an?

Nachdem die Wähler des neuen Bundespräsidenten bequem auf ein Foto passen und die Bundesversammlung aus Gründen der Kostenersparnis abgesagt werden könnte, steht uns am Sonntag das von den Medien lang erwartete nächste Politikspektakel ins Haus. Anlässlich eines Treffens von Präsidium und Vorstand der Partei, bei dem auch ein „Zukunftsprogramm“ bis zum Jahr 2021 vorgelegt werden soll, will La Merkel vor die CDU-Granden treten und endlich erklären: „La candidate, c‘est moi.“ Dann wird es für die Parteifunktionäre heikel, denn sie müssen mit ihrem Begeisterungssturm die Delegierten des letzten Parteitags übertreffen, die mit zehn Minuten Applaus Maßstäbe gesetzt haben. Bis Sonntag ist nicht mehr viel Zeit zum Trainieren. Noch problematischer wird es dann auf dem Akklamationsparteitag. Da müssten es mindestens 13 Minuten sein, um ausreichende Unterstützung zu demonstrieren. Aber nein, es wird ja leider gewählt. Die größere Herausforderung ist also, 100 Prozent Stimmen für die Kandidatin zu bekommen.

Ist die Kandidatin gekürt, ist die Wiederholung des Kohl-Desasters kaum zu befürchten, denn notfalls regiert die Kanzlerin auch mit einer Vier-Parteien-Koalition. Die „Machtoption“ ist alles, Verantwortung für das Land ist nichts. Ohnehin ist die Zukunft laut CDU-Planung schon 2021 wieder zu Ende. Im Sozialismus hat man sich wenigstens noch Fünfjahrespläne zugetraut. Aber die vierte Amtszeit von Merkel endet schon nach vier Jahren, und danach gilt offenbar: Nach uns die Sintflut!

Norbert Röttgen mit seiner Verkündung war der Versuchsballon. Es sollte offenbar getestet werden, wie die Reaktionen auf Merkels Kandidatur in den Medien sind. Kanzlerin Merkel schaut nicht dem Volk aufs Maul, sondern auf die Berichte in den Medien. Wie uns Sigmar Gabriel mal verraten hat, liest sie sogar höchstpersönlich die Protokolle der Bundespressekonferenz. Wer so beschäftigt ist, hat natürlich keine Zeit für die banalen Fragen, die von der Realität aufgeworfen werden. Außer den Hofmedien gibt es noch die Umfrageinstitute. Eines davon hat nach Röttgens Vorstoß in einer Blitzumfrage herausgefunden, dass 58 Prozent der Deutschen eine neue Kanzlerschaft von Merkel wollen.

Hoppla, lief da nicht was schief? Ich wäre bereit, für ein symbolisches Beraterhonorar von einem Euro den Demoskopen zu verraten, wo sie eine mindestens 95-Prozent-Zustimmung für Merkel erhalten: In den ethnisch homogenen Vierteln der Wohlstandsgrünen, die ihre üppigen Gehälter als Staatsbedienstete auf allen Ebenen verdienen und es der Kuh, die sie permanent melken, mit immer neuen Vorschriften und Gängeleien ständig schwerer machen, noch ausreichend Milch zu geben. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass die Kanzlerin bei der Opposition beliebter ist als bei der eigenen Partei und den eigenen Wählern.

Das christdemokratische Klientel soll bei der Stange gehalten werden mit der Drohung, wer Merkel die Stimme verweigere, befördere die Gefahr von Rot-Rot-Grün. Wobei sich die Gefahr auf die Person der Kanzlerin reduziert, denn die Politik dieser Koalition wäre die gleiche wie bisher, nur ohne Merkel.

Für die CDU gäbe es in der Opposition allerdings die Chance, sich zu regenerieren, zu ihrem Profil zurückzufinden und neues, glaubwürdiges Personal aufzubauen. Wenn die Partei eine Chance haben will, dann muss sie sich wieder in die eigenen Angelegenheiten einmischen. Die SPD hat es vorgemacht: In einer Urabstimmung wurde Gerhard Schröder zum Kanzlerkandidaten gewählt, der die Partei prompt an die Regierung gebracht hat.

Die CDU steht vor der Wahl, Merkel widerstandslos zu folgen und das Schicksal der italienischen Christdemokraten zu riskieren oder sich zu emanzipieren.

Eine Urabstimmung über die Kanzlerkandidaten wäre ein guter, nein, ein notwendiger Anfang.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog der Autorin.


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